{"id":720322,"date":"2026-01-15T13:42:14","date_gmt":"2026-01-15T13:42:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/720322\/"},"modified":"2026-01-15T13:42:14","modified_gmt":"2026-01-15T13:42:14","slug":"olympische-spiele-so-koennte-berlin-von-einer-bewerbung-profitieren-sport","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/720322\/","title":{"rendered":"Olympische Spiele: So k\u00f6nnte Berlin von einer Bewerbung profitieren | Sport"},"content":{"rendered":"<p><b>Berlin will die Olympischen Spiele! <\/b><\/p>\n<p>Aber: Die Bewerbung der Hauptstadt ist nicht frei von Kritik. Mit \u201eNOlympia\u201c hat sich eine aktive Gegenkampagne entwickelt. Im Interview mit BILD erkl\u00e4rt Sport-Marketing-Experte Prof. Dr. Stefan Chatrath, warum er die Berliner Bewerbung f\u00fcr sinnvoll h\u00e4lt. <\/p>\n<p>Mehr zum Thema<\/p>\n<p><b>BILD: Sie sind selbst Berliner. Unterscheidet sich ihr Blick auf die Berliner Olympiabewerbung als Experte von dem als Privatperson? <\/b><\/p>\n<p>Prof. Dr. Stefan Chatrath: Ja. Als geb\u00fcrtiger Berliner und seit meiner Kindheit sportbegeistert, w\u00e4re es ein Traum, Olympische Spiele in meiner Stadt zu erleben. Das w\u00e4re ein toller Moment, sicherlich ein H\u00f6hepunkt.<\/p>\n<p>Auch interessant<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p>Auch interessant<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p><b>Und als Sport-Marketing-Experte? Ist die Bewerbung eine Chance f\u00fcr die Stadt oder ein riskantes Imageprojekt? <\/b><\/p>\n<p>Als Chance f\u00fcr einen Aufbruch, aber nur unter klaren Bedingungen. Berlin steckt in vielen Bereichen fest: Infrastruktur, Verwaltung usw. Olympia kann ein gemeinsames Ziel liefern, das wieder Energie, Ehrgeiz und Umsetzungsdruck erzeugt. Aber: Ohne klare Kostenbegrenzungen und echte Kontrolle kann aus dem Aufbruch ein teures Prestigeprojekt werden. Und das will keiner.<\/p>\n<p><b>Mit der Bewerbung sollen strategische Ziele verfolgt werden. Vor allem im Bereich der Wirtschaft, Sportf\u00f6rderung und des Stadtimages. K\u00f6nnen diese auch auf anderem Weg erreicht werden? <\/b><\/p>\n<p>Ja, zum Teil. Berlin kann Imagepflege und Sportf\u00f6rderung auch ohne Olympia betreiben. Olympia schafft aber B\u00fcndelung: feste Termine, Umsetzungsdruck, politische Priorit\u00e4t und internationale Aufmerksamkeit. Ohne ein solches Gro\u00dfprojekt fehlt oft die Durchsetzungskraft, wirklich gro\u00dfe Vorhaben umzusetzen. Das gilt grunds\u00e4tzlich auch f\u00fcr andere internationale Formate wie eine Weltausstellung, die derzeit ebenfalls als Option diskutiert wird.<\/p>\n<p><b>Derzeit \u00e4u\u00dfern sich auch immer wieder Akteure aus dem Profisport \u2013 teilweise auch kritisch (<\/b><a href=\"https:\/\/www.bild.de\/sport\/fussball\/olympia-bewerbung-union-boss-dirk-zingler-wettert-gegen-berlin-68f787a959e2e097507073ad\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>u.a. Union Berlins Pr\u00e4sident Dirk Zingler,<\/b><\/a><b> Christoph Harting unterst\u00fctzt sogar offen die \u201eNOlympia\u201c-Kampagne). Wie bewerten Sie diese \u00c4u\u00dferungen? <\/b><\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich