{"id":726635,"date":"2026-01-18T00:45:12","date_gmt":"2026-01-18T00:45:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/726635\/"},"modified":"2026-01-18T00:45:12","modified_gmt":"2026-01-18T00:45:12","slug":"tausende-schliessfaecher-geknackt-existenzen-zerstoert-polizei-kritisiert-sympathien-fuer-taeter-von-gelsenkirchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/726635\/","title":{"rendered":"Tausende Schlie\u00dff\u00e4cher geknackt: \u201eExistenzen zerst\u00f6rt\u201c \u2013 Polizei kritisiert Sympathien f\u00fcr T\u00e4ter von Gelsenkirchen"},"content":{"rendered":"<p>3256 Schlie\u00dff\u00e4cher in vier Stunden geknackt: Mehr als 200 Ermittler sind im Einsatz, um den Sparkassen-Einbruch in Gelsenkirchen aufzukl\u00e4ren. Es verdichten sich Hinweise, dass die Kriminellen Hilfe von einem \u201eInsider\u201c bekamen. Die Polizei hat eine Botschaft an Menschen, die den Raub feiern.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Es ist immer noch vieles r\u00e4tselhaft beim wohl gr\u00f6\u00dften Bankraub in der Geschichte von Nordrhein-Westfalen. Seit zwei Wochen ist bekannt, dass kurz vor dem Jahreswechsel eine Bande in einer Sparkassen-Filiale im Stadtteil Gelsenkirchen-Buer eingebrochen war. Mit einem Kernbohrer war sie <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article695245a4f6fc544dba9b638b\/gelsenkirchen-diebe-bohren-grosses-loch-in-tresorraum-aufgebrachte-kunden-belagern-bank.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/article695245a4f6fc544dba9b638b\/gelsenkirchen-diebe-bohren-grosses-loch-in-tresorraum-aufgebrachte-kunden-belagern-bank.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">durch eine Wand in den Tresorraum gelangt<\/a> und hatte etwa 3200 Schlie\u00dff\u00e4cher aufgebrochen.<\/p>\n<p>Die Einsch\u00e4tzungen zum Verm\u00f6gensschaden schwanken zwischen einer zwei- und dreistelligen Millionensumme, weil noch unklar ist, wie viel Bargeld, Gold, Schmuck und andere Wertgegenst\u00e4nde genau die betroffenen Kunden aufbewahrt haben. Die Polizei hat Videobilder aus dem benachbarten Parkhaus <a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/polizei.nrw\/fahndung\/190703\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/polizei.nrw\/fahndung\/190703&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\">\u00f6ffentlich gemacht<\/a>, auf dem drei maskierte M\u00e4nner und zwei gestohlene Autos zu sehen sind.<\/p>\n<p>Als Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstagmorgen im Innenausschuss des Landtags einen m\u00fcndlichen Bericht zu dem spektakul\u00e4ren Fall vortr\u00e4gt, kann er nur im Ungef\u00e4hren bleiben. Die Ermittlungen seien \u201ein vollem Gange\u201c, sagt Reul zu den Abgeordneten. Es gebe zum Teil noch keine Antworten, au\u00dferdem wolle man den T\u00e4tern keine Hinweise liefern. Viele Fragen k\u00f6nnten erst sp\u00e4ter beantwortet werden.<\/p>\n<p>Stillhalten mag Reul allerdings nicht, auch weil zahlreiche Betroffene, Medien und Opposition Antworten suchen und Reaktionen fordern. Deshalb geht es bei diesem Bankraub nicht nur um die Tat selbst und um die Ermittlungen, sondern auch darum, wie man etwas sagt, obwohl es wenig zu sagen gibt. Reul ist als Innenminister in seinem Verantwortungsbereich st\u00e4ndig solchen Situationen ausgesetzt und hat darin eine gewisse Routine entwickelt. Als bundesweit wohl profiliertester Innenpolitiker ist es dem 73-j\u00e4hrigen Christdemokraten sogar zutr\u00e4glich, wenn er offen Ratlosigkeit und Zur\u00fcckhaltung zeigt.