{"id":723626,"date":"2026-01-16T20:11:14","date_gmt":"2026-01-16T20:11:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/723626\/"},"modified":"2026-01-16T20:11:14","modified_gmt":"2026-01-16T20:11:14","slug":"frankreich-vor-dem-nato-austritt-die-usa-sind-nicht-unsere-verbuendeten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/723626\/","title":{"rendered":"Frankreich vor dem Nato-Austritt? \u201eDie USA sind nicht unsere Verb\u00fcndeten\u201c"},"content":{"rendered":"<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Was lange als politisches Hirngespinst galt, r\u00fcckt pl\u00f6tzlich in den Bereich des M\u00f6glichen: Frankreichs Austritt aus der Nato. In der franz\u00f6sischen Nationalversammlung liegt jetzt n\u00e4mlich erstmals ein konkreter parlamentarischer Vorsto\u00df auf dem Tisch, der genau diesen Schritt fordert.<\/p>\n<p>Initiiert wurde er von <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/politik-gesellschaft\/geopolitik\/frankreich-linke-will-raus-aus-der-nato-li.2318872\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Cl\u00e9mence Guett\u00e9<\/a>, Vizepr\u00e4sidentin der Nationalversammlung und Abgeordnete der linken Partei La France Insoumise (LFI). Ihre Resolution verlangt nichts weniger als den Bruch mit dem westlichen Milit\u00e4rb\u00fcndnis und trifft damit einen Nerv in einer Zeit wachsender Zweifel an der Rolle der USA, an der Zukunft der Nato und an Europas sicherheitspolitischer Ausrichtung.<\/p>\n<p>\u201eDie USA weisen der EU den Status eines Vasallen zu\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Der Austritt aus der Nato sei seit langem eine Position von La France Insoumise, erkl\u00e4rt Guett\u00e9 der Berliner Zeitung. Doch die Debatte werde durch die \u201ebewusste Entscheidung der Vereinigten Staaten von Amerika, offiziell zu einer unverh\u00fcllten imperialen Politik zur\u00fcckzukehren\u201c, mit neuer Dringlichkeit aufgeladen. Diese Politik werde in der neuen Nationalen Sicherheitsstrategie der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/usa\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">USA<\/a> offen begr\u00fcndet.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Zur Untermauerung ihrer Position nennt Guett\u00e9 eine ganze Reihe konkreter Beispiele: die \u201eillegale Entf\u00fchrung des Pr\u00e4sidenten Venezuelas\u201c und Drohungen gegen andere souver\u00e4ne Staaten, Annexionsdrohungen gegen\u00fcber <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/groenland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Gr\u00f6nland<\/a>, Sanktionen gegen europ\u00e4ische Verantwortliche, die eine Regulierung der Aktivit\u00e4ten amerikanischer Digitalkonzerne vorantreiben, sowie \u201er\u00e4uberische Handelsabkommen\u201c, die der Europ\u00e4ischen Union unter Druck aufgezwungen worden seien. Hinzu komme, so Guett\u00e9 weiter, die Vorgabe beim letzten Nato-Gipfel, f\u00fcnf Prozent des Bruttoinlandsprodukts f\u00fcr R\u00fcstungsausgaben aufzuwenden \u2013 Ausgaben, die in erster Linie der US-R\u00fcstungsindustrie zugutek\u00e4men und auf Kosten der europ\u00e4ischen Unabh\u00e4ngigkeit gingen. Auch eine offen betriebene Einflussnahme auf Wahlen in Europa zugunsten der extremen Rechten z\u00e4hlt sie auf.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">All dies zeige, sagt Guett\u00e9, dass sich die USA \u201eoffiziell vom V\u00f6lkerrecht und von den Mechanismen kollektiver Sicherheit freimachen\u201c und der EU faktisch den Status eines Vasallen zuweisen. Es sei dringend notwendig, dies zur Kenntnis zu nehmen und \u201edie Vereinigten Staaten nicht l\u00e4nger als Verb\u00fcndete zu betrachten\u201c.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">In dieser Lage sei es weder w\u00fcnschenswert noch tragf\u00e4hig, <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/frankreich\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frankreich<\/a> in einer Milit\u00e4rallianz zu halten, die von einer Macht gef\u00fchrt werde, die sich offen au\u00dferhalb des internationalen Rechts positioniere, sagt Guett\u00e9 im Gespr\u00e4ch. Eine solche Mitgliedschaft setze Frankreich einem erheblichen Risiko strategischer Anpassung aus und k\u00f6nne das Land in Konflikte hineinziehen, die seinen Interessen, Prinzipien und internationalen Verpflichtungen widerspr\u00e4chen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Was aber w\u00e4re die Alternative zu der Allianz? Ein Austritt aus der <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/nato\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Nato<\/a> w\u00fcrde Frankreich erm\u00f6glichen, \u201eseine milit\u00e4rische und diplomatische Unabh\u00e4ngigkeit wiederzuerlangen und erneut zu einer blockfreien Macht zu werden\u201c, erkl\u00e4rt Guett\u00e9. Dank der nuklearen Abschreckung verf\u00fcge Frankreich derzeit \u00fcber die Mittel, sein Staatsgebiet und seine Bev\u00f6lkerung eigenst\u00e4ndig zu verteidigen.