{"id":718213,"date":"2026-01-14T18:05:11","date_gmt":"2026-01-14T18:05:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/718213\/"},"modified":"2026-01-14T18:05:11","modified_gmt":"2026-01-14T18:05:11","slug":"trump-drohung-in-groenland-ist-die-eu-bei-us-angriff-stark-genug","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/718213\/","title":{"rendered":"Trump-Drohung in Gr\u00f6nland \u2013 Ist die EU bei US-Angriff stark genug?"},"content":{"rendered":"<p>Seit seiner R\u00fcckkehr ins Amt droht US-Pr\u00e4sident Donald Trump erneut damit, <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/01\/13\/trump-danischer-minister-reist-zu-gronland-gipfel-washington\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>die Kontrolle \u00fcber Gr\u00f6nland<\/strong><\/a> zu \u00fcbernehmen. Er begr\u00fcndet dies mit Sicherheitsbedenken und der Gefahr eines wachsenden russischen oder chinesischen Einflusses in der Arktis.<\/p>\n<p>\u201eIch w\u00fcrde gerne einen Deal mit ihnen machen \u2013 das ist einfacher. Aber so oder so werden wir Gr\u00f6nland haben\u201c, sagte Trump am Sonntag vor Journalisten an Bord der Air Force One.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich sind diese Drohungen nicht neu. Nach der US-Intervention in Venezuela am 3. Januar wurden sie jedoch erneut bekr\u00e4ftigt. Die n\u00e4chtliche Blitzaktion, bei der Pr\u00e4sident Nicol\u00e1s Maduro festgenommen wurde, hat bei europ\u00e4ischen Staats- und Regierungschefs Besorgnis ausgel\u00f6st. Sie fragen sich, wie weit Washington bereit w\u00e4re zu gehen, um die Kontrolle \u00fcber die Insel zu erlangen.<\/p>\n<p>Auch in Europa haben Trumps \u00c4u\u00dferungen Warnungen hervorgerufen: Ein milit\u00e4risches Eingreifen der USA gegen Gr\u00f6nland \u2013 das zum K\u00f6nigreich D\u00e4nemark geh\u00f6rt \u2013 k\u00f6nnte die NATO in eine schwere Krise st\u00fcrzen und im Extremfall sogar das Ende des B\u00fcndnisses bedeuten.<\/p>\n<p>Doch k\u00f6nnte Europa im Falle eines Angriffs auf Gr\u00f6nland tats\u00e4chlich eingreifen \u2013 und auf welcher rechtlichen Grundlage? The Cube, das Faktencheck-Team von Euronews, hat die rechtlichen und <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/01\/13\/trump-gronland-nato\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>milit\u00e4rischen Verpflichtungen Europas<\/strong><\/a> im Falle einer US-Intervention untersucht.<\/p>\n<p>Warum ist Gr\u00f6nland wichtig?<\/p>\n<p>Gr\u00f6nland ist ein halbautonomes Gebiet au\u00dferhalb der Europ\u00e4ischen Union, geh\u00f6rt jedoch zum K\u00f6nigreich D\u00e4nemark, das selbst EU-Mitglied ist.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich w\u00fcrde Gr\u00f6nland als autonomer Teil D\u00e4nemarks im Falle eines Angriffs unter den Schutz von Artikel 5 des NATO-Vertrags fallen. Dieser besagt, dass ein bewaffneter Angriff auf ein oder mehrere Mitgliedstaaten als Angriff auf alle gilt.<\/p>\n<p>Experten warnen jedoch, dass ein solches <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/01\/13\/kallas-pistorius-bundeswehr-gronland-verteidigen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Szenario die NATO<\/strong><\/a> vor ein fundamentales Dilemma stellen w\u00fcrde: Die USA sind selbst Mitglied des B\u00fcndnisses, das eigentlich zum Schutz vor externen Aggressoren geschaffen wurde \u2013 nicht f\u00fcr Konflikte zwischen Verb\u00fcndeten.<\/p>\n<p>Daneben existiert ein zweiter, weniger bekannter Mechanismus, der Gr\u00f6nland im Falle eines US-Angriffs sch\u00fctzen k\u00f6nnte: Artikel 42.7 des Vertrags \u00fcber die Europ\u00e4ische Union.<\/p>\n<p>EU-Verteidigungskommissar Andrius Kubilius erkl\u00e4rte am Montag der Nachrichtenagentur Reuters, dass diese Klausel die Mitgliedstaaten verpflichtet, einem anderen Mitgliedstaat \u2013 in diesem Fall D\u00e4nemark \u2013 im Falle eines bewaffneten Angriffs Hilfe und Beistand zu leisten.