{"id":722038,"date":"2026-01-16T05:33:17","date_gmt":"2026-01-16T05:33:17","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722038\/"},"modified":"2026-01-16T05:33:17","modified_gmt":"2026-01-16T05:33:17","slug":"ist-dresden-gewappnet-fuer-einen-blackout","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722038\/","title":{"rendered":"Ist Dresden gewappnet f\u00fcr einen Blackout?"},"content":{"rendered":"<p>Ein Blackout hatte nach einem Anschlag tagelang das Stromnetz im Berliner S\u00fcdwesten lahmgelegt. Dabei war auch schonungslos offengelegt worden, wo es bei der kritischen Infrastruktur der Bundeshauptstadt hakt. F\u00fcr einen bedeutenden Teil von Dresdens kritischer Infrastruktur ist die Stadtentw\u00e4sserung zust\u00e4ndig \u2013 die Entsorgung und Reinigung des Abwassers. Es w\u00e4re ein Drama, wenn nach einem Blackout bei der Abwasserentsorgung der Haushalte oder der rasant wachsenden Mikrochipindustrie nichts mehr gehen w\u00fcrde. \u201eDa haben wir als Betreiber eine besondere Verantwortung\u201c, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Ralf Strothteicher.\u00a0<\/p>\n<p>Vom Stromausfall bis zum Cyberangriff&#13;<\/p>\n<p>\u201eWir sind auf verschiedene Krisenszenarien eingerichtet\u201c, erkl\u00e4rt er. \u201eDie Lage wird nach unserer Einsch\u00e4tzung zunehmend ernster.\u201c Dabei gehe es nicht nur um einen Blackout, sondern auch um Hochwasser der Elbe oder anderer Gew\u00e4sser, Pandemien oder einen Cyberangriff aufs IT-System des Unternehmens. \u201eNach einer entsprechenden Risikobewertung haben wir verschiedene Konzepte f\u00fcr die jeweiligen Szenarien erarbeitet, um die Sch\u00e4den gering zu halten und nach dem Ereignis schnell zu einem regul\u00e4ren Betrieb unserer Anlagen zur\u00fcckkehren zu k\u00f6nnen\u201c, sagt der Abwasser-Chef.  Es sei wichtig, die Notf\u00e4lle auch regelm\u00e4\u00dfig praktisch zu \u00fcben.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/3-hauptpumpwerk-at5a8995_TEXT.JPG\"\/><\/p>\n<p class=\"\">Das Kaditzer Hauptpumpwerk und andere gr\u00f6\u00dfere Abwasser-Pumpwerke im Dresdner Stadtgebiet k\u00f6nnen beim Blackout weiter mit Notstromaggregaten betrieben werden. Das wird regelm\u00e4\u00dfig ge\u00fcbt.<\/p>\n<p>Stromversorgung im Kl\u00e4rwerk gekappt&#13;<\/p>\n<p>Seit \u00fcber zehn Jahren testet die Stadtentw\u00e4sserung den Ernstfall, so wenn bei einem Blackout der Strom nicht nur regional, sondern in Mitteleuropa f\u00fcr mehrere Tage ausf\u00e4llt. Bei den \u00dcbungen wird die Stromversorgung am Zulauf gekappt, was im Kl\u00e4rwerk \u201ekleine Insel\u201c genannt wird. Dabei handelt es sich um die Anlagen vom Zulauf \u00fcber den Sandfang und den Grob- sowie den Feinrechen bis hin zum Hauptpumpwerk. &#13;\n<\/p>\n<p>Zur Stromversorgung gibt es f\u00fcr diesen Fall ein gro\u00dfes Notstromaggregat, was eine Leistung von 1.000 Kilowatt hat. Allerdings kann das nicht die Versorgung des gesamten Kl\u00e4rwerks sichern. Deshalb m\u00fcssen auch die drei Blockheizkraftwerke an den Fault\u00fcrmen wieder in Betrieb genommen werden, die eine Leistung von drei Megawatt (MW) haben, was 4.080 PS entspricht. Geplant ist ein weiteres Blockheizkraftwerk, sodass dann mit vier MW insgesamt eine Leistung von 5.440 PS zur Verf\u00fcgung steht. Da beim Blackout weniger Kl\u00e4rgas aus den Fault\u00fcrmen kommt, wurde f\u00fcr solche Notf\u00e4lle ein Erdgasanschluss hergestellt. &#13;\n<\/p>\n<p>\u00a0Energie aus Kl\u00e4rgas, Sonne und Wasserkraft&#13;<\/p>\n<p>\u201eBei der eigenen Energieerzeugung von Strom und W\u00e4rme liegen wir jetzt schon bei knapp 90 Prozent\u201c, erkl\u00e4rt Strothteicher. Derzeit werden j\u00e4hrlich rund 18.000 Kilowattstunden (kWh) erzeugt. Der Gro\u00dfteil des gr\u00fcnen Stroms wird aus dem Kl\u00e4rgas der beiden Fault\u00fcrme erzeugt. In die Fault\u00fcrme kommen t\u00e4glich rund 1.000 Tonnen Kl\u00e4rschlamm.  