{"id":722527,"date":"2026-01-16T10:03:38","date_gmt":"2026-01-16T10:03:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722527\/"},"modified":"2026-01-16T10:03:38","modified_gmt":"2026-01-16T10:03:38","slug":"das-hundertwasser-haus-in-dachau-das-nicht-von-hundertwasser-ist-dachau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722527\/","title":{"rendered":"Das \u201eHundertwasser-Haus\u201c in Dachau, das nicht von Hundertwasser ist &#8211; Dachau"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Josef Lochner verzeichnet einen neuen Besucherrekord. Knapp 2000 Kunst-Fans sind im vergangenen Quartal in seine kleine Galerie in der Dachauer Altstadt gekommen, um die farbenfrohen Druckgrafiken von Friedensreich Hundertwasser zu sehen. Auch 25 Jahre nach dessen Tod ist das Werk des \u00f6sterreichischen K\u00fcnstlers ungemein popul\u00e4r. Das befeuert auch das Interesse an dem bunten Haus mit seinen geschwungenen Giebeln und goldenen Kugeln an der M\u00fcnchner Stra\u00dfe.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eHundertwasser-Haus\u201c nennen es die Dachauer \u2013 weil es aussieht, als h\u00e4tte der Meister pers\u00f6nlich es hier hingebaut. Und das stimmt sogar. Aber der Meister ist in diesem Fall nicht Hundertwasser, sondern B\u00e4ckermeister Peter Denk.\u00a0 Er steht vor der Eingangst\u00fcr unter dem goldenen Schriftzug \u201eDenk-Mal\u201c, das Haar ragt struppig unter der Wollm\u00fctze hervor. Lange war er aus der Stadt verschwunden. Er reist viel um die Welt, nach Asien, S\u00fcdamerika, Sibirien. \u201eIn diesem Jahr bin ich mal zu Hause\u201c, sagt er und grinst.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Wer hinten steht, muss sich auf die Zehenspitzen stellen, um ihn zu sehen. Eine Traube von 30 Neugierigen umringt ihn. Das Dachauer \u201eHundertwasser-Haus\u201c kennt fast jeder in der Stadt \u2013 aber was es damit genau auf sich hat, das wissen nur wenige. 2013 hat Denk das Haus umgestaltet, \u201eim Sinne und Geiste von Friedensreich Hundertwasser\u201c. \u201eHundertwasser-Haus\u201c darf man es offiziell gar nicht nennen, denn in den Bau war der K\u00fcnstler pers\u00f6nlich nicht involviert; er starb bereits im Jahr 2000.<\/p>\n<p>Die Backstube ging schon vor mehr als 100 Jahren in Betrieb<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Doch seine Vision einer natur- und menschengerechten Architektur hat Bauherr Peter Denk hier mit sehr viel Liebe zum Detail, aber auch mit einem enormen Aufwand umgesetzt. Auf Vorspr\u00fcngen und D\u00e4chern sprie\u00dfen B\u00e4ume, einer w\u00e4chst sogar durch die Fenstersprossen ins Freie. Solche \u201eBaummieter\u201c sind Teil von Hundertwassers Ideenwelt. Menschen brauchen Sauerstoff \u2013 der Baum liefert ihn. Ein bisschen verr\u00fcckt muss man schon sein, um in der Kleinstadt Dachau ein Haus im Hundertwasser-Stil hinzustellen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Erbaut wurde das Haus bereits im Jahr 1862, eine Backstube gibt es darin schon seit mehr als 100 Jahren, zeitweise soll es dort auch eine Tankstelle und eine Poststation gegeben haben. Im Laufe der Jahre wurde das Haus mehrmals erweitert. Und das sah Peter Denk auch, als er es 1994 kaufte. \u201eEs war unzusammenh\u00e4ngend\u201c, erz\u00e4hlt er, \u201edas totale Chaos!\u201c Geheizt wurde noch wie vor dem Krieg \u2013 mit dem Ofen. In den kleinen Appartements wohnten Griechen und T\u00fcrken, die sich nicht mehr leisten konnten. Der Komfort: gering. Hauptsache billig.<\/p>\n<p>Die Mieter sollten kreativ werden \u2013 wurden sie aber nicht<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Denk lie\u00df die Wohnungen renovieren. Und weil er Hundertwasser schon immer toll fand, rief er unter den Mietern einen Wettbewerb aus: 500 Mark f\u00fcr die sch\u00f6nste Fassadengestaltung. Hundertwasser hatte schlie\u00dflich ein \u201eFensterrecht\u201c ersonnen: So weit der Arm reicht, darf jeder Bewohner die Au\u00dfenwand nach eigenem Gusto ver\u00e4ndern. Eine Hundertwasser-Optik, die von innen kommt. \u201eIch dachte, dass das die Mieter f\u00fcr mich machen\u201c, sagt Denk. Die 500 Mark musste er behalten. \u201eKeiner hat was gemacht.\u201c Alle lachen. Am lautesten Peter Denk.