{"id":727674,"date":"2026-01-18T11:21:11","date_gmt":"2026-01-18T11:21:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/727674\/"},"modified":"2026-01-18T11:21:11","modified_gmt":"2026-01-18T11:21:11","slug":"nutzung-von-wasserstoff-und-biomasse-%c2%b7-leipziger-zeitung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/727674\/","title":{"rendered":"Nutzung von Wasserstoff und Biomasse \u00b7 Leipziger Zeitung"},"content":{"rendered":"<p>Eine Herausforderung ist die Herstellung von gr\u00fcnem Wasserstoff (H), die zum aktuellen Zeitpunkt einfach sehr viel Energie kostet. Deshalb sollte nur \u00fcbersch\u00fcssiger Wind- oder Solarstrom zur Erzeugung von H genutzt werden. Je nach