{"id":722015,"date":"2026-01-16T05:21:13","date_gmt":"2026-01-16T05:21:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722015\/"},"modified":"2026-01-16T05:21:13","modified_gmt":"2026-01-16T05:21:13","slug":"gefaehrliche-feindseligkeit-gegenueber-der-eu-diepresse-com","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722015\/","title":{"rendered":"Gef\u00e4hrliche Feindseligkeit gegen\u00fcber der EU \u2013 DiePresse.com"},"content":{"rendered":"<p>Wahrheit und Macht. Die EU hindert die USA daran, ihre Interessen ungest\u00f6rt durchzusetzen. Ein Dokument offenbart Trumps Strategie.<\/p>\n<p>Speaking Truth to Power\u201c ist eine seit der amerikanischen B\u00fcrgerrechtsbewegung popul\u00e4re Phrase, die sich wohl am besten als das Aussprechen unbequemer Wahrheiten gegen\u00fcber den M\u00e4chtigen \u00fcbersetzen l\u00e4sst. Diese gewaltlose Strategie beruht auf dem Vertrauen, dass sich die Wahrheit langfristig nicht unterdr\u00fccken l\u00e4sst und sich durch ihre Erkenntnis die Welt ver\u00e4ndern wird, auch wenn eine autorit\u00e4re Staatsgewalt dies zu verhindern sucht. In den Theorien internationaler Beziehungen findet sich darauf kein Bezug, in der Diplomatie ist man mit dem Konzept der Wahrheit ohnehin vorsichtig. Und trotzdem f\u00fchlt man sich derzeit nicht zum ersten Mal an diese \u00fcberkommene amerikanische Tugend erinnert. Die Frage stellt sich, ob das mutige Aussprechen dessen, was ist, nicht auch ein Teil au\u00dfenpolitischer Strategie sein kann. <\/p>\n<p>Dass die US-Intervention zur Entf\u00fchrung des venezolanischen Diktators <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/nicolas-maduro\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" feindseligkeit=\"\" gegen=\"\" der=\"\" eu=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Maduro<\/a> einen Bruch grundlegender Regeln des V\u00f6lkerrechts und der <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/uno\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" feindseligkeit=\"\" gegen=\"\" der=\"\" eu=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">UNO<\/a>-Charta darstellt, sei so eine Wahrheit, sagen V\u00f6lkerrechtsexperten. Sie warnen davor, das Offensichtliche nicht auszusprechen, gerade weil das V\u00f6lkerrecht mangels Durchsetzbarkeit durch einen Weltpolizisten von seiner Anerkennung durch die Staatengemeinschaft lebt. Es ist eben nicht totes Recht, solang es als Recht angesehen, wenn auch oft nicht durchgesetzt wird.<\/p>\n<p>              Hinweis: <\/p>\n<p>Gastkommentare und Beitr\u00e4ge von externen Autoren m\u00fcssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/meinung\/gastkommentar\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">&gt;&gt;&gt; Mehr Gastkommentare<\/a><\/p>\n<p>Der Unterschied der Staatskunst zum Mut pers\u00f6nlichen Handelns, eine Wahrheit auszusprechen, liegt darin, dass die Konsequenzen politischer Aussagen von Entscheidungstr\u00e4gern alle Mitglieder des von ihnen vertretenen Gemeinwesens betreffen. Es ist also kein Zufall, dass besonders jene <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/eu\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" feindseligkeit=\"\" gegen=\"\" der=\"\" eu=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU<\/a>-Staaten, die dabei waren, den Pariser Gipfel zur Ukraine vorzubereiten, vorsichtig in der \u00f6ffentlichen Bewertung des amerikanischen Tabubruchs in Venezuela waren. Denn der Erfolg dieses Treffens hing im Wesentlichen von glaubhaften US-Sicherheitsgarantien f\u00fcr eine Waffenstillstandslinie und europ\u00e4ische