{"id":721148,"date":"2026-01-15T21:11:10","date_gmt":"2026-01-15T21:11:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/721148\/"},"modified":"2026-01-15T21:11:10","modified_gmt":"2026-01-15T21:11:10","slug":"eu-ratsvorsitz-zypern-offen-fuer-die-welt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/721148\/","title":{"rendered":"EU-Ratsvorsitz Zypern: Offen f\u00fcr die Welt"},"content":{"rendered":"<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Als <a data-rtr-index=\"14\" title=\"Zypern\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/wirtschaft\/thema\/zypern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zypern<\/a> zum ersten Mal dem Ministerrat der Europ\u00e4ischen Union vorsa\u00df, 2012, war Nikos Christodoulidis Pressesprecher der EU-Vertretung seines Landes. Inzwischen ist er der Pr\u00e4sident. Im Gespr\u00e4ch mit EU-Korrespondenten, von denen er einige noch aus seiner Br\u00fcsseler Zeit kannte, erinnerte der 52 Jahre alte Politiker in dieser Woche daran zur\u00fcck, wie Zypern seinerzeit gesehen wurde.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eWir wurden als Mitgliedstaat betrachtet, der nur ein Thema kennt\u201c, sagte er in seinem Pr\u00e4sidentenpalast in Nikosia. \u201eWir riefen nach einem Eingreifen, wann immer das Wort T\u00fcrkei irgendwo fiel.\u201c Die T\u00fcrkei, das zyprische Trauma. 1974 intervenierte der gro\u00dfe Nachbar am Mittelmeer auf der Insel und besetzte deren n\u00f6rdlichen Teil. Bis heute ist sie faktisch geteilt, obwohl sie rechtlich seit 2004 als Ganzes zur <a data-rtr-index=\"30\" title=\"Europ\u00e4ische Union\" href=\"https:\/\/www.faz.net\/aktuell\/politik\/thema\/europaeische-union\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU<\/a> geh\u00f6rt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Nun aber wollen die griechischen Zyprer ihr Image absch\u00fctteln, das sie oft genug selbst best\u00e4tigt haben, wenn sie eine engere Zusammenarbeit mit der T\u00fcrkei wegen bilateraler Konflikte blockierten. Als kleines Land mit gut einer Million Einwohnern sei es einfacher, sich \u201eauf eine europ\u00e4ische Agenda zu fokussieren und ein ehrlicher Makler zu sein\u201c, sagte Christodoulidis.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Genau das wird von jedem Land erwartet, das sechs Monate lang den Vorsitz in den Arbeitsgruppen des Rats, im Gremium der EU-Botschafter und in den meisten Ministerr\u00e4ten f\u00fchrt. Aber es stimmt schon: Gr\u00f6\u00dfere Staaten tun sich schwerer damit, ihre eigenen Interessen in dieser Zeit zur\u00fcckzustellen.<\/p>\n<p>20 Minuten nach Damaskus, eine halbe Stunde nach Tel Aviv<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Freilich billigt die EU jedem Ratsvorsitz zu, eigene Akzente zu setzen. Und die kreisen erst einmal nicht um die T\u00fcrkei. \u201eEine autonome Union, offen f\u00fcr die Welt\u201c, das ist das Motto der Pr\u00e4sidentschaft. Zypern sieht sich selbst als gutes Beispiel \u2013 und als Br\u00fccke in den Nahen Osten.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Christodoulidis beschrieb es so: Nach Libanon betrage die Flugzeit nur 18 Minuten, nach Damaskus 20 Minuten, nach Tel Aviv eine halbe Stunde und nach \u00c4gypten weniger als eine Stunde. Entsprechend eng sind auch die politischen Kontakte. In Zypern wird diese Nachbarschaft nicht nur als Region der Konflikte, sondern auch der wirtschaftlichen Chancen dargestellt.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Wohl auch deshalb brachten der Pr\u00e4sident und sein Kabinett die EU-Kommissare am Donnerstag in das futuristische Passagierterminal von Limassol, dem gr\u00f6\u00dften Hafen der Insel. Von dort aus gehen F\u00e4hren nach \u00c4gypten, Griechenland und Israel. Bei dem traditionellen Antrittsbesuch wurde die Agenda der n\u00e4chsten Monate geplant. Zypern will dann die Beziehungen zum Nahen Osten und zu den Mittelmeeranrainern ins Zentrum r\u00fccken.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Das Land hat sich etwa mit einem Seekorridor profiliert, \u00fcber den humanit\u00e4re Hilfe von Larnaka aus direkt in den Gazastreifen gelangt \u2013 und es verf\u00fcgt \u00fcber gleicherma\u00dfen gute Beziehungen zu Israel und zu den Pal\u00e4stinensern. Auch der neue Pakt f\u00fcr das Mittelmeer soll eine herausgehobene Rolle spielen. Bei einem informellen Europ\u00e4ischen Rat sollen die Staats- und Regierungschefs der EU und die zehn Partnerstaaten am Mittelmeer im April \u00fcber eine erste Liste konkreter Projekte befinden.<\/p>\n<p>Das Thema Asyl steht auf der Agenda weit oben<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Weit oben auf der Agenda steht das Thema Asyl und Migration. Zypern ist seit Langem das EU-Land mit dem h\u00f6chsten Pro-Kopf-Anteil von Asylbewerbern. Die Mitgliedstaaten haben das gerade erst anerkannt, indem sie dem Land ihre besondere Solidarit\u00e4t zusicherten, mit finanzieller Unterst\u00fctzung und der \u00dcbernahme einiger Gefl\u00fcchteter.