{"id":720887,"date":"2026-01-15T18:47:19","date_gmt":"2026-01-15T18:47:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/720887\/"},"modified":"2026-01-15T18:47:19","modified_gmt":"2026-01-15T18:47:19","slug":"swetlana-berg-leitet-die-bahnhofsmission-in-dortmund","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/720887\/","title":{"rendered":"Swetlana Berg leitet die Bahnhofsmission in Dortmund"},"content":{"rendered":"<p class=\"expressive-copy-lg-body\">\u201eAlles, was in der Gesellschaft passiert, bildet sich zuallererst am Bahnhof ab. Die <a href=\"https:\/\/www.diakoniedortmund.de\/unsere-angebote\/suchtkranken-und-wohnungslosenhilfe\/bahnhofsmission-dortmund\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bahnhofsmission<\/a> ist sowas wie der Seismograf der Gesellschaft\u201c, sagt Swetlana Berg (60). Seit 2007 leitet sie die \u00f6kumenische Hilfseinrichtung der Diakonie am \u00f6stlichen Ende der Gleise 2-5. Gar nicht so leicht zu finden \u2013 trotzdem klingeln hier t\u00e4glich dutzende Menschen an der T\u00fcr: \u201eDas sind unsere G\u00e4ste. Wir bitten sie hinein und fragen, was wir ihnen Gutes tun k\u00f6nnen.\u201c Und so unterschiedlich wie die G\u00e4ste sind auch ihre N\u00f6te.<\/p>\n<p>            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/410251781_1766830990_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[4\/3]\" alt=\"Dortmund Bahnhofsmission\" title=\"Bodo (57) lebt derzeit in einer \u00dcbergangswohnung.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>  Geschichte wiederholt sich: Menschenf\u00e4nger am Dortmunder Hauptbahnhof<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Gegr\u00fcndet wurde die Dortmunder Bahnhofsmission im Jahr 1900. Damals boomte die Industrie, viele Menschen kamen vom Land in die Stadt, um Arbeit zu suchen \u2013 auch junge Frauen und M\u00e4dchen. Doch wo die Industrie boomt, boomt auch das Rotlichtmilieu: M\u00e4nner fingen Frauen damals mit falschen Versprechen an den Bahnh\u00f6fen ab und zwangen sie in die Prostitution. Um die Ankommenden stattdessen in sichere Arbeitsverh\u00e4ltnisse zu leiten, wurde die Dortmunder Bahnhofsmission ins Leben gerufen. \u201eDamals haben die am Bahnhof wohl richtige Wettrennen gemacht, wer schneller an der Frau ist\u201c, schildert Swetlana Berg beim Besuch unserer Redaktion. <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\"><strong>\u201eWochenDOsis\u201c<\/strong>: So hei\u00dft unser neuer Newsletter aus Dortmund und f\u00fcr Dortmund. Jeden Mittwochmorgen um 6 Uhr verschickt das Team der <a href=\"https:\/\/www.waz.de\/lokales\/dortmund\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">WAZ Dortmund<\/a> eine fein abgestimmte Story-Mischung direkt ins E-Mail-Postfach \u2013 hintergr\u00fcndig, informativ, unterhaltsam. <a href=\"https:\/\/abo-funkemedien.de\/?k=2025%2FNewsletter_WAZ%2FWochenDOsis_Redaktion%2F1%2Fwaz\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier geht\u2018s zur kostenlosen Anmeldung.<\/a> <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">An diese historische Szenerie f\u00fchlte sich Swetlana zu Beginn des Ukraine-Konfliktes schmerzlich erinnert: \u201eM\u00e4nner kamen zum Hauptbahnhof und behaupteten, sie h\u00e4tten Wohnraum, k\u00f6nnten jemanden mitnehmen. Die Frauen wollten sie sich dann aber unbedingt selbst aussuchen.