{"id":717814,"date":"2026-01-14T14:22:15","date_gmt":"2026-01-14T14:22:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/717814\/"},"modified":"2026-01-14T14:22:15","modified_gmt":"2026-01-14T14:22:15","slug":"leipzig-neues-buch-rechnet-mit-bilderstreit-zu-ddr-kunst-ab","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/717814\/","title":{"rendered":"Leipzig: Neues Buch rechnet mit Bilderstreit zu DDR Kunst ab"},"content":{"rendered":"<p class=\"text\">\nAls &#8222;schrecklichen Kampf&#8220; bezeichnete Schriftstellerin Linde Rotta den Leipziger Bilderstreit \u2013 eine der hitzigsten Kulturdebatten der Nachwendezeit, die neun Jahre lang die Leipziger Stadtgesellschaft spaltete. Alles begann 2006, als die Universit\u00e4t Leipzig entschied, <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/kultur\/ausstellungen\/leipzig-kunst-werner-tuebke-portraet-104.html\" title=\"Werner T\u00fcbke: Bedeutender Maler in der DDR und Mitbegr\u00fcnder der Leipziger Schule\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Werner T\u00fcbkes<\/a> monumentales Gem\u00e4lde &#8222;Arbeiterklasse und Intelligenz&#8220; auch im neuen Hauptgeb\u00e4ude der Universit\u00e4t aufzuh\u00e4ngen. F\u00fcr den Schriftsteller Erich Loest ein Affront.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDas 1973 entstandene Auftragswerk verk\u00f6rperte f\u00fcr ihn die Sicht der &#8222;herrschenden Klassen&#8220; der DDR und blendete deren Opfer aus. Loest wollte ein Gegengewicht schaffen. Auf eigene Kosten beauftragte er den K\u00fcnstler Reinhard Minkewitz mit dem Bild &#8222;Aufrecht stehen&#8220; \u2013 ein Werk, das an die politisch Verfolgten der Leipziger Alma Mater erinnern sollte. Erst 2015 fand das Bild schlie\u00dflich seinen Platz in der Universit\u00e4t. <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/kuenstlerspur-leipzig-kultur-news-102.html\" title=\"Leipzig: K\u00fcnstlerspur erinnert an Kreative der DDR und Nachkriegszeit\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Erich Loest<\/a> hat es nicht mehr erlebt.\n<\/p>\n<p><a name=\"E\">E<\/a>ssay als eine Art Abrechnung<\/p>\n<p class=\"text\">\nJetzt, zum 100. Geburtstag Erich Loests, meldet sich Linde Rotta zu Wort. Die bald 89-j\u00e4hrige Journalistin, Schriftstellerin und langj\u00e4hrige Lebensgef\u00e4hrtin Loests hat einen Essay ver\u00f6ffentlicht: &#8222;Rost war die Farbe der Zeit&#8220;. Darin beschreibt sie eindrucksvoll, wie sie den Leipziger Bilderstreit erlebt hat \u2013 pers\u00f6nlich, emotional, und mit Blick auf die gesellschaftlichen Br\u00fcche jener Jahre. Den Essay auch als eine &#8222;Abrechnung&#8220; zu bezeichnen, sei nicht \u00fcbertrieben, so Linde Rotta.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Denn ich habe gemerkt, dass einige, die vorher sehr gegen das Bild waren und die mir eigentlich nur Schwierigkeiten gemacht hatten, pl\u00f6tzlich anfingen, sich das sozusagen an das eigene Revers zu heften, dass sie da mitgearbeitet haben&#8220;, erz\u00e4hlt Linde Rotta im Gespr\u00e4ch mit MDR KULTUR. Das habe sie ge\u00e4rgert. Und sie sei nun mit 89 Jahren in einem Alter, wo sie alles sagen k\u00f6nne. &#8222;Ich h\u00e4tte den Druck selber bezahlt, wenn es h\u00e4tte sein m\u00fcssen.&#8220;\n<\/p>\n<p>Loest kontra T\u00fcbke: Pers\u00f6nliche Erinnerungen an den &#8222;Leipziger Bilderstreit&#8220;<\/p>\n<p class=\"text\">\nLinde Rotta sagt diese S\u00e4tze mit eben jener Mischung aus Emp\u00f6rung und pointiertem Spott, die den Leser an vielen Stellen in ihrem Essay &#8222;Rost war die Farbe der Zeit&#8220; geradezu anspringt. Mit der Ver\u00f6ffentlichung von Briefen, Gedankenprotokollen und pers\u00f6nlichen Notizen schildert Linde Rotta, wie sie den Leipziger Bilderstreit erlebt hat, wie Erich Loest ihn erlebt hat, welche Haltungen in der Stadtgesellschaft eingenommen wurden und welche eben nicht.