{"id":720846,"date":"2026-01-15T18:26:15","date_gmt":"2026-01-15T18:26:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/720846\/"},"modified":"2026-01-15T18:26:15","modified_gmt":"2026-01-15T18:26:15","slug":"wie-deutschlands-aufruestung-frankreich-beunruhigt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/720846\/","title":{"rendered":"Wie Deutschlands Aufr\u00fcstung Frankreich beunruhigt"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die deutsche Wiederaufr\u00fcstung sorgt in Frankreich f\u00fcr wachsende Nervosit\u00e4t. Wie die US-Nachrichtenagentur Bloomberg j\u00fcngst berichtete, wird die neue Milit\u00e4rpolitik der Bundesrepublik in Paris zwar offiziell begr\u00fc\u00dft, zugleich aber mit Skepsis beobachtet. <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/frankreich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frankreich<\/a> erkenne an, dass Deutschland angesichts des Ukraine-Kriegs mehr Verantwortung \u00fcbernehme. Gleichzeitig wachse die Sorge, dass Berlin seine wirtschaftliche und industrielle St\u00e4rke nun auch milit\u00e4risch ausspiele \u2013 mit m\u00f6glichen Folgen f\u00fcr das Machtgef\u00fcge in Europa.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Bloomberg verweist auf ein \u201eallgemeines Unbehagen\u201c in franz\u00f6sischen Regierungskreisen gegen\u00fcber der wachsenden deutschen Milit\u00e4rmacht. Insbesondere die massiven Investitionen Berlins \u2013 geplant sind bis 2029 Ausgaben von mehr als 500 Milliarden Euro \u2013 sowie das Ziel, das neue Nato-Ziel von 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts deutlich fr\u00fcher als gefordert zu erreichen, w\u00fcrden in Paris aufmerksam registriert. Hinzu k\u00e4men konkrete Konflikte in R\u00fcstungsprojekten: der Kauf von amerikanischen F-35-Kampfjets durch Deutschland, Spannungen um die European Sky Shield Initiative und das <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/news\/csu-forderung-notfalls-deutschen-alleingang-bei-kampfjet-fcas-li.10012525\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">stockende deutsch-franz\u00f6sische Prestigeprojekt FCAS<\/a>.<\/p>\n<p>\u201eHistorische Ablagerungen\u201c im kollektiven Bewusstsein<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Politikwissenschaftler Jacob Ross erkl\u00e4rt diese Reaktionen mit langfristigen historischen Mustern. Die in Frankreich verbreiteten Sorgen vor einem hochger\u00fcsteten Deutschland seien weniger aktueller Natur als vielmehr das Ergebnis \u201ehistorischer Ablagerungen\u201c, wie der Frankreich-Experte der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik (DGAP) der Berliner Zeitung sagt. Seit den 1950er-Jahren seien diese \u00c4ngste zwar durch politische Kooperation, zivilgesellschaftlichen Austausch und institutionalisierte Formate wie St\u00e4dtepartnerschaften \u00fcberlagert worden. Verschwunden seien sie jedoch nie.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">\u201eWenn aber nun eine politische Kraft die alten Clich\u00e9s und Sorgen wieder nutzbar machen will \u2013 etwa, um Front gegen eine angeblich deutsch kontrollierte <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/eu\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU<\/a> zu machen \u2013, muss sie nur tief genug im kollektiven Bewusstsein Frankreichs bohren\u201c, sagt Ross. Alte Bilder und \u00c4ngste lie\u00dfen sich dann rasch wieder mobilisieren.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Aus rationaler Perspektive, so Ross, sei diese Furcht kaum erkl\u00e4rbar. Weder der Zustand der Bundeswehr noch das Deutschlandbild j\u00fcngerer Generationen in Frankreich spr\u00e4chen f\u00fcr ein militaristisches oder imperialistisches Deutschland. Dennoch wirkten diese \u00c4ngste fort, auch unterschwellig. Sie w\u00fcrden \u00fcber Filme, Popkultur und historische Narrative weitertransportiert und k\u00f6nnten gezielt reaktiviert werden.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Erschwerend komme hinzu, dass politische Entwicklungen in Deutschland selbst diese Wahrnehmungen nicht entkr\u00e4ften. Dass sich die AfD insbesondere in Ostdeutschland als \u201eneopreu\u00dfische politische Kraft\u201c inszeniere und mit v\u00f6lkischen Mythen spiele, werde im Ausland sehr genau registriert. Ross verweist auf Symboliken wie die Kyffh\u00e4user-Legende, die bereits im Kaiserreich explizit antifranz\u00f6sisch aufgeladen gewesen seien. All dies trage nicht zur Beruhigung der Nachbarn bei.