{"id":722991,"date":"2026-01-16T14:21:12","date_gmt":"2026-01-16T14:21:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722991\/"},"modified":"2026-01-16T14:21:12","modified_gmt":"2026-01-16T14:21:12","slug":"baeuerliche-landwirtschaft-demonstriert-in-halle-saale-gegen-agrarkonzerne-und-rechte-spaltung-du-bist-halle","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/722991\/","title":{"rendered":"B\u00e4uerliche Landwirtschaft demonstriert in Halle (Saale) gegen Agrarkonzerne und rechte Spaltung \u2013 Du bist Halle"},"content":{"rendered":"<p>Rund 50 Menschen haben am Freitag auf dem Halleschen Marktplatz unter dem Motto \u201eHaltung zeigen! Stadt und Land gemeinsam f\u00fcr Vielfalt\u201c demonstriert. Zu der Kundgebung hatte die Arbeitsgemeinschaft b\u00e4uerliche Landwirtschaft (AbL) aufgerufen. Mit Transparenten wie \u201eRechte R\u00fcben unterpfl\u00fcgen\u201c oder \u201eTransformation geht nur solidarisch\u201c setzten die Teilnehmenden ein sichtbares Zeichen f\u00fcr eine vielf\u00e4ltige, sozial und \u00f6kologisch ausgerichtete Landwirtschaft \u2013 und gegen Rechtsextremismus sowie die zunehmende Konzentration von Agrarfl\u00e4chen in den H\u00e4nden weniger Investoren.<\/p>\n<p>In mehreren Redebeitr\u00e4gen kritisierten Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Politik, Gewerkschaften und Zivilgesellschaft die Macht gro\u00dfer Agrar- und Landesmittelkonzerne. Besonders scharf fiel die Kritik an sogenannten \u201eShare Deals\u201c aus: \u00dcber den Erwerb von Anteilen an landwirtschaftlichen Holdings hatte sich ein Investor aus Australien auf diesem Weg rund 20.000 Hektar Ackerfl\u00e4che in Ostdeutschland gesichert. Die Demonstrierenden forderten ein gesetzliches Verbot dieser Praxis, da sie bestehende Schutzrechte umgehe, Bodenpreise in die H\u00f6he treibe und b\u00e4uerliche Betriebe verdr\u00e4nge.<\/p>\n<p><strong>Alternative zur Agrarindustrie<\/strong><\/p>\n<p>\u201eWir sind eine Alternative zur Agrarindustrie\u201c, sagte Jan Brunner von der AbL. Gerade in politisch angespannten Zeiten sei es wichtig, zusammenzuhalten \u2013 \u201egegen die Spaltung der Gesellschaft, f\u00fcr b\u00e4uerliche Vielfalt und generell f\u00fcr Vielfalt auf dem Land und in der Stadt\u201c. Mit Blick auf die in diesem Jahr anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt \u00e4u\u00dferte Brunner Sorge \u00fcber aktuelle Umfragewerte, die die AfD bei rund 40 Prozent sehen. Dem m\u00fcsse eine positive Vision entgegengesetzt werden.<\/p>\n<p>Jessica von der AbL betonte, b\u00e4uerliche Betriebe st\u00e4rkten den gesellschaftlichen Zusammenhalt: H\u00f6fe \u00f6ffneten sich f\u00fcr Besucherinnen und Besucher, betrieben Hofl\u00e4den, pr\u00e4sentierten ihre Arbeit oder mobilisierten Dorfgemeinschaften zu gemeinsamen Eins\u00e4tzen. \u201eDer Bauernhof ist ein Ort, an dem man zusammenkommen kann und Gemeinschaft gelebt wird \u2013 eine wunderbare Br\u00fccke zwischen Stadt und Land\u201c, sagte sie. Zudem seien viele b\u00e4uerliche Betriebe Pioniere beim Bodenaufbau, in der artgerechten Tierhaltung und durch kleinere Ackerschl\u00e4ge bei der F\u00f6rderung von Biodiversit\u00e4t. Vielf\u00e4ltige Fruchtfolgen, nachhaltiges Wirtschaften und Klimaneutralit\u00e4t wiesen den Weg f\u00fcr eine langfristige Versorgung mit Lebensmitteln.<\/p>\n<p>Um diese Rolle zu st\u00e4rken, brauche es verl\u00e4ssliche politische Rahmenbedingungen. Parteien, die den Klimawandel leugneten oder nachhaltige Entwicklungen blockierten, schadeten der Landwirtschaft. Ohne gezielte Unterst\u00fctzung drohten viele Betriebe zwischen Marktanforderungen und einer wenig zielgerichteten F\u00f6rderpolitik \u201eunter die R\u00e4der zu kommen\u201c. Steuergelder und EU-Subventionen m\u00fcssten jenen Betrieben zugutekommen, die sich tats\u00e4chlich f\u00fcr Umwelt- und Klimaschutz engagieren.