{"id":719565,"date":"2026-01-15T06:42:12","date_gmt":"2026-01-15T06:42:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/719565\/"},"modified":"2026-01-15T06:42:12","modified_gmt":"2026-01-15T06:42:12","slug":"china-setzt-deutsche-autobauer-unter-druck","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/719565\/","title":{"rendered":"China setzt deutsche Autobauer unter Druck"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die deutschen Exporte ins Reich der Mitte brechen ein, die Importe von dort steigen dagegen unaufhaltsam weiter\u00a0\u2013 in den ersten drei Quartalen 2025 um weitere 8,5 Prozent gegen\u00fcber dem gleichen Vorjahreszeitraum. Dazu tragen viele Faktoren bei: Ein Mangel an angebotspolitischen Reformen und hohe Energiekosten hierzulande machen es deutschen Firmen schwer.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Zugleich holen chinesische Unternehmen auf. Aber sie erhalten auch sehr hohe direkte und indirekte staatliche Subventionen und profitieren zudem von einer stark unterbewerteten W\u00e4hrung, die ihre Exporte k\u00fcnstlich verbilligt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In diese ohnehin schon schwierige Gemengelage st\u00f6\u00dft jetzt auch noch Donald Trump mit seiner aggressiven Zollpolitik. Die Z\u00f6lle auf US-Importe aus <a data-rtr-index=\"3\" title=\"China\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/china\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">China<\/a> sind deutlich h\u00f6her als die auf US-Einfuhren aus der EU und\u00a0 anderen L\u00e4ndern. Das k\u00f6nnte dazu f\u00fchren, dass chinesische Waren, die auf dem US-Markt nicht mehr absetzbar sind, nach Deutschland umgelenkt werden. Der Importdruck aus China w\u00fcrde sich so weiter erh\u00f6hen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">In einem IW-Report sind wir der Frage nachgegangen, ob sich Hinweise auf derartige Umlenkungseffekte in den internationalen Handelsdaten finden lassen. Dazu haben wir eine neue Methodik entwickelt, die ein regelm\u00e4\u00dfiges Monitoring solcher Effekte erm\u00f6glicht. In der Studie haben wir den Fokus auf das zweite Quartal 2025 gelegt, als die US-Z\u00f6lle auf Importe aus China zeitweise 145 Prozent betrugen, und sind in zwei Schritten vorgegangen.<\/p>\n<p>Erheblich mehr Importmengen aus China<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Erstens haben wir die Entwicklung der deutschen Importe aus China im zweiten Quartal 2025 genauer analysiert. Dabei haben wir vor allem die Zunahme von Einfuhrmengen betrachtet und nicht allein von Einfuhrwerten. Das Ergebnis: Der Importdruck aus China stieg im zweiten Quartal 2025 gegen\u00fcber dem zweiten Quartal 2024 relativ stark an. Das zeigen einige ausgew\u00e4hlte Resultate:<\/p>\n<ul class=\"p1 sm:p1-medium list-disc items-start pb-[20px] pl-[20px]\" data-selector=\"body-unordered-list\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-720e37b9=\"\">\n<li>Bei 2241 Warengruppen (von \u00fcber 4250 Warengruppen mit verwertbaren Angaben) ist die deutsche Einfuhrmenge aus China um mindestens zehn Prozent gestiegen. Deren summierter Importwert macht 61 Prozent des gesamten deutschen Einfuhrwerts aus China im zweiten Quartal 2025 aus.<\/li>\n<li>Sowohl ungew\u00f6hnlich hohe Einfuhrmengenzuw\u00e4chse von mindestens zehn Prozent als auch ein h\u00f6heres Wachstum als in den Vorjahren sind bei 2029 Warengruppen zu finden. Auf sie entf\u00e4llt ein nur wenig geringerer Anteil an den Gesamteinfuhren aus China von 57 Prozent. Das zeigt, dass ein mindestens zehnprozentiger Mengenanstieg tats\u00e4chlich relativ hoch ist.<\/li>\n<li>Selbst Warengruppen, die ein au\u00dfergew\u00f6hnliches Einfuhrmengenwachstum von mindestens 50 Prozent (und gr\u00f6\u00dfer als der Median der Vorjahre) haben, stehen noch f\u00fcr 22 Prozent des gesamten deutschen Einfuhrwerts aus China.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Viele Exporte von den USA nach Deutschland umgelenkt<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Zweitens haben wir Warengruppen ermittelt, bei denen ein Umlenkungsverdacht besteht. Dazu wird bei einzelnen Warengruppen nach \u00dcberschneidungen gesucht, bei denen die US-Importe aus China im ersten Halbjahr 2025 im Vorjahresvergleich zur\u00fcckgingen, w\u00e4hrend die deutsche Einfuhrmenge im zweiten Quartal 2025 zunahm. Durch die leichte zeitliche Versetzung wird ein gewisser zeitlicher Vorlauf ber\u00fccksichtigt, bevor chinesische Waren von den USA nach Deutschland umgelenkt werden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Es besteht bei vielen Warengruppen h\u00e4ufig ein Umlenkungsverdacht. Mehr als die H\u00e4lfte des gesamten deutschen Einfuhrwerts aus China entf\u00e4llt auf \u00fcber 1500 \u00dcberschneidungswarengruppen, bei denen die deutsche Einfuhrmenge aus China stieg und die US-Importe aus China zur\u00fcckgingen. Darunter sind allerdings teilweise konsumnahe chinesische Produkte wie Textilien und Unterhaltungselektronik, die nicht zu den Kernbereichen der deutschen Industrie geh\u00f6ren.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Daher schauen wir genauer auf Warengruppen, bei denen die deutsche Wirtschaft stark ist, wie etwa bei Chemie, Elektroindustrie, Maschinen- und Fahrzeugbau. In den exportorientierten Kernbereichen der deutschen Industrie gibt es 579 \u00dcberschneidungswarengruppen, deren summierter Anteil an der Gesamteinfuhr aus China elf Prozent betr\u00e4gt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das erscheint zwar nicht besonders viel. Doch unter den 30 wertm\u00e4\u00dfig wichtigsten Warengruppen finden sich vor allem Produkte aus den Bereichen Stra\u00dfenfahrzeuge, Maschinenbau und elektrische Ausr\u00fcstungen, in denen Deutschland traditionell ausgepr\u00e4gte St\u00e4rken hat.