<\/p>\n<p>Kein Machtkampf, sondern strukturelle Blockaden<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Die zunehmenden Differenzen zwischen Berlin und Paris \u2013 etwa beim Kampfjetprojekt FCAS, der gemeinsamen Verschuldung oder bei Initiativen des franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidenten, mit <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/russland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Russland<\/a> im Gespr\u00e4ch zu bleiben \u2013 deutet Ross nicht als klassischen Machtkampf um die F\u00fchrungsrolle in Europa. Der Eindruck einer erneuten Blockade sei jedoch real. \u201eAktuell entsteht erneut der Eindruck, dass die Bundesregierung und die franz\u00f6sische Regierung nach einer hoffnungsvollen Anfangsphase erneut daran scheitern, bei gro\u00dfen Fragen f\u00fcr Europa Kompromisse zu finden\u201c, sagt er. Das erinnere fatal an die Dynamik w\u00e4hrend der Ampel-Koalition.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Ross h\u00e4lt es jedoch f\u00fcr \u00fcbertrieben, darin einen bewussten Machtkampf zu sehen. Sowohl der franz\u00f6sische Pr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/emmanuel-macron\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Emmanuel Macron<\/a> als auch Bundeskanzler <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/friedrich-merz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Friedrich Merz<\/a> seien vielmehr \u201eGefangene der Geschichte und der politischen Ordnung\u201c ihrer jeweiligen Staaten.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Macron habe seit 2017 versucht, das franz\u00f6sische Verst\u00e4ndnis von nationaler Souver\u00e4nit\u00e4t zu europ\u00e4isieren. Das deutsch-franz\u00f6sische Kampfflugzeugprojekt FCAS sei ein zentrales Symbol dieses Ansatzes gewesen. Dass das Projekt nun zu scheitern drohe, st\u00e4rke in Frankreich jene Kr\u00e4fte, die die enge Kooperation mit Deutschland und Macrons europ\u00e4ische Ambitionen grunds\u00e4tzlich infrage stellten.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">In Deutschland sei die Lage strukturell \u00e4hnlich, wenn auch aus anderen Gr\u00fcnden. Merz habe angek\u00fcndigt, die strategische Souver\u00e4nit\u00e4t Europas und eine st\u00e4rkere Emanzipation von den USA zu einer Priorit\u00e4t zu machen. Gleichzeitig m\u00fcsse er jedoch mit tief verwurzelten transatlantischen Abh\u00e4ngigkeiten umgehen: im Bundestag, in den Ministerien und im \u00f6ffentlichen Diskurs. Gerade FCAS werde in Teilen der Bundeswehr und des Verteidigungsministeriums weniger als milit\u00e4risch sinnvolles Projekt denn als politisches Symbol betrachtet.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Beiden Regierungen, so Ross, laufe die Zeit davon. Die seit Jahren beschworene Ann\u00e4herung der strategischen Kulturen Deutschlands und Frankreichs komme kaum voran. Die Frage sei letztlich grunds\u00e4tzlicher Natur: \u201eGeht man davon aus, dass Einzelpersonen wie Macron und Merz die Dinge schnell und radikal ver\u00e4ndern k\u00f6nnen? Oder fokussiert man auf langfristige Trends, institutionelle Pfadabh\u00e4ngigkeiten und den Einfluss von Sozialisierungsprozessen und zeitgeschichtlichen Entwicklungen?\u201c Mit Blick auf die aktuellen Blockaden neige er klar zur zweiten Sichtweise.<\/p>\n<p>Aufr\u00fcstung, Industriepolitik und Misstrauen<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Diese strukturellen Spannungen zwischen Deutschland und Frankreich spiegeln sich auch in aktuellen europ\u00e4ischen Debatten wider. So entz\u00fcndet sich der Konflikt derzeit besonders an der Frage der R\u00fcstungsbeschaffung f\u00fcr die <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/ukraine\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ukraine<\/a>. Frankreich dr\u00e4ngt auf strikte \u201eBuy-European\u201c-Klauseln, um die europ\u00e4ische R\u00fcstungsindustrie zu st\u00e4rken. Deutschland lehnt solche Beschr\u00e4nkungen ab und pl\u00e4diert f\u00fcr mehr Flexibilit\u00e4t, um weiter uneingeschr\u00e4nkt in den <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/usa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">USA<\/a> Waffen kaufen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Haben Sie Feedback? Schreiben Sie uns! briefe@berliner-zeitung.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Die deutsche Wiederaufr\u00fcstung sorgt in Frankreich f\u00fcr wachsende Nervosit\u00e4t. 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