{"id":726982,"date":"2026-01-18T04:27:11","date_gmt":"2026-01-18T04:27:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/726982\/"},"modified":"2026-01-18T04:27:11","modified_gmt":"2026-01-18T04:27:11","slug":"stuttgart-ein-tatort-mit-glanz-glamour-und-zu-viel-drama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/726982\/","title":{"rendered":"Stuttgart | Ein \u00abTatort\u00bb mit Glanz, Glamour \u2013 und zu viel Drama"},"content":{"rendered":"<p>Stuttgart (dpa) &#8211; Es ist eine dieser N\u00e4chte, in denen alles aus den Fugen ger\u00e4t: Regen prasselt, Angst liegt in der Luft. Eine durchn\u00e4sste Frau taumelt in eine Stuttgarter Polizeiwache, sie stammelt, ihr Auto sei gestohlen worden \u2013 mit ihren beiden Kindern auf dem R\u00fccksitz. Stunden sp\u00e4ter zieht die Feuerwehr das Fahrzeugwrack aus dem Neckar: Die kleine Penelope auf dem R\u00fccksitz ist tot, ihr Bruder Hugo verschwunden.\u00a0<\/p>\n<p>Ein Stoff, aus dem jeder Krimi Spannung sch\u00f6pfen k\u00f6nnte. Doch der neue Stuttgarter \u00abTatort\u00bb-Fall \u00abEx-It\u00bb (Sonntag, 18. Januar, 20.15 Uhr, Das Erste) interessiert sich schnell f\u00fcr etwas anderes als die Schuldfrage: Was passiert mit Menschen, die nur existieren, solange jemand hinschaut?<\/p>\n<p>Der Glanz ist fort \u2013 und das Leben gleich mit<\/p>\n<p>Pony H\u00fcbner, gespielt mit arg flackernder Nervosit\u00e4t von Kim Riedle (\u00abLiebes Kind\u00bb), war einmal ein Star: ein It-Girl, das von Blitzlichtern verfolgt und von Magazinen verehrt wurde. Ihr Mann Stefan (Hans L\u00f6w), einst K\u00f6nig der Klatschpresse, machte sie gro\u00df \u2013 und lie\u00df sie fallen, als der Ruhm nachlie\u00df.<\/p>\n<p>Heute verdient er sein Geld mit Influencerinnen, w\u00e4hrend Pony verzweifelt nach Aufmerksamkeit sucht und durch alte Fotos scrollt. Sie kommt daher wie eine Schiffbr\u00fcchige im eigenen Leben: Sie ist sich selbst abhandengekommen, der Glanz ist fort \u2013 und das Dasein gleich mit.<\/p>\n<p>Ehe in Tr\u00fcmmern, Gesellschaft im Spiegel<\/p>\n<p>Die Kommissare Thorsten Lannert (Richy M\u00fcller) und Sebastian Bootz (Felix Klare) treffen auf zwei Welten, die aufeinanderprallen \u2013 Wohlstand und Verzweiflung, Hochglanzfassade und leerer Alltag, Emotionen werden ausgestellt und sind erstarrt. Der Zuschauer blickt auf ein Paar, das nur noch von Erinnerungen zusammengehalten wird. Zwischen Pony und Stefan fliegen keine Funken mehr, nur noch Splitter.<\/p>\n<p>Regisseurin Friederike Jehn, die in der Kieler Folge \u00abBorowski und die gro\u00dfe Wut\u00bb schon tiefe seelische Abgr\u00fcnde auslotete, weicht auch hier den vertrauten Krimi-Gewissheiten aus. \u00abMich hat das Schicksal\u00a0hinter der Schlagzeile\u00a0interessiert, die\u00a0innere\u00a0Geschichte dieses\u00a0Paares\u00bb, sagt sie. Ihr Tatort ist zugleich Trag\u00f6die, Gesellschaftsstudie und Beziehungsdrama \u2013 mitunter \u00fcberfordert er sich aber auch an diesem Anspruch.<\/p>\n<p>Zwischen B\u00fchne und Wirklichkeit<\/p>\n<p>Das Ensemble \u00fcberzeugt vor allem dort, wo Stille st\u00e4rker wirkt als jedes gesprochene Wort. An anderen Stellen droht \u00abEx-It\u00bb zu erstarren \u2013 etwa in den geschnittenen Verh\u00f6rszenen, die wolkig und langatmig geraten. Einige Dialoge klingen eher nach Theater als nach Fernsehen, es fehlt ihnen der Rhythmus; manches wird erkl\u00e4rt, wo die Andeutung gen\u00fcgt h\u00e4tte. Wenn Kommissar Lannert sagt: \u00abLeider k\u00f6nnen wir uns unsere Toten nicht aussuchen\u00bb, markiert das weniger Erkenntnis als Gewolltheit.<\/p>\n<p>Dabei k\u00f6nnte die Idee tragen: Erz\u00e4hlt wird vom Aufstieg und Fall einer Frau, die buchst\u00e4blich verschwindet, sobald der Scheinwerfer verlischt. Drehbuchautor Wolfgang Stauch zeichnet das Portr\u00e4t einer Generation, die sich im digitalen Spiegel sucht \u2013 und irgendwann keine Konturen mehr hat. Pony ist keine Ausnahmefigur, sondern Symptom. \u00abWenn ich mich nicht mehr in den Magazinen finde\u00bb, sagt sie, \u00abbin ich nur noch ein Geist.\u00bb<\/p>\n<p>Eine moderne Trag\u00f6die<\/p>\n<p>Lannert und Bootz bleiben Randfiguren in dieser neuen Folge. Kein privates Gepl\u00e4nkel, keine Nebenhandlung \u2013 zwei Ermittler als stille Beobachter in einer Welt, deren Wert sich in Likes und Reichweiten bemisst. Der 36. Stuttgarter \u00abTatort\u00bb zeigt das Duo so n\u00fcchtern wie selten, und gerade dieser Verzicht wirkt wohltuend.<\/p>\n<p>Als reiner Krimi \u00fcberzeugt \u00abEx-It\u00bb aber nur bedingt \u2013 zu wenig Spurensuche, zu viel Selbstbefragung, das Who-Done-it spielt keine gr\u00f6\u00dfere Rolle. Vielmehr ein Drama \u00fcber Sichtbarkeit und Vergessen, \u00fcber das fragile Verh\u00e4ltnis zwischen Echtheit und Inszenierung und \u00fcber das Scheitern eines Lebens- und Beziehungskonzepts.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Stuttgart (dpa) &#8211; Es ist eine dieser N\u00e4chte, in denen alles aus den Fugen ger\u00e4t: Regen prasselt, Angst&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":726983,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1830],"tags":[1634,3364,29,441,30,62,1441,218,6406,165007],"class_list":{"0":"post-726982","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-stuttgart","8":"tag-baden-wuerttemberg","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-fernsehen","12":"tag-germany","13":"tag-medien","14":"tag-stuttgart","15":"tag-tatort","16":"tag-tv-ausblick","17":"tag-zum-18-januar"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115914214285316393","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/726982","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=726982"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/726982\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/726983"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=726982"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=726982"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=726982"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}