{"id":719001,"date":"2026-01-15T01:23:19","date_gmt":"2026-01-15T01:23:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/719001\/"},"modified":"2026-01-15T01:23:19","modified_gmt":"2026-01-15T01:23:19","slug":"die-letzte-grosse-schlacht-des-dietmar-woidke-um-die-macht-in-brandenburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/719001\/","title":{"rendered":"Die letzte gro\u00dfe Schlacht des Dietmar Woidke um die Macht in Brandenburg"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der bislang spannendste deutsche Polit-Krimi des Jahres ist derzeit live in Potsdam zu bestaunen. Dort l\u00e4uft die Aktion \u201eKoalitionswechsel mitten in der Wahlperiode\u201c: eine Art Operation am offenen Herzen der Demokratie. Es passiert \u00e4u\u00dferst selten, dass einem Ministerpr\u00e4sidenten die eigene Regierungskoalition bereits nach einem Jahr unter den H\u00e4nden zerbr\u00f6selt und er \u2013 aus Angst vor der <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/umfrage-afd-staerkste-kraft-in-brandenburg-fast-die-haelfte-will-neuwahlen-li.10009702\" rel=\"noopener\">gr\u00f6\u00dften Oppositionspartei<\/a> \u2013 nicht in Neuwahlen geht, sondern in der Legislaturperiode versucht, einfach den Koalitionspartner auszutauschen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">So das Ziel der SPD im Land Brandenburg unter Ministerpr\u00e4sident Dietmar Woidke. Am zweiten Arbeitstag des Jahres hat er die Koalition mit jener Partei aufgek\u00fcndigt, die im September 2024 als B\u00fcndnis Sahra Wagenknecht angetreten war. Als er das Aus verk\u00fcndete, stand Woidke da: gro\u00df, aufrecht, tiefe Stimme, klare Worte. Er sprach aber auch mit einer gewissen Gelassenheit, so als w\u00e4re dieses Scheitern gar kein so extremer Einschnitt.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Woidke strebt nun eine Koalition mit der CDU an. Der Kapit\u00e4n wechselt quasi mitten im Sturm gro\u00dfe Teile der Mannschaft aus. Er geht davon aus, dass auch monatelang verhandelt werden k\u00f6nnte, sagt er, und zwar mit gro\u00dfer Ruhe. \u201eDas wird nicht leicht werden, aber das Ziel ist, Sicherheit und Stabilit\u00e4t in diesem Land garantieren zu k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Koalition ist nicht an einem Skandal zerbrochen, sondern weil sich das BSW in einem monatelangen innerparteilichen Kleinkrieg selbst zerlegt hat. Da gibt es die <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/sahra-wagenknecht-deutschland-hat-die-wahlpruefung-einer-bananenrepublik-li.10008786\" rel=\"noopener\">Wagenknecht-Anh\u00e4nger<\/a>, die zwar in der Regierung sein, aber gleichzeitig auch Radikalopposition betreiben wollen. Und es gibt die Realisten um die drei Minister. Die sind nun aus der Partei ausgetreten und d\u00fcrfen in Woidkes SPD-Minderheitsregierung weitermachen.<\/p>\n<p>Wahlen im Alleingang entschieden<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Wenn der SPD der Koalitionswechsel gelingen sollte, dann nur, weil Woidke ein erfahrener Macht-Politiker ist, der in seinen zw\u00f6lf Jahren bereits mit den Linken, der CDU, den Gr\u00fcnen und dem BSW koaliert hat. Als \u201eFels in der Brandung\u201c stellt ihn seine SPD gern dar, so als w\u00e4re er der Einzige, der in turbulenten Zeiten noch Stabilit\u00e4t garantieren kann.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Es gibt immer wieder Fotos, die Woidke\u00a0 im Plenarsaal des Landtages bei einer Abstimmung in der kleinen Wahlkabine zeigen. Der markante Glatzkopf dieses 1,96 Meter gro\u00dfen Mannes ragt \u00fcber die Oberkante der Wahlkabine.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Woidke ist nicht nur k\u00f6rperlich der letzte gro\u00dfe Mann der Sozialdemokratie in Brandenburg. Er hat die beiden letzten Landtagswahlen fast im Alleingang entschieden und den Sieg der AfD verhindert. <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/wahl-in-berlins-nachbarland-in-brandenburg-rueckt-die-spd-nahe-an-die-afd-heran-li.2253812\" rel=\"noopener\">Er stellte das Wahlvolk klar vor die Entscheidung<\/a>: Wenn ihr mich als beliebtesten Politiker weiterhin als Ministerpr\u00e4sident haben wollt, m\u00fcsst ihr meine SPD auf Platz eins w\u00e4hlen, auch wenn ihr sie nicht so m\u00f6gt wie mich. Es klappte.