{"id":722600,"date":"2026-01-16T10:46:11","date_gmt":"2026-01-16T10:46:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722600\/"},"modified":"2026-01-16T10:46:11","modified_gmt":"2026-01-16T10:46:11","slug":"deutschland-hat-kein-reichenproblem-sondern-ein-armuts-anreizproblem","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722600\/","title":{"rendered":"Deutschland hat kein Reichenproblem \u2013 sondern ein Armuts-Anreizproblem"},"content":{"rendered":"<p>In der Erbschaftssteuer-Debatte dominiert das Narrativ: Die reichen Schultern sollen mehr tragen. Doch ein Land wird nur stark, wenn m\u00f6glichst viele tragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In der <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/steuern\/was-es-bewirkt-was-droht-die-grosse-analyse-zu-den-spd-erbschaftssteuerplaenen_c24fd35b-4de1-4962-8796-cbef52e1aeee.html\" rel=\"follow noopener\" target=\"_self\">Debatte um h\u00f6here Erbschaftssteuer<\/a>n und sogenannte \u201eReichensteuern\u201c dominiert ein Narrativ: Die reichen Schultern sollen mehr tragen. Die Logik klingt moralisch sauber. Nur ist sie wirtschaftlich falsch. Ein Land wird nicht stark, wenn wenige noch mehr tragen. Ein Land wird stark, wenn m\u00f6glichst viele tragen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Deutschland hat ein Armuts-Anreizproblem<\/strong><\/p>\n<p>Eine der besten Eigenschaften der sozialen Marktwirtschaft ist der Sozialstaat. Seine Aufgabe ist, Not zu \u00fcberbr\u00fccken. Doch in Deutschland haben wir es \u00fcbertrieben und den Sozialstaat zu einer Armutsanreiz-Maschine verkommen lassen.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Das System ermuntert uns, schwach zu bleiben, statt stark zu werden. F\u00fcr den Einzelnen mag das verlockend sein. F\u00fcr die Zukunft unseres Landes ist es jedoch fatal.<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Bed\u00fcrftigkeit attraktiver als Aufstieg.<\/strong> Wer bed\u00fcrftig ist, wird durch den Staat per Umverteilung versorgt. Aufstieg dagegen wird bestraft. Denn wer mehr arbeitet, investiert oder Verantwortung \u00fcbernimmt, verliert staatliche Leistungen, zahlt h\u00f6here Abgaben und tr\u00e4gt mehr Risiko.<\/li>\n<li><strong>Hohe Belastung der Mitte.<\/strong> Deutschland nimmt rund 950 Milliarden Euro Steuern pro Jahr ein. Finanziert wird das nicht von einer \u201ereichen Elite\u201c, sondern \u00fcberwiegend von der produktiven Mitte. Dort sitzen die Menschen, die morgens aufstehen und malochen. F\u00fcr den Staat werden sie zur Kapitalquelle. Die oberen 50 Prozent der Einkommensteuerpflichtigen zahlen 93,6 Prozent der Einkommensteuer. Das frisst nicht nur Motivation, sondern auch das notwendige Kapital, um pers\u00f6nlichen Wohlstand aufzubauen.<\/li>\n<li><strong>Zu wenig Eigentum.<\/strong> Die wohlhabendere H\u00e4lfte besitzt rund 99,5 Prozent des Nettoverm\u00f6gens. Die andere H\u00e4lfte fast nichts. 30 bis 50 Prozent des Verm\u00f6gens stammen aus Erbschaften und Schenkungen. Aufgrund der hohen Steuerabgaben und immer teurer werdenden Lebenshaltungskosten ist es f\u00fcr viele eine Illusion, Verm\u00f6gen aufzubauen. Die traurige Wahrheit lautet: Wer kein Eigentum bildet, bleibt abh\u00e4ngig.<\/li>\n<\/ul>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>So entsteht eine Gesellschaft mit wenigen wertsch\u00f6pfenden Akteuren und vielen abh\u00e4ngigen Transferempf\u00e4ngern. Ein Land, das auf die \u201eReichen\u201c schimpft, produziert genau das, was es angeblich verhindern will. Eine kleine <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/so-scheffeln-superreiche-im-turbo-modus-millionen-rest-schaut-in-die-roehre_beac410b-031f-4a59-8016-0e2137d04a6b.html\" rel=\"follow noopener\" target=\"_self\">verm\u00f6gende Elite<\/a> und eine immer breitere Masse, die vom Sozialstaat abh\u00e4ngig ist. Die Mitte schrumpft. Der Kapitalstock ebenfalls. Und der Staat bl\u00e4ht sich immer weiter auf, um als Versorger die L\u00fccke zu verwalten.