\u201c Einmal seien ihr bei einem Rundgang durch die Bahnhofshallen zwei Frauen aufgefallen, die bitterlich weinten. Auf Nachfrage habe sie erfahren, dass ein Dortmunder der 20-J\u00e4hrigen und ihrer Mutter offenbar ein Zimmer angeboten hatte, sie sogar instantan zum B\u00fcrgeramt gebracht und bei sich angemeldet hatte. Die Unterkunft entpuppte sich dann jedoch als Einzimmerwohnung, in dessen Mitte ein XXL-Bett stand. \u201eWir sind jetzt eine Familie und ihr geh\u00f6rt mir jetzt, wir schlafen alle in einem Bett\u201c, habe der Mann laut Swetlana zu den Ukrainerinnen gesagt. Den Frauen gelang die Flucht und sie begaben sich zum einzigen Ort, den sie in Dortmund bereits kannten: dem Hauptbahnhof. Die gut vernetzte Einrichtungsleiterin habe ihnen schnell eine sichere Unterkunft in einer Kirchengemeinde organisieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/410373954_1767703560_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9]\" alt=\"Polizei Dortmund gr\u00fcndet Gewaltkommissariat am Hbf\" title=\"Ber\u00fcchtigtes Pflaster: Der\u00a0Hauptbahnhof in Dortmund, sein Vorplatz und die Nordstadt in seinem R\u00fccken gelten als Hotspot der Gewaltkriminalit\u00e4t.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Ber\u00fcchtigtes Pflaster: Der\u00a0Hauptbahnhof in Dortmund, sein Vorplatz und die Nordstadt in seinem R\u00fccken gelten als Hotspot der Gewaltkriminalit\u00e4t.<br \/>\n      \u00a9 FUNKE Foto Services | Socrates Tassos\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Swetlana Berg stammt urspr\u00fcnglich aus Kasachstan, spricht flie\u00dfend Russisch. Das habe sich schnell herumgesprochen, immer mehr Ukrainerinnen seien mit Hilfegesuchen zu ihr in die Bahnhofsmission gekommen: \u201eIrgendwann konnte ich meine eigentliche Arbeit nicht mehr erledigen. Deshalb entstand die Idee, dass wir jeden Mittwoch ab 13 Uhr ein Erz\u00e4hlcaf\u00e9 f\u00fcr die Ukrainerinnen einrichten.\u201c Die Frauen w\u00fcrden sich dort inzwischen vor allem gegenseitig mit Briefen und Antr\u00e4gen helfen: \u201eWir leisten Hilfe zur Selbsthilfe.\u201c<\/p>\n<p>  Die Bahnhofsmission als Reise- und R\u00fcckkehrhilfe<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Eine ebenfalls stark vertretene Nationalit\u00e4t unter den Gestrandeten sei Polen. Oft M\u00e4nner, die eigentlich zum Arbeiten kamen, was aus verschiedensten Gr\u00fcnden dann aber in der Obdachlosigkeit endete. In solchen F\u00e4llen w\u00fcrde die Bahnhofsmission den Kontakt zum <a href=\"https:\/\/www.anlaufstelle-willkommen-europa.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Dortmunder Projektverbund \u201eWillkommen Europa\u201c<\/a> herstellen oder gleich mit einem R\u00fcckfahrticket in die Heimat aushelfen. Diese Hilfsleistung werde selbstverst\u00e4ndlich auch innerhalb von Deutschland angeboten. Was jedoch nicht gehe, seien Familienausfl\u00fcge auf Kosten der Diakonie: \u201eWir pr\u00fcfen da schon den Bedarf\u201c, betont Swetlana. Doch auch, wer sich unsicher f\u00fchlt, sich wegen Einschr\u00e4nkungen nicht gut zurechtfindet oder Umsteigehilfe braucht, kann die Bahnhofsmission vorab kontaktieren und wird entsprechend unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>            Newsletter WochenDOsis: Jetzt anmelden<\/p>\n<p>Deine w\u00f6chentliche Portion Dortmund: Geschichten aus unserer Stadt, f\u00fcr die wir ganz genau hingesehen haben. Jeden Mittwoch um 6 Uhr.<\/p>\n<p>            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/1768497911_525_newsletter-envelope.png\" alt=\"Newsletter Illustration\" class=\"h-full w-full max-w-full object-cover md:max-w-[226px] lg:max-w-[234px]\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>              Newsletter WochenDOsis: Jetzt anmelden<\/p>\n<p>Deine w\u00f6chentliche Portion Dortmund: Geschichten aus unserer Stadt, f\u00fcr die wir ganz genau hingesehen haben. Jeden Mittwoch um 6 Uhr.<\/p>\n<p>              Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der<br \/>\n              <a href=\"https:\/\/www.waz.de\/service\/newsletter-adconsent\" class=\"text-copy-accent underline decoration-solid underline-offset-1 hover:text-primary-700\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Werbevereinbarung<\/a><br \/>\n              zu.