\n<\/p>\n<p><a name=\"Maler\">Maler aus Leipzig<\/a> von Loests Engagement beeindruckt<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;Vielleicht war diese Bild-Idee von Erich Loest zwar richtig in der Zeit, aber scheinbar noch zu fr\u00fch gewesen&#8220;, vermutet heute der Maler Reinhard Minkewitz. Er selbst war damals von Loests Engangement stark beeindruckt: &#8222;Ich war v\u00f6llig platt, wie er \u00fcber diese lange Zeit diesen Gedanken an ein Bild hochhielt und glaubte, dass ein Bild wichtig f\u00fcr die gesamte Diskussionslandschaft ist.&#8220;  Zu Minkewitz Erstaunen h\u00e4tten das die Hochschulverantwortlichen so nicht gesehen. &#8222;Umso mehr freue ich mich jetzt, dass es jetzt angekommen ist und wir schon sch\u00f6ne Veranstaltungen vor diesem Bild hatten&#8220;.\n<\/p>\n<blockquote>\n<p class=\"text\">Ich war v\u00f6llig platt, wie er \u00fcber diese lange Zeit diesen Gedanken an ein Bild hochhielt und glaubte, dass ein Bild wichtig f\u00fcr die gesamte Diskussionslandschaft ist.<\/p>\n<p>Reinhard Minkewitz, Maler<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"text\">\nSo auch im Oktober 2023. Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung erinnerte die <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/leipzig\/leipzig-leipzig-land\/uniriese-city-hochhaus-kunst-licht-augustusplatz-100.html\" title=\"Stadt Leipzig l\u00e4sst sein h\u00f6chstes Geb\u00e4ude am Augustusplatz leuchten\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Stadt Leipzig<\/a> vor dem Minkewitz-Gem\u00e4lde an den zuvor verstorbenen <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/chemnitz\/vogtland\/ddr-autor-reichenbach-gedenktafel-juergen-fuchs-100.html\" title=\"Reichenbach ehrt J\u00fcrgen Fuchs: Neue Stele f\u00fcr den DDR-B\u00fcrgerrechtler\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">B\u00fcrgerrechtler<\/a> und Politiker Werner Schulz.\n<\/p>\n<p>B\u00fcrgerrechtler Werner Schulz brachte Stadt zum Einlenken<\/p>\n<p class=\"text\">\nAuch Linde Rotta w\u00fcrdigt Werner Schulz und sein Wirken in ihrem Essay \u2013 hatte er doch mit seiner Trauerrede f\u00fcr Erich Loest den finalen Stein im Leipziger Bilderstreit ins Rollen gebracht. Diese habe schlie\u00dflich dazu gef\u00fchrt, dass Loests Gegenbild zu <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/nachrichten\/sachsen\/chemnitz\/zwickau\/ausstellung-wismut-sonnensucher-kunst-bergbau-kultur-news-102.html\" title=\"DDR-Kunst in Zwickau: Ausstellung \u00fcber Wismut ist Publikumsmagnet \" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">T\u00fcbkes Gem\u00e4lde<\/a> doch noch aufgeh\u00e4ngt wurde.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\n&#8222;W\u00e4re nicht diese unglaubliche Trauerrede in der Nikolaikirche von Werner Schulz gewesen&#8220;, erz\u00e4hlt Linde Rotta, &#8222;die hat im Grunde sowohl die Stadt als auch die Universit\u00e4t moralisch gezwungen, nicht nein zu sagen. Denn die Trauerrede ist in ganz Deutschland ver\u00f6ffentlicht worden.&#8220;  Dennoch sei es noch zu Verz\u00f6gerungen gekommen.\n<\/p>\n<p><a name=\"Bl\">Bl<\/a>ick in Geschichte Leipzigs und der DDR<\/p>\n<p class=\"text\">\nDiesen Kampf nachzuempfinden, ihn festzuhalten, der Wut auch ein Ventil zu geben, das, so scheint es, war das Ansinnen dieses Essays. Doch &#8222;Rost war die Farbe der Zeit&#8220; geht weit \u00fcber Gef\u00fchle hinaus. Es ist R\u00fcckschau, Betrachtung, die Sicht einer Zeitzeugin und Chronistin. Linde Rotta beschr\u00e4nkt sich in ihrem Essay nicht auf die Jahre des Bilderstreits von 2006 bis 2015.