{"id":720111,"date":"2026-01-15T11:51:11","date_gmt":"2026-01-15T11:51:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/720111\/"},"modified":"2026-01-15T11:51:11","modified_gmt":"2026-01-15T11:51:11","slug":"was-passiert-auf-dem-ehemaligen-reichsparteitagsgelaende-in-nuernberg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/720111\/","title":{"rendered":"Was passiert auf dem ehemaligen Reichsparteitagsgel\u00e4nde in N\u00fcrnberg?"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ein gro\u00dfer Parkplatz, umz\u00e4unt und bewacht. Daran erinnern sich \u00e4ltere N\u00fcrnberger, wenn sie auf den Innenhof der Kongresshalle angesprochen werden. Und die wenigsten haben gute Erinnerungen daran. Denn dort wurden \u00fcber viele Jahre hinweg die im Stadtgebiet abgeschleppten Fahrzeuge abgestellt, gegen ein entsprechendes Entgelt konnten die Autos von ihren Besitzern wieder abgeholt werden.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Allzu viele Gedanken \u00fcber den ungew\u00f6hnlichen Abstellort hat sich damals kaum jemand gemacht. Im Grunde war genau das die unausgesprochene Absicht der Stadtoberen. \u00dcber viele Jahrzehnte hinweg galt in der Frankenmetropole die Devise: Niemand sollte in der Kongresshalle heimisch werden, schlie\u00dflich handelt es sich bei dem Torso um das gr\u00f6\u00dfte bauliche Relikt, das in Deutschland von der Nazi-Herrschaftsarchitektur \u00fcbrig geblieben ist. Obwohl unvollendet, beeindruckt das dem r\u00f6mischen Kolosseum nachempfundene Geb\u00e4ude durch seine Wucht. Und diese Wucht, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/panorama\/schlagersaengerin-vor-gericht-hitlergruss-vorwurf-geldstrafe-fuer-melanie-mueller-gefordert-113151504\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">dem Gr\u00f6\u00dfenwahn Hitlers<\/a> entsprungen, stellte (und stellt) die Stadt N\u00fcrnberg vor kolossale Herausforderungen.\n  <\/p>\n<p>            Wie kann man so einen Unort eigentlich nutzen?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Mit 39 Metern H\u00f6he (geplant waren 68,5) und einer Grundfl\u00e4che von 275 mal 265 Metern h\u00e4tte man leicht ein Fu\u00dfballstadion ins Innere integrieren k\u00f6nnen &#8211; tats\u00e4chlich war ein Fu\u00dfball-Tempel, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/2-fussball-bundesliga-mathenia-verlaengert-in-nuernberg-und-wird-2028-torwartcoach-113165743\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">in dem der 1. FC N\u00fcrnberg<\/a> seine Heimspiele h\u00e4tte austragen k\u00f6nnen, eine Idee von vielen, die in den vergangenen Jahrzehnten debattiert wurden. Es gab teils skurrile Ans\u00e4tze, die f\u00fcr die Nutzung des Kongresshallentorsos in der Zeit nach 1945 entwickelt und wieder verworfen worden sind, vom schicken Einkaufszentrum bis zur Wellness-Oase reichten die Fantasien. Verwirklicht worden ist nichts.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/499797170.jpg\" alt=\"Die Kongresshalle ist eins der gr\u00f6\u00dften NS-Bauwerke in Deutschland - und damit wichtiges Mahnmal. \" title=\"Die Kongresshalle ist eins der gr\u00f6\u00dften NS-Bauwerke in Deutschland - und damit wichtiges Mahnmal. \" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Die Kongresshalle ist eins der gr\u00f6\u00dften NS-Bauwerke in Deutschland &#8211; und damit wichtiges Mahnmal.<br \/>\n    Foto: Daniel Karmann, dpa<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Die Kongresshalle ist eins der gr\u00f6\u00dften NS-Bauwerke in Deutschland &#8211; und damit wichtiges Mahnmal.