{"id":723083,"date":"2026-01-16T15:12:14","date_gmt":"2026-01-16T15:12:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/723083\/"},"modified":"2026-01-16T15:12:14","modified_gmt":"2026-01-16T15:12:14","slug":"architekt-aus-stuttgart-visionaer-und-menschenkenner-peter-faller-ist-tot","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/723083\/","title":{"rendered":"Architekt aus Stuttgart: Vision\u00e4r und Menschenkenner \u2013 Peter Faller ist tot"},"content":{"rendered":"<p>Er wollte das Wohnen f\u00fcr die Stuttgarter demokratisieren und tr\u00e4umte von bewohnbaren Terrassen. Nun ist der Architekt und Stadtplaner Peter Faller gestorben.<\/p>\n<p> L\u00e4ngst steht die sogenannte <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.vor-60-jahren-ertrunken-le-corbusier-der-baumeister-des-beton-brutalismus.7ff8e575-26a2-460a-9b10-c36807e9e204.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Betonwohnmaschine<\/a> unter<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/inhalt.50-jahre-denkmalschutz-wohnen-im-denkmal.a9124828-417e-48d5-ba7a-78b96806d287.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> Denkmalschutz<\/a> (ebenso wie der mit gemeinsam mit Bildhauer Hanspeter Fitz entworfene j\u00fcngst sanierte Brunnen, der jetzt vor der Landesbibliothek steht). Die Tapachstra\u00dfe ist Pilgerort f\u00fcr junge und alte <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.brutalistische-architektur-in-stuttgart-schoenheiten-aus-beton.5cc74fb6-e02e-4e6e-9052-db17df2c54d8.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Fans des Brutalismus<\/a>. Eine in Beton gehauene Einl\u00f6sung des Versprechens f\u00fcr demokratisches Wohngl\u00fcck: gutes Wohnen mit Licht und Luft. Trotz des modernen, heute in Misskredit geratenen Baustoffes Beton wirken die Bauten urt\u00fcmlich, archaisch fast. <\/p>\n<p>  <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/media.media.331f9cb5-e594-491a-9b3c-1c85806458c6.original1024.media.jpeg\"\/>     Preisgekr\u00f6nte Terrassenh\u00e4user Tapachstra\u00dfe,   <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Stuttgart\" title=\"Stuttgart\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Stuttgart<\/a>.    Foto: Lichtgut\/Julian Rettig    Peter Faller gr\u00fcndete 1964 in Stuttgart das Architekturb\u00fcro <\/p>\n<p>Peter Faller, der am 22. Februar 1931 in L\u00f6rrach zur Welt kam und der an der Universit\u00e4t Stuttgart Architektur studiert und bei <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.architektur-spaziergang-in-stuttgart-7-der-aufregendsten-haeuser-mit-hueftschwung-seit-1950.a9fe3a88-d7b9-41ad-b3e6-6b6499b45f16.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Rolf Gutbrod <\/a>assistiert hatte, entwarf die Terrassenh\u00e4user gemeinsam mit dem geb\u00fcrtigen Hamburger Hermann Schr\u00f6der (1928-2011), sie hatten 1964 das B\u00fcro Faller + Schr\u00f6der gegr\u00fcndet. <\/p>\n<p> Weltruhm erlangten derlei Wohnh\u00fcgel aber anderswo, in Marl. Der Stadt in Nordrhein-Westfalen \u201egereichten die Wohnh\u00fcgel jenseits der Grenzen zum Ruhme. Baufachleute aus Libyen und den USA, aus Spanien, Belgien und der Tschechoslowakei reisten an\u201c, berichtete das Nachrichtenmagazin \u201eDer Spiegel\u201c im Jahr 1967.