Friedenstruppen in der Ukraine ab. Es ist ein tragisches Dilemma: Um dem fundamentalen Rechtsbruch <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/putin\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" feindseligkeit=\"\" gegen=\"\" der=\"\" eu=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Putins<\/a> in der Ukraine und der Bedrohung der gesamten europ\u00e4ischen Sicherheitsarchitektur zu begegnen, wozu die Europ\u00e4er die USA brauchen, soll der Mann im Wei\u00dfen Haus nicht durch Verweis auf seinen V\u00f6lkerrechtsbruch erz\u00fcrnt werden. <\/p>\n<p>Dass in Paris gleichzeitig von gro\u00dfen europ\u00e4ischen Staaten in Bezug auf die US-Anspr\u00fcche auf Gr\u00f6nland \u201edie Aufrechterhaltung der Prinzipien der <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/un-charta\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" feindseligkeit=\"\" gegen=\"\" der=\"\" eu=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">UN-Charta<\/a>\u201c gefordert und erkl\u00e4rt wurde, dies seien \u201euniverselle Prinzipien\u201c, klingt allerdings nun hohl, gerade weil diese Universalit\u00e4t offenbar nur in europ\u00e4ischen Angelegenheiten beschworen wird. <\/p>\n<p>Im Fall der USA gilt aber (gewiss mit Einschr\u00e4nkungen) auch: \u201ePower is speaking the truth.\u201c Darauf hat US-Au\u00dfenminister <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/marco-rubio\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" feindseligkeit=\"\" gegen=\"\" der=\"\" eu=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marco Rubio<\/a> in einer Pressekonferenz hingewiesen: Man solle Donald Trump endlich glauben, dass er tut, was er ank\u00fcndigt. Daher d\u00fcrfen wir die neue Nationale Sicherheitsstrategie der USA nicht als Beamtenpapier herunterspielen, das Trump nicht einmal gelesen hat. Die offenkundige Feindseligkeit gegen\u00fcber der EU, die aus dem Dokument spricht, offenbart seine strategische Intention. Denn Europa ist eben keine Region wie alle anderen. Diese Sonderstellung hat eine ideologische und eine institutionelle Komponente. <\/p>\n<p>Ideologisch versucht das Dokument, die Deutungshoheit \u00fcber die gemeinsamen Wurzeln der Aufkl\u00e4rung mit Europa zu erlangen: \u201eDie Rechte auf freie Meinungs\u00e4u\u00dferung, Religions- und Gewissensfreiheit sowie das Recht, unsere Regierung zu w\u00e4hlen und zu bestimmen, sind Kernrechte, die nie verletzt werden d\u00fcrfen. In Bezug auf L\u00e4nder, die diese Prinzipien teilen oder vorgeben, sie zu teilen, werden sich die USA nachdr\u00fccklich daf\u00fcr einsetzen, dass sie (\u2026) eingehalten werden. Wir werden uns gegen von Eliten getriebene, antidemokratische Beschr\u00e4nkungen von Kernfreiheiten in Europa, der Anglosph\u00e4re und dem Rest der demokratischen Welt, insbesondere unter unseren Verb\u00fcndeten, stellen.\u201c<\/p>\n<p>US-Vizepr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/www.diepresse.com\/thema\/vance\" data-tracking=\"at-link\" data-tracking-data=\"{\" event=\"\" click=\"\" article=\"\" feindseligkeit=\"\" gegen=\"\" der=\"\" eu=\"\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Vance<\/a> und seine ideologischen Freunde ziehen eine klare Verbindung zwischen uns Europ\u00e4ern und dem innenpolitischen mehrheitlich demokratischen Widerstand in den USA gegen Trumps Konterrevolution. Das Europa der Aufkl\u00e4rung hat eine zu starke Ausstrahlung, als dass es unver\u00e4ndert bestehen bleiben darf, gerade weil der Gr\u00fcndungsakt der USA derselben Tradition entspringt. Der Kampf um demokratische