{"id":724216,"date":"2026-01-17T01:38:13","date_gmt":"2026-01-17T01:38:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/724216\/"},"modified":"2026-01-17T01:38:13","modified_gmt":"2026-01-17T01:38:13","slug":"es-geht-um-mehr-als-handel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/724216\/","title":{"rendered":"Es geht um mehr als Handel"},"content":{"rendered":"<p>Seit mehr als einem Vierteljahrhundert arbeiten die Verhandlungspartner schon auf diesen Tag hin: An diesem\u00a0Samstag fliegt die Pr\u00e4sidentin der Europ\u00e4ischen Kommission, <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/ursula-von-der-leyen\/t-17298806\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Ursula von der Leyen<\/a>, nach <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/paraguay\/t-18465144\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Paraguay<\/a>, um das bislang gr\u00f6\u00dfte Handelsabkommen der EU mit dem s\u00fcdamerikanischen Block Mercosur zu unterzeichnen.<\/p>\n<p>In diesen Zeiten der Unsicherheit pr\u00e4sentiert die EU den Mega-Deal als Beweis daf\u00fcr, dass sie Allianzen schmieden und ihren eigenen Kurs bestimmen kann. Doch bei Klimaaktivisten, Landwirten und dem EU-Schwergewicht Frankreich bleibt das Abkommen unbeliebt. Es k\u00f6nnte noch immer an der Abstimmung im EU-Parlament sp\u00e4ter in diesem Jahr scheitern.<\/p>\n<p>Es geht um mehr als Freihandel<\/p>\n<p>Mit dem neuen <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/dossier-das-freihandelsabkommen-eu-mercosur\/a-70977671\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pakt<\/a> wollen die 27 Mitgliedsstaaten der EU ihre Kr\u00e4fte mit Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay b\u00fcndeln, um eine der gr\u00f6\u00dften Freihandelszonen der Welt zu bilden.<\/p>\n<p>Die Verhandlungen dazu begannen schon im Jahr 2000, w\u00e4hrend der Hochzeit der Globalisierung, als es f\u00fcr Europa noch ein Leichtes schien, neue Partner zu gewinnen. Doch mit dem Krieg in der Ukraine im Osten der EU und den durch die US-Z\u00f6lle erschwerten Handel im Westen bekommt das Abkommen eine neue politische Bedeutung, sagt der Politikexperte Andres Malamud von der Universit\u00e4t Lissabon:\u00a0&#8222;Vor 26 Jahren ging es bei diesem Abkommen um F\u00fchrung, um die Festlegung von Regeln f\u00fcr den weltweiten Handel.&#8220; Jetzt, da der Anteil der EU an der Weltwirtschaft im Laufe der Jahre zur\u00fcckgegangen sei, gehe es um Resilienz, erkl\u00e4rt er gegen\u00fcber der DW.<\/p>\n<p>Malamud beschreibt das Abkommen als Versuch der <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/europ\u00e4ische-union\/t-17281096\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU<\/a>, eine regelbasierte Ordnung und Normen wiederherzustellen, &#8222;die im Rest der Welt langsam verschwinden&#8220;. Es gehe dabei nicht nur um Handel, sondern um &#8222;politische Zusammenarbeit und politischen Dialog&#8220;.<\/p>\n<p>Besserer Zugang zu Rohstoffen<\/p>\n<p>Auch wenn das Abkommen keine einschneidenden Auswirkungen auf das Bruttoinlandsprodukt der EU haben wird, k\u00f6nnte es doch Zugang zu Rohstoffen erm\u00f6glichen, die f\u00fcr die Zukunft des Kontinents entscheidend sind.<\/p>\n<p>Die EU erhofft sich leichteren Zugriff auf die gewaltigen Mineralvorkommen Brasiliens, die es ihr erlauben w\u00fcrden, ihre Abh\u00e4ngigkeit von <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/china\/t-17281386\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">China<\/a> bei Rohstoffen f\u00fcr gr\u00fcne Technologien und die R\u00fcstungsindustrie zu verringern. Dank niedrigerer Z\u00f6lle k\u00f6nnten brasilianische Exporteure wiederum ihre Gesch\u00e4ftsbeziehungen zu Europa ausbauen.<\/p>\n<p>Etwa 10 Prozent des weltweit gewonnenen Aluminiums, 13 Prozent des Graphits und 16 Prozent des Tantals stammen aus <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/brasilien\/t-17518270\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Brasilien<\/a>. Das Land dominiert au\u00dferdem den Markt f\u00fcr Niob, einem Metall, das in zahlreichen Bereichen eingesetzt wird, von der Stahlproduktion bis zu den supraleitenden Magneten des gr\u00f6\u00dften Teilchenbeschleunigers der Welt, dem <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/cern\/t-18928209\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Large Hadron Collider (LHC)<\/a>\u00a0nahe Genf in der Schweiz.