<\/p>\n<p><img alt=\"Am 6. Januar gibt Dietmar Woidke (SPD, l.) das Ende der Koalition bekannt. Neben ihm Finanzminister Robert Crumbach, der zuvor aus dem BSW ausgetreten ist.\" loading=\"lazy\" width=\"2048\" height=\"1365\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/8786d49f-b8aa-49e8-8195-e986182ea35c.jpg\"\/><\/p>\n<p>Am 6. Januar gibt Dietmar Woidke (SPD, l.) das Ende der Koalition bekannt. Neben ihm Finanzminister Robert Crumbach, der zuvor aus dem BSW ausgetreten ist.Christophe Gateau\/dpa<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Doch seine Regierung ist gescheitert, und nun steht der geb\u00fcrtige S\u00fcdbrandenburger im Fokus der bundesweiten Aufmerksamkeit. Das Wechselman\u00f6ver ist einerseits mutig, andererseits extrem riskant. Es ist abzusehen, dass dabei erneut viel Vertrauen ins \u201eSystem\u201c verloren gehen wird. Denn der Wechsel zur CDU ist auch hilflos, da ansonsten nur noch die AfD im Landtag sitzt \u2013 und mit der will Woidke nicht zusammenarbeiten, weil er sie f\u00fcr rechtsextrem h\u00e4lt.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Am liebsten h\u00e4tte Woidke gleich nach der Wahl mit der CDU regiert, doch die Stimmen reichten nicht. <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/woidkes-stolpersieg-in-brandenburg-die-erste-rot-lila-regierung-ist-eine-wette-mit-gehoerigem-risiko-li.2280600\" rel=\"noopener\">Deshalb die Koalition mit dem unberechenbaren BSW.<\/a> Es war keine politische Liebesheirat, nicht mal eine Vernunftbeziehung, sondern die Notl\u00f6sung, um gegen die AfD eine Regierung zu bilden.<\/p>\n<p>Die Angst vor einer Neuwahl ist gro\u00df<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Dass es inzwischen eine rechnerische Mehrheit f\u00fcr eine Koalition mit der CDU gibt, liegt daran, dass die SPD-Fraktion gewachsen ist, weil Leute vom BSW \u00fcbergelaufen sind. Die AfD spricht von Wahlbetrug, weil die W\u00e4hler ganz anders gew\u00e4hlt hatten. Der AfD-Antrag auf <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/brandenburger-landtag-lehnt-selbstaufloesung-und-neuwahl-ab-li.10013406\" rel=\"noopener\">Selbstaufl\u00f6sung des Parlaments<\/a> scheiterte aber vorige Woche. In der Debatte sagte Woidkes Fraktionschef Bj\u00f6rn L\u00fcttmann: Die W\u00e4hler h\u00e4tten die SPD zur st\u00e4rksten Kraft gemacht, das gelte bis 2029 \u2013 \u201emit dem klaren Mandat, Brandenburg mit Ministerpr\u00e4sident Dr. Dietmar Woidke an der Spitze weiterhin erfolgreich zu regieren\u201c.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die Angst vor einer Neuwahl ist gro\u00df. Brandenburg ist das letzte Fl\u00e4chenland, das seit der Neugr\u00fcndung 1990 noch von der SPD regiert wird. Woidke hat die Partei bei der Wahl 2024 zu 30 Prozent gef\u00fchrt, das sind f\u00fcr die SPD im Osten wahre Traumwerte, die zuletzt nur Manuela Schwesig in Mecklenburg-Vorpommern erreicht hat. In Sachsen, Th\u00fcringen und Sachsen-Anhalt steht die SPD zwischen sechs und acht Prozent, schafft damit gerade so die F\u00fcnf-Prozent-H\u00fcrde. Und\u00a0 in allen L\u00e4ndern im Osten steht die AfD klar auf Platz eins.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Woidke will keine Neuwahl. Bei der letzten Umfrage kamen SPD und CDU auf zusammen gerade mal 36 Prozent. Die AfD stand einen Punkt dahinter. Und die Zahlen stammen aus der Zeit vor dem Zusammenbruch der Koalition.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Woidke ist ein begabter Wahlk\u00e4mpfer. Da l\u00e4uft er zur Bestform auf, ist klar, laut, \u00fcberzeugend, b\u00fcrgernah. In der Zeit zwischen den Wahlen ist er weniger auff\u00e4llig, ist keiner dieser Talkshowpolitiker, ist keiner, der mit irgendwelchen Forderungen bundesweite Debatten anst\u00f6\u00dft und in den Abendnachrichten interviewt wird.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Zu den Ritualen seiner Wahlk\u00e4mpfe geh\u00f6rte, dass er eine Coverband dabeihatte, die alte Hits spielte. Woidke zog sein Jackett aus und hielt auf der B\u00fchne seine Rede, dann setzte er sich zu den Leuten auf die Bierb\u00e4nke und war ganz Zuh\u00f6rer und Volksversteher. Und am Ende stand er mit der Band auf der B\u00fchne.