{"id":719755,"date":"2026-01-15T08:32:21","date_gmt":"2026-01-15T08:32:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/719755\/"},"modified":"2026-01-15T08:32:21","modified_gmt":"2026-01-15T08:32:21","slug":"das-archivale-des-monats-januar-2026","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/719755\/","title":{"rendered":"Das Archivale des Monats Januar 2026\u2026"},"content":{"rendered":"<p><strong>\u2026 zeigt einen Sperrzonenausweis f\u00fcr einen Aachener Zollbeamten.<\/strong><\/p>\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>1946 sperrte die britische Milit\u00e4rregierung neben der eigentlichen Staatsgrenze auch einen Gebietsstreifen von etwa einem Kilometer Breite auf der deutschen Seite der niederl\u00e4ndischen und belgischen Grenze. 1949 wurde die Sperrzone noch einmal ausgeweitet und 1952 aufgehoben.<\/li>\n<li>Wer in der Sperrzone arbeitete, jedoch au\u00dferhalb wohnte, erhielt eine \u201eZeitweise Arbeiter-Aufenthaltsgenehmigung f\u00fcr die Sperrzone\u201c.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Das Aachener Stadtarchiv stellt aus seinen Magazinen regelm\u00e4\u00dfig interessante St\u00fccke als Archivale des Monats vor. Das St\u00fcck mit einem kurzen Begleittext wird in einem Schaukasten im Foyer des Stadtarchivs am Reichsweg sowie digital auf der Homepage des Archivs pr\u00e4sentiert. Im Januar 2026 zeigt es einen Sperrzonenausweis f\u00fcr einen Aachener Zollbeamten.<\/p>\n<p><strong>Grenzschmuggel als notwendige Selbstversorgung und lukratives Gesch\u00e4ft<br \/><\/strong>Nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Grenzen geschlossen. Gleichwohl passierten Menschen sie massenhaft und schmuggelten enorme Mengen von Verbrauchsg\u00fctern \u2013 teils zur Selbstversorgung angesichts materieller Not, teils als lukratives Gesch\u00e4ft im engeren sozialen Umfeld, teils aber auch als eine Form der organisierten Kriminalit\u00e4t im \u00fcberregionalen Ma\u00dfstab und mit enormen Gewinnen.<\/p>\n<p>Anfang 1946 war die britische Frontier Control f\u00fcr die \u00dcberwachung der Grenze zust\u00e4ndig. Dabei arbeitete sie mit den deutschen Zollbeh\u00f6rden zusammen, die nach dem Ende des NS-Regimes zun\u00e4chst aufgel\u00f6st worden waren und nun schrittweise wieder mit hoheitlichen Befugnissen ausgestattet wurden.<\/p>\n<p><strong>Proteste gegen ausgeweitete Sperrzone. Aufhebung im November 1952<br \/><\/strong>Am 29. Januar 1946 sperrte die britische Milit\u00e4rregierung neben der eigentlichen Staatsgrenze auch einen Gebietsstreifen von etwa einem Kilometer Breite auf der deutschen Seite der niederl\u00e4ndischen und belgischen Grenze. Die Regelung trat zum Februar 1945 in Kraft und hatte zur Folge, dass mehrere Orte des heutigen Aachener Stadtgebiets, so etwa Lichtenbusch, Vaalserquartier und Horbach, in der Sperrzone lagen. Im Mai und September 1949 wurde die Sperrzone noch einmal ausgeweitet und umfasste zeitweise den Aachener Stadtwald. Wie auch andere Ma\u00dfnahmen der Grenzschlie\u00dfung und Schmuggelbek\u00e4mpfung rief dies Proteste hervor, auch weil der Stadtbev\u00f6lkerung mit dem Stadtwald ein beliebtes Naherholungsgebiet genommen wurde. Nach einer R\u00fccknahme dieser Ma\u00dfnahme zum April 1950 wurde die Sperrzone schlie\u00dflich am 20. November 1952 vollst\u00e4ndig aufgehoben.