<\/p>\n<p>Doch diese Anreize f\u00fcr die weitere Rohstofff\u00f6rderung sind nur einer der Gr\u00fcnde, warum Klimaaktivisten das Abkommen ablehnen. Sie bef\u00fcrchten, dass es die Abholzung des <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/amazonas\/t-18967529\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Amazonas<\/a> und die Zerst\u00f6rung von \u00d6kosystemen weiter vorantreiben werde.<\/p>\n<p>Kurzfristige Gewinne f\u00fcr die Autoindustrie?<\/p>\n<p>Die deutsche Autoindustrie gilt als eine der Gewinnerinnen auf europ\u00e4ischer Seite. Denn die durch <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/zollstreit\/t-73206904\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">US-Handelsz\u00f6lle<\/a> und die nachlassende Nachfrage aus China gebeutelten Autobauer sind auf der Suche nach neuen Kunden.<\/p>\n<p>Wie reagiert Europa auf Trumps Z\u00f6lle?<video id=\"video-72165746\" controls=\"\" playsinline=\"\" preload=\"none\" poster=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAAAEAAAABCAQAAAC1HAwCAAAAC0lEQVR42mNkYAAAAAYAAjCB0C8AAAAASUVORK5CYII=\" data-id=\"72165746\" data-posterurl=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/69237144_605.webp\" data-duration=\"02:43\"><\/p>\n<p class=\"vjs-no-js\">To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that <a href=\"https:\/\/videojs.com\/html5-video-support\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">supports HTML5 video<\/a><\/p>\n<p><\/video><\/p>\n<p>&#8222;Die Erschlie\u00dfung neuer M\u00e4rkte ist von enormer Bedeutung&#8220;, betonte Matthias Zink, Vorstand der Sparte Powertrain &amp; Chassis des deutschen Autozulieferers Schaeffler im vergangenen Monat im Gespr\u00e4ch mit der DW. &#8222;Wachstum wird au\u00dferhalb der etablierten M\u00e4rkte stattfinden. In Brasilien, in Indien, in S\u00fcdostasien&#8220;.<\/p>\n<p>Ein Argument, das bei den Autobauern seltener Erw\u00e4hnung findet, ist ihre Suche nach weniger regulierten M\u00e4rkten, auf denen sie auch in Zukunft umweltsch\u00e4dliche Benzin- und Dieselautos verkaufen k\u00f6nnen. Ein <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/autos-verbrenner-verbot-2035-eu-gesetz-aktuell-deutschland\/a-75035357\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU-Verbot<\/a> f\u00fcr den Verkauf der meisten neuen Benzin- und Dieselfahrzeuge soll 2035 in Kraft treten, auch wenn die Vorgaben hierf\u00fcr mittlerweile gelockert wurden.<\/p>\n<p>Gegen den Wunsch Frankreichs<\/p>\n<p>Die Freude der deutschen Automobilbranche wird von den europ\u00e4ischen Landwirten nicht geteilt. &#8222;Die EU versucht\u00a0auf Kosten der Landwirte, die deutsche und europ\u00e4ische Industrie zu retten&#8220;, beklagte sich etwa ein Teilnehmer\u00a0einer Demonstration im vergangenen Monat in Br\u00fcssel, w\u00e4hrend hinter ihm Traktoren Kartoffeln aufh\u00e4uften, um die Stra\u00dfen zu blockieren.<\/p>\n<p><img data-format=\"MASTER_LANDSCAPE\" data-id=\"75236553\" data-url=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/75236553_${formatId}.jpg\" data-aspect-ratio=\"16\/9\" alt=\"Ein Haufen Kartoffeln auf Pflastersteinen mit einem Schild mit der Aufschrift &quot;Eine starke gemeinsame Agrarpolitik hei\u00dft Lebensmittelsicherheit&quot; (auf Franz\u00f6sisch)\" style=\"padding-bottom: 56.25%; height: 0; max-height: 0;\"\/>Bei Protesten gegen Mercosur und die Agrarpolitik der EU luden Bauern Kartoffeln auf den Stra\u00dfen Br\u00fcssels abBild: Nicolas Tucat\/AFP\/Getty Images<\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr hatte die EU neue &#8222;Schutzma\u00dfnahmen&#8220; eingef\u00fchrt, um den Import von preisg\u00fcnstigem Fleisch aus S\u00fcdamerika einzuschr\u00e4nken und eine Wettbewerbsverzerrung zu verhindern, doch es gelang ihr nicht, damit <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/frankreich\/t-17518447\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Frankreich<\/a>\u00a0zu \u00fcberzeugen, das Mitglied der EU, das dem Abkommen am kritischsten gegen\u00fcbersteht.<\/p>\n<p>Auch Polen, Irland, \u00d6sterreich und Ungarn lehnten den Pakt aufgrund der erwarteten Auswirkungen auf ihre Landwirte ab, wurden jedoch\u00a0vergangene Woche \u00fcberstimmt.<\/p>\n<p>Weitreichende Entscheidungen\u00a0k\u00f6nnen zwar von jedem EU-Mitgliedsstaat mit einem Veto blockiert\u00a0werden, f\u00fcr handelspolitische Weichenstellungen ist jedoch nur eine sogenannte qualifizierte Mehrheit der Mitglieder erforderlich.