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/WhatsApp-Image-2026-01-16-at-12.49.28-1024x1024.jpeg\" alt=\"\" class=\"wp-image-340250\"  \/><\/p>\n<p><strong>Politische Stimmen und klare Abgrenzung nach rechts<\/strong><\/p>\n<p>Madlen von den Gr\u00fcnen verwies auf die symbolische Bedeutung des Marktplatzes als Verbindung von Stadt und Land. Diversit\u00e4t, Klimaschutz, Klimaanpassung und die Anerkennung von \u00d6kosystemleistungen seien in der Landwirtschaft ebenso wichtig wie in der Gesellschaft insgesamt. Ziel der kommenden Landtagswahl m\u00fcsse es sein, eine absolute Mehrheit der AfD zu verhindern; zugleich d\u00fcrfe die \u201eBrandmauer\u201c der CDU nach rechts nicht fallen. Es brauche politische Kr\u00e4fte, die sich f\u00fcr Biodiversit\u00e4t, Klimaschutz und einen st\u00e4rkeren Ausbau des \u00d6kolandbaus einsetzen.<\/p>\n<p>Ein Redner der Gewerkschaft FAU sprach von einem \u201eTraum einer solidarischen, gerechten Gesellschaft\u201c und kritisierte weltweit erstarkende autokratische und rechtsextreme Bewegungen. Diese lenkten den politischen Diskurs auf Militarismus, Spaltung und Nationalismus. Angesichts der \u00f6kologischen und sozialen Krisen sei klar: \u201eDer Kapitalismus als Wirtschaftssystem und als Ideologie ist am Ende.\u201c Die politische Rechte nutze berechtigte Unzufriedenheit, um Hass zu sch\u00fcren \u2013 dem m\u00fcsse mit neuen, solidarischen Wirtschaftsmodellen begegnet werden.<\/p>\n<p><strong>Kritik an Mercosur und Forderung nach gerechter Bodenpolitik<\/strong><\/p>\n<p>Auch das geplante Mercosur-Handelsabkommen stand in der Kritik. Wenke von der Linken warnte, f\u00fcr den Weltmarkt produzierte, gleichf\u00f6rmige Agrarprodukte h\u00e4tten nichts mit Vielfalt zu tun und passten nicht zu den regional unterschiedlichen Landschaften. Agrarpolitik m\u00fcsse Einkommen und Existenzen von Landwirtinnen und Landwirten sichern; soziale und \u00f6kologische Leistungen m\u00fcssten endlich einkommenswirksam entlohnt werden. Eine zukunftsf\u00e4hige Bodenpolitik sei unerl\u00e4sslich, insbesondere um jungen Landwirtinnen und Landwirten Zugang zu Fl\u00e4chen zu erm\u00f6glichen. W\u00e4hrend diese kaum Land f\u00e4nden, w\u00fcrden Investoren \u00fcber Share Deals riesige Fl\u00e4chen kontrollieren. Zudem thematisierte Wenke die unzureichende Beteiligung von Frauen in der Landwirtschaft und forderte eine aktive politische Frauenf\u00f6rderung: \u201eGleichberechtigung nimmt niemandem etwas weg \u2013 sie macht unsere Landwirtschaft vielf\u00e4ltiger und st\u00e4rker.\u201c<\/p>\n<p><strong>Solidarischer Konsum als Gegenentwurf<\/strong><\/p>\n<p>Einen praktischen Gegenentwurf zur Marktmacht gro\u00dfer Konzerne stellte der Hallesche R\u00fcbchen e.V. vor, die \u00e4lteste Foodcoop der Stadt mit rund 270 Mitgliedern. \u201eUns gibt es seit 30 Jahren, weil wir keinen Bock auf Konzernsuperm\u00e4rkte und Discounter haben\u201c, sagte Kersten vom Verein. Kritisiert wurden Manipulationen im Lebensmitteleinzelhandel, Fertigprodukte der Industrie und schlechte Arbeitsbedingungen. Stattdessen setze das \u201eR\u00fcbchen\u201c auf regionale und \u00fcberregionale Bio-Lebensmittel, Selbstorganisation und Entschleunigung \u2013 \u201emit Klatsch und Tratsch an der Kasse\u201c.<\/p>\n<p>Nach der Kundgebung machten sich die beteiligten Landwirtinnen und Landwirte mit ihren Traktoren auf den Weg nach Berlin. Dort wollen sie am Samstag, 17. Januar 2026, an der bundesweiten Demonstration \u201eWir haben es satt\u201c teilnehmen, die unter dem Motto \u201eHaltung zeigen! F\u00fcr eine zukunftsf\u00e4hige Landwirtschaft weltweit\u201c steht. Die Botschaft aus Halle ist klar: Eine sozial gerechte, \u00f6kologische und demokratische Agrarwende braucht Solidarit\u00e4t \u2013 zwischen Stadt und Land.<\/p>\n<p><video controls=\"\" src=\"https:\/\/dubisthalle.de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/WhatsApp-Video-2026-01-16-at-10.29.16.mp4\"\/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Rund 50 Menschen haben am Freitag auf dem Halleschen Marktplatz unter dem Motto \u201eHaltung zeigen! 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