<\/p>\n<p>W\u00e4ren derlei H\u00fcgelh\u00e4user im gro\u00dfen Stil wie geplant auch <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.so-wohnt-stuttgart-neugereut-ein-dorf-aus-beton.48e7e5b8-d435-4380-860b-22d376b6c5fb.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> in Stuttgart-Neugereut <\/a>entstanden, h\u00e4tte die Landeshauptstadt neben der Weissenhofsiedlung mit einem zweiten international architektonisch renommierten Stadtviertel punkten k\u00f6nnen. Es passierte aber das, wovor der Bund Deutscher Architekten 1963 in dieser Zeitung gewarnt hatte: Der gro\u00dfe Wurf wurde nicht umgesetzt. <\/p>\n<p>K\u00fchne Architekturpl\u00e4ne f\u00fcr Stuttgart-<a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-nachrichten.de\/thema\/Neugereut\" title=\"Neugereut\" class=\"art_thema\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Neugereut<\/a>   <\/p>\n<p>Der B\u00fcrogemeinschaft von Peter Faller und Hermann Schr\u00f6der, die Mitte der 1960er Jahre den Auftrag f\u00fcr die st\u00e4dtebauliche Gesamtplanung f\u00fcr das Neubaugebiet Neugereut erhalten hatte, schwebte eine Art Gartenstadt vor. F\u00fcnfgeschossige Bl\u00f6cke mit Wohnungen und intensiv begr\u00fcnten Terrassen, die in der Form einer langen Pyramide ge\u00e4hnelt h\u00e4tten. Dazu geplant: ein Hotel, Kinos, Schulen, Einkaufszentrum, Sport- und Spielpl\u00e4tze, eine Stra\u00dfenbahnanbindung. Wie ein mittelalterliches Dorf \u2013 mit Annehmlichkeiten von heute \u2013 das h\u00e4tte Neugereut werden sollen. <\/p>\n<p>Den \u201eKern der Idee\u201c beschrieb Peter Faller in einem R\u00fcckblick: \u201eAuch dem Wohnen auf der Etage sollten k\u00fcnftig gro\u00dfe, bewohnbare Terrassen zugeordnet werden, so gro\u00df, dass man dort bei sch\u00f6nem Wetter alles im Freien tun kann: essen, spielen, arbeiten und werken, sonnenbaden und g\u00e4rtnern. Das Ergebnis war ein Hausquerschnitt, der einer Toblerone \u00e4hnelte, weil sich das Haus nach oben wie ein Dreieck verj\u00fcngt.\u201c <\/p>\n<p> Innovative Wohnideen mit dem \u201eSchnitz\u201c in Stuttgart umgesetzt <\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine charmante, zutiefst demokratisch anmutende Wohnidee. Doch dann war in Stuttgart wieder einmal das Geld knapp. Investoren kamen. Sie realisierten viele konventionelle Hochh\u00e4user f\u00fcr Mieter und Eigent\u00fcmer. Peter Faller ist trotzdem geblieben. Denn es wurden doch einige, auch <a href=\"https:\/\/www.stuttgarter-zeitung.de\/inhalt.architektur-in-stuttgart-neugereut-wohngefuehl-wie-im-einfamilienhaus.85b94066-d734-4d00-a541-a7f512506f57.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"> innovative Zickzack-, Terrassen-<\/a> und H\u00fcgelh\u00e4user gebaut. <\/p>\n<p>   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/media.media.747ba896-3abb-4760-b8e1-8c97d6a9bfd1.original1024.media.jpeg\"\/>     Erhielt den Hugo H\u00e4ring Preis des Bundes deutscher Architekten: Terrassenh\u00e4user in Stuttgart-Neugereut.    