{"id":722128,"date":"2026-01-16T06:22:12","date_gmt":"2026-01-16T06:22:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722128\/"},"modified":"2026-01-16T06:22:12","modified_gmt":"2026-01-16T06:22:12","slug":"wie-entstand-die-erfolgskomoedie-von-sebastian-seidel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722128\/","title":{"rendered":"Wie entstand die Erfolgskom\u00f6die von Sebastian Seidel?"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Herr Seidel, vor 20 Jahren hat ihr St\u00fcck \u201eHamlet for you\u201c seine Premiere gefeiert \u2013 und hat sich dann rasant schnell zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Mehr als 40 Inszenierungen rund um die Welt, von Augsburg \u00fcber New York bis Istanbul. Und jetzt l\u00e4uft Ihr \u201eHamlet\u201c auch wieder im Sensemble Theater, auf Ihrer eigenen B\u00fchne. Wie schreibt man denn so einen Dauerbrenner?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold font-sans\">SEBASTIAN SEIDEL (LACHT):<\/strong> An solche Erfolgsrezepte denke ich \u00fcberhaupt gar nicht. Wenn ich ein St\u00fcck schreibe, habe ich eine Idee, und wenn sich alles f\u00fcgt, eine gute. Ich denke dabei aber nicht an die Umsetzung, noch nicht an die Inszenierung, nicht an die Folgen. Ich bin dann ganz in dem Moment, in dem ich es schreibe.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Aber hatten sie trotzdem schon eine Ahnung, einen Verdacht, dass Ihr \u201eHamlet\u201c ein Hit werden k\u00f6nnte? Wie denken sie an die Zeit zur\u00fcck, in der sie das St\u00fcck verfasst haben?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold font-sans\">SEIDEL:<\/strong> Eine Grundlage war, dass ich Shakespeares \u201eHamlet\u201c in- und auswendig kannte, schon von Kindheit an, weil meine Mutter dieses St\u00fcck geliebt hat. Sie war Anglistin, Literaturwissenschaftlerin, insofern habe ich viel mit ihr \u00fcber das Werk gesprochen, ich habe es verinnerlicht. Und die zweite Grundlage war, dass ich das St\u00fcck f\u00fcr die Schauspieler Birgit Linner und J\u00f6rg Schur geschrieben habe. Es war ein Gl\u00fcck, dass ich sie vor Augen hatte und dann beim Schreiben gemerkt habe, dass die Dialoge pl\u00f6tzlich automatisch laufen. Ich wusste sofort, was sie einander antworten w\u00fcrden. Was sagt der eine, was der andere? Das war damals ein richtiger Schreibflow, ich wei\u00df noch, dass ich im B\u00fcro sa\u00df und den Text in nur zwei, drei Wochen geschrieben habe. Und dabei musste ich schon ziemlich lachen. Manchmal sp\u00fcrt man dieses sehr gute Gef\u00fchl beim Schreiben. Aber das hei\u00dft noch lange nicht, dass der Text auch anderen so gef\u00e4llt! Oder dass dann auch die Inszenierung gelingt. Man darf beim Schreiben nicht schon an die Wirkung denken. Besser, man l\u00e4sst der Fantasie einfach freien Lauf und schreibt. Wenn ich diese Schere der Umsetzung schon ab dem ersten Satz im Kopf gehabt h\u00e4tte, dann h\u00e4tte ich manche Szene wahrscheinlich nicht so verr\u00fcckt geschrieben.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Wie erkl\u00e4ren Sie sich denn den Erfolg Ihres St\u00fccks?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold font-sans\">SEIDEL:<\/strong> Das St\u00fcck schafft es, bei aller Komik und Unterhaltung, auch den Inhalt des Originals von Shakespeare zu vermitteln, und selbst wenn man kaum Ahnung von \u201eHamlet\u201c hat, kann man dem Inhalt folgen. Das St\u00fcck vermittelt auch, wie das elisabethanische Theater von Shakespeare damals funktioniert hat. Das war eben nicht so ein Theater wie heute, in dem man still im Publikum sitzt, sondern ein Theater, in dem viel Trubel war im Publikum, und das hat seinen Reiz.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Aber es steckt ja noch mehr in Ihrer Kom\u00f6die als der klassische \u201eHamlet\u201c \u2026<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold font-sans\">SEIDEL:<\/strong> Das St\u00fcck funktioniert auf mindestens zwei Ebenen. Parallel zu Shakespeares Geschichte entwickelt sich die Beziehung zwischen den beiden Figuren auf der B\u00fchne. Es sind zwei M\u00e4nner, die zusammenwohnen. Es ist eine langj\u00e4hrige Freundschaft zwischen sehr unterschiedlichen Typen. Der eine ist recht intellektuell, oder versucht es zu sein, und der andere ist ein sehr naiver, aber empathischer Mensch. Und diese Figurenkonstellation ist der Kern des St\u00fccks. Wann streiten sie sich? Wann finden Sie zusammen? Wie geben sie aufeinander acht? Das ist eigentlich wie bei einem alten Ehepaar.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Wie bei Ernie und Bert in der Sesamstra\u00dfe?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold font-sans\">SEIDEL:<\/strong> Ja, genau! Da gibt es viele Beispiele dieser Art. Auch \u201eDick und Doof\u201c w\u00e4ren ein gutes Beispiel f\u00fcr so ein Paar, das gemeinsam funktioniert. Und das ist das Wichtige, wenn man das St\u00fcck inszeniert, man muss als Regisseur weniger den \u201eHamlet\u201c inszenieren als diese Beziehung. Und das ist auch die Schwierigkeit, wenn ich fremde Inszenierungen sehe, und beobachte: Worauf legt der Regisseur hier Wert?