{"id":716898,"date":"2026-01-14T05:42:20","date_gmt":"2026-01-14T05:42:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/716898\/"},"modified":"2026-01-14T05:42:20","modified_gmt":"2026-01-14T05:42:20","slug":"die-putin-app-vor-der-sogar-regimetreue-beamte-angst-haben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/716898\/","title":{"rendered":"Die Putin-App, vor der sogar regimetreue Beamte Angst haben"},"content":{"rendered":"<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Glaubt man dem russischen Fernsehen, dann ist es eine Entwicklung zum Guten: Seit Monaten f\u00e4llt in ganz Russland immer wieder das mobile Internet aus \u2013 mal f\u00fcr Stunden, mal f\u00fcr Tage, mal auf unbestimmte Zeit. Aber die Moderatorin des Staatssenders \u201eRossija 1\u201c findet das wunderbar: \u201eStatt\u00a0am Smartphone zu h\u00e4ngen, gehen die Menschen spazieren und unterhalten sich mit Freunden und Angeh\u00f6rigen\u201c, jubilierte sie in der Nachrichtensendung \u201eWesti\u201c.\u00a0<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Im Lokalsender des Gebiets Krasnodar erkl\u00e4rte ein Psychologe den Zuschauern die gesundheitlichen Vorteile einer Auszeit vom Internet: Man beginne wieder, sich an den kleinen Dingen des Lebens zu freuen. Eine andere Sendung warnte davor, die Menschen bek\u00e4men einen Buckel, wenn sie sich zu lange \u00fcber ihre Handys beugten.<\/p>\n<p>Staat behauptet, das Internet raube den Russen Lebensqualit\u00e4t<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Folgt man dieser Logik, dann haben die Russen diese deutliche Verbesserung ihrer Lebensqualit\u00e4t ukrainischen Drohnenangriffen zu verdanken. Denn diese sind der Grund daf\u00fcr, dass Mobilfunkanbieter in vielen Regionen Russlands inzwischen fast t\u00e4glich das mobile Internet abschalten.\u00a0<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Viele Drohnen sind mit SIM-Karten best\u00fcckt, w\u00e4hlen sich in das lokale Netz ein und k\u00f6nnen dann von ihren Absendern ferngesteuert werden \u2013 sie \u00fcbertragen so Livebilder von ihrem Einsatzort. Der Internet-Shutdown soll verhindern, dass sie ihre Ziele treffen, denn die Ukrainer haben vornehmlich R\u00fcstungsbetriebe, Raffinerien oder Milit\u00e4ranlagen im Visier.<\/p>\n<p><img class=\"ThumborPicture_image__404Vg\" alt=\"Middle East News - May 9, 2025\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/KEmxmzvZrChX2idijWLU3SiJrN0zZ8w8ObEwIby0bZg.jpg\" width=\"480\" height=\"296\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1768369334_795_KEmxmzvZrChX2idijWLU3SiJrN0zZ8w8ObEwIby0bZg.jpg\" alt=\"Middle East News - May 9, 2025\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Erstmals griffen die Beh\u00f6rden am 9. Mai vergangenen Jahres zu dieser drakonischen Ma\u00dfnahme. Weil man im Kreml f\u00fcrchtete, die Ukrainer k\u00f6nnten die gro\u00dfe Milit\u00e4rparade zum 80. Jahrestag des Sieges \u00fcber Hitlerdeutschland st\u00f6ren, wurde in mehreren St\u00e4dten das mobile Internet f\u00fcr einige Stunden abgeschaltet.\u00a0<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Drei Wochen sp\u00e4ter \u00fcberraschte die ukrainische \u201eOperation Spinnennetz\u201c die russische Flugabwehr: An mehreren Orten im Land stiegen Schw\u00e4rme ferngelenkter Drohnen aus pr\u00e4parierten Lastwagen auf und zerst\u00f6rten insgesamt mehr als ein Dutzend russische Milit\u00e4rflugzeuge am Boden.\u00a0<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Nur Minuten sp\u00e4ter waren Videos der Aktion weltweit in allen Nachrichten zu sehen \u2013 zu den strategischen Verlusten kam auch noch die Dem\u00fctigung vor der globalen \u00d6ffentlichkeit.<\/p>\n<p><img class=\"ThumborPicture_image__404Vg\" alt=\"Russia Bombers Hit\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/_56T2xlAxqdLTc-gGDdHw3kv5Bgq7hWcYqlcd1HOvVE.jpg\" width=\"480\" height=\"320\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1768369336_385__56T2xlAxqdLTc-gGDdHw3kv5Bgq7hWcYqlcd1HOvVE.jpg\" alt=\"Russia Bombers Hit\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Seitdem wird in vielen Regionen des Landes fast t\u00e4glich das mobile Internet abgeschaltet. Der Gouverneur des Gebiets Uljanowsk riet den Bewohnern des etwa 700 Kilometer \u00f6stlich von Moskau an der Wolga gelegenen Gebiets unl\u00e4ngst, sie sollten sich einfach darauf einstellen, dass das Internet \u201ebis zum Ende der Spezialoperation\u201c nicht mehr verf\u00fcgbar sein werde.