gilt: Kritik aus dem Profisport ist sehr ernst zu nehmen. Wenn selbst prominente Sportvertreter Zweifel \u00e4u\u00dfern, wird das in der Bev\u00f6lkerung als starkes Warnsignal wahrgenommen. Die richtige Reaktion ist nicht Emp\u00f6rung, sondern ernsthafte Auseinandersetzung und offene Diskussion. <\/p>\n<p><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"1178\" alt=\"Als Berliner und Sport-Marketing-Experte bef\u00fcrwortet Prof. Dr. Stefan Chatrath die Berliner Bewerbung\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/8ceb5cb087791486eb6eb88a35f02d0e,214594b9.jpeg\"   class=\"portrait\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p class=\"fig__caption__text\">Als Berliner und Sport-Marketing-Experte bef\u00fcrwortet Prof. Dr. Stefan Chatrath die Berliner Bewerbung<\/p>\n<p>Foto: University of Europe for Applied Sciences<\/p>\n<p><b>Dirk Zinglers Kritik bezieht sich auch darauf, dass die geplante Kapazit\u00e4t des Stadionausbaus bei Union wegen fehlendem Bahnstrom nicht genehmigt wurde. Wie kann die Stadt unter solchen Bedingungen gew\u00e4hrleisten, dass die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel w\u00e4hrend Olympia problemlos funktionieren? <\/b><\/p>\n<p>Die Kritik ist berechtigt. Ob Bahnstrom oder \u00d6PNV-Ausbau, das k\u00f6nnen letztlich Bahn und Energieversorger beantworten, nicht ein Sportmarketingexperte. Das eigentliche Problem dahinter ist ein anderes. In Berlin fehlt vielen Menschen das Vertrauen, dass politische und administrative Institutionen Gro\u00dfprojekte zuverl\u00e4ssig, p\u00fcnktlich und im Kostenrahmen umsetzen k\u00f6nnen. Dieses Vertrauensdefizit ist eines der zentralen Probleme der aktuellen Olympiabewerbung und muss gezielt adressiert werden.<\/p>\n<p><b>Statt Gro\u00dfprojekten fehlt es in Berlin aber vor allem auch an Investitionen in kleine Sportst\u00e4tten f\u00fcr den Breitensport \u2013 viele Turnhallen sind beispielsweise marode &#8230; <\/b><\/p>\n<p>Das ist kein Widerspruch. In Paris wurden zahlreiche bestehende kleinere Sporthallen modernisiert und w\u00e4hrend der Spiele als Trainingsst\u00e4tten genutzt, so das Sportzentrum Max-Rousi\u00e9 zum Beispiel. Seit Ende der Olympischen Spiele stehen diese Anlagen dem Breitensport zur Verf\u00fcgung. Entscheidend ist, dass diese Doppelnutzung von Anfang an bewusst geplant wird. Das w\u00fcrde auch in Berlin passieren.<\/p>\n<p><b>Kann am Ende also auch die breite Gesellschaft profitieren?<\/b><\/p>\n<p>Das h\u00e4ngt stark von der Gestaltung ab. Paris hat mit dem Programm \u201eEntreprendre 2024\u201c gezeigt, wie es funktionieren kann: Kleine und mittlere Unternehmen wurden gezielt an Ausschreibungen herangef\u00fchrt, vom Handwerksbetrieb \u00fcber Event-Dienstleister bis zur IT-Firma, einschlie\u00dflich sozialer Betriebe. Viele haben so erstmals Zugang zu Gro\u00dfauftr\u00e4gen bekommen. \u00dcbertragen auf Berlin hei\u00dft das: Olympia kann nur dann wirtschaftlich breit wirken, wenn lokale Unternehmen aus den Kiezen systematisch eingebunden werden, sodass nicht nur gro\u00dfe Konzerne profitieren.