<\/p>\n<p>Artikel 42.7<\/p>\n<p>Tim Haesebrouck, Assistenzprofessor f\u00fcr internationale Politik an der Universit\u00e4t Gent, erl\u00e4uterte er im Gespr\u00e4ch mit The Cube, dass eine der St\u00e4rken von Artikel 42.7 darin besteht, dass er von einem einzelnen Staat aktiviert werden kann \u2013 ohne vorherigen Konsens der \u00fcbrigen Mitglieder.<\/p>\n<p>Die Klausel verpflichtet die anderen Mitgliedstaaten, dem betroffenen Land mit allen verf\u00fcgbaren Mitteln Hilfe zu leisten. Wie diese Unterst\u00fctzung konkret aussieht, bleibt bewusst offen: Sie kann politischer, wirtschaftlicher oder auch milit\u00e4rischer Natur sein.<\/p>\n<p>Bislang wurde Artikel 42.7 nur ein einziges Mal angewendet \u2013 nach den Terroranschl\u00e4gen von Paris 2015, als Frankreich Unterst\u00fctzung im Kampf gegen den sogenannten \u201eIslamischen Staat\u201c erbat.<\/p>\n<p>Der besondere Status Gr\u00f6nlands erschwert jedoch die Anwendung der Klausel. Die Insel trat 1985 aus der Europ\u00e4ischen Wirtschaftsgemeinschaft aus und gilt heute als \u00fcberseeisches Land und Gebiet. Dadurch finden viele EU-Rechtsvorschriften \u2013 einschlie\u00dflich der Verteidigungsbestimmungen \u2013 dort nur eingeschr\u00e4nkt Anwendung.<\/p>\n<p>Laut Aurel Sari, Professor f\u00fcr V\u00f6lkerrecht an der Universit\u00e4t Exeter, gibt es bislang keine verbindliche Entscheidung dar\u00fcber, ob Artikel 42.7 auf Gebiete wie Gr\u00f6nland \u00fcberhaupt anwendbar ist. Selbst wenn dies der Fall w\u00e4re, lie\u00dfe sich die Klausel nur begrenzt rechtlich durchsetzen, da Verteidigungsfragen nicht in die Zust\u00e4ndigkeit der EU-Gerichte fallen.<\/p>\n<p>\u201eWenn Ihr Territorium mitten in einem bewaffneten Konflikt von einer Gro\u00dfmacht wie den Vereinigten Staaten angegriffen wird, wenden Sie sich kaum an Gerichte, um diesen Beistand einzuklagen\u201c, so Sari zu The Cube.<\/p>\n<p>Keine Garantie f\u00fcr milit\u00e4rische Verteidigung<\/p>\n<p>Selbst bei Anwendbarkeit von Artikel 42.7 g\u00e4be es keine automatische Garantie f\u00fcr <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/01\/12\/wettlauf-um-gronland-soll-europa-auf-seltene-erden-setzen-jetzt-abstimmen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>milit\u00e4rische Verteidigung<\/strong><\/a> \u2013 auch wenn die Klausel milit\u00e4rische Unterst\u00fctzung grunds\u00e4tzlich zul\u00e4sst.<\/p>\n<p>Haesebrouck betont, dass fraglich sei, ob Europa \u00fcberhaupt \u00fcber die n\u00f6tigen F\u00e4higkeiten verf\u00fcge, um die USA milit\u00e4risch zu konfrontieren. Das Kr\u00e4fteungleichgewicht spreche klar zugunsten Washingtons.<\/p>\n<p>\u201eDie Vereinigten Staaten h\u00e4tten stets eine eskalatorische Dominanz \u2013 sie k\u00f6nnten jede Eskalationsstufe \u00fcberbieten und w\u00e4ren dabei zuversichtlich, zu gewinnen\u201c, erkl\u00e4rte er.<\/p>\n<p>Rechtlich sei Artikel 42.7 daher nicht als Versprechen automatischer milit\u00e4rischer Gewalt zu verstehen. Vielmehr umfasse er ein breiteres Spektrum an Unterst\u00fctzung.<\/p>\n<p>\u201eUnter solchen Umst\u00e4nden ist nicht nur milit\u00e4rische Hilfe relevant\u201c, so Haesebrouck. \u201eAuch politische Unterst\u00fctzung oder wirtschaftlicher Druck kommen infrage.\u201c<\/p>\n<p>Welche Ma\u00dfnahmen letztlich ergriffen w\u00fcrden, hinge vom politischen Willen der einzelnen Mitgliedstaaten ab. Der deutsche Au\u00dfenminister Johann Wadephul erkl\u00e4rte am Dienstag, Deutschland sei bereit, eine gr\u00f6\u00dfere Rolle bei der milit\u00e4rischen Sicherheit der Arktis zu \u00fcbernehmen \u2013 betonte jedoch, dass jede L\u00f6sung im NATO-Rahmen erfolgen m\u00fcsse.<\/p>\n<p>\u201eAm Ende basiert alles auf politischer Verpflichtung\u201c, fasste Sari im Gespr\u00e4ch mit The Cube zusammen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit seiner R\u00fcckkehr ins Amt droht US-Pr\u00e4sident Donald Trump erneut damit, die Kontrolle \u00fcber Gr\u00f6nland zu \u00fcbernehmen. 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