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Bei den meisten Politikern ist es bereits peinlich, wenn sie in der \u00d6ffentlichkeit zu tanzen versuchen, aber Woidke sang und blamierte sich nicht.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Es funktionierte. Der Verlauf der Umfragekurven zeigt ganz klar den Woidke-Effekt: Seit Juli 2023 stand die AfD auf Platz eins, am Beginn des Wahljahres waren es 28 Prozent, die SPD hatte 17. Dann machten die Sozis einen reinen Woidke-Wahlkampf, bei dem sich der Ministerpr\u00e4sident ganz bewusst Auftritte von Kanzler Olaf Scholz und anderen aus der peinlichen Berliner Ampel-Regierung verbat, um die Aufholjagd nicht zu gef\u00e4hrden. <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/brandenburg-wahl-afd-koennte-spd-nach-ersten-prognosen-schlagen-li.2256292\" rel=\"noopener\">Und tats\u00e4chlich ging Woidke mit 30,9 Prozent ins Ziel.<\/a> Die AfD kam auf 29,2 Prozent. Woidke schaffte eine Punktlandung: In der Umfrage gleich nach der Wahl stand die AfD wieder auf Platz eins.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Klar ist: Woidke will nicht noch mal in den Wahlkampf. Er will nicht als Verlierer von Bord gehen. Nicht jetzt, nicht 2029. Nicht, weil er dann 68 Jahre alt ist oder weil er dann der dienst\u00e4lteste Ministerpr\u00e4sident ist und die aktuellen Spitzenreiter Reiner Haseloff und Winfried Kretschmann \u00fcberholt h\u00e4tte. Nein, er will es nicht, weil klar ist, dass das Woidke-Wunder vom \u201eIch oder die AfD\u201c nicht ein drittes Mal funktioniert.<\/p>\n<p><img alt=\"Katrin Lange, die ehemalige Innenministerin von Brandenburg, in ihrem Wahlkreis-B\u00fcro in Pritzwalk\" loading=\"lazy\" width=\"6720\" height=\"4480\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/13fa0547-6ea4-43ec-8aaa-a02e2031fdd9.jpg\"\/><\/p>\n<p>Katrin Lange, die ehemalige Innenministerin von Brandenburg, in ihrem Wahlkreis-B\u00fcro in PritzwalkStephan Pramme<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Wer dann f\u00fcr die SPD in den Wahlkampf zieht, ist offen. Eigentlich gab es ein Szenario, das recht logisch klang, weil die bisherigen Ministerpr\u00e4sidenten Manfred Stolpe und Matthias Platzeck immer rechtzeitig von allein gingen, bevor sie Wahlen verloren.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Und so wollte angeblich auch Woidke in der Mitte der Legislaturperiode sein Amt an Innenministerin Katrin Lange \u00fcbergeben. Eine Ur-Brandenburgerin, flei\u00dfig, beliebt, bodenst\u00e4ndig. Aber sie fiel bei einigen in Ungnade: Sie war gegen ein Verbot der AfD und forderte die inhaltliche Auseinandersetzung. Ihr Argument: Hinter der Brandmauer steigen die Werte der AfD immer h\u00f6her. Der Streit brach offen aus.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Sie warf ihren Verfassungsschutzchef raus, weil der ohne ihr Wissen die AfD als gesichert rechtsextremistisch eingestuft hatte. Auch aus der SPD kam heftige Kritik: Lange sei AfD-nah, habe keine \u201esozialdemokratische DNA\u201c mehr.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Sie gab auf; sie trat zur\u00fcck. Sie h\u00e4tte ganz gut gepasst. Das Besondere an der SPD in Brandenburg ist nun mal, dass sie eine spezielle Sozialdemokratie ist, deutlich konservativer als die linken Gro\u00dfstadtmilieus, die sich in Wokeness-Zeiten noch mal deutlich radikalisiert haben. Die SPD Brandenburg ist durch den fr\u00fcheren Kirchenfunktion\u00e4r Manfred Stolpe und durch Regine Hildebrandt stark christlich gepr\u00e4gt \u2013 auch Woidke kam \u00fcber die Kirche und Stolpe zur SPD.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Durch Matthias Platzeck war sie lange auch recht b\u00fcrgernah und fand Mehrheiten auf dem platten Land. Heute ist die Partei st\u00e4rker gepr\u00e4gt vom Potsdamer Milieu, von den st\u00e4dtischen Beamten aus 35 Jahren SPD-Dauerregentschaft im Land und von der N\u00e4he zu den aktivistischen Szenen in Berlin.