{"id":717001,"date":"2026-01-14T06:50:10","date_gmt":"2026-01-14T06:50:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/717001\/"},"modified":"2026-01-14T06:50:10","modified_gmt":"2026-01-14T06:50:10","slug":"wenn-die-krankenkasse-die-intensivpflege-daheim-nicht-mehr-zahlt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/717001\/","title":{"rendered":"Wenn die Krankenkasse die Intensivpflege daheim nicht mehr zahlt"},"content":{"rendered":"<p>&#8222;Man f\u00fchlt sich so ausgeliefert an einen \u00fcberm\u00e4chtigen Player&#8220;, sagt Susanne Zehetbauer aus M\u00fcnchen im R\u00fcckblick. Im M\u00e4rz vergangen Jahres k\u00fcndigte ihre Krankenkasse an, dass sie den Pflegedienst f\u00fcr ihre schwerstbehinderte Tochter nicht mehr zahlen werde. Tochter Sonja k\u00e4mpft um ihr Leben, jeden Tag. Sie hat Krampfanf\u00e4lle, kann sich nicht bewegen, nicht reden, nicht essen. Die 30-J\u00e4hrige ist in einem Wachkoma-\u00e4hnlichen Zustand. Das war nicht immer so: Bis zu ihrer Einschulung war Sonja gesund. Bis sie pl\u00f6tzlich im Rahmen eines Fieberinfekts bewusstlos wurde. Die gr\u00f6\u00dfte Sorge ist, dass sie ersticken k\u00f6nnte. Deswegen braucht sie 24 Stunden am Tag &#8222;Au\u00dferklinische Intensivpflege&#8220;, kurz AKI. Neben ihrem Bett stehen ein Beatmungsger\u00e4t sowie Kontroll-Monitore. <\/p>\n<p>Kosten: etwa 50.000 Euro im Monat<\/p>\n<p>Sozialanwalt Philipp Koch vertritt die Rechte von Sonja gegen\u00fcber der Krankenkasse. Seit er Widerspruch eingelegt hat, zahlt die Kasse weiterhin. Seiner Einsch\u00e4tzung nach sei es kein b\u00f6ser Wille der Kassen, wenn sie AKI-Zahlungen einstellen, sondern rein wirtschaftliches Denken. &#8222;Es geht um 50.000 Euro im Monat, die so eine Versorgung pro Einzelfall kostet&#8220;, sagt der Anwalt angesichts der finanziellen Situation der Kassen. <\/p>\n<p>Seit Einf\u00fchrung der Potentialerhebung bei AKI: Immer mehr Familien melden Zahlungs-Stopp der Kassen<\/p>\n<p>Sonjas Geschichte ist kein Einzelfall. Seit einer Gesetzes\u00e4nderung im November 2023 berichten immer mehr Familien von der pl\u00f6tzlichen K\u00fcndigung von AKI-Leistungen. Damals wurde die sogenannte Potentialerhebung eingef\u00fchrt. AKI-Patienten wie Sonja m\u00fcssen nun regelm\u00e4\u00dfig &#8222;am Leistungsort&#8220; begutachtet werden. Es wird gepr\u00fcft, ob die sozialmedizinischen Auflagen f\u00fcr AKI erf\u00fcllt werden. <\/p>\n<p>Auch der Sozialverband VDK Bayern verzeichnet in den letzten Monaten einen Anstieg der Beratungen mit Bezug auf AKI-K\u00fcndigungen. Sozialanwalt Koch sagt sogar, 2025 habe sich die Zahl seiner Mandate, bei denen es um die Streichung von AKI geht, gegen\u00fcber 2024 verdoppelt. <\/p>\n<p>Gemeinsamer Bundesausschuss: Qualit\u00e4tssicherung<\/p>\n<p>Laut dem Gemeinsamen Bundesausschuss, dem h\u00f6chsten Entscheidungsgremium im deutschen Gesundheitswesen, dient die Potentialerhebung der Qualit\u00e4tssicherung. Aber f\u00fcr Sonja bringt die keine Verbesserung: Ihr gesundheitlicher Zustand ist seit Langem gleich. Trotzdem hat auch Sonjas Kasse die Weiterzahlung nur f\u00fcr ein Jahr bewilligt. Susanne Zehetbauer ist noch regelrecht traumatisiert von der letzten Absage. Sie hat Angst, ihren Anwalt nun regelm\u00e4\u00dfig einschalten zu m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Nachfrage bei Medizinischem Dienst und Kassen<\/p>\n<p>Wir fragen nach Zahlen, wie vielen Familien mit schwerstbehinderten Kindern es \u00e4hnlich geht. Zuerst beim Medizinischen Dienst (MD) Bayern, der die unabh\u00e4ngigen Gutachten im Auftrag der Kassen erstellt. Auf Anfrage erkl\u00e4rt Christine Adolph, stellvertretende Vorstandsvorsitzende vom MD Bayern, dass sich durch die neue Gesetzgebung die Begutachtungsergebnisse nicht wesentlich ver\u00e4ndert h\u00e4tten: &#8222;Die Voraussetzungen f\u00fcr au\u00dferklinische Intensivpflege zeigen sich auf mindestens gleichem Niveau erf\u00fcllt.&#8220; Die Zahlen der Krankenkassen lassen kein klares Bild zu. Allerdings ist unklar, wie viele Menschen die Pflegema\u00dfnahmen erst nach einem Rechtsstreit weitergezahlt bekommen haben \u2013 ganz so, wie es bei Susanne Zehetbauer der Fall war. Ihr gr\u00f6\u00dfter Wunsch: dauerhaft Sicherheit haben, dass ihre Tochter Sonja intensivmedizinisch daheim gut versorgt werden kann, mit einer gesicherten Finanzierung ihrer Kasse.<\/p>\n<ul>\n<li>Hinweis: Die ganze Recherche h\u00f6ren Sie heute um 12.17 Uhr in der Sendung Funkstreifzug im Radioprogramm von BR24 oder schon jetzt als Podcast in der ARD-Audiothek. <\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"&#8222;Man f\u00fchlt sich so ausgeliefert an einen \u00fcberm\u00e4chtigen Player&#8220;, sagt Susanne Zehetbauer aus M\u00fcnchen im R\u00fcckblick. 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