{"id":719374,"date":"2026-01-15T04:53:12","date_gmt":"2026-01-15T04:53:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/719374\/"},"modified":"2026-01-15T04:53:12","modified_gmt":"2026-01-15T04:53:12","slug":"warum-europa-sich-schwaecher-sieht-als-es-weltweit-wahrgenommen-wird","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/719374\/","title":{"rendered":"Warum Europa sich schw\u00e4cher sieht, als es weltweit wahrgenommen wird"},"content":{"rendered":"<p class=\"font-sans text-base font-thin leading-[26px] md:text-xl md:leading-[32px]\">Umfrageergebnisse, die der NZZ vorab vorlagen, legen nahe: W\u00e4hrend die EU international als eigenst\u00e4ndiger Akteur an Gewicht gewinnt, trauen ihre eigenen B\u00fcrger dieser Rolle kaum \u2013 auch in Deutschland.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/6ee1bdb3-a720-4b75-8c31-4f00b5602212.jpeg\" class=\"absolute left-0 top-0 block h-full w-full  \"  width=\"5095\" height=\"3397\" alt=\"EU-Kommissions-Pr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen trifft im Juli 2025 den amerikanischen Pr\u00e4sidenten Donald Trump in Schottland.\" style=\"cursor:pointer;transform:scale(1)\" loading=\"eager\" fetchpriority=\"high\" \/>EU-Kommissions-Pr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen trifft im Juli 2025 den amerikanischen Pr\u00e4sidenten Donald Trump in Schottland.<\/p>\n<p>Jacquelyn Martin \/ AP<\/p>\n<p class=\"articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeuf5b1g2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Europa erscheint von aussen relevanter, als es sich selbst sieht. Internationale Umfragebefunde zeigen, dass die Europ\u00e4ische Union in vielen Teilen der Welt zunehmend als eigenst\u00e4ndige Macht wahrgenommen wird. Die Europ\u00e4er selbst \u2013 auch in Deutschland \u2013 trauen der EU diese Rolle mehrheitlich nicht zu.<\/p>\n<p>Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen<\/p>\n<p>NZZ.ch ben\u00f6tigt JavaScript f\u00fcr wichtige Funktionen. 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Der Schwerpunkt der Umfrage lag in Europa; in Deutschland wurden gut 1500 Personen repr\u00e4sentativ befragt. Die Daten erlauben damit sowohl einen internationalen Vergleich als auch belastbare Aussagen zur europ\u00e4ischen und deutschen Perspektive.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeuf69cf0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">In vielen Teilen der Welt gilt die EU heute nicht mehr prim\u00e4r als Anh\u00e4ngsel amerikanischer Politik, sondern als Akteur mit eigener Linie. In China etwa sind klare Mehrheiten der Ansicht, dass sich die europ\u00e4ische Politik gegen\u00fcber Peking von jener Washingtons unterscheidet. In der Ukraine erwarten fast zwei Drittel der Befragten eine Vertiefung der Beziehungen zur EU, w\u00e4hrend nur rund ein Drittel \u00c4hnliches f\u00fcr die Vereinigten Staaten annimmt. Gleichzeitig trauen in L\u00e4ndern wie Brasilien, S\u00fcdafrika oder China deutlich mehr Menschen der EU geopolitisches Gewicht zu als noch vor wenigen Jahren.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeuf69cf1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Das ist ein deutlicher Bruch mit fr\u00fcheren Befunden \u2013 und einer, der durch die scharfe US-Politik gegen\u00fcber China sowie die gelegentlich d\u00fcstere Rhetorik amerikanischer Regierungsvertreter gegen\u00fcber der EU gedeckt ist.<\/p>\n<p>Europ\u00e4er sind die gr\u00f6ssten Pessimisten<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeuf69cf2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Das n\u00fcchterne, oft skeptische europ\u00e4ische Selbstbild legt hingegen nahe, dass die rund 15 000 europ\u00e4ischen Befragten wenig geneigt sind, Eigenst\u00e4ndigkeit mit Handlungsmacht zu verwechseln. Innerhalb der EU zweifeln Mehrheiten daran, dass Europa in der Lage ist, auf Augenh\u00f6he mit den Vereinigten Staaten oder China zu agieren.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeuf69cg0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Zugleich z\u00e4hlen europ\u00e4ische Befragte weltweit zu den gr\u00f6ssten Pessimisten, wenn es um die eigene Zukunft, die globale Stabilit\u00e4t oder das Risiko milit\u00e4rischer Eskalation geht. Europa erscheint damit weniger als eine Macht im objektiven Niedergang denn als eine Macht im Zweifel \u2013 ratlos zwischen \u00e4usserer Zuschreibung und innerer Verunsicherung.