<\/p>\n<p>Die SPD-Opposition kritisiert, dass sich niemand aus der Landesregierung zeitnah zum Bankraub in Gelsenkirchen ge\u00e4u\u00dfert habe. Sie hat deshalb die Sondersitzung im Innenausschuss beantragt und h\u00e4lt sich zugute, dass dadurch eine \u201egewisse Dynamik\u201c entstanden sei, da der Minister bereits im Vorfeld der Sitzung mehrere Interviews gegeben habe. Reul kontert das im Ausschuss mit dem Hinweis, dass er bewusst lange nichts gesagt habe und auch Schwierigkeiten mit Interviewanfragen habe: \u201eWenn Sie sich die Interviews anschauen, die sind auch nicht alle irrsinnig inhaltsschwer, weil man einfach zu wenig wei\u00df\u201c, sagt Reul im Innenausschuss. Man m\u00fcsse \u201ewahnsinnig aufpassen, damit man keine falschen Wirkungen erzeugt\u201c.<\/p>\n<p>Reul verweist auf einen anderen l\u00e4nger zur\u00fcckliegenden Fall. Damals ging es um eine Serie von Explosionen in K\u00f6ln und anderen St\u00e4dten. Man habe damals \u00fcber Vergeltungsschl\u00e4ge der Drogenmafia aus den Niederlanden spekuliert, doch am Ende sei es ganz anders gewesen. Die K\u00f6lner Polizei habe \u00fcber Monate intensiv ermittelt und die T\u00e4ter seien inzwischen angeklagt und verurteilt, betont Reul. Deshalb pl\u00e4diert er auch mit Blick auf die mehr als 200 involvierten Ermittler im Gelsenkirchener Fall: \u201eMan muss denen auch manchmal die Ruhe und die Zeit lassen, um da weiterzukommen.\u201c<\/p>\n<p>Reul nennt in seinem m\u00fcndlichen Bericht an den Innenausschuss nicht einmal die genaue Tatzeit, obwohl eigentlich jedes \u00d6ffnen und Schlie\u00dfen eines einzelnen Schlie\u00dffaches elektronisch dokumentiert wird; eigentlich, denn Technik und Elektronik in der Filiale scheinen bei diesem Raub nach bisherigem Kenntnisstand ein gro\u00dfer Unsicherheitsfaktor gewesen zu sein. Es gab nach Reuls Angaben vor Ort eine Brandmelde- und eine Einbruchsalarmanlage. Doch am 27. Dezember l\u00f6ste morgens gegen sechs Uhr nur die Brandmeldeanlage im Tresorraum aus, der sich neben dem Tresorraum mit den Schlie\u00dff\u00e4chern befindet.<\/p>\n<p>Feuerwehr, Polizei und Sicherheitsdienst r\u00fcckten zur Bankfiliale aus, bemerkten beim Rundgang keine Auff\u00e4lligkeiten, gingen von einem Fehlalarm aus, und stellten die Brandmeldeanlage wieder scharf. Zwei Tage sp\u00e4ter, am 29. Dezember, ging die Brandmeldeanlage wieder fr\u00fchmorgens los, und dieses Mal fanden die alarmierten Kr\u00e4fte an der Filiale Einbruchsspuren. Seitdem ermittelt die Besondere Aufbauorganisation von Polizei Gelsenkirchen und Staatsanwaltschaft Essen. Es gibt den Verdacht, dass die Bande einen ortskundigen Helfer hatte, einen \u201eInsider\u201c. Aber es ist vollkommen unklar, ob es jemand aus der Sparkasse oder der Nachbarschaft gewesen sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Vom sp\u00e4ten Vormittag bis zum Nachmittag F\u00e4cher geknackt<\/p>\n<p>Etwa eineinhalb Stunden nach der Sondersitzung im Ausschuss\u00a0meldet sich die Polizei Gelsenkirchen mit einer l\u00e4ngeren Mitteilung zu Wort: Demnach l\u00e4sst sich anhand der ausgewerteten Daten sagen, \u201edass die T\u00e4ter am Samstag, 27. Dezember 2025, um 10.45 Uhr das erste Schlie\u00dffach in dem Tresorraum aufbrachen. Die letzte digitale Aufzeichnung der \u00d6ffnung eines Schlie\u00dffaches war um 14.44 Uhr.\u201c<\/p>\n<p>In diesen vier Stunden seien die vorhandenen 3256 Schlie\u00dff\u00e4cher aufgebrochen worden. Die Ermittler fanden zudem heraus, dass eine vom Parkhaus aus nicht zu \u00f6ffnende Fluchtt\u00fcr manipuliert wurde und die T\u00e4ter dadurch ungehindert ins Sparkassengeb\u00e4ude gelangen konnten.<\/p>\n<p>Mehrere Hunderttausend Gegenst\u00e4nde l\u00e4gen immer noch auf dem Boden des Tresorraums. Kriminaltechniker aus ganz Nordrhein-Westfalen untersuchen die Gegenst\u00e4nde auf Spuren, katalogisieren, fotografieren und sichern. Dazu wurden sogenannte Bearbeitungsstra\u00dfen eingerichtet, an denen auch Mitarbeiter der Sparkasse anwesend sind. Die Arbeit wird noch komplizierter und zeitraubender, weil die T\u00e4ter im Tresorraum offenbar chemische Fl\u00fcssigkeiten verteilt haben, um wom\u00f6glich Spuren zu verwischen.