<br \/>\n    Foto: Daniel Karmann, dpa<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Aus gutem Grund: \u00dcber dem \u00fcber Jahrzehnte w\u00e4hrenden Stillstand schwebte schlicht die Frage, welche Nutzung an einem solchen Unort \u00fcberhaupt m\u00f6glich sein k\u00f6nnte. Ehe es darauf eine Antwort gab, einigte man sich auf viele kleinteilige Nutzungskonzepte: In einem der beiden Kopfbauten zogen die N\u00fcrnberger Symphoniker ein, einen Teil der R\u00e4umlichkeiten mietete das Versandhaus Quelle, einen anderen Teil stellte die Stadt N\u00fcrnberg Vereinen und Verb\u00e4nden zur Verf\u00fcgung, um dort Utensilien zu lagern. Und der dem Volksfestplatz zugewandte Part der Kongresshalle wurde als B\u00fcro f\u00fcr den S\u00fcddeutschen Schaustellerverband und als Volksfestwache genutzt. Kurzum: Pragmatismus war gefragt, Hauptsache nichts in Stein mei\u00dfeln, um den n\u00e4chsten Generationen alle Optionen f\u00fcr eine Nutzung des Nazi-Erbes offen zu lassen.\n  <\/p>\n<p>            Im Herbst er\u00f6ffnet das neu strukturierte Dokuzentrum<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Erst vor einem Vierteljahrhundert wurde eine Ver\u00e4nderung dieser Taktik eingeleitet. Unter ma\u00dfgeblicher Anschubfinanzierung durch den Verleger der \u201eN\u00fcrnberger Nachrichten\u201c, Bruno Schnell, wurde ein Dokuzentrum konzeptioniert, das \u00fcber die Reichsparteitage, die Jahr f\u00fcr Jahr als Hochfest der Nazi-Propaganda inszeniert wurden, informieren sollte. Der Grazer Architekturprofessor G\u00fcnther Domenig hatte dazu eine geniale Idee entwickelt: Ein Pfahl durchst\u00f6\u00dft seither den NS-Torso buchst\u00e4blich und \u00f6ffnet einen der beiden Kopfbauten der Kongresshalle f\u00fcr hunderttausende Besucher aus aller Welt. Jahr f\u00fcr Jahr str\u00f6men sie in das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgel\u00e4nde. Ein Ansturm, mit dem anfangs niemand gerechnet hatte, maximal 100.000 Besucher waren geplant, 2019 waren es bereits \u00fcber 300.000, das alte Dokuzentrum platzte aus allen N\u00e4hten. Heuer wird deshalb das neu strukturierte und erweiterte Dokuzentrum im Herbst er\u00f6ffnet werden, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/erste-bundespraesidentin-diese-drei-politikerinnen-sind-im-spiel-113156496\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">Bundespr\u00e4sident Frank-Walter Steinmeier<\/a> wird dazu erwartet.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wer sich dann in der neuen Ausstellung durch die Nazi-Architektur bewegt, wird jedoch unweigerlich von einer anderen, wuchtigen Baustelle in den Bann gezogen. Denn in den Innenhof, die letzten Jahrzehnte allenfalls tempor\u00e4r als Parkplatz genutzt, zieht N\u00fcrnbergs Musiktheater ein. Dort entsteht ein anfangs als Interim konzeptionierter Neubau, der Oper und Ballett ab der Spielzeit 2028\/29 eine Heimat bieten soll.\n  <\/p>\n<p>            N\u00fcrnberg erh\u00e4lt ein neues kulturelles Zentrum <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Denn die alte, 1905 er\u00f6ffnete Oper im Zentrum der Stadt, ist ein Sanierungsfall ersten Ranges. Brandschutz, B\u00fchnentechnik und ganz generell der Zustand des Geb\u00e4udes bereiten der Kommune seit langem Sorgen, die Nutzung ist nur mit immer wieder erneuerten Sondergenehmigungen m\u00f6glich. Weil aber niemand seri\u00f6s absch\u00e4tzen kann, ob in N\u00fcrnberg jemals eine neue Oper entstehen kann &#8211; die Kosten werden bereits jetzt auf bis zu einer Milliarde Euro gesch\u00e4tzt -, beherbergt das geplante Interim im Kongresshallen-Innenhof wohl auf unabsehbare Zeit einen Teil des Staatstheaters. Zun\u00e4chst sind 25 Jahre Nutzungsdauer des so genannten Erg\u00e4nzungsbaus vorgesehen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Doch nicht nur einzelne Sparten ziehen in den S\u00fcdosten N\u00fcrnberg: Ein Drittel des riesigen Kongresshallen-Torsos beherbergt k\u00fcnftig die Verwaltung des 650 Mitarbeiter z\u00e4hlenden Staatstheaters, l\u00e4ngst sind die B\u00fcros f\u00fcr Intendanz &amp; Co geplant, auch hier gilt: Der urspr\u00fcnglich angedachte R\u00fcckzug in die Stadtmitte ist in die Zukunft ger\u00fcckt. N\u00fcrnberg erh\u00e4lt also ein neues kulturelles Zentrum, eines, das dank einer bereits vorhandenen Stra\u00dfenbahn-Anbindung gut erschlossen ist. Und eines, das dem Ort der Unkultur endlich kulturelles Leben einhauchen soll.