<\/p>\n<p>Es kommt nicht h\u00e4ufig vor, dass die EU eine wichtige Entscheidung ohne die Zustimmung Frankreichs trifft. In Br\u00fcssel betrachtet man dies daher als Beweis, dass der Block trotz Meinungsverschiedenheiten handlungsf\u00e4hig ist, zugleich aber auch als Vorboten weiterer politischer Auseinandersetzungen.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen von Trumps Politik<\/p>\n<p>F\u00fcr Europa k\u00f6nnte die Unterzeichnung am Samstag einen Wendepunkt bei den Handelsbeziehungen einl\u00e4uten. Vertreter der EU machen nun Druck bei der Verhandlung anderer Abkommen, die wegen Klimabedenken oder landwirtschaftlicher Standards zum Erliegen kamen.<\/p>\n<p>Indonesien: Handelsabkommen mit EU belebt Export-Hoffnungen<video id=\"video-74113649\" controls=\"\" playsinline=\"\" preload=\"none\" poster=\"data:image\/png;base64,iVBORw0KGgoAAAANSUhEUgAAAAEAAAABCAQAAAC1HAwCAAAAC0lEQVR42mNkYAAAAAYAAjCB0C8AAAAASUVORK5CYII=\" data-id=\"74113649\" data-posterurl=\"https:\/\/static.dw.com\/image\/74102898_605.webp\" data-duration=\"02:42\"><\/p>\n<p class=\"vjs-no-js\">To view this video please enable JavaScript, and consider upgrading to a web browser that <a href=\"https:\/\/videojs.com\/html5-video-support\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">supports HTML5 video<\/a><\/p>\n<p><\/video><\/p>\n<p>Im vergangenen Jahr unterzeichnete Br\u00fcssel ein \u00fcber zehn Jahr lang mit <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/indonesien\/t-18079513\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Indonesien<\/a> verhandeltes Abkommen und noch vor Ende des Monats wird EU-Kommissionspr\u00e4sidentin von der Leyen voraussichtlich ein weiteres Handelsabkommen mit <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/deutschland-und-indien-vertiefen-ihre-zusammenarbeit-friedrich-merz-narendra-modi\/a-75472196\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Indien<\/a> ank\u00fcndigen.<\/p>\n<p>Inu Manak von der US-amerikanischen Denkfabrik Council on Foreign Relations spricht von einem <a class=\"internal-link\" href=\"https:\/\/www.dw.com\/de\/trump-z\u00f6lle-treiben-china-und-eu-zur-diversifizierung-des-handels-an\/a-72207202\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">allgemeinen Trend<\/a>: &#8222;Bei allen US-Handelspartnern findet ein deutlicher Wandel statt in ihren \u00dcberlegungen, wie sie ihre Handelsbeziehungen diversifizieren k\u00f6nnen&#8220;, sagt sie gegen\u00fcber der DW. &#8222;Ich glaube, die US-Regierung hat noch nicht sonderlich viel dar\u00fcber nachgedacht, was es bedeutet, wenn sich die Weltwirtschaft aufgrund ihrer Handlungen weiter fragmentiert.&#8220;<\/p>\n<p>Konkurrenz aus China<\/p>\n<p>Der intensive Wettbewerb um globalen Einfluss verschiebe das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis zugunsten der asiatischen und s\u00fcdamerikanischen Partner Europas, die fr\u00fcher als &#8222;Regelbefolger&#8220; galten.<\/p>\n<p>&#8222;Jetzt k\u00f6nnen wir beobachten, dass sie sich sagen: Vielleicht muss ich die Regeln anderer gar nicht akzeptieren&#8220;, erl\u00e4utert sie. &#8222;Die L\u00e4nder fragen sich: Warum soll ich mich mit dir einigen, wenn ich zum Beispiel von China bessere Konditionen bekomme? Wenn sie weniger Bedingungen stellen?&#8220;<\/p>\n<p>Kerstin Schweizer und Brent Goff haben zu diesem Artikel beigetragen.<\/p>\n<p>Adaptiert aus dem Englischen von Phoenix Hanzo.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Seit mehr als einem Vierteljahrhundert arbeiten die Verhandlungspartner schon auf diesen Tag hin: An diesem\u00a0Samstag fliegt die Pr\u00e4sidentin&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":724217,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,548,663,158,3934,3935,13,14,15,12],"class_list":{"0":"post-724216","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europaeische-union","13":"tag-europe","14":"tag-european-union","15":"tag-headlines","16":"tag-nachrichten","17":"tag-news","18":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115907887454972030","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/724216","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=724216"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/724216\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/724217"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=724216"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=724216"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=724216"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}