{"id":719522,"date":"2026-01-15T06:15:13","date_gmt":"2026-01-15T06:15:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/719522\/"},"modified":"2026-01-15T06:15:13","modified_gmt":"2026-01-15T06:15:13","slug":"deutschland-geht-haerter-gegen-die-russische-schattenflotte-vor","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/719522\/","title":{"rendered":"Deutschland geht h\u00e4rter gegen die russische Schattenflotte vor"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/potsdam-146.jpg\" alt=\"Bundespolizeischiff &quot;Potsdam&quot; liegt im Heimathafen Neustadt in Holstein.\" title=\"Bundespolizeischiff &quot;Potsdam&quot; liegt im Heimathafen Neustadt in Holstein. | picture alliance\/dpa\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>exklusiv<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 15.01.2026 06:00 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Die Bundespolizei geht offenbar konsequenter gegen die russische Schattenflotte vor. Nach Informationen von NDR, WDR und SZ haben Bundespolizisten unl\u00e4ngst mehreren russischen Schiffen die Fahrt durch das deutsche K\u00fcstenmeer verwehrt.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>Von Alexa H\u00f6ber, Antonius Kempmann und Benedikt Strunz (NDR) sowie Florian Flade (WDR)\n                    <\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Es sind die fr\u00fchen Morgenstunden des 10. Januar als der Tanker &#8222;Tavian&#8220; in die deutsche Nordsee einf\u00e4hrt. Das Schiff geh\u00f6rt zur russischen Schattenflotte und wird von der Bundespolizei als &#8222;Zombie-Schiff&#8220; betrachtet &#8211; eines, das es eigentlich nicht geben d\u00fcrfte. Die Bundespolizei schickt einen Hubschrauber und funkt den Kapit\u00e4n der &#8222;Tavian&#8220; an. Man wolle alle notwendigen Papiere des Schiffes sehen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die &#8222;Tavian&#8220;, die zu diesem Zeitpunkt westlich von Schleswig-Holstein unterwegs ist, befindet sich auf ihrem Weg in die Ostsee, h\u00f6chstwahrscheinlich zu einem der russischen \u00d6lh\u00e4fen bei St. Petersburg. Recherchen in Datenbanken zu Schiffsbewegungen und Luftraum\u00fcberwachungen zeigen, dass sich ein Hubschrauber der Bundespolizei zu der betreffenden Zeit der &#8222;Tavian&#8220; angen\u00e4hert hat.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Als das Schiff D\u00e4nemark passiert hat und sich erneut dem deutschen Meer n\u00e4hert, diesmal vor Flensburg, setzt die Bundespolizei eine unmissverst\u00e4ndliche Nachricht ab: Der &#8222;Tavian&#8220; wird die Einfahrt ins deutsche K\u00fcstenmeer untersagt. Die Pr\u00fcfung der Papiere hatte den Verdacht der Beh\u00f6rde best\u00e4tigt: Das Schiff f\u00e4hrt unter einer falschen Flagge und auch seine Identifikationsnummer ist gef\u00e4lscht. Seit 2021 steht das Schiff auf einer US-Sanktionsliste.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Ma\u00dfnahme zeigt Wirkung: Am Sonntagabend dreht die &#8222;Tavian&#8220; ab und verl\u00e4sst die Ostsee. Offenbar hatte der Kapit\u00e4n Angst, sein Schiff k\u00f6nnte beschlagnahmt werden. Anschlie\u00dfend informiert die Beh\u00f6rde das Innenministerium \u00fcber den Vorgang. Ein Sprecher der Bundespolizei wollte sich auf Nachfrage nicht dazu \u00e4u\u00dfern.<\/p>\n<p>    Sanktionen gegen russisches \u00d6l<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Der Vorfall markiert einen Wendepunkt im Umgang deutscher Beh\u00f6rden mit der russischen Schattenflotte. Bisher taten sich Polizei und Marine schwer damit, dagegen vorzugehen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die rund 500 zumeist schrottreifen Schiffe sind die Antwort Russlands auf westliche Restriktionen gegen russisches \u00d6l. Die Tanker helfen direkt dabei, Russlands Kriegskasse zu f\u00fcllen. Monat f\u00fcr Monat bringen sie russisches \u00d6l im Wert von mehreren Milliarden Dollar auf den Markt, das ansonsten nur zu einem deutlich g\u00fcnstigeren Preis zu verkaufen w\u00e4re. Die EU-Sanktionen sehen einen dynamischen Preisdeckel vor. Russisches \u00d6l darf nur mit einem Abschlag von 15 Prozent zum Weltmarktpreis gehandelt werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Au\u00dferdem werden die Schiffe vereinzelt auch f\u00fcr Spionage und Sabotage verantwortlich gemacht.<\/p>\n<p>    Falsche und fehlende Flaggen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bisher \u00fcberwog im Westen die Auffassung, dass die Schiffe vollst\u00e4ndig unter dem Schutz der UN-Seerechtskonvention stehen, und dass ihnen somit &#8211; wie allen Schiffen &#8211; auch in den K\u00fcstenmeeren das &#8222;Recht der friedlichen Durchfahrt&#8220; zustehe (&#8222;innocent passage&#8220;). Es bedeutet, dass Schiffe die K\u00fcstenmeere fremder Staaten zu friedlichen Zwecken durchfahren k\u00f6nnen &#8211; und zwar ohne, dass der Anrainerstaat das Recht hat, an Bord zu kommen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Doch diese Auffassung scheint sich derzeit zu \u00e4ndern. Denn die UN-Konvention sieht auch verpflichtend vor, dass Schiffe die Flagge eines Staates tragen m\u00fcssen. F\u00fcr den Fall, dass sie keine oder eine gef\u00e4lschte Flagge f\u00fchren, k\u00f6nnen sie sich nicht auf das Recht zur &#8222;friedlichen Durchfahrt&#8220; berufen, argumentieren Juristen. Auch wenn die Durchfahrt erkennbar keinem &#8222;friedlichen Zweck&#8220; dient oder Gefahren mit sich bringt, kann sie theoretisch verwehrt werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">So haben sich auch die USA unl\u00e4ngst auf falsche oder fehlende Flaggen berufen, als sie gegen mehrere Tanker der Schattenflotte vorgegangen sind.