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Sie betont zugleich, dass ein Nato-Austritt und die Abkehr von jeder dauerhaften Milit\u00e4rallianz nicht Isolation bedeute. Der Bruch mit dem \u201ewestlichen Lager\u201c und dessen \u201earroganten Haltungen\u201c zugunsten einer blockfreien Position w\u00fcrde den Einfluss Frankreichs vielmehr erh\u00f6hen und die Friedensarbeit st\u00e4rken.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">In strategischen R\u00e4umen wie der Frankophonie, den Schwellenl\u00e4ndern, den Vereinten Nationen, der OSZE k\u00f6nne Frankreich \u2013 gemeinsam mit anderen Akteuren \u2013 Kooperationen im Allgemeininteresse vorantreiben: Antworten auf die \u00f6kologische Krise, Alternativen zum Neoliberalismus, Schutz und Zugang zu den Gemeing\u00fctern der Menschheit sowie multilaterale nukleare Abr\u00fcstung. All dies, so Guett\u00e9, ohne Abstriche bei der eigenen Unabh\u00e4ngigkeit in Analyse und Handeln zu machen. Mit einer wiedergewonnenen eigenst\u00e4ndigen Stimme werde Frankreich \u201edie Sprache des allgemeinen menschlichen Interesses sprechen\u201c und sich an die V\u00f6lker der ganzen Welt wenden.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Ein Blick auf die politischen Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse in Frankreich zeigt, dass ein solcher Kurswechsel nicht vollkommen unrealistisch ist. Das Linksb\u00fcndnis, dem LFI angeh\u00f6rt, stellt derzeit die st\u00e4rkste Fraktion in der Nationalversammlung. Gleichzeitig ist auch der rechte Rassemblement National von <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/marine-le-pen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Marine Le Pen<\/a> stark und seit Jahren Nato-kritisch.<\/p>\n<p><img alt=\"Frankreichs Pr\u00e4sident Macron warnt er vor \u201ebeispiellosen Konsequenzen\u201c, sollte die US-Regierung\u00a0versuchen, Gr\u00f6nland unter ihre Kontrolle zu bringen.\" loading=\"lazy\" width=\"5315\" height=\"3543\" decoding=\"async\" data-nimg=\"1\" style=\"color:transparent;width:100%;height:auto\"   src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/2cf0f6a8-c05d-4ffc-b471-0768ff87b695.jpg\"\/><\/p>\n<p>Frankreichs Pr\u00e4sident Macron warnt er vor \u201ebeispiellosen Konsequenzen\u201c, sollte die US-Regierung versuchen, Gr\u00f6nland unter ihre Kontrolle zu bringen.Alain Robert\/imago<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Selbst Pr\u00e4sident <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/emmanuel-macron\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Emmanuel Macron<\/a> hat wiederholt Zweifel an der Ausrichtung des B\u00fcndnisses ge\u00e4u\u00dfert. Zuletzt warnte er vor \u201ebeispiellosen\u201c und \u201ekaskadenartigen Konsequenzen\u201c, sollte die US-Regierung von <a href=\"https:\/\/www.berliner-zeitung.de\/topics\/donald-trump\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Donald Trump<\/a> versuchen, Gr\u00f6nland unter ihre Kontrolle zu bringen. Auf dem Luftwaffenst\u00fctzpunkt Istres in S\u00fcdfrankreich machte Macron am Donnerstag deutlich, dass es bei der Entsendung franz\u00f6sischer Soldaten nach Gr\u00f6nland nicht nur um Abschreckung gegen\u00fcber China und Russland gehe, sondern auch um Gegenwehr gegen Drohungen aus Washington. Frankreich und die Europ\u00e4er m\u00fcssten \u00fcberall dort pr\u00e4sent bleiben, wo ihre Interessen bedroht seien \u2013 \u201eohne Eskalation, aber kompromisslos, wenn es um die Achtung der territorialen Souver\u00e4nit\u00e4t geht\u201c.<\/p>\n<p>Pr\u00e4sident Macron bezeichnet die Nato als \u201ehirntot\u201c<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ\">Diese Haltung f\u00fcgt sich in eine lange franz\u00f6sische Tradition strategischer Distanz zu den USA, die auf Charles de Gaulle zur\u00fcckgeht. Macron selbst hatte bereits zu Beginn seiner Amtszeit 2017 erkl\u00e4rt, sein politisches Projekt bestehe darin, Europa von den Vereinigten Staaten zu l\u00f6sen und zu einem eigenst\u00e4ndigen Akteur zu machen. 2019 sorgte er f\u00fcr Aufsehen, als er die Nato als \u201ehirntot\u201c bezeichnete.<\/p>\n<p class=\"article_paragraph__hXYKJ article_paragraph_end-of-article-icon__tzjPO\">Vor diesem Hintergrund ist der Antrag von Guett\u00e9 weniger ein randst\u00e4ndiges Signal als vielmehr ein Vorsto\u00df, der die ohnehin wachsende Debatte \u00fcber Europas strategische Autonomie und die Frage, ob Frankreichs Platz k\u00fcnftig noch in der Nato ist, auf den Punkt bringt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Was lange als politisches Hirngespinst galt, r\u00fcckt pl\u00f6tzlich in den Bereich des M\u00f6glichen: Frankreichs Austritt aus der Nato.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":723627,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-723626","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115906601745811323","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/723626","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=723626"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/723626\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/723627"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=723626"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=723626"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=723626"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}