Foto: Lichtgut\/Julian Rettig    <\/p>\n<p>In einem scharfkantig gestalteten Wohnh\u00fcgel-Mehrfamilienhaus, dem \u201eSchnitz\u201c (der Einschnitte f\u00fcr die tiefen Terrassen wegen), wohnte unter anderem der Architekt Peter Faller mit seiner Familie. Und das jahrzehntelang, wie Faller in seinem leicht melancholischen R\u00fcckblick schrieb. Vermissen w\u00fcrden er und seine Frau in Neugereut \u201eeigentlich nur das Meer\u201c: \u201eAber daran wird sich auch in Zukunft nicht viel \u00e4ndern lassen.\u201c<\/p>\n<p>Das mit grauen Platten belegte Mehrfamilienhaus ist ein gebautes Beispiel auch f\u00fcr partizipatorisches Planen und Wohnen \u2013 Themen der Gemeinschaftlichkeit und demokratischer Verfahren besch\u00e4ftigten ihn auch als Forscher, Peter Faller lehrte an der Universit\u00e4t Stuttgart Geb\u00e4udelehre und Entwerfen. Wie die Tapachstra\u00dfe wurden die Terrassenh\u00e4user und der \u201eSchnitz\u201c mit dem Hugo H\u00e4ring Preis des Bundes deutscher Architektinnen und Architekten ausgezeichnet.<\/p>\n<p> Sechs Projekte des Architekten  <\/p>\n<ul>\n<li>Brunnen von Bildhauer Hanspeter Fitz und Peter Faller f\u00fcr die Bundesgartenschau , 1961<\/li>\n<li>Wohnh\u00fcgel in Marl, 1964<\/li>\n<li>Terrassenhaus Tapachstra\u00dfe in Stuttgart-Rot, 1965-1970<\/li>\n<li>St\u00e4dtebauliche Planung und 110 Terrassenwohnungen Stuttgart-Neugereut, 1967-1974<\/li>\n<li>Partizipatorisches Hausprojekt \u201eSchnitz\u201c in Stuttgart-Neugereut, 1971-1974<\/li>\n<li>Wohn- und Gewerbebebauung in der Kochstra\u00dfe f\u00fcr die \u201eIBA 87\u201c \u2013 Internationale Bauausstellung in Berlin, 1988-1991<\/li>\n<\/ul>\n<p> Auszeichnungen f\u00fcr Wohnbauten in Stuttgart   <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/media.media.620d1038-1f9b-44f2-b4df-f1ecefff08af.original1024.media.jpeg\"\/>     Mehrfamilienhaus \u201eSchnitz\u201c in Stuttgart-Neugereut.    Foto: Lichtgut\/Julian Rettig    <\/p>\n<p> Der Bau des \u201eSchnitz\u201c von und f\u00fcr mehrere Familien sei aufw\u00e4ndig gewesen, hatte viel Diskussionskultur erfordert, wie Peter Faller in einem Gespr\u00e4ch mit dieser Zeitung andeutete, weitere Architekten waren Reinhold Layer, Knut Lohrer und Hermann Schr\u00f6der unter Mitwirkung von Claus Schmidt. <\/p>\n<p>\u201eDie partizipatorische Planung macht es zu einem Vorzeigeprojekt f\u00fcr ein neues, selbstbestimmtes Wohnen und dadurch beispielhaft f\u00fcr das Werk der Architekten\u201c, ist im Bericht der Denkmalpflege zum \u201eSchnitz\u201c zu lesen: \u201eMit einem bis heute un\u00fcbertroffenen Angebot an privaten Freibereichen und den klar umrissenen Planungsspielr\u00e4umen ist die Idee des Gemeinschaftswohnhauses sozial ausgerichtet und innovativ zugleich.\u201c<\/p>\n<p>Der \u201eSchnitz\u201c steht bis heute gut da. F\u00fcr eine Reportage zum 50. Geburtstag der Siedlung gab der damals 91-j\u00e4hrige Architekt sehr freundlich zu Protokoll, er wohne immer noch \u201egerne\u201c im Schnitz und auch in Neugereut. Wie jetzt bekannt wurde, ist Peter Faller am 31. Dezember 2025 mit 94 Jahren gestorben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Er wollte das Wohnen f\u00fcr die Stuttgarter demokratisieren und tr\u00e4umte von bewohnbaren Terrassen. 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