{"id":717048,"date":"2026-01-14T07:18:11","date_gmt":"2026-01-14T07:18:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/717048\/"},"modified":"2026-01-14T07:18:11","modified_gmt":"2026-01-14T07:18:11","slug":"trump-und-europa-was-die-geschichte-ueber-den-amerikanischen-blick-auf-europa-verraet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/717048\/","title":{"rendered":"Trump und Europa: Was die Geschichte \u00fcber den amerikanischen Blick auf Europa verr\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Seit dem zweiten Amtsantritt von <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/donald-trump\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Donald Trump<\/a> wird <a data-rtr-index=\"8\" title=\"Europa\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/europa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europa<\/a> immer wieder mit Bemerkungen bedacht, die zeigen, mit welcher Geringsch\u00e4tzung \u2013 bisweilen Verachtung \u2013 seine Regierung auf den Kontinent blickt. So warf Vizepr\u00e4sident J. D. Vance Europa ein Demokratiedefizit vor \u2013 woran die nationale Sicherheitsstrategie ankn\u00fcpft. Darin erkennt die amerikanische Regierung f\u00fcr Europa die Gefahr einer \u201ezivilisato\u00adrischen Ausl\u00f6schung\u201c, wof\u00fcr sie auch die EU verantwortlich macht.<\/p>\n<p><a data-rtr-index=\"19\" title=\"Donald Trump\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/donald-trump\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Trump<\/a> hat ohnehin nie einen Hehl daraus gemacht, dass die EU seiner Meinung nach nur gegr\u00fcndet wurde, um die USA \u00fcber den Tisch zu ziehen. Den <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/nato\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">NATO<\/a>-Staaten warf er schon in seiner ersten Amtszeit vor, Amerika f\u00fcr ihre Sicherheit zahlen zu lassen. Gr\u00f6nland will er \u201ehaben\u201c, ohne gr\u00f6\u00dfere Bedenken hinsichtlich der real existierenden Grenzen. D\u00e4nemark k\u00f6nne, so Trump, nicht f\u00fcr die Sicherheit der Insel garantieren. \u201eUm die Sicherheit in Gr\u00f6nland zu verst\u00e4rken, haben sie noch einen Hundeschlitten hinzugef\u00fcgt\u201c, lautete seine Einsch\u00e4tzung.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Europ\u00e4er m\u00f6gen sich durch dieses Gebaren vor den Kopf gesto\u00dfen f\u00fchlen, w\u00e4hnten sie sich doch mehrheitlich in ei\u00adner politischen, wirtschaftlichen und kulturellen N\u00e4he zu den Vereinigten Staaten. Doch war das Verh\u00e4ltnis der beiden Kon\u00adtinente schon immer von Ambivalenz gepr\u00e4gt: Mal blickten die Amerikaner mit Bewunderung auf die europ\u00e4ische Kultur, mal mit Abscheu. Neugier und Skepsis wechselten einander ebenso ab wie Phasen der Partnerschaft und der Entfremdung.<\/p>\n<p>Europa diente schon immer als Projektionsfl\u00e4che<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Abgrenzung von der \u201eAlten Welt\u201c ist Teil des amerikanischen Gr\u00fcndungsmythos. Seit die ersten Einwanderer in Nordamerika angekommen sind, diente Eu\u00adropa als Projektionsfl\u00e4che. Manchmal positiv \u2013 als Ort der Sehnsucht nach einer alten Heimat \u2013, sehr oft aber auch negativ. Der amerikanische Historiker C. Vann Woodward hat das einmal so zusammengefasst: Amerika \u201ewar ein Land von Unschuld, Tugend, Gl\u00fcckseligkeit und Freiheit gegen\u00fcber einem Europa aus Laster, Ignoranz, Elend und Tyrannei\u201c. Nur mit Gewalt erreichten die Amerikaner 1776 ih\u00adre Unabh\u00e4ngigkeit von Gro\u00dfbritannien. Ohne die robuste Abgrenzung von Europa g\u00e4be es die amerikanische Identit\u00e4t in ih\u00adrer heutigen Form vielleicht gar nicht.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch die nach dem amerikanischen Angriff auf <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/venezuela\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Venezuela<\/a> viel zitierte Dok\u00adtrin, die der f\u00fcnfte Pr\u00e4sident James Monroe knapp f\u00fcnfzig Jahre nach der Unabh\u00e4ngigkeit verk\u00fcndete, verfolgte das Ziel der Abgrenzung von Europa. Sie ist durchdrungen von der Skepsis gegen\u00fcber europ\u00e4ischen M\u00e4chten, die als potentiell gef\u00e4hrlich f\u00fcr Frieden und Sicherheit Ame\u00adrikas wahrgenommen werden. Mit der bei\u00adderseitigen Versicherung der Nichteinmischung sollte Europas Einfluss auf die westliche Hemisph\u00e4re so gering wie m\u00f6glich gehalten werden. Europa und Ame\u00adrika gelten in der Doktrin als grundverschieden. Das gesamte 19. Jahrhundert war gepr\u00e4gt von milit\u00e4rischer und b\u00fcndnispolitischer Distanz zwischen \u201eAlter Welt\u201c und \u201eNeuer Welt\u201c.