{"id":722052,"date":"2026-01-16T05:40:10","date_gmt":"2026-01-16T05:40:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722052\/"},"modified":"2026-01-16T05:40:10","modified_gmt":"2026-01-16T05:40:10","slug":"tauben-in-der-stadt-zwischen-verbot-und-ehrenamt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722052\/","title":{"rendered":"Tauben in der Stadt: Zwischen Verbot und Ehrenamt"},"content":{"rendered":"<p>Pflegen oder sich selbst \u00fcberlassen: Ob am Bayerischen Bahnhof in Leipzig oder am Hauptbahnhof in Dresden &#8211; Tauben werden schnell zu einem Problem. Zu viele Tiere, die zu viel Dreck erzeugen. Wie also umgehen mit den V\u00f6geln? W\u00e4hrend die St\u00e4dte auf F\u00fctterungsverbote setzen, schauen freiwillige Initiativen vor allem auf das Tierwohl. Eine Obhut und gute Nahrung sollen dem endlosen Dreck ein Ende setzen. Die St\u00e4dte sind davon bislang nicht \u00fcberzeugt.\u00a0<\/p>\n<p>St\u00e4dte als Paradies f\u00fcr Tauben<\/p>\n<p>Doch warum sind \u00fcberhaupt Ma\u00dfnahmen notwendig? Zu viele Tauben gelten oft als Problem. Ob Hauseigent\u00fcmer oder die Kommune: In gro\u00dfen Scharen werden sie schnell zu unliebsamen G\u00e4sten.\u00a0<\/p>\n<p>Gerade in St\u00e4dten finden die Stadttauben ein gutes Angebot an Nistm\u00f6glichkeiten, erkl\u00e4rt Sabine Krause von dem Verein Stadttauben-Initiative Dresden. Als Nachfahren der Felsentaube f\u00fchlten sich die Tiere besonders an und in Steinmauern wohl, erg\u00e4nzt Konstanze Radke von der Stadttaubenhilfe Leipzig. Zugleich w\u00fcrden j\u00e4hrlich etliche Brief- und Zuchttauben \u00fcber Abwege in der Stadt landen, so Radke.<\/p>\n<p>Der Status quo: Tausende Brutpaare in Sachsen<\/p>\n<p>Nach einer Studie von 2022 bis 2024 leben alleine im Freistaat Sachsen zwischen 12.000 und 24.000 Brutpaare, teilte das Landesministerium f\u00fcr Umwelt mit. Eine gesetzliche Verpflichtung, sich um die Tiere zu k\u00fcmmern, haben die Kommunen grunds\u00e4tzlich nicht. Tauben gelten als herrenlose Tiere, erkl\u00e4rt die Stadt Leipzig auf Anfrage. Pflege und Versorgung seien damit freiwillig.\u00a0<\/p>\n<p>Die drei gr\u00f6\u00dften Kommunen Sachsens greifen dennoch regulierend ein. So gibt es in Leipzig, Chemnitz und Dresden F\u00fctterungsverbote f\u00fcr die Tiere. Leipzig und Dresden begr\u00fcnden das Verbot vor allem mit dem Infektionsschutz, w\u00e4hrend Chemnitz den Wildtierschutz in den Vordergrund stellt. Ein Versto\u00df kann in der Landeshauptstadt sowie in Leipzig zu einer Geldbu\u00dfe von bis zu 5.000 Euro f\u00fchren.<\/p>\n<p>Das Nahrungsangebot sei jedoch gar nicht ausschlaggebend f\u00fcr die Gr\u00f6\u00dfe der Population, sagt Krause. \u00abAlles, was sie hier an Nahrung finden, ist nicht artgerecht\u00bb, erkl\u00e4rt sie. Das f\u00fchre vor allem zu viel Durchfall bei den Tieren. Auch seien die verwilderten Haustiere es nicht gewohnt, sich Futter auf Wiesen zu suchen. Stattdessen griffen sie auf M\u00fcll zur\u00fcck.<\/p>\n<p>F\u00fctterungsverbote, wie sie in den gr\u00f6\u00dften St\u00e4dten Sachsens existieren, halten beide Vereine daher f\u00fcr ineffektiv. Es sei Tierqu\u00e4lerei, da die Tiere keine Chance haben, artgerechtes Futter zu finden, so Marta Broll, ebenfalls von der Stadttauben-Initiative Dresden.<\/p>\n<p>Tiere br\u00fcten unter allen Umst\u00e4nden<\/p>\n<p>Die Tiere, oft Nachkommen von Haus-, Zucht- und Brieftauben, br\u00fcteten oft das gesamte Jahr \u00fcber. Eier legen die Tauben auch unter den widrigsten Bedingungen, best\u00e4tigt Radke. Zwischen sechs- und achtmal pro Jahr br\u00fcteten domestizierte Tauben, so Broll. Wildtauben hingegen nur ein- bis zweimal. Kommunale Gesamtkonzepte zum Umgang mit Stadttauben gebe es bislang nicht.<\/p>\n<p>Freiwillige Initiativen statt kommunaler Konzepte<\/p>\n<p>Die Stadt Dresden verweist auf private Taubenschl\u00e4ge in der Stadt. Der Verein Stadttauben-Initiative Dresden unterh\u00e4lt vier in Dresden. So wurde etwa im Herbst 2018 ein Taubenschlag am Bahnhof Mitte mit 350 Tauben errichtet.