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeuf69cg1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Diese Unsicherheit ist kein blosses Stimmungsph\u00e4nomen. Sie wurzelt in Realit\u00e4ten, die \u00fcber Jahrzehnte in Kauf genommen oder bewusst geschaffen wurden, in denen Sicherheitspolitik, Verteidigung und strategische Verantwortung an die USA delegiert wurden. Die Folge ist eine in vielem realistische Einsch\u00e4tzung der eigenen F\u00e4higkeiten: Wer \u00fcber begrenzte milit\u00e4rische Integration, fragmentierte Entscheidungsstrukturen und eine schwach koordinierte R\u00fcstungsindustrie verf\u00fcgt, kann sich schwerlich als geopolitische Grossmacht begreifen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeuf69cg2\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Gerade darin liegt ein zentraler politischer Befund dieser Umfrage. Die deutsche und europ\u00e4ische \u00d6ffentlichkeit scheint den mentalen Schritt in eine Welt bereits vollzogen zu haben, die die Autoren der ECFR-Studie als \u00abpostwestlich\u00bb beschreiben. Sie rechnet nicht mehr mit einer R\u00fcckkehr zur alten transatlantischen Gewissheit, akzeptiert gr\u00f6ssere Unsicherheit und trennt n\u00fcchtern zwischen Anspruch und F\u00e4higkeit.<\/p>\n<p>Die Gesellschaft ist weiter als die Politik<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeuf69ch0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Der Zweifel vieler Europ\u00e4er ist weniger Ausdruck von Resignation als von realistischer Erwartung. W\u00e4hrend viele B\u00fcrger diese Verschiebung innerlich akzeptiert haben, ohne ihr nachzutrauern, tut sich die europ\u00e4ische Politik schwer, daraus eine konsistente Erz\u00e4hlung und \u2013 wichtiger \u2013 eine tragf\u00e4hige Strategie zu entwickeln.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeuf69ch1\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Besonders deutlich wird diese Verschiebung im Blick auf China. Die Umfrage zeigt, dass China in weiten Teilen der Welt nicht l\u00e4nger prim\u00e4r als Bedrohung wahrgenommen wird, sondern als gegebene Macht, mit der man lebt und rechnet. Nur in zwei der untersuchten L\u00e4nder \u2013 der Ukraine und S\u00fcdkorea \u2013 betrachtet eine Mehrheit China als Gegner oder Rivalen; in der EU ist dies nicht der Fall.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeuh8djg0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">F\u00fcr Europa ist diese Normalisierung Chinas ambivalent, aber aufschlussreich. Einerseits verschwindet damit die vertraute Klarheit einer Weltordnung, in der sich Loyalit\u00e4ten entlang westlicher Linien ordnen liessen. Andererseits er\u00f6ffnet diese Verschiebung Spielr\u00e4ume. In China selbst h\u00e4lt eine Mehrheit der Befragten die Politik der EU gegen\u00fcber ihrem Land f\u00fcr unterscheidbar von jener der Vereinigten Staaten \u2013 ein Befund, der sich sonst nur noch in Brasilien findet. Zugleich sehen dort deutlich mehr Menschen Europa als Partner denn als Rivalen.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeuf69ci0\" componenttype=\"p\" data-team-paragraph=\"true\">Die Umfrage zeigt, dass ausserhalb Europas kaum jemand eine R\u00fcckkehr zu klaren westlichen F\u00fchrungsstrukturen erwartet; und selbst innerhalb der EU sind die Illusionen \u00fcber die Vereinigten Staaten gering. Die Zustimmung zu h\u00f6heren Verteidigungsausgaben ist hoch, die Sorge vor Krieg, Eskalation und nuklearen Risiken ebenso. Zugleich hat sich das Bild der USA weiter eingetr\u00fcbt: Weniger Europ\u00e4er als noch vor einem Jahr betrachten Amerika als Verb\u00fcndeten oder glauben, dass die Politik in Washington im Interesse der eigenen B\u00fcrger handelt.<\/p>\n<p class=\"nzzinteraction articlecomponent text-paper-950 dark:text-paper-50 darknzz:text-paper-50 dark:lightnzz:text-paper-950 font-serif text-lg font-normal leading-[1.56] md:text-xl md:leading-[1.6]\" id=\"id-doc-1jeuf69ci1\" componenttype=\"p\" data-vars-danzz-last-article-element=\"true\" data-team-paragraph=\"true\">Umso auff\u00e4lliger wirken die politischen Rituale, mit denen europ\u00e4ische Regierungen diese Verschiebung rhetorisch zu \u00fcberdecken versuchen. Noch in dieser Woche beschwor der deutsche Aussenminister Johann Wadephul die transatlantische Freundschaft als unzerbrechlich und zeitlos \u2013 w\u00e4hrend er bei einem Besuch in Washington nur recht begrenzt politische Aufmerksamkeit erhielt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Umfrageergebnisse, die der NZZ vorab vorlagen, legen nahe: W\u00e4hrend die EU international als eigenst\u00e4ndiger Akteur an Gewicht gewinnt,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":719375,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-719374","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115897329612398533","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/719374","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=719374"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/719374\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/719375"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=719374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=719374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=719374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}