{"id":721049,"date":"2026-01-15T20:13:11","date_gmt":"2026-01-15T20:13:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/721049\/"},"modified":"2026-01-15T20:13:11","modified_gmt":"2026-01-15T20:13:11","slug":"gastarbeiter-in-stuttgart-opas-geschichten-sind-tausendfach-passiert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/721049\/","title":{"rendered":"\u201eGastarbeiter\u201c in Stuttgart: \u201eOpas Geschichten sind tausendfach passiert\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Eine Ausstellung in Stuttgart behandelt die Erfahrungen italienischer \u201eGastarbeiter\u201c. Wie blicken deutsch-italienische Jugendliche auf die Geschichten ihrer Eltern und Gro\u00dfeltern?<\/p>\n<p>Luca Perazzotti lauschte schon immer gerne den Anekdoten seines Gro\u00dfvaters. Von Opa Giuseppe erfuhr der 17-J\u00e4hrige, wie es damals gewesen sei mit dem Ankommen in <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Deutschland\" title=\"Deutschland\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschland<\/a>: die fremde Kultur, \u201eItaliener verboten\u201c- Schilder in Restaurants \u2013 aber auch die Hoffnung auf ein neues Leben. <\/p>\n<p>Viele der Erz\u00e4hlungen hielt Perazzotti lange Zeit f\u00fcr nicht gerade wirklichkeitsgetreu. \u201eIch dachte, Opa h\u00e4tte das meiste davon erfunden\u201c, sagt der Jugendliche. Doch sp\u00e4testens seit dem Besuch einer <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Ausstellung\" title=\"Ausstellung\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ausstellung<\/a> im Hauptstaatsarchiv <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a> wei\u00df er: \u201eOpas Geschichten sind tausendfach so passiert.\u201c <\/p>\n<p>Aufbruch ins Ungewisse, Ankunft in Stuttgart <\/p>\n<p>Die Schau handelt <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.gastarbeiter-aus-kalabrien-arrivederci-und-gruess-gott.89f3acf6-686a-495b-afb6-a30937ee1917.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">von dem vor gut 70 Jahren beschlossenen deutsch-italienische Anwerbeabkommen<\/a>. Hunderttausende Menschen wie Luca Perazottis Gro\u00dfvater wanderten ab 1955 vor allem aus dem armutsgeplagten S\u00fcden Italiens nach <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Baden-W%C3%BCrttemberg\" title=\"Baden-W\u00fcrttemberg\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Baden-W\u00fcrttemberg<\/a> und speziell in die Region Stuttgart aus. In der neuen Heimat leisteten sie einen gewichtigen, aber oft \u00fcbergangenen Beitrag zum wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/media.media.b40680dd-c73f-4f4d-9c2f-876fa3c0c0eb.original1024.media.jpeg\"\/>     Am Beispiel des ehemaligen CDU-Arbeitsministers Anton Storch zeigt die Ausstellung: Schon in den 1950er-Jahren gab es Migrationsgegner.    Foto: Lichtgut\/Leif Piechowski    <\/p>\n<p>Anhand von historischem Material veranschaulicht die Ausstellung die Lebensumst\u00e4nde derer, <a href=\"https:\/\/www.migrationsbegriffe.de\/gastarbeiter\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die damals als \u201eGastarbeiter\u201c bezeichnet wurden<\/a>. Da ist zum Beispiel ein Lederkoffer, mit dem ein Italiener einst ins Ungewisse aufbrach. Oder Fotos der Barackensiedlungen, in denen deutsche Unternehmen teilweise ihre ausl\u00e4ndischen Arbeitskr\u00e4fte unterbrachten. <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Geschichte\" title=\"Geschichte\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geschichte<\/a> der \u201eGastarbeiter\u201c in Baden-W\u00fcrttemberg <\/p>\n<p>Luca Perazzotti hat sich die Ausstellung zusammen mit dem Italienisch-Kurs der elften Klassen am K\u00f6nigin-Katharina-Stift Gymnasium (KKS) angeschaut. Die Lehrerin des Kurses: Perazzottis Mutter Jasmin Casuccio. Die 46-J\u00e4hrige legt gro\u00dfen Wert darauf, mit ihren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern \u00fcber das Thema <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Migration\" title=\"Migration\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Migration<\/a> zu sprechen \u201eEine F\u00fchrung durch die Ausstellung war f\u00fcr uns deshalb Pflichtprogramm\u201c, sagt sie.