\u00a0<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Der Gouverneur der Oblast Nischni Nowgorod empfahl seinen B\u00fcrgern, die St\u00f6rung als \u201eheilsame Ma\u00dfnahme\u201c aufzufassen. Auf keinen Fall sollen die Menschen einen Zusammenhang herstellen zwischen der Verschlechterung ihrer Lebensumst\u00e4nde und dem als \u201eSpezialoperation\u201c verharmlosten Angriffskrieg auf die Ukraine, den ihr Pr\u00e4sident Wladimir Putin befohlen hatte. Sie leiden bereits unter der Benzinknappheit und der allgemeinen Teuerung \u2013 jetzt kommt die digitale Austrocknung dazu.<\/p>\n<p>Die Menschen empfinden die Ma\u00dfnahme als Schikane<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Der zwangsverordnete Internet-Detox kommt bei den Menschen allerdings nicht gut an. Schlie\u00dflich betrifft der Ausfall des mobilen Internets keinesfalls nur Dienste, die zum Zeitvertreib genutzt werden, wie etwa Instagram. Fr\u00fcher noch als hierzulande hat die Digitalisierung den russischen Alltag durchdrungen. L\u00e4ngst haben sich die Russen daran gew\u00f6hnt, in jedem Kiosk mit dem Handy zu bezahlen, das Taxi \u00fcber die App zu rufen, Bankgesch\u00e4fte und sogar Beh\u00f6rdenangelegenheiten von unterwegs aus zu erledigen.<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Aus allen Regionen des Riesenlandes berichten ver\u00e4rgerte B\u00fcrger, wie die Blockade des Internets ihnen das Leben schwer macht: Gesch\u00e4fte k\u00f6nnen keine Kartenzahlungen mehr annehmen und verlieren einen gro\u00dfen Teil ihres Umsatzes. Genauso gehen die Ums\u00e4tze f\u00fcr Online-Reklame und Webshops zur\u00fcck. Geldautomaten funktionieren nicht. Taxifahrer bekommen keine Auftr\u00e4ge und Kunden keine Taxis. Wer ein Carsharing-Auto leihen m\u00f6chte, muss sich einen WiFi-Zugang in der N\u00e4he suchen, das Auto entsperren \u2013 und dann zum Wagen rennen, bevor es sich wieder verschlie\u00dft.<\/p>\n<p><img class=\"ThumborPicture_image__404Vg\" alt=\"Russia Daily Life in Moscow\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1BIlBOdPlgKTddWVWZQaqWV95xtdj1bDV2maySm-Mu4.jpg\" width=\"480\" height=\"308\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1768369338_631_1BIlBOdPlgKTddWVWZQaqWV95xtdj1bDV2maySm-Mu4.jpg\" alt=\"Russia Daily Life in Moscow\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Zwar hat die Zensurbeh\u00f6rde \u201eRoskomnadsor\u201c inzwischen sogenannte Positivlisten mit einer kleinen Zahl von Anwendungen genehmigt, die auch w\u00e4hrend eines Internet-Shutdowns funktionieren sollen \u2013 Taxidienste, Lieferdienste, Beh\u00f6rden. Allerdings klappt das in der Praxis nicht immer.<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Und ob das Abschalten des mobilen Internets tats\u00e4chlich zu mehr Sicherheit bei den Drohnenangriffen beitr\u00e4gt, bleibt derweil fraglich: Viele Nutzer beklagen, dass sie fr\u00fcher \u00fcber Apps oder Telegram-Kan\u00e4le vor herannahenden Drohnen gewarnt wurden. Jetzt aber erreichen sie die Warnungen nicht mehr.\u00a0<\/p>\n<p>Ukrainische Drohnenangriffe gelten als Vorwand<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Und inzwischen sind die unbemannten Flugk\u00f6rper ohnehin nicht zwingend auf das Internet angewiesen \u2013 sie finden ihre Ziele auch alternativ per Satelliten- oder Tr\u00e4gheitsnavigation. Die Russen verd\u00e4chtigen ihre Regierung daher, sie nutze die Bedrohung durch Drohnen nur als Vorwand, damit die B\u00fcrger sich an ein Leben ohne Internet gew\u00f6hnten.<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Denn gleichzeitig mit der immer h\u00e4ufigeren Abschaltung des mobilen Internets wurden weitere Einschr\u00e4nkungen beschlossen. Seit Mitte August sind Sprach- und Videoanrufe \u00fcber WhatsApp und Telegram auf Anordnung der Zensurbeh\u00f6rde Roskomnadsor blockiert. Mittelfristig sollen sie ganz vom russischen Markt verschwinden.