<\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">\u201eDie Bahnhofsmission ist f\u00fcr alle Menschen da, die am Bahnhof Hilfe brauchen\u201c, so Swetlana. Diese suche man im Rahmen der Pr\u00e4senzdienste auch gezielt auf oder spreche hilflos wirkende Reisende bei regul\u00e4ren Rundg\u00e4ngen an. Die Mitarbeitenden seien an ihren blauen Westen leicht zu erkennen und w\u00fcrden gerne angesprochen \u2013 sei es auch nur wegen des k\u00fcrzesten Weges zum richtigen Zug.<\/p>\n<p>            <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/410321274_1761583350_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[4\/3]\" alt=\"Schwerpunkt-Einsatz am Dortmunder Hauptbahnhof: Bundespolizei und Landespolizei gehen gemeinsam auf Streife. \" title=\"Schwerpunkt-Einsatz am Dortmunder Hauptbahnhof: Bundespolizei und Landespolizei gehen gemeinsam auf Streife. \" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>  Ehrenamt zwischen Empathie und Selbstschutz <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">\u201eIch bin fast 20 Jahre jeden Tag mit dem Zug gefahren, daher sind mir die Mitarbeiter in den blauen Westen immer vor Augen gewesen\u201c, sagt Sozialarbeiter J\u00fcrgen Fuchs (67). \u201eAls ich vor drei Jahren in Rente ging, suchte ich mir eine ehrenamtliche T\u00e4tigkeit, die einen Bezug zu meinem Leben, zu meiner Lebenseinstellung hat.\u201c In dem 56-k\u00f6pfigen Team leitet er den Einsatz der vielen Ehrenamtlichen. Diese \u00fcbernehmen pro Woche bis zu zwei Dienste \u00e0 drei Stunden, nachdem sie an verschiedenen Trainings teilgenommen haben. Dazu geh\u00f6ren mitunter Schulungen zum Thema Deeskalation, Gespr\u00e4chsf\u00fchrung, Resilienz und Selbstschutz.<\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/410374068_1762256229_v16_9_1200.jpeg\" class=\"relative z-10 block w-full object-cover aspect-[16\/9] md:aspect-[16\/9] lg:aspect-[16\/9]\" alt=\"Bahnhofsmission in Dortmund am 17.10.2025 Wochendosis\" title=\"Student Sven D. \u00fcbernimmt ehrenamtlich Dienste bei der Dortmunder Bahnhofsmission.\" loading=\"lazy\"\/><\/p>\n<p>\n      Student Sven D. \u00fcbernimmt ehrenamtlich Dienste bei der Dortmunder Bahnhofsmission.<br \/>\n      \u00a9 Funke Medien NRW | Tom Hoops\n    <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">Bei Letzterem spielen auch die blauen Westen eine wesentliche Rolle: \u201eMir hilft, dass wir Arbeitskleidung haben. Beratungsgespr\u00e4che \u2013 besonders, wenn die Stimmung kippt \u2013 finden nicht mit mir als Privatperson statt, sondern mit der Weste\u201c, sagt der ehrenamtliche Helfer Sven D. (34). Der Soziologie-Student hat einige Situationen, die Bahnhofsmission-G\u00e4ste durchmachen, in seiner Jugend selbst erlebt: \u201eIch war mal obdachlos und habe damals sehr viel Hilfe bekommen. Auf diese Art und Weise will ich ein bisschen was zur\u00fcckgeben.\u201c Auch f\u00fcr sein Studium sei dieses Ehrenamt sehr wertvoll: \u201eMan ist direkt am Sozialraum Bahnhof dran. Viele neue Entwicklungen, die f\u00fcr die Forschung interessant sind, kriege ich hier hautnah mit.\u201c <\/p>\n<p class=\"expressive-copy-lg-body\">An erster Stelle stehe aber stets die Selbstf\u00fcrsorge, wie Chefin Swetlana Berg erkl\u00e4rt: \u201eDas Schwierigste ist wohl, auszuhalten, dass wir nicht immer und allen Menschen helfen k\u00f6nnen.\u201c Die Bahnhofsmission versuche grunds\u00e4tzlich, ihre G\u00e4ste so zu nehmen, wie sie sind: \u201eAber wir k\u00f6nnen den Moment, den sie bei uns verbringen, f\u00fcr sie etwas sch\u00f6ner machen. Und das tr\u00e4gt zu gegebener Zeit dann auch Fr\u00fcchte.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\u201eAlles, was in der Gesellschaft passiert, bildet sich zuallererst am Bahnhof ab. 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