\n  <\/p>\n<p>            Puristen der Erinnerungskultur lehnten baulicher Ver\u00e4nderungen ab<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ehe es so weit kommen konnte, lieferten sich zwei Lager einen Schlagabtausch: Hier die Puristen der Erinnerungskultur, die jegliche bauliche Ver\u00e4nderung in dem denkmalgesch\u00fctzten Nazi-Erbe kritisch be\u00e4ugten. Sie witterten Ungemach, wenn etwa allzu seichte Operettenmusik zur Auff\u00fchrung k\u00e4me und mit Prosecco-Gl\u00e4sern ausgestattete Operng\u00e4ste \u00fcber den Erinnerungsort schlendern.\u00a0Die Fans einer Ver\u00e4nderung im Umgang mit N\u00fcrnbergs NS-Erbe sehen hingegen in der Ansiedlung des Staatstheaters eine gro\u00dfe Chance. Letztere setzten sich in dem Diskurs durch, was vor allem an der umtriebigen und bestens vernetzten Kulturb\u00fcrgermeisterin Prof. Julia Lehner lag. Die CSU-Politikerin, im Nebenamt oberste Kulturberaterin des bayerischen Ministerpr\u00e4sidenten Markus S\u00f6der, lie\u00df nichts unversucht, die Skeptiker zu \u00fcberzeugen. N\u00fcrnbergs gescheiterte Bewerbung um den Titel Kulturhauptstadt Europas 2025 ebnete den Weg f\u00fcr die kulturelle Nutzung der Kongresshalle. Im Vorfeld dieser Bewerbung wurde lebhaft diskutiert.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Entscheidend punkten konnten Lehner und ihr Team mit der Idee sogenannter Erm\u00f6glichungsr\u00e4ume, die ebenfalls in dem riesigen Rundbau, der genau genommen nur Teile des geplanten Treppenhauses f\u00fcr die Kongresshalle beherbergt, entstehen werden. Diese R\u00e4ume bieten der freien Kulturszene N\u00fcrnbergs endlich den lange gew\u00fcnschten Platz zur Entfaltung. Das Nebeneinander von Hochkultur, repr\u00e4sentiert durch das Staatstheater, und der freien Szene verhalf den Bef\u00fcrwortern des Um- und Neubaus zu der n\u00f6tigen Akzeptanz. Von Probenr\u00e4umen f\u00fcr Bands \u00fcber Ausstellungsfl\u00e4chen f\u00fcr bildende K\u00fcnstler reicht die Palette der k\u00fcnftigen Nutzung.\n  <\/p>\n<p>            N\u00fcrnberg r\u00fcckt durch dieses besondere Kulturprojekt \u00fcberregional in den Fokus <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Seit geraumer Zeit finden Ausstellungen in der Kongresshalle statt, das Publikum soll auf den Geschmack kommen. Und das gelingt: Von Mal zu Mal steigt die Vorfreude auf den neuen, kulturellen Hotspot. Dazu tr\u00e4gt eine Erwartungshaltung bei, die bewusst gesch\u00fcrt wird: N\u00fcrnberg, so hei\u00dft es, r\u00fccke durch dieses besondere Kulturprojekt \u00fcberregional in den Fokus. Schon heute wird intensiv an den ersten Inszenierungen gefeilt, kaum etwas dringt nach au\u00dfen. Nur so viel: Es sollen internationale Ma\u00dfst\u00e4be gesetzt werden. Tats\u00e4chlich interessieren sich Medien und Kulturschaffende aus Deutschland und Europa zunehmend f\u00fcr das Areal, auf dem einst abgeschleppte Autos verwahrt wurden.\u00a0\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    N\u00fcrnberg<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Kongresshalle<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Auto<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein gro\u00dfer Parkplatz, umz\u00e4unt und bewacht. 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