{"id":715614,"date":"2026-01-13T17:40:12","date_gmt":"2026-01-13T17:40:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/715614\/"},"modified":"2026-01-13T17:40:12","modified_gmt":"2026-01-13T17:40:12","slug":"27-jaehriger-muss-in-haft-und-fast-eine-million-zurueckzahlen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/715614\/","title":{"rendered":"27-J\u00e4hriger muss in Haft und fast eine Million zur\u00fcckzahlen"},"content":{"rendered":"<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Hannover. Es war f\u00fcr ihn wohl so etwas wie eine Goldgrube, doch die Schw\u00e4chen im Abrechnungssystem f\u00fcr Corona-Testzentren hat er am Ende ein wenig zu plump ausgenutzt. Can G. (27), der w\u00e4hrend der Pandemie jeweils ein station\u00e4res Testzentrum in Gro\u00df-Buchholz (Karl-Wiechert-Allee) und Herrenhausen (Gretelriede) sowie mehrere mobile Angebote f\u00fcr Corona-Tests betrieben hat, musste sich am Dienstag, 13. Januar, vor dem Amtsgericht Hannover verantworten.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Der Vorwurf: ein massiver Abrechnungsbetrug. Von den Auszahlungen in H\u00f6he von exakt 968.333,03 Euro, die er von der Kassen\u00e4rztlichen Vereinigung (KVN) bekommen hatte, sind laut Anklage mindestens 877.058,33 Euro zu viel abgerechnet worden. Der Tatzeitraum: M\u00e4rz bis Oktober 2022.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die Beweislast war erdr\u00fcckend. Nachdem der Bank des Angeklagten aufgefallen war, dass Einnahmen und Ausgaben der Testzentren in einem extremen Missverh\u00e4ltnis zueinander standen, gab es eine Geldw\u00e4scheverdachtsmeldung. Eine Ermittlerin der Polizei sagte im Prozess aus, dass man daraufhin mehrere Zeugen befragt habe. Diese h\u00e4tten \u00fcberwiegend ausgesagt, dass sie nicht oder zumindest nicht in dem Umfang getestet worden seien, den der Angeklagte bei der KVN angegeben hatte.<\/p>\n<p>Namen wiederholen sich auff\u00e4llig<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Ein Datenexperte der Polizeidirektion hatte die Taten daraufhin systematisch durchk\u00e4mmt. Er erkl\u00e4rte vor Gericht, wie er schlie\u00dflich die Abrechnungsdaten scannte, die die Beh\u00f6rde von Softwareanbietern f\u00fcr Leistungsdokumentationen in Deutschland und der Schweiz angefordert hatte. Das Ergebnis: Die Positivrate war bei den Testzentren von Can G. in den meisten F\u00e4llen sehr viel niedriger als zum gleichen Zeitraum in der gesamten Region Hannover. Und sei er ins Detail gegangen, habe es immer mehr Merkw\u00fcrdigkeiten zu entdecken gegeben, so der Experte.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" alt=\"Das Corona-Testzentrum in der Bammer Landstra\u00dfe schlie\u00dft am Mittwoch (Symbolfoto).\" loading=\"lazy\"  src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/2XIICGCO4NEBPPINIUPGE73Z24.jpg\" \/><\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">So seien gem\u00e4\u00df der Daten immer wieder Personen in den Listen aufgetaucht, die innerhalb k\u00fcrzester Zeit mehrfach getestet wurden. Der Datenfachmann berichtete etwa von einem Fall vom 12. April 2022: \u201eEine Person ist dreimal negativ getestet worden, innerhalb von drei Minuten.\u201c Zudem habe es bei einem gro\u00dfen Teil der Testungen auff\u00e4llige Abfolgen von Personennamen gegeben, die sich immer wieder wiederholten. Teilweise habe das Gruppen von ann\u00e4hernd 200 Personen betroffen. Solch einen gro\u00dfen Zufall k\u00f6nne es nicht geben, insbesondere nicht in dieser H\u00e4ufung.<\/p>\n<p>Wo ist das Geld geblieben?<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Laut Anklage ist damit klar, dass ein Gro\u00dfteil der Testungen nie stattgefunden hat. Maximal 10 Prozent seien auch tats\u00e4chlich getestet worden, sagte die Staatsanw\u00e4ltin. Sie forderte eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und neun Monaten und die Einziehung der gesamten Summe, die von der KVN ausgezahlt worden war \u2013 also auch f\u00fcr die Tests, die stattgefunden haben. \u201eWer falsch abrechnet, hat gar nichts verdient\u201c, fasste sie ihre Begr\u00fcndung zusammen.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Doch zu holen ist bei dem Angeklagten wohl nicht viel. Seine Anw\u00e4lte Christoph Rautenstengel und Velit T\u00fcmenci berichteten, dass ihr Mandant und dessen Verlobte im Dezember 2022 von bewaffneten T\u00e4tern \u00fcberfallen worden seien. Diese h\u00e4tten einen Gro\u00dfteil des Geldes entwendet. Verteidiger Rautenstengel sprach von bis zu 600.000 Euro, die wohl weg sind \u2013 beschlagnahmt werden konnten laut Polizei bislang nur etwa 1500 Euro. Der \u00dcberfall soll auch in einem Zusammenhang mit dem Betreiber anderer Testzentren stehen, gegen den im Februar ein Prozess beginnt. Hier soll es sogar um mehr als 1,5 Millionen Euro gehen.<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Die Verteidigung forderte eine Bew\u00e4hrungsstrafe f\u00fcr ihren bis dahin nicht vorbestraften Mandanten, der zum Schluss dann doch noch das letzte Wort vor Gericht nutzte. \u201eIch bereue alles zutiefst\u201c, sagte Can G. Richter Laurin Osterwold glaubte ihm nicht, nannte die Geschichte vom \u00dcberfall \u201eeine R\u00e4uberpistole\u201c, die der Angeklagte nicht aufgekl\u00e4rt habe.<\/p>\n<p class=\"Textstyled__Text-sc-1cqv9mi-0 cLyiiX\">Er verurteilte G. zu zwei Jahren und sieben Monaten Haft. Und auch beim Geld blieb er hart. Einzuziehen sei die gesamte Summe von gut 968.000 Euro. F\u00fcr Anwalt Rautenstengel ist das nicht akzeptabel: \u201eWir werden Rechtsmittel einlegen.\u201c<\/p>\n<p class=\"Editorialstyled__Editorial-sc-1bfvh9l-0 cSmjnJ\">HAZ<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Hannover. 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