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nDie letzte Lebensgef\u00e4hrtin des 2013 verstorbenen Schriftstellers Erich Loest wagt den Blick tief in die Geschichte Leipzigs und der DDR. Erinnert an die <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/politik-gesellschaft\/kirche\/sprengung-paulinerkirche-leipzig-walter-ulbricht-100.html\" title=\"30.05.1968: Sprengung der Leipziger Universit\u00e4tskirche\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Sprengung der Paulinerkirche<\/a>, an den <a href=\"https:\/\/www.mdr.de\/geschichte\/ddr\/wirtschaft\/wismut\/volksaufstand-keine-proteste-100.html\" title=\"17. Juni 1953: Die Wismut und der Volksaufstand\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">17. Juni 1953<\/a>, schildert biografische Eckpfeiler aus dem Leben Erich Loests, dessen Bedeutung f\u00fcr die Stadt Leipzig bis heute nicht begriffen wurde, so Linde Rotta: &#8222;Das glaube ich, haben Sie nicht kapiert \u2013 bis jetzt nicht. Und, dass wirklich sein Herz an Leipzig gehangen hat. Und, dass es so schnell keinen zweiten mehr gibt, der Leipzig so geliebt hat wie Erich Loest. Das muss ich sagen.&#8220;\n<\/p>\n<p>\n\u00dcber Erich Loest<br \/>\nIm Februar j\u00e4hrt sich der Geburtstag von Erich Loest zum 100. Mal. Der Schriftsteller sa\u00df selbst sieben Jahre lang im Stasi-Gef\u00e4nfnis &#8222;Bautzen II&#8220; und engagierte sich f\u00fcr die Stadt Leipzig und das Nichtvergessen der Opfer der DDR. Werke von ihm sind etwa &#8222;Nikolaikirche&#8220; oder &#8222;V\u00f6lkerschlachtdenkmal&#8220;.\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nEssay &#8222;Rost war die Farbe der Zeit&#8220;<br \/>von Linde Rotta<br \/>erschienen im Gans Verlag, Dezember 2025<br \/>Hardcover mit Schutzumschlag<br \/>248 Seiten, 26 Euro<br \/>ISBN: 978-3-946392-67-5\n<\/p>\n<p class=\"text\">\nredaktionelle Bearbeitung: sg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als &#8222;schrecklichen Kampf&#8220; bezeichnete Schriftstellerin Linde Rotta den Leipziger Bilderstreit \u2013 eine der hitzigsten Kulturdebatten der Nachwendezeit, die&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":717815,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":"","_share_on_mastodon":"0"},"categories":[1832],"tags":[11621,165305,1797,3364,29,111245,24841,30,3009,80,66,71,73415,93,165304,81,165301,58479,165303,165302,859,2044,14184],"class_list":["post-717814","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","category-leipzig","tag-uni","tag-bilderstreit","tag-buch","tag-de","tag-deutschland","tag-erich","tag-essay","tag-germany","tag-jubilaeum","tag-kultur","tag-kulturnachrichten","tag-leipzig","tag-linde","tag-literatur","tag-loest","tag-mdr","tag-minkewitz","tag-reinhard","tag-rost-war-die-farbe-der-zeit","tag-rotta","tag-sachsen","tag-schriftsteller","tag-tuebke"],"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115893904786365195","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/717814","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=717814"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/717814\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/717815"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=717814"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=717814"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=717814"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}