\u00a0<\/p>\n<p>Die Taubenschl\u00e4ge, in denen die Eier der Brutpaare durch Kunsteier ersetzt werden, dienen der Bestandsregulierung. J\u00e4hrlich werden so \u00fcber 1.800 Eier alleine am Bahnhof ausgetauscht, erkl\u00e4rt Broll. Stadtweit seien es fast 4.500 Eier. Zus\u00e4tzlich holen Freiwillige t\u00e4glich bis zu 10 Kilogramm Kot aus dem Taubenschlag. Die Tiere verbringen hier fast 80 Prozent ihres Tages. So sei die Verschmutzung in der Umgebung deutlich zur\u00fcckgegangen.\u00a0<\/p>\n<p>Angelehnt ist das Konzept am Augsburger Modell. Bereits vor mehr als 20 Jahren wurden hier f\u00fcr alle Tauben Schl\u00e4ge gebaut und damit begonnen, Eier auszutauschen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Effektivit\u00e4t dieser Taubenschl\u00e4ge f\u00fcr die Bestandsregulierung sei unbekannt, erkl\u00e4rt jedoch die Stadt Dresden. Der Verein best\u00e4tigt, dass es f\u00fcr eine effiziente Bestandsregulierung an jedem Hotspot einen Taubenschlag geben m\u00fcsste. Daf\u00fcr br\u00e4uchte es jedoch mehr Unterst\u00fctzung der Stadt: Vor allem an Fl\u00e4chen f\u00fcr neue Taubenschl\u00e4ge fehlt es. Weitere Freiwillige k\u00f6nnen sich finden lassen.\u00a0<\/p>\n<p>Die Stadt Chemnitz spricht von drei Taubenh\u00e4usern, welche durch den \u00abTierschutzverein Chemnitz und Umgebung e.V.\u00bb betreut werden. Wie der Verein jedoch auf Anfrage mitteilte, wurden diese Taubenh\u00e4user aufgrund fehlender Finanzierungsm\u00f6glichkeiten aufgel\u00f6st. Die Taubenschl\u00e4ge seien zum Teil abgerissen worden. Aktuell fehle es in Chemnitz damit an jeglicher Initiative f\u00fcr die Tauben.\u00a0<\/p>\n<p>Auch Leipziger Helfer setzen auf Taubenschl\u00e4ge<\/p>\n<p>In Leipzig sei die Zahl der Tauben nicht bekannt, so die Stadt. Das Ordnungsamt gehe jedoch von mehreren Tausend aus. Geld fehle aktuell, um ein freiwilliges Projekt zu unterst\u00fctzen, erkl\u00e4rt ein Sprecher. Die Effektivit\u00e4t von Taubenschl\u00e4gen wird jedoch bezweifelt.<\/p>\n<p>Der Verein Stadttaubenhilfe in Leipzig hat drei Taubenschl\u00e4ge. Einer davon steht hinter dem Bayerischen Bahnhof. Ungef\u00e4hr 200 Tiere werden hier \u00e4hnlich wie in Dresden betreut. Gemeinsam mit der Deutschen Bahn soll so das Taubenproblem an der Haltestelle in den Griff bekommen werden.<\/p>\n<p>Um noch effektiver den Taubenbestand in Leipzig zu regeln, br\u00e4uchte der Verein Unterst\u00fctzung durch die Stadt. Vor allem leerstehende Geb\u00e4ude bieten den Tieren g\u00fcnstige Bedingungen zum Br\u00fcten. Auch hier w\u00fcrde der Verein gerne Eier austauschen, um die Ausbreitung zu reduzieren. Doch auch neue Pl\u00e4tze f\u00fcr einen Taubenschlag nimmt der Verein gerne an. \u00abEs w\u00e4re einfach sch\u00f6n, wenn sie uns mal zuh\u00f6ren\u00bb, sagt Radke. Schlie\u00dflich seien die Tiere nur durch den Menschen in der Stadt.\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Pflegen oder sich selbst \u00fcberlassen: Ob am Bayerischen Bahnhof in Leipzig oder am Hauptbahnhof in Dresden &#8211; Tauben&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":722053,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[35756,3364,29,30,1724,71,859,2631],"class_list":{"0":"post-722052","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-tauben","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-gesellschaft","13":"tag-leipzig","14":"tag-sachsen","15":"tag-tier"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115903176626961134","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/722052","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=722052"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/722052\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/722053"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=722052"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=722052"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=722052"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}