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Da sch\u00fctteln in den D\u00f6rfern viele nur noch den Kopf. Und so rutscht die SPD immer tiefer in die Krise und ist l\u00e4ngst nicht mehr die selbsternannte \u201eBrandenburg-Partei\u201c. Das d\u00fcrfte allen sp\u00e4testens im Herbst klar geworden sein, als sie auch noch den <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/neue-stars-der-demokratie-parteilose-kandidaten-bieten-afd-und-spd-die-stirn-li.2361668\" rel=\"noopener\">Oberb\u00fcrgermeisterposten in der Landeshauptstadt<\/a> verlor \u2013 die sie genau wie das Land seit dem Ende der DDR dauerregiert hatte. Potsdam ging an eine Parteilose, die von den Gr\u00fcnen unterst\u00fctzt wurde.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Landesweit gewinnt die SPD auch nur noch, wenn Woidke ganz oben auf den Wahlzetteln steht wie bei Landtagswahlen. Ansonsten sind die Ergebnisse ein Desaster f\u00fcr eine einstige Volkspartei: Bei der bislang letzten Europawahl siegte die AfD mit 27,5 Prozent, die SPD landete mit nicht mal halb so vielen Stimmen auf Platz drei. Nicht anders sah es bei der Bundestagswahl 2025 aus.<\/p>\n<p><img alt=\"Jan Redmann, (l.) Landesvorsitzender der CDU in Brandenburg, und Dietmar Woidke\" loading=\"lazy\" width=\"2048\" height=\"1365\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/f39b731c-7c46-491a-827d-48dcde58608d.jpg\"\/><\/p>\n<p>Jan Redmann, (l.) Landesvorsitzender der CDU in Brandenburg, und Dietmar WoidkeKay Nietfeld7dpa<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Und auch bei Woidke selbst funktioniert der Woidke-Effekt nicht mehr so richtig. In drei Landtagswahlen hintereinander eroberte er das Direktmandat in seinem Lausitzer Heimatwahlkreis. Nun hat er es verloren. Zwar denkbar knapp mit sieben Stimmen Unterschied, aber das Signal war deutlich: Er, der einzige wirklich bekannte Politiker in Brandenburg, wird von einem unbekannten AfD-Kandidaten besiegt.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Nun will Woidke, der Fels in der Brandung, seine Minderheitsregierung in eine SPD-CDU-Koalition \u00fcberf\u00fchren. Das ist Krisenmanagement der h\u00e4rteren Art. Wenn es gelingen sollte, muss er den Laden zusammenhalten und kann nur schwer in der Mitte der Legislatur sein Amt aufgeben. An wen auch? Die Zeit ist knapp, um den beliebten Innenminister Ren\u00e9 Wilke aufzubauen. <a target=\"_blank\" href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/mensch-metropole\/ueberraschung-in-potsdam-dietmar-woidke-holt-sich-ex-linken-als-innenminister-li.2326193\" rel=\"noopener\">Au\u00dferdem war der vor zwei Jahren noch bei der Linken.<\/a> Wirtschaftsminister Daniel Keller werden zwar h\u00f6here Ambitionen nachgesagt, aber er ist weitgehend unbekannt.<\/p>\n<p>Anstehende Verzwergung der SPD<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Ohne Woidke kommt auch in Brandenburg die Verzwergung der SPD. Wie blank sie 2029 in ihrem letzten Dauerregierungsland dastehen wird, ist offen. Kommt ganz darauf an, wie die f\u00fcnf Landtagswahlen dieses Jahr ausgehen. Wie schlecht Manuela Schwesigs SPD in Mecklenburg-Vorpommern abschneidet, die die H\u00e4lfte an Zustimmung verloren hat. Wann die Brandmauer f\u00e4llt und ob die SPD zum Beispiel in Sachsen-Anhalt \u00fcberhaupt noch ins Parlament kommt oder ob die CDU mit der Linken eine Anti-AfD-Regierung bildet \u2013 eine Regierung, die noch weniger \u00dcberlebenschancen hat als Woidkes gescheiterte SPD-BSW-Koalition.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Und was macht die AfD in Brandenburg? Sie kann bei Woidkes Rochade ganz ruhig hinter der Brandmauer sitzen bleiben und rufen: \u201eDas ist Wahlbetrug.\u201c Sie muss sich vorerst weder in einer Regierung beweisen noch kann sie entzaubert werden. Die AfD kann einfach zuschauen, wie ihre Umfragewerte steigen, weil die anderen eine inkompatible Koalition nach der anderen schmieden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der bislang spannendste deutsche Polit-Krimi des Jahres ist derzeit live in Potsdam zu bestaunen. 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