<\/p>\n<p><b>Berlin will sein Image verbessern. <\/b><a href=\"https:\/\/www.bild.de\/sport\/olympia\/olympia\/startseite-olympische-spiele-54193140.bild.html\" class=\"text-link\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><b>Olympia<\/b><\/a><b> 2036 wird daf\u00fcr kritisch gesehen, genau 100 Jahre nach den Nazi-Spielen. Kann darin auch eine besondere Chance stecken? <\/b><\/p>\n<p>2036 ist kommunikativ problematisch, kann aber auch eine Chance sein, wenn Berlin es aktiv rahmt, als ein Gegenbild zu 1936. Nach dem Motto: \u201eWir zeigen 100 Jahre sp\u00e4ter eine offene, freie, demokratische Stadt.\u201c<\/p>\n<p>Olympia 1936 zu verschweigen, w\u00e4re fatal<\/p>\n<p><b>Also sollte auf dieses Erbe bewusst eingegangen werden? <\/b><\/p>\n<p>Ja, das halte ich f\u00fcr zwingend. Verschweigen w\u00e4re fatal. Wenn Berlin den Zuschlag bek\u00e4me, muss es ein klares historisches Konzept geben, mit Bildungsangeboten, Ausstellungen, Gespr\u00e4chen usw.  <\/p>\n<p>Kick it like Benjamin: Elefant\u00f6ses Fu\u00dfballmatch in Nepal<a class=\"anchor video-teaser__anchor\" href=\"https:\/\/www.bild.de\/leben-wissen\/lifestyle\/kick-it-like-benjamin-elefantoeses-fussballmatch-in-nepal-694ffccef6fc544dba9b4e1d\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" width=\"992\" height=\"558\" alt=\"\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/91ecd64b019444b25d48cb09a3c51d33,2dc641ea.jpeg\"   class=\"landscape teaser__image\" loading=\"lazy\"\/><\/a><\/p>\n<p>Quelle: Reuters29.12.2025<\/p>\n<p><b>Sie haben von fehlendem Vertrauen gesprochen. Kann Berlin dieses Vertrauen in die Bewerbung zur\u00fcckgewinnen? <\/b><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde hier nicht vorschnell urteilen. Entscheidend ist der 26. September 2026, wenn der DOSB im Rahmen seiner Mitgliederversammlung die deutsche Olympiastadt k\u00fcrt. Dann muss die Kampagne ihren H\u00f6hepunkt erreichen.<\/p>\n<p><b>Sie bef\u00fcrworten Olympia in Berlin. Unter welchen Bedingungen w\u00fcrden Sie das nicht mehr tun? <\/b><\/p>\n<p>Ich w\u00fcrde klar abraten, wenn es keinen verbindlichen Kostenrahmen, keine unabh\u00e4ngige Kontrolle und keine professionell abgesicherte Umsetzung gibt. Ebenso problematisch w\u00e4re es, neue Sportst\u00e4tten ohne \u00fcberzeugende Nachnutzung zu planen. Berlin hat aber schon gezeigt, dass es anders gehen kann, mit der Max-Schmeling-Halle, entstanden im Zuge der Olympiabewerbung 2000. Sie ist bis heute als Haupthalle gut ausgelastet, und die Nebenhallen werden intensiv vom Vereinssport genutzt. Genau solche Konzepte braucht Olympia.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Stefan Chatrath ist Studiengangsleiter f\u00fcr Sport und Event Management und Prodekan f\u00fcr den Fachbereich Business an der University of Europe for Applied Sciences in Berlin. Er ist zudem Mitglied im Fachbereichsrat und im Senat der UE. Dar\u00fcber hinaus geh\u00f6rt er sowohl der Deutschen Olympischen Gesellschaft als auch dem Marketing Club Berlin an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin will die Olympischen Spiele! Aber: Die Bewerbung der Hauptstadt ist nicht frei von Kritik. 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