<\/p>\n<p>    Parlamentarier fordern hartes Vorgehen<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Marc Henrichmann (CDU), Vorsitzender des Parlamentarischen Kontrollgremiums, das die Arbeit der Nachrichtendienste des Bundes kontrolliert, mahnt an, den vorhandenen Rechtsrahmen im Umgang mit der Schattenflotte voll auszusch\u00f6pfen. &#8222;Wir d\u00fcrfen uns von den Despoten dieser Welt und auch von Putin nicht vorf\u00fchren lassen. Und wir m\u00fcssen zeigen, dass wir Rechtsbruch nicht durchgehen lassen.&#8220; Problematische Tanker m\u00fcsse man stoppen, aufhalten und langfristig aus dem Verkehr ziehen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr Robin Wagener (Gr\u00fcne), Mitglied im Ausw\u00e4rtigen Ausschuss und im Verteidigungsausschuss, ist ein robusteres Vorgehen gegen Schattenflotten-Tanker \u00fcberf\u00e4llig: &#8222;Das Recht der friedlichen Durchfahrt gilt nicht f\u00fcr Schiffe, die \u00fcber ihren Flaggenstaat t\u00e4uschen und von denen eine Gefahr ausgeht. Und an der Stelle kann man ansetzen. Das ist eine Umweltgefahr und eine Ausgangsplattform f\u00fcr Spionage, Sabotage und Drohnenstarts.&#8220;<\/p>\n<p>    Sorge vor Sch\u00e4den an Unterseekabeln<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein robusteres Auftreten deutscher Beh\u00f6rden zeigt sich auch in weiteren F\u00e4llen aus der j\u00fcngsten Vergangenheit. Nach Informationen von NDR, WDR und SZ haben deutsche Beh\u00f6rden in den vergangenen Monaten dem russischen Forschungsschiff &#8222;Akademik Boris Petrov&#8220; die Einfahrt ins deutsche K\u00fcstenmeer untersagt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ein weiterer Fall betrifft den \u00d6ltanker &#8222;Chariot Tide&#8220;. In der Nacht zum 5. Dezember 2025 verlangsamte er die Fahrt. Der Kapit\u00e4n meldete technische Probleme und warf den Anker. Das Schiff befand sich zu diesem Zeitpunkt in der deutschen Nordsee und zwar, so zeigt es ein Blick auf die Seekarte, nur wenige Seemeilen entfernt von einem Kabel. Auch dieses Schiff war offenbar unter falscher Flagge unterwegs.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Vor einem Jahr <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/europa\/ostseekabel-untersuchung-100.html\" title=\"Sch\u00e4den an Estlink 2: Finnische Beh\u00f6rden inspizieren Tanker \" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">hatte ein Schattenflottentanker in der Ostsee ein Kabel mit seinem Anker zerst\u00f6rt<\/a> &#8211; angeblich aus Versehen. Deutsche Beh\u00f6rden nahmen den Vorfall deshalb offenbar sehr ernst. Die Marine schickte die Fregatte &#8222;Baden-W\u00fcrttemberg&#8220;, die Bundespolizei die &#8222;Potsdam&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Kurze Zeit sp\u00e4ter gingen deutsche Polizisten an Bord und kontrollierten das Schiff. Kurios: Noch w\u00e4hrend die &#8222;Chariot Tide&#8220; vor Anker lag und von den deutschen Beh\u00f6rden engmaschig \u00fcberwacht wurde, wechselte sie die Flagge. War sie am 6.12. noch als Schiff aus Gambia unterwegs, fuhr sie am 7.12. auf einmal unter der Flagge von Mosambik.<\/p>\n<p>    Russische Kriegsschiffe seltener in der N\u00e4he<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die ver\u00e4nderte Rechtsauffassung mit Blick auf die UN-Seerechtskonvention d\u00fcrfte allerdings nur ein Teil der Erkl\u00e4rung sein, weshalb westliche Beh\u00f6rden im Umgang mit der Schattenflotte derzeit robuster auftreten. Bisher hat Russland einen gro\u00dfen Aufwand betrieben, seine Flotte milit\u00e4risch zu sch\u00fctzen. Im Falle einer westlichen Intervention standen Kriegsschiffe oder Flugzeuge bereit, um die jeweiligen Schiffe gegebenenfalls zu verteidigen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Dies ist derzeit h\u00e4ufig nicht mehr der Fall. Aus Sicherheitskreisen ist zu h\u00f6ren, dass der Aufwand f\u00fcr die russische Marine einfach zu gro\u00df geworden sei. Auch im Falle des &#8222;Zombie-Tankers&#8220; &#8222;Tavian&#8220; befanden sich keine russischen Kriegsschiffe zur Deckung in der N\u00e4he. Es hat seinen Kurs ge\u00e4ndert und befindet sich derzeit auf dem Weg ins russische Nordmeer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"exklusiv Stand: 15.01.2026 06:00 Uhr Die Bundespolizei geht offenbar konsequenter gegen die russische Schattenflotte vor. 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