<\/p>\n<p>Zumal viele der Jugendlichen in Jasmin Casuccios Klasse einen famili\u00e4ren Bezug dazu haben. So etwa die 16-J\u00e4hrige Gina Faul, deren Mutter ihre italienische Heimat in den 1980er-Jahren verlie\u00df. Doch mit den historischen Hintergr\u00fcnden habe sie sich bislang kaum befasst, sagt Faul. \u201eIch wusste nicht, dass allein nach Baden-W\u00fcrttemberg mehr als 200.000 Menschen aus <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Italien\" title=\"Italien\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Italien<\/a> gekommen sind.\u201c Nun wolle sie mehr \u00fcber deren Geschichten erfahren.<\/p>\n<p>Migration heute <\/p>\n<p>Sara Montana Lampo hat sogar selbst erlebt, wie es ist, sich als italienisches Kind pl\u00f6tzlich in einem neuen Land zurechtfinden zu m\u00fcssen. Vor neun Jahren siedelte sie mit ihrer Familie nach Stuttgart \u00fcber. Heute, als 19-J\u00e4hrige, kommt ihr vieles in der Ausstellung bekannt vor. \u201eIn S\u00fcditalien gibt es noch immer wenig Arbeit, das ist wie damals\u201c, sagt sie beispielsweise. <\/p>\n<p>F\u00fcr sie dagegen \u00fcberraschend: die Bilder von den deutschen Barackensiedlungen der Zugewanderten in den 1950er- und 1960er-Jahren. \u201eDas hat mich schockiert, dass die Menschen damals in so kleinen H\u00e4usern aus Holz leben mussten.\u201c Montana Lampo geht eigentlich auf die Schickhardt Gemeinschaftsschule, besucht aber den Italienisch-Kurs am KKS. Genauso wie Christian Enea, dessen Familie ebenfalls erst in seiner Jugendzeit nach Deutschland auswanderte. Der 18-J\u00e4hrige erinnert sich noch gut an die sprachlichen Probleme zu Beginn: \u201eIch konnte erst einmal mit niemandem reden, das war schwer.\u201c<\/p>\n<p> Ein italienischer Opa und sein Stuttgarter Enkel <\/p>\n<p>Auch Luca Perazzottis Gro\u00dfvater Giuseppe Casuccio stand zun\u00e4chst alleine da. Er hatte sich Ende der 1950er-Jahre keinen Anwerbevertrag sichern k\u00f6nnen. Nachdem er auf eigene Faust ins franz\u00f6sische Metz gereist war, fand er dort kein deutsches Unternehmen, das ihn ohne offizielle Arbeitserlaubnis aufnehmen wollte. In der Not sprang ihm ein anderer Italiener bei, der zu diesem Zeitpunkt bereits in Mannheim lebte. Er lud Casuccio in sein Auto ein und nahm in mit \u00fcber die Grenze. Aus den beiden M\u00e4nner wurden bald dicke Freunde. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/media.media.c74439aa-6e62-42f8-9138-60dd06343195.original1024.media.jpeg\"\/>     Der sogenannte Gastarbeiter als Kunstfigur.    Foto: Lichtgut\/Leif Piechowski    <\/p>\n<p>In Mannheim angekommen, hangelte sich Casuccio von Baustellenjob zu Baustelllenjob. \u201eEr hat sich langsam hochgearbeitet\u201c, sagt Luca Perazzotti. Nach f\u00fcnf Jahren dann allerdings ein Schicksalsschlag: Bei einem schweren Autounfall starb der Freund, dem Casuccio so viel zu verdanken hatte. Er selbst wurde dabei selbst schwer verletzt. <\/p>\n<p>Daraufhin habe sein Opa noch einmal komplett neu anfangen m\u00fcssen, wei\u00df Luca Perazzotti. \u201eSp\u00e4ter hat er dann meine Oma kennengelernt \u2013 und meine Mutter ist entstanden.\u201c Die junge Familie tat das, was f\u00fcr die \u201eGastarbeiter\u201c urspr\u00fcnglich nicht vorgesehen war: Sie blieben in Deutschland \u2013 ebenso wie Hunderttausende andere Italiener, T\u00fcrken, Griechen. Ein Gewinn f\u00fcr die neue Heimat, wie die Ausstellung im Hauptstaatsarchiv deutlich macht. Luca Perazzotti h\u00e4lt diese Botschaft aktuell f\u00fcr enorm wichtig. Er sagt: \u201eBei den damaligen Migrationserfahrungen sehe ich viele Parallelen zu heute.\u201c Auch deshalb h\u00f6rt und erz\u00e4hlt er noch immer gerne Geschichten wie die seines Opas. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Ausstellung in Stuttgart behandelt die Erfahrungen italienischer \u201eGastarbeiter\u201c. 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