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p><strong>Statt den Reichen mehr zu nehmen, m\u00fcssen mehrere starke Schultern tragen<\/strong><\/p>\n<p>Die Betonung in diesem Satz liegt bisher auf \u201em\u00fcssen tragen\u201c. Was w\u00e4re, wenn wir die Betonung auf \u201estarke Schultern\u201c legen? Unser Anspruch als Gesellschaft sollte nicht sein, den \u201eReichen\u201c mehr zu nehmen. Wir sollten von der Politik fordern, die Rahmenbedingungen endlich so zu setzen, dass wir m\u00f6glichst vielen Menschen die Chance erm\u00f6glichen, zu starken Schultern zu werden. Unser Anspruch muss sein, dass jeder seinen Lebensunterhalt und Wohlstand aus eigener Kraft erwirtschaften kann.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p><strong>Wir brauchen ein Wohlstands-Anreizsystem<\/strong><\/p>\n<p>Die <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/finanzen\/steuern\/spd-will-erben-ans-geld-was-wirklich-funktioniert-zeigen-schweden-und-japan_61ee22f6-b912-427d-a6d9-b262c0440409.html\" rel=\"follow noopener\" target=\"_self\">L\u00f6sung<\/a> f\u00fcr unsere Misere liegt auf der Hand. Wir brauchen ein Menschenbild, in dem Selbstverantwortung im Fokus steht. Und dann sorgt ein schlanker Staat f\u00fcr die richtigen Rahmenbedingungen: Bessere Bildung. Anreize f\u00fcr Verm\u00f6gensaufbau. F\u00f6rderung von Unternehmertum und Pioniergeist. Entfesselung von Forschung und Wirtschaft. Wir brauchen mehr Macher.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Wer Unternehmen gr\u00fcnden kann, wer Verm\u00f6gen aufbauen kann, wer qualifiziert ist und investieren darf, wird selbst zur tragenden Gr\u00f6\u00dfe. Genau das passiert in Deutschland zu wenig. Stattdessen w\u00e4chst der Staat. Und mit ihm die Verwaltung von Bed\u00fcrftigkeit. Wenn die L\u00f6sung f\u00fcr jedes Problem Transfer hei\u00dft, werden Transferempf\u00e4nger geschaffen. Das muss ein Ende haben.<\/p>\n<p>ANZEIGE<\/p>\n<p>Deutschland muss sich eine grundlegende Frage stellen<\/p>\n<p>Die entscheidende Frage ist jetzt: Was wollen wir? Einen starken Staat und schwache B\u00fcrger? Oder starke B\u00fcrger und einen schlanken Staat?<\/p>\n<p>F\u00fcr ein wirtschaftlich gesundes Land ist die Antwort eindeutig: Viele starke Schultern tragen leichter als wenige. Und sie tragen lieber, weil sie selbst gestalten statt vom Staat bevormundet und geg\u00e4ngelt zu werden. Wenn es unserem Land ernst ist mit wirtschaftlicher St\u00e4rke, m\u00fcssen wir aufh\u00f6ren, \u00fcber Reiche zu klagen \u2013 und anfangen, mehr Reiche hervorzubringen. Sonst landen wir eines Tages alles in Mittelma\u00df und Armut.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.peterholzer.com\" rel=\"nofollow noopener\" target=\"_blank\">Peter Holzer<\/a> unterst\u00fctzt seit 2009 F\u00fchrungsteams in anspruchsvollen Ver\u00e4nderungen \u2013 mit klarem Blick f\u00fcr Leadership, Generationenwechsel und Haltung: konsequent in der Sache, wertsch\u00e4tzend im Miteinander. Er ist Teil unseres <a href=\"https:\/\/www.focus.de\/experts\/faq-zum-experts-circle_362f7625-22cb-4ff0-8522-9b021284062c.html\" rel=\"follow noopener\" target=\"_self\">Experts Circle<\/a>. Die Inhalte stellen seine pers\u00f6nliche Auffassung auf Basis seiner individuellen Expertise dar.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"In der Erbschaftssteuer-Debatte dominiert das Narrativ: Die reichen Schultern sollen mehr tragen. 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