\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Verfolgen Sie, was da mit Ihrem St\u00fcck passiert, wenn es um die Welt wandert?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold font-sans\">SEIDEL:<\/strong> Ja nat\u00fcrlich, am Anfang habe ich mich bem\u00fcht, zu jeder neuen Inszenierung zu reisen. Wir waren in New York bei einer Vorstellung, in Basel und Zagreb. In Darmstadt, K\u00f6ln und Neu-Ulm habe ich es gesehen. Sp\u00e4ter kam ich dann nicht mehr hinterher, es waren einfach zu viele Neuinszenierungen. Aber die erfolgreichste hat das Baba Sahne Theater aus Istanbul geschaffen. Es ist fantastisch: Das t\u00fcrkische Ensemble tourt durch ganz Europa mit dem St\u00fcck und spielt es auch immer noch in der T\u00fcrkei, in Istanbul und anderen St\u00e4dten. Der Clou dabei: K\u00f6nig Claudius tritt in dieser Inszenierung als Persiflage auf Erdo\u011fan auf. Und deswegen spielt die Gruppe dieses St\u00fcck auch nicht in St\u00e4dten, in denen Erdo\u011fans Anh\u00e4nger dominieren. Weil es den \u201eHamlet\u201c so politisch inszeniert, hat das Ensemble auch schon ernste Probleme mit dem t\u00fcrkischen Staat bekommen. Das zeigt: Man kann nat\u00fcrlich auch heute noch mit dem \u201eHamlet\u201c-Stoff politisch werden, und das ist ein weiterer Grund, warum die Kom\u00f6die erfolgreich ist. \u201eHamlet\u201c war damals zu Shakespeares Zeit ein sehr politisches St\u00fcck, ein Schauspiel gegen das Gebaren der Obrigkeit, gegen Machtspiele. Man k\u00f6nnte heutzutage K\u00f6nig Claudius auch als Trump inszenieren.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold\">Nach all diesen Inszenierungen, wie hat sich denn Ihr eigener Blick auf Ihr St\u00fcck mit den Jahren ver\u00e4ndert?<\/strong><\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <strong class=\"font-bold font-sans\">SEIDEL:<\/strong> Ich finde es erstaunlich, wie unglaublich unterschiedlich man dieses St\u00fcck inszenieren kann. Dabei muss ich als Autor aber auch loslassen k\u00f6nnen und mich auf das einlassen, was da zu sehen ist. Ich muss etwas Abstand gewinnen zu meinem eigenen St\u00fcck. Das ist aber nicht so einfach, da wir das St\u00fcck am Sensemble Theater ja schon seit 20 Jahren spielen und ich jeden Satz kenne. Ich zucke schon mal zusammen, wenn in einer fremden Inszenierung ein Satz anders gesprochen wird, oder wenn ich sofort merke, dass etwas im Text gestrichen wurde. Das war anfangs recht schwierig f\u00fcr mich. Aber heute? Freue ich mich sehr, wenn ich sehe, dass \u201eHamlet for you\u201c wieder irgendwo gespielt wird, an einem ganz neuen Ort.\n  <\/p>\n<p>    Zur Person<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Sebastian Seidel, Autor und Regisseur, f\u00fchrt mit seiner Frau Anne Schuester das Sensemble Theater in der Kulturfabrik in Augsburg. 2006 kam hier Seidels  Kom\u00f6die \u201eHamlet for you\u201c zur Urauff\u00fchrung. Aktuell l\u00e4uft das St\u00fcck wieder auf der Sensemble-B\u00fchne, in Originalbesetzung. Alle Informationen unter www.sensemble.de.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/copy20of20sch069tif.jpg\" alt=\"Sebastian Seidel, Autor und Regisseur, f\u00fchrt mit seiner Frau Anne Schuester das Sensemble Theater.\" title=\"Sebastian Seidel, Autor und Regisseur, f\u00fchrt mit seiner Frau Anne Schuester das Sensemble Theater.\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Sebastian Seidel, Autor und Regisseur, f\u00fchrt mit seiner Frau Anne Schuester das Sensemble Theater.<br \/>\n    Foto: Fred Sch\u00f6llhorn<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Sebastian Seidel, Autor und Regisseur, f\u00fchrt mit seiner Frau Anne Schuester das Sensemble Theater.<br \/>\n    Foto: Fred Sch\u00f6llhorn<\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Veronika Lintner<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Sebastian Seidel<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Dauerbrenner<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Herr Seidel, vor 20 Jahren hat ihr St\u00fcck \u201eHamlet for you\u201c seine Premiere gefeiert \u2013 und hat sich&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":722129,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1846],"tags":[680,772,166150,3364,29,548,663,3934,30,13,14,15,12,166149],"class_list":{"0":"post-722128","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-augsburg","8":"tag-augsburg","9":"tag-bayern","10":"tag-dauerbrenner","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-eu","14":"tag-europa","15":"tag-europe","16":"tag-germany","17":"tag-headlines","18":"tag-nachrichten","19":"tag-news","20":"tag-schlagzeilen","21":"tag-sebastian-seidel"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115903341840242014","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/722128","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=722128"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/722128\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/722129"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=722128"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=722128"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=722128"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}