<\/p>\n<p>Die betroffenen Kunden werden wohl noch l\u00e4nger darauf warten m\u00fcssen, um zu erfahren, was aus dem Inhalt ihres Schlie\u00dffachs geworden ist. Es m\u00fcssten nach Polizeiinformationen weit mehr als 3000 gesch\u00e4digte Personen kontaktiert und zum Inhalt der Schlie\u00dff\u00e4cher befragt werden. Dies erfordere \u201eeine umfangreiche logistische Planung\u201c.<\/p>\n<p>\u201eWir haben es hier mit einem der gr\u00f6\u00dften Kriminalf\u00e4lle in der Geschichte des Landes Nordrhein-Westfalen zu tun\u201c, erkl\u00e4rt Gelsenkirchens Polizeipr\u00e4sident Tim Frommeyer. Allen Mitarbeitern seiner Beh\u00f6rde seien die gro\u00dfen Ausma\u00dfe bewusst. Er bitte um Verst\u00e4ndnis, \u201edass viele Dinge ihre Zeit brauchen, um auch zum Erfolg zu f\u00fchren\u201c. <\/p>\n<p>Kriminaldirektor Andr\u00e9 Dobersch, der den Einsatz als verantwortlicher Polizeif\u00fchrer leitet, hat wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die in den sozialen Medien ge\u00e4u\u00dferten Sympathien f\u00fcr die T\u00e4ter: \u201eWir sprechen hier nicht von Panzerknackern in einem Comic, sondern von Kriminellen, die vielen Schlie\u00dffach-Inhabern schlaflose N\u00e4chte bereiten und Existenzen zerst\u00f6rt haben. Daher gibt die gesamte Polizei alles, um in dieser beispiellosen Tat Licht ins Dunkel zu bringen.\u201c<\/p>\n<p>Betroffene Kunden haben sich inzwischen an Anw\u00e4lte gewandt, die Klagen wegen einer Pflichtverletzung gegen die Sparkasse vorbereiten. Offensichtlich, so deren Einsch\u00e4tzung, sei das Sicherheitskonzept der Bank unzureichend. Der Gelsenkirchener Sparkassenchef Michael Klotz wies Kritik an der Sicherheitstechnik zur\u00fcck: \u201eDie Filiale mit dem Schlie\u00dffachraum war nach dem anerkannten Stand der Technik gesichert\u201c, betonte Klotz zuletzt. Die Ma\u00dfnahmen seien laufend verbessert worden.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/kristian-frigelj\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/kristian-frigelj\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\"><b>Kristian Frigelj<\/b><\/a><b> berichtet f\u00fcr WELT \u00fcber bundes- und landespolitische Themen, insbesondere aus Nordrhein-Westfalen und Baden-W\u00fcrttemberg.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"3256 Schlie\u00dff\u00e4cher in vier Stunden geknackt: Mehr als 200 Ermittler sind im Einsatz, um den Sparkassen-Einbruch in Gelsenkirchen&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":726636,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1848],"tags":[304,150663,3364,29,548,663,3934,3658,30,13,40279,14,15,1209,121,4576,40280,12,158586,47223],"class_list":{"0":"post-726635","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-gelsenkirchen","8":"tag-banken","9":"tag-bankraub","10":"tag-de","11":"tag-deutschland","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europe","15":"tag-gelsenkirchen","16":"tag-germany","17":"tag-headlines","18":"tag-herbert","19":"tag-nachrichten","20":"tag-news","21":"tag-nordrhein-westfalen","22":"tag-polizei","23":"tag-raub","24":"tag-reul","25":"tag-schlagzeilen","26":"tag-schliessfaecher-ks","27":"tag-sparkassen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115913341366858579","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/726635","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=726635"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/726635\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/726636"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=726635"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=726635"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=726635"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}