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Auch das zwanzigste Jahrhundert kennt Phasen der Entfremdung. Im Kalten Krieg fanden Westeuropa und die USA zwar einen gemeinsamen Feind: den Kommunismus. Doch Erscheinungen wie die eu\u00adrop\u00e4ische Friedensbewegung riefen bei manchen amerikanischen Beobachtern Irritation hervor. Der Wegfall des ideologischen Feindes nach dem Fall des Eisernen Vorhangs lie\u00df die Wertegemeinschaft weiter erodieren.<\/p>\n<p>Der Irakkrieg als Tiefpunkt der Entfremdung<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eNiemand hat das Gef\u00fchl, dass Europa die Zukunft ist\u201c, konstatierte der kon\u00adservative Journalist David Brooks schon Mitte der Neunzigerjahre. Die Europ\u00e4er w\u00fcssten vielmehr, dass alle Entwicklungen in der \u201eNeuen Welt\u201c beg\u00e4nnen. \u201eDas Interessanteste an Westeuropa ist, wie langweilig es f\u00fcr die Amerikaner geworden ist\u201c, befand Brooks. Nach zwei Jahrhunderten, in denen man sich gegen Krieg aufgelehnt und <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/europa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Europa<\/a> gerettet habe, st\u00fcnden die Amerikaner den Europ\u00e4ern nun gleichg\u00fcltig gegen\u00fcber.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Gut f\u00fcnf Jahre sp\u00e4ter erreichte die Entfremdung einen Tiefpunkt, als Frankreich und Deutschland sich 2003 weigerten, den Krieg zum Sturz des irakischen Diktators <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/saddam-hussein\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Saddam Husseins<\/a> zu unterst\u00fctzen. Daf\u00fcr bekamen sie die H\u00e4me der Bush-Regierung zu sp\u00fcren. In einer Pressekonferenz bezeichnete Verteidigungsminister Donald Rumsfeld Deutschland und Frankreich als \u201ealtes Europa\u201c, als eine Welt von gestern. Er empfahl, den Blick Richtung Osten zu wenden, zu den neuen NATO-Mitgliedern. In Berlin und Paris war man entr\u00fcstet.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der neokonservative Vordenker Robert Kagan kam angesichts des Irakkriegs zu einem noch sch\u00e4rferen Urteil. \u201eAmerikaner sind vom Mars, und Europ\u00e4er sind von der Venus\u201c, schrieb er. Sie verst\u00fcnden einander immer weniger. Wobei das Gef\u00e4lle klar war: Die einen wurden mit dem starken Kriegsgott gleichgesetzt, die anderen mit der vermeintlich schwachen G\u00f6ttin der Liebe. Die Europ\u00e4er, beklagte Kagan sinngem\u00e4\u00df, verstecken sich hinter Ame\u00adrikas St\u00e4rke. Und die Amerikaner betrachteten Europa als \u201el\u00e4stig, irrelevant, naiv und undankbar, da es die amerikanische Macht ausnutzt\u201c \u2013 w\u00e4hrend es sich selbst aus milit\u00e4rischen Konflikten heraushalten wolle.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Diese Einsch\u00e4tzung hat unter Donald Trump wieder Konjunktur \u2013 auch wenn er selbst viele neokonservative Ideen ablehnt. Den Irakkrieg bezeichnete er einst als \u201edicken, fetten Fehler\u201c. Doch wenn Vizepr\u00e4sident Vance in einer Signal-Chatgruppe zum Angriff auf die <a href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/huthi\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Huthi-Miliz<\/a> im Jemen mitteilt, er hasse es, Europa wieder aus der Patsche zu helfen, und Verteidigungsminister Pete Hegseth wissen l\u00e4sst, er teile diese \u201eAbscheu f\u00fcr die eu\u00adrop\u00e4ischen Schmarotzer\u201c, dann ist zwar der Ton neu. Die Ressentiments sind es nicht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit dem zweiten Amtsantritt von Donald Trump wird Europa immer wieder mit Bemerkungen bedacht, die zeigen, mit welcher&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":717049,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-717048","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115892237406658131","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/717048","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=717048"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/717048\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/717049"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=717048"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=717048"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=717048"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}