\u00a0<\/p>\n<p>\u201eMax\u201c soll die B\u00fcrger belauschen\u00a0<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">An ihrer Stelle will der Staat einen eigenen \u201enationalen Messenger\u201c etablieren. Die App mit dem Namen \u201eMax\u201c wird seit dem Sommer mit gro\u00dfem Werbeaufwand verbreitet, allerdings nur z\u00f6gerlich angenommen. Denn bislang funktioniert die neue Super-App nur holprig. Nutzer klagen \u00fcber schlechte Sprachqualit\u00e4t bei Audionachrichten, es sind fast nur staatliche Nachrichtenkan\u00e4le zu empfangen. Berichten russischer Medien zufolge f\u00fcrchten selbst regimetreue Beamte, dass \u201eMax\u201c sie belauscht und dem Geheimdienst Zugang zu ihren Smartphones verschafft.<\/p>\n<p><img class=\"ThumborPicture_image__404Vg\" alt=\"Russia Putin\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/T1rSk7M6sZQLZiRkyTc5m5lM3zfneUhNntOasZc1S54.jpg\" width=\"480\" height=\"720\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\"\/><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1768369340_66_T1rSk7M6sZQLZiRkyTc5m5lM3zfneUhNntOasZc1S54.jpg\" alt=\"Russia Putin\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Derweil macht der Staat Druck: Schulen mussten die Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern auf den nationalen Messenger umstellen.\u00a0Hochschulen und Beh\u00f6rden sind ebenfalls nur noch \u00fcber \u201eMax\u201c erreichbar.<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Die Einschr\u00e4nkungen werden unterdessen weiter ausgeweitet. Seit 11. September gilt eine Quarant\u00e4ne f\u00fcr SIM-Karten nach der R\u00fcckkehr aus dem Roaming: Wer von einer Auslandsreise zur\u00fcckkommt, hat 24 Stunden keinen Empfang. Das bereitet besonders Bewohnern grenznaher Regionen Probleme, wie etwa in der Exklave Kaliningrad. Sobald sich ein Handy einen Funkmast im benachbarten Polen oder Litauen sucht, ist es anschlie\u00dfend f\u00fcr 24 Stunden vom russischen Netz abgeschnitten.<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">Die Positivlisten mit Anwendungen, die auch im Shutdown funktionieren, k\u00f6nnten ein Vorgeschmack auf die Zukunft sein, bef\u00fcrchten Experten. Bisher hatte die Zensurbeh\u00f6rde \u201eRoskomnadsor\u201c gezielt Websites oppositioneller Medien und sogenannter \u201eunerw\u00fcnschter\u201c Organisationen gesperrt.\u00a0<\/p>\n<p class=\"sc-17d8dcc2-0 kkRKtT\">K\u00fcnftig k\u00f6nnte es umgekehrt sein: Nur ausgew\u00e4hlte und dem Regime genehme Seiten w\u00fcrden zugelassen. Alles andere bliebe drau\u00dfen. Nach diesem Prinzip funktioniert die gro\u00dfe chinesische Firewall. Die gesetzlichen Voraussetzungen hat die Regierung k\u00fcrzlich geschaffen. Ab 1. M\u00e4rz erh\u00e4lt Roskomnadsor formal das Recht, das ganze Land vom weltweiten Internet abzutrennen.<\/p>\n<p><a class=\"Article_homeBtn__kEoMA Button_secondary__PNkAv Button_base__GoPte Tokens_buttonLabel__UEWx8\" href=\"https:\/\/www.focusplus.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zur Startseite<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Glaubt man dem russischen Fernsehen, dann ist es eine Entwicklung zum Guten: Seit Monaten f\u00e4llt in ganz Russland&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":716899,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[4013],"tags":[331,332,13,14,15,16,4043,4044,850,307,12],"class_list":{"0":"post-716898","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-russland","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-headlines","11":"tag-nachrichten","12":"tag-news","13":"tag-politik","14":"tag-russia","15":"tag-russian-federation","16":"tag-russische-foederation","17":"tag-russland","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115891860268330756","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/716898","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=716898"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/716898\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/716899"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=716898"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=716898"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=716898"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}