Diskursf\u00e4higkeit in (sozialen) Medien, um die Universalit\u00e4t der Menschenrechte, die soziale Dimension demokratischer Teilhabe, die Bew\u00e4ltigung der Klimakrise, all das wird durch dieses Dokument nicht nur zu einer transatlantischen Auseinandersetzung zwischen Europa und den USA, sondern zum ideologischen Kampf innerhalb der Staaten auf beiden Seiten des Atlantiks. Deshalb unterst\u00fctzt die US-Administration auch ihre ideologischen Verb\u00fcndeten in Europa und formuliert \u201edie Kultivierung von Widerstand gegen Europas derzeitige Entwicklung in europ\u00e4ischen Nationen\u201c als offizielle Politik. <\/p>\n<p>Die Einzigartigkeit Europas liegt aber auch an den Institutionen der Europ\u00e4ischen Union. Unter dem ideologischen und in seiner Offensichtlichkeit ziemlich l\u00e4cherlichen Vorwand, dass die EU schuld an Europas vorgeblichem zivilisatorischen und \u00f6konomischen Niedergang sei, propagieren Vance, Thiel und Co. ein Europa der Nationen und feiern die Parteien der anti\u00adeurop\u00e4ischen extremen Rechten.<\/p>\n<p>Bei der Aufz\u00e4hlung der k\u00fcnftigen Priorit\u00e4ten f\u00fcr Europa wird der Grund f\u00fcr die Feindseligkeit gegen\u00fcber der EU offen genannt: Sie hindert die USA daran, einen \u201eFrieden\u201c mit Moskau auf dem R\u00fccken der Ukraine und Europas zu schlie\u00dfen (\u201eWiederherstellung der Stabilit\u00e4tsbedingungen in Europa und der strategischen Stabilit\u00e4t mit Russland\u201c), und sie hindert sie daran, \u00f6konomische Interessen ungest\u00f6rt durchzusetzen (\u201e\u00d6ffnung europ\u00e4ischer M\u00e4rkte f\u00fcr US-Waren und -Dienstleistungen und Gew\u00e4hrleistung einer fairen Behandlung von US-Arbeitnehmern und -Unternehmen\u201c).<\/p>\n<p>Die EU ist der Grund daf\u00fcr, dass die USA uns nicht so behandeln k\u00f6nnen, wie sie das anderen kleineren Staaten gegen\u00fcber schon jetzt tun (und in der Vergangenheit h\u00e4ufig getan haben). Wenn die Welt in Einflusssph\u00e4ren der Starken aufgeteilt ist und V\u00f6lkerrecht und UN-Charta keine Rolle mehr spielen, ist die EU unsere einzige Verteidigung gegen\u00fcber diesem Neoimperialismus, in dem sich die USA und Russland immer \u00e4hnlicher werden. <\/p>\n<p>Wir sollten diesen zentralen ideologischen Widerspruch und die institutionelle Auseinandersetzung in unseren eigenen strategischen Dokumenten zur Sicherheit \u00d6sterreichs und Europas benennen. Die Nationale Sicherheitsstrategie der USA spricht selbst von ideologischer \u201esoft power\u201c, auch wenn sie ansonsten einem kruden Machtrealismus fr\u00f6nt. Proeurop\u00e4ische Kr\u00e4fte sollten die Auseinandersetzung \u00fcber Werte und Ideen mit ihren Gegnern daher nicht nur in Europa, sondern auch in der amerikanischen Gesellschaft f\u00fchren. Wir haben mit der demokratischen Opposition und der Zivilgesellschaft in den USA und in vielen anderen Staaten der Welt Verb\u00fcndete, die es zu st\u00e4rken gilt, wenn sie unsere gemeinsamen Werte verteidigen und dem Amtsinhaber im Wei\u00dfen Haus die Wahrheit entgegenhalten.<\/p>\n<p>              Der Autor<\/p>\n<p>Helfried Carl war von 2014 bis 2019 Botschafter in der Slowakei, zuvor B\u00fcroleiter von NR-Pr\u00e4sidentin Prammer; Gr\u00fcnder der Initiative \u201eEuropean Capital of Democracy\u201c und Partner am Innovation in Politics Institute. <\/p>\n<p>    Lesen Sie mehr zu diesen Themen:<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Wahrheit und Macht. Die EU hindert die USA daran, ihre Interessen ungest\u00f6rt durchzusetzen. 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