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Als das Haus generalsaniert werden musste, nutzte er die Gelegenheit, den gesamten Geb\u00e4udekomplex umzugestalten \u2013 im Stil von Friedensreich Hundertwasser. Daf\u00fcr erwarb er eine entsprechende Lizenz der Hundertwasser-Stiftung. Allerdings durfte er die Pl\u00e4ne nur mit einem Architekten umsetzen, der selbst schon einmal mit dem K\u00fcnstler zusammengearbeitet hatte. Peter Pelikan hatte keine Zeit, also wurde es Heinz M. Springmann.<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/80e4730a-1301-468b-b3bc-a23c4191f78c.jpg\"   alt=\"An der Front des B\u00e4ckereigeb\u00e4udes erkennt man deutlich den Stil von Hundertwasser. Die Gockel-Skulptur stammt vom Dachauer K\u00fcnstler Heinz Eder.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>An der Front des B\u00e4ckereigeb\u00e4udes erkennt man deutlich den Stil von Hundertwasser. Die Gockel-Skulptur stammt vom Dachauer K\u00fcnstler Heinz Eder. (Foto: Niels P. J\u00f8rgensen)<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/27ed0e41-8ccc-4b82-875d-aa12d435327d.jpg\"   alt=\"Die bunten Fliesen in Zuckerb\u00e4ckeroptik passen gut zum Inhalt des Ladengesch\u00e4fts: eine Candisserie.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Die bunten Fliesen in Zuckerb\u00e4ckeroptik passen gut zum Inhalt des Ladengesch\u00e4fts: eine Candisserie. (Foto: Niels P. J\u00f8rgensen)<img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/f48d9f0b-a7f1-4ce3-b366-b3909f7548bc.jpg\"   alt=\"Die R\u00fcckseite mit geschwungener Terrassenbalustrade \u00fcber der Backstube.\" loading=\"lazy\" class=\"css-8atqhb\"\/>Die R\u00fcckseite mit geschwungener Terrassenbalustrade \u00fcber der Backstube. (Foto: Niels P. J\u00f8rgensen)<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Einfach war der Umbau nicht. \u201eDas Haus ist gr\u00f6\u00dfer, als man meint\u201c, sagt Denk. Au\u00dfer dem B\u00e4ckereibetrieb befinden sich darin eine Metzgerei, ein Pralinengesch\u00e4ft, eine Musikschule und zehn Wohnungen. Das Haus hat 75 Fenster, alle Fensterkreuze mussten durch neue, farbige Anfertigungen ersetzt werden. Die Leibungen, die Hausecken, alles wurde abgerundet. Die energetische Sanierung lie\u00df die W\u00e4nde dicker erscheinen, die Fenster auf der R\u00fcckseite sitzen deshalb nun tiefer in der Fassade. Wie in einem Lebkuchenhaus.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Jeder der f\u00fcnf Giebel ist individuell gestaltet, jeder hat eine andere Form. Einige davon sind gekr\u00f6nt mit Kugeln \u2013 in Goldfarben. \u201eFr\u00fcher hat nur ein K\u00f6nig unter goldenen Kugeln wohnen d\u00fcrfen\u201c, sagt Denk. Die S\u00e4ulen sowie alle Teile aus Keramik sind handwerklich gefertigt. Das gro\u00dfe Metalldach \u00fcber der Candisserie wurde per Spezialtransporter angeliefert, ein Teil der M\u00fcnchner Stra\u00dfe musste gesperrt werden.<\/p>\n<p>Auf dem Dachfirst steht eine Bischofsstatue mit Breze<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die D\u00e4cher sind zweifarbig gedeckt, Rot und Schwarz, in Wellenform. Klare Kante, so etwas gibt es bei Hundertwasser nicht und darf es auch nicht geben; die gerade Linie galt ihm als \u201egottlos\u201c. In der Natur ist ja auch nichts gerade, weder der Grashalm noch der Knochen. F\u00fcr die auf Rechtwinkligkeit getrimmten Handwerker eine zumindest gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftige Aufgabenstellung.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Nicht alle Auff\u00e4lligkeiten am Haus haben etwas mit Hundertwasser zu tun. Den bunten Gockel vor der B\u00e4ckerei hat Peter Denk zu seinem 40. Geburtstag beim Dachauer K\u00fcnstler Heinz Eder in Auftrag gegeben. Und am s\u00fcdlichen Ende des Dachfirsts steht der Heilige Nikolaus, Schutzpatron der B\u00e4cker, mit einer goldenen Breze im Bischofsstab. Aufgestellt wurde er zu Ehren von Denks verstorbenem Vater. Der hie\u00dft n\u00e4mlich auch Nikolaus.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die B\u00e4ckerei Denk befindet sich in der M\u00fcnchner Stra\u00dfe 11 in Dachau. Die Hundertwasser-Ausstellung in der Galerie Lochner, Konrad-Adenauer-Stra\u00dfe 7, ist noch bis 1. Februar zu sehen. \u00d6ffnungszeiten: Donnerstag 16 bis 19 Uhr, Samstag: 12 bis 15 Uhr und an\u00a0Sonn- und Feiertagen 14 bis 17 Uhr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Josef Lochner verzeichnet einen neuen Besucherrekord. 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