<\/p>\n<p><strong>\u00a0\u201eZeitweise Arbeiter-Aufenthaltsgenehmigung f\u00fcr die Sperrzone\u201c<br \/><\/strong>Wer in der Sperrzone wohnte, ben\u00f6tigte zus\u00e4tzlich zum Personalausweis einen neuen, zweisprachigen Ausweis, der zum Aufenthalt am Wohnort, nicht jedoch zum Grenz\u00fcbertritt berechtigte, und konnte bei Verst\u00f6\u00dfen entzogen werden. Auch wer in der Sperrzone arbeitete, jedoch au\u00dferhalb wohnte, erhielt einen Ausweis namens \u201eTemporary Workers Entry Permit to the Prohibited Frontier Zone \/ Zeitweise Arbeiter-Aufenthaltsgenehmigung f\u00fcr die Sperrzone\u201c. Der Ausweis erlaubte den Aufenthalt in der Sperrzone \u201evon einer halben Stunde nach Sonnenaufgang bis eine halbe Stunde vor Sonnenuntergang\u201c und verbot es, \u201esich innerhalb der Sperrzone an einem anderen Ort als seinem Arbeitsplatz aufzuhalten\u201c. Damit verbunden war eine drastische Drohung: \u201eJeder, der diese Bedingungen verletzt, setzt sich der Gefahr aus, vom Zollgrenzschutz beschossen zu werden und seine Genehmigung zu verlieren. Jede Zuwiderhandlung wird von der Milit\u00e4rregierung geahndet und kann mit dem Tode bestraft werden.\u201c Die \u201eAachener Nachrichten\u201c sprachen am 3. Oktober 1947 unter Anspielung auf den beginnenden Kalten Krieg vom \u201eEisernen Vorhang im Westen\u201c.<\/p>\n<p><strong>Ausweis des Aachener Zollfahnders Erich Sachtler<br \/><\/strong>Der hier abgebildete Ausweis wurde am 31. Dezember 1946 von der britischen Frontier Control f\u00fcr den Aachener Zollfahnder Erich Sachtler ausgestellt. Er galt f\u00fcr ein Jahr und gab als Arbeitsst\u00e4tte den gesamten Regierungsbezirk Aachen an, sodass der Z\u00f6llner seinen Dienst entlang der belgischen Grenze mobil aus\u00fcben konnte. Sachtler selbst war damals 39 Jahre alt und wohnte in der Schenkendorfstra\u00dfe im Frankenberger Viertel, also unweit seiner Dienststelle in der Roten Kaserne. Eine 1949 ausgestellte Mitgliedskarte der \u201eInteressenvereinigung der Ostvertriebenen\u201c l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass er am Ende des Zweiten Weltkriegs zur Migration gezwungen war.<\/p>\n<p>Weder die Sperrzone noch die Sanktionen und Drohungen verhinderten, dass die Grenze massenhaft \u00fcberschritten wurde. Schmuggler und Zollbeh\u00f6rden professionalisierten ihre Methoden und griffen nicht selten zu Gewalt. Die Eskalation endete erst mit der Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen Lage, doch war dies nicht der alleinige Grund. Hinzu kam die Verminderung der Anreize f\u00fcr den Schmuggel, die \u00d6ffnung der Grenzen und die Einbindung des demokratischen Nachkriegs-Deutschland in die Vorl\u00e4ufer der heutigen Europ\u00e4ischen Union.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u2026 zeigt einen Sperrzonenausweis f\u00fcr einen Aachener Zollbeamten. 1946 sperrte die britische Milit\u00e4rregierung neben der eigentlichen Staatsgrenze auch&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":719756,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1853],"tags":[1424,165602,3364,29,548,663,3934,30,2989,13,16599,14,15,1209,12,165603,165604],"class_list":{"0":"post-719755","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-aachen","8":"tag-aachen","9":"tag-archivale-januar-2026","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-germany","16":"tag-geschichte","17":"tag-headlines","18":"tag-historie","19":"tag-nachrichten","20":"tag-news","21":"tag-nordrhein-westfalen","22":"tag-schlagzeilen","23":"tag-sperrzonenausweis","24":"tag-zollbeamter"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115898190846778804","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/719755","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=719755"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/719755\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/719756"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=719755"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=719755"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=719755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}