Bakterien zersetzen organische Bestandteile im Kl\u00e4rschlamm und es steigt Faulgas empor, etwa 60 Prozent Methan, der Rest Kohlendioxid. &#13;\n<\/p>\n<p>Es folgen weitere Aufbereitungsschritte. Kompressoren erzeugen letztlich den n\u00f6tigen Gasdruck f\u00fcr die Motoren des jeweiligen Blockheizkraftwerks. Sie treiben Generatoren an. So kann sehr energieeffizient W\u00e4rme und Strom erzeugt werden. Mit der W\u00e4rme der Abgase werden die Fault\u00fcrme und das benachbarte Betriebsgeb\u00e4ude beheizt. \u201eGeplant ist, dass das vierte Blockheizkraftwerk 2027 in Betrieb geht\u201c, nennt der Abwasser-Chef das Ziel.&#13;\n<\/p>\n<p>Au\u00dferdem wird im Kl\u00e4rwerk Kaditz Strom aus Wasserkraft gewonnen. 2024 waren es rund 690.000 kWh. Das funktioniert wie folgt. Durch einen 275 Meter langen Kanal flie\u00dft das gereinigte Abwasser von der Kl\u00e4ranlage bis zur Elbmitte. Dabei geht es bergab. Das nutzt die Stadtentw\u00e4sserung im Ablaufbauwerk mit einem kleinen Kraftwerk zur Energiegewinnung. Immerhin flie\u00dfen rund 55 Millionen Kubikmeter j\u00e4hrlich in die Elbe. Das Wasser treibt eine Turbine an. Der angeschlossene Generator erzeugt Strom f\u00fcrs Kl\u00e4rwerk. Die sogenannte Kaplanturbine war Ende 2004 in Betrieb genommen worden. Sie hat eine Leistung von 120 Kilowatt. Die Anlage l\u00e4uft Tag und Nacht. Nur bei Hochwasser, wie im Juni 2013, oder bei St\u00f6rungen muss sie abgeschaltet werden. &#13;\n<\/p>\n<p>\u201eWir haben auch noch Photovoltaikanlagen installiert\u201c, verweist er auf einen weiteren Baustein. Damit werden j\u00e4hrlich bis zu 160.000 kWh erzeugt. Dar\u00fcber hinaus sind Geothermieanlagen mit vier 100 Meter tiefen Erdbohrungen und W\u00e4rmepumpen installiert, mit denen B\u00fcrogeb\u00e4ude in den ehemaligen Fault\u00fcrmen beheizt und gek\u00fchlt werden k\u00f6nnen. \u201eWir erzeugen am Standort Strom und W\u00e4rme, sodass wir weitgehend unabh\u00e4ngig von der \u00f6ffentlichen Energieversorgung sind\u201c, nennt er den gro\u00dfen Vorteil auch f\u00fcr Notf\u00e4lle.&#13;\n<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig Ernstfall geprobt&#13;<\/p>\n<p>Aber nicht nur den Blackout, sondern auch den Flutfall testet die Stadtentw\u00e4sserung regelm\u00e4\u00dfig. Daf\u00fcr gibt es Hochwasserschutz-Konzepte f\u00fcr das Kl\u00e4rwerk, f\u00fcr das Kanalnetz und f\u00fcr die Pumpwerke. Alle zwei Jahre wird der Ernstfall in Kaditz geprobt. Aufgebaut wird dabei ein technisches Schutzsystem, das den Kaditzer Deich zumindest um einen Dreiviertelmeter erh\u00f6ht. Schlie\u00dflich war das Kl\u00e4rwerk bei der Flut 2002 komplett \u00fcberschwemmt worden. Durch diese und viele weitere Schutzma\u00dfnahmen konnte das Kl\u00e4rwerk bei der Juniflut 2013 hingegen zuverl\u00e4ssig weiterarbeiten.&#13;\n<\/p>\n<p>Doch die mobile Schutzwand ist bald nicht mehr n\u00f6tig. Die Landestalsperrenverwaltung will ab dem Fr\u00fchjahr einen Flutschutz f\u00fcr die \u00dcbigauer Insel bauen, der auch das Kl\u00e4rwerk sch\u00fctzt. Vorgesehen ist, dass der 1,4 Kilometer lange Deich um rund einen Meter erh\u00f6ht wird. Der sch\u00fctzt das Kl\u00e4rwerk vor einer besonders gro\u00dfen Flut wie 2002.&#13;\n<\/p>\n<p>Pandemie-Lager und Schutz vor Cyberkriminellen&#13;<\/p>\n<p>\u201eWir haben auch entsprechende Konzepte f\u00fcr den Fall einer Pandemie\u201c, erl\u00e4utert Strothteicher. Bei der Corona-Pandemie ab 2020 wurden sie umgesetzt und weiterentwickelt. Denn der ordnungsgem\u00e4\u00dfe Betrieb muss in jeder Krise aufrechterhalten werden.  So gibt es ein Pandemielager, in dem unter anderem Schutzmasken, Handschuhe, Einweganz\u00fcge und Desinfektionsmittel eingelagert sind. &#13;\n<\/p>\n<p>Zudem sind Cyberkriminelle in den vergangenen Jahren immer professioneller geworden. \u201eWir arbeiten daran, es den Angreifern m\u00f6glichst schwer zu machen und im Schadensfall die Auswirkungen m\u00f6glichst gering zu halten\u201c, sagt Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Strothteicher.&#13;\n<\/p>\n<p>Text: Peter Hilbert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Blackout hatte nach einem Anschlag tagelang das Stromnetz im Berliner S\u00fcdwesten lahmgelegt. 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