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der sogenannte Solidarit\u00e4tspool greift von Mitte Juni an, wenn die 2024 beschlossene Asylreform in Kraft tritt. Von dann an m\u00fcssen alle Asylbewerber an den Au\u00dfengrenzen der EU \u00fcberpr\u00fcft und registriert werden, einige werden dort auch ein Schnellverfahren bekommen. In den n\u00e4chsten Monaten m\u00fcssen alle Staaten daf\u00fcr die Voraussetzungen schaffen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Zypern sieht sich gut aufgestellt, auch weil der Migrationsdruck im vergangenen Jahr stark zur\u00fcckgegangen ist \u2013 um 86 Prozent im Vergleich mit 2022, wie der zust\u00e4ndige stellvertretende Minister Nicholas Ioannides erl\u00e4uterte. Zugleich sind die Zahlen f\u00fcr R\u00fcckf\u00fchrungen sehr hoch: rund 12.000 allein im vorigen Jahr, womit das kleine Land in absoluten Zahlen den dritten Platz der EU-Statistik belegt. Das Gros davon waren freiwillige R\u00fcckkehrer, darunter 4500 Syrer.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">\u201eT\u00e4glich erleben wir, wie Syrer ihre Asylantr\u00e4ge zur\u00fcckziehen\u201c, sagte Ioannides, der bei der R\u00fcckkehr eng mit den syrischen Beh\u00f6rden und internationalen Organisationen zusammenarbeitet. Seine Erfahrungen will er nun mit den Ministerkollegen teilen. \u201eWir glauben, dass wir die Zahl von R\u00fcckkehrern nach Syrien in den n\u00e4chsten Monaten noch deutlich steigern k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Zypern hofft auf Schengen-Fortschritte<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die Regierung in Nikosia hofft darauf, dass sie selbst in diesem Jahr Fortschritte auf dem Weg zu einem Schengen-Beitritt machen kann. Noch muss jeder, der aus der EU nach Larnaka fliegt, die Grenzkontrolle passieren, auch wenn das mit den automatisierten Systemen viel schneller geht als fr\u00fcher. Dass das Land bisher nicht zum Schengenraum geh\u00f6rt, h\u00e4ngt mit den komplizierten Verh\u00e4ltnissen auf der geteilten Insel zusammen. Souver\u00e4n kontrollieren k\u00f6nnen die griechischen Zyprer nur den gr\u00f6\u00dferen S\u00fcden.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Gleichwohl heben sie hervor, dass es bisher keinerlei Sekund\u00e4rmigration aus der T\u00fcrkei gebe. Personen, die nur einen t\u00fcrkischen Pass besitzen, d\u00fcrfen die Kontrollstellen an der gr\u00fcnen Linie ohne Visum nicht passieren. Ob das System wirklich wasserdicht ist, wird derzeit von der EU-Kommission \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Die T\u00fcrkei soll zwar nicht im Zentrum der Ratspr\u00e4sidentschaft stehen, doch k\u00f6nnte Nikosia die sechs Monate durchaus nutzen, um die Beziehungen zu Ankara und zu den Beh\u00f6rden im Norden der Insel zu verbessern. Im Gespr\u00e4ch ist etwa die Er\u00f6ffnung eines weiteren Grenz\u00fcbergangs. Der im Oktober neu gew\u00e4hlte Pr\u00e4sident der international nicht anerkannten T\u00fcrkischen Republik Nordzypern, Tufan Erh\u00fcrman, gilt vielen als Hoffnungstr\u00e4ger.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Er setzte sich gegen den Amtsinhaber durch, der dem t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten Recep Tayyip Erdo\u011fan nahestand. Erh\u00fcrman will die Gespr\u00e4che mit der griechisch-zyprischen Seite \u00fcber eine gerechte Machtteilung zwischen den Volksgruppen wieder aufnehmen und auch n\u00e4her an die Europ\u00e4ische Union heranr\u00fccken.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Erwogen wird in Nikosia, Erdo\u011fan zum informellen Europ\u00e4ischen Rat mit den Mittelmeeranrainern im April einzuladen, obwohl die T\u00fcrkei formal nicht zum Mittelmeerpakt geh\u00f6rt. F\u00fcr den t\u00fcrkischen Pr\u00e4sidenten w\u00e4re es eine doppelte Premiere: die erste Teilnahme an einem EU-Gipfel und der erste Besuch im S\u00fcden der Insel. Der zyprische Pr\u00e4sident Christodoulidis hat ein klares Interesse an einer Entspannung der Beziehungen.<\/p>\n<p class=\"p1 sm:p1-medium items-start pb-[20px]\" data-selector=\"body-paragraph\" data-external-selector=\"body-elements-paragraph\" data-v-f16c667d=\"\" data-v-439309db=\"\">Der liberal-konservative Politiker will das neutrale Land n\u00e4her an die NATO und deren Partnerschaftsprogramm heranr\u00fccken. Bisher wurde das stets von Ankara blockiert. Doch k\u00f6nnte auch die T\u00fcrkei von einer Ann\u00e4herung profitieren: wenn Zypern im Gegenzug den Weg daf\u00fcr frei macht, dass sie sich an EU-Verteidigungsprojekten und Waffenprogrammen beteiligen darf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Als Zypern zum ersten Mal dem Ministerrat der Europ\u00e4ischen Union vorsa\u00df, 2012, war Nikos Christodoulidis Pressesprecher der EU-Vertretung&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":721149,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-721148","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115901175480143763","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/721148","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=721148"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/721148\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/721149"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=721148"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=721148"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=721148"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}