<\/p>\n<p>Umlenkung bei Hybrid-Pkw und E-Lkw besonders gro\u00df<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wenn die hohe Schwelle von mindestens 50 Prozent f\u00fcr Importmengenanstiege angelegt wird, ist der Befund noch besorgniserregender.\u00a0 Bei knapp zwei Dritteln der 30 wertm\u00e4\u00dfig wichtigsten Warengruppen ist der Umlenkungsverdacht besonders gro\u00df, da die US-Einfuhr aus China hier zweistellige prozentuale R\u00fcckg\u00e4nge im ersten Halbjahr 2025 aufweist. Bei mehr als einem Drittel dieser 30 bedeutenden Warengruppen ist der Zuwachs der deutschen Einfuhrmenge sogar dreistellig, was oft einen sehr starken Anstieg des Importdrucks aus China bedeuten d\u00fcrfte.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Unter den 30 \u00dcberschneidungswarengruppen stechen Stra\u00dfen- und Landfahrzeuge hervor, sie belegen die ersten drei Pl\u00e4tze und f\u00fcnf unter den ersten zehn R\u00e4ngen. Besonders ins Auge fallen Hybrid-Pkw auf den R\u00e4ngen zwei und drei, E-Lkw sowie mehrere Arten von Autoteilen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Es ist also vor allem die Autoindustrie, die sowohl unter starken Importanstiegen aus China leidet und von Umlenkungseffekten betroffen zu sein scheint.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Ein genauerer Blick auf die Entwicklung der Einfuhren aus China im Bereich der Elektromobilit\u00e4t zeigt, dass die europ\u00e4ischen Ausgleichsz\u00f6lle auf E-Autos aus China deutlich wirken. Doch chinesische Exporteure nutzen im Bereich der Elektromobilit\u00e4t noch nicht gesch\u00fctzte Schlupfl\u00f6cher. So sanken die Einfuhren von reinen E-Autos aus China um 56 Prozent im Vergleich der ersten Halbjahre 2025 zu 2023 \u2013 zur Erinnerung: Im Herbst 2023 begann die Antisubventionsuntersuchung der Europ\u00e4ischen Kommission.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Etwas verz\u00f6gert nahmen die Einfuhren von Plug-in-Hybrid-Autos aus China um hohe 82 Prozent im Vergleich der ersten Halbjahre 2025 und 2024 zu. Vergleicht man die zweiten Quartale dieser beiden Jahre, betr\u00e4gt die Steigerungsrate sogar \u00fcber 150 Prozent.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Gerade bei Plug-in-Hybrid-Autos liegt der Umlenkungsverdacht sehr nahe, da die US-Importe aus China im ersten Halbjahr 2025 gegen\u00fcber dem gleichen Vorjahreszeitraum um fast 99 Prozent und knapp 24 Millionen US-Dollar geradezu implodierten und damit so gut wie nicht mehr existent waren. Dagegen nahmen die deutschen Importe aus China in diesem Zeitraum um 98 Millionen Euro auf 218 Millionen Euro zu. Diese Ergebnisse passen zu sich mehrenden Berichten dar\u00fcber, dass deutsche Zulieferbetriebe etwa in der Autoindustrie und im Maschinenbau zunehmend von chinesischen Zulieferern verdr\u00e4ngt werden, die zu extremen Niedrigpreisen anbieten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wenn dahinter nachweisbar auch unfaire Wettbewerbsvorteile durch Subventionen und die Yuan-Unterbewertung stehen, ist es n\u00f6tig, bedrohte europ\u00e4ische Produktion durch Ausgleichsz\u00f6lle konsequent zu sch\u00fctzen. Es geht dabei um die Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen. Mit Protektionismus hat das nichts zu tun.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" alt=\"Gastautor \/ J\u00fcrgen Matthes\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/gastautor-juergen-matthes.webp.webp\"\/><\/p>\n<p> J\u00fcrgen Matthes<\/p>\n<p> J\u00fcrgen Matthes leitet das Themencluster Internationale Wirtschaftspolitik, Finanz- und Immobilienm\u00e4rkte im Institut der deutschen Wirtschaft in K\u00f6ln. <\/p>\n<p>Bild: Privat<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/base_deriv.webp\"\/> <\/p>\n<p>&#13;<br \/>\n            Dr. Samina Sultan&#13;\n<\/p>\n<p> Samina Sultan ist Senior Economist f\u00fcr europ\u00e4ische Wirtschaftspolitik und Au\u00dfenhandel am Institut der deutschen Wirtschaft in K\u00f6ln. Davor war sie im Stab des Sachverst\u00e4ndigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. <\/p>\n<p>Bild: Privat<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die deutschen Exporte ins Reich der Mitte brechen ein, die Importe von dort steigen dagegen unaufhaltsam weiter\u00a0\u2013 in&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":719566,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1828],"tags":[29,30,1420,1209],"class_list":{"0":"post-719565","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-koeln","8":"tag-deutschland","9":"tag-germany","10":"tag-koeln","11":"tag-nordrhein-westfalen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115897758384485610","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/719565","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=719565"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/719565\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/719566"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=719565"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=719565"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=719565"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}