{"id":722719,"date":"2026-01-16T11:50:09","date_gmt":"2026-01-16T11:50:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722719\/"},"modified":"2026-01-16T11:50:09","modified_gmt":"2026-01-16T11:50:09","slug":"psychotherapeut-warum-nicht-alles-ein-trigger-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722719\/","title":{"rendered":"Psychotherapeut: Warum nicht alles ein \u00abTrigger\u00bb ist"},"content":{"rendered":"<p>Gro\u00df Rheide (dpa\/tmn) &#8211; \u00abDas hat mich hart getriggert\u00bb &#8211; egal ob auf Instagram, Tiktok oder YouTube: Wer aufmerksam hinh\u00f6rt, dem begegnet diese Formulierung auf Sozialen Medien im \u00dcberfluss. Der Psychologe und Psychotherapeut Christian Rupp h\u00e4lt die alltagssprachliche Verwendung von Varianten des Wortes \u00abtriggern\u00bb in vielen F\u00e4llen allerdings f\u00fcr problematisch.<\/p>\n<p>Unter anderem deshalb, weil mit Formulierungen dieser Art die \u00abVerantwortung f\u00fcr die Ausl\u00f6sung des Gef\u00fchls dem Gegen\u00fcber zugeschoben wird\u00bb, wie Rupp auf seinem <a class=\"externalLink\" href=\"https:\/\/psychotherapie-rupp.com\/2026\/01\/10\/das-hat-mich-getriggert-warum-sie-darauf-verzichten-sollten-so-zu-sprechen-teil-1\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Blog<\/a> schreibt. Der Trend \u00abprim\u00e4r andere Menschen f\u00fcr die eigenen Gef\u00fchle verantwortlich zu machen\u00bb betrachte er mit gro\u00dfer Sorge. Denn: So werde das Gegenteil von Selbstwirksamkeit erreicht. Statt Verantwortung f\u00fcr das eigene Gef\u00fchl zu \u00fcbernehmen, werde das \u00abSelbstbild als hilfloses Opfer, dem &#8218;B\u00f6ses angetan&#8216; wurde\u00bb zementiert.<\/p>\n<p>Verantwortung \u00fcbernehmen &#8211; warum das hilft<\/p>\n<p>Langfristig k\u00f6nnte das zu \u00abchronifizierten psychischen Problemen\u00bb f\u00fchren, schreibt der Psychotherapeut weiter. Denn die eingenommene Opferrolle gehe mit dem Anspruch an die Menschen im eigenen Umfeld einher, dass sie \u00abgef\u00e4lligst R\u00fccksicht auf die eigenen &#8218;Triggerpunkte&#8216; zu nehmen haben\u00bb. Das sei ein \u00abv\u00f6llig \u00fcberh\u00f6hter und unrealistischer Anspruch\u00bb, der letzten Endes nur entt\u00e4uscht werden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Rupp macht an einem Beispiel deutlich, was er f\u00fcr einen besseren sprachlichen Umgang h\u00e4lt. Die Situation: Eine Person, die durch wiederholte Lernerfahrungen mit einer abwertenden, dem\u00fctigenden Mutter eine Pr\u00e4gung dahingehend erworben hat, sich selbst f\u00fcr klein, unf\u00e4hig und wertlos zu halten, wird beim B\u00e4cker flapsig angesprochen.<\/p>\n<p>Anstatt davon zu sprechen, \u00abgetriggert\u00bb worden zu sein, ist dem Psychotherapeuten eine Formulierung wie \u00abDas Verhalten hat bei mir Scham ausgel\u00f6st und mich klein f\u00fchlen lassen, weil mich ihr Tonfall an das herabw\u00fcrdigende Verhalten meiner Mutter erinnert hat\u00bb passender.\u00a0<\/p>\n<p>Die sprechende Person macht dem Psychologen zufolge so klar, woran sie selbst ansetzen kann, wenn sie das Gef\u00fchl bew\u00e4ltigen m\u00f6chte. In diesem Beispiel etwa an der eigenen biografischen Pr\u00e4gung, f\u00fcr die sie selbst keine Schuld tr\u00e4gt. \u00abDie Verantwortung f\u00fcr den Umgang mit dieser Pr\u00e4gung in der Gegenwart obliegt ihr derweil sehr wohl, ob sie nun will oder nicht\u00bb, so Rupp.<\/p>\n<p>Was hinter dem Begriff Trigger steckt\u00a0<\/p>\n<p>Wie der Therapeut erkl\u00e4rt, ist der Begriff \u00abTrigger\u00bb mit dem Konzept des Traumas verwandt ist und h\u00e4ngt eng mit der wissenschaftlichen Erforschung der Posttraumatischen Belastungsst\u00f6rung (PTBS) zusammen.<\/p>\n<p>Ein Trigger ist aktuell etablierten Erkl\u00e4rungsmodellen der PTBS nach ein Reiz, der neuronal in besonders starker Weise mit der Trauma-Erinnerung verkn\u00fcpft ist. Der Reiz k\u00f6nne bei PTBS-Betroffenen die gesamte Trauma-Erinnerung aktivieren.<\/p>\n<p>Wenn man anfange, \u00abs\u00e4mtliche unsch\u00f6nen biografischen Pr\u00e4gungen\u00bb Trauma zu nennen, ist das Christian Rupps Auffassung nach gegen\u00fcber Betroffenen mit einer PTBS \u00abrespektlos und unsensibel\u00bb.\u00a0<\/p>\n<p>\u00abTherapy speak\u00bb weit verbreitet<\/p>\n<p>Dieses Ph\u00e4nomen, einst unbekannte psychologische Begriffe auch in der Alltagssprache zu verwenden, wird auch als \u00abTherapy speak\u00bb (auf Deutsch etwa: Therapie-Sprech) bezeichnet und existiert nicht nur im Zusammenhang mit vermeintlichen \u00abTriggern\u00bb. Andere Beispiele betreffen zum Beispiel die Begriffe \u00abGaslighting\u00bb, \u00abNarzissmus\u00bb oder \u00abtoxisch\u00bb.<\/p>\n<p>Positiv an dieser Entwicklung kann sein, dass Krankheiten und psychische St\u00f6rungen so im Alltag sichtbarer werden und enttabuisiert werden. Es besteht aber auch die Gefahr, dass durch die &#8211; teils un\u00fcberlegte &#8211; alltagssprachliche Verwendung psychische Probleme weniger ernst genommen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Gro\u00df Rheide (dpa\/tmn) &#8211; \u00abDas hat mich hart getriggert\u00bb &#8211; egal ob auf Instagram, Tiktok oder YouTube: Wer&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":722720,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1843],"tags":[166331,166332,2632,3364,29,20875,30,141,8970,1209,9120,13353,6807,20900],"class_list":{"0":"post-722719","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-muenster","8":"tag-gefhle","9":"tag-trigger","10":"tag-brcmj","11":"tag-de","12":"tag-deutschland","13":"tag-emotionen","14":"tag-germany","15":"tag-gesundheit","16":"tag-muenster","17":"tag-nordrhein-westfalen","18":"tag-psyche","19":"tag-psychologie","20":"tag-psychotherapie","21":"tag-tmn0305"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115904631617577778","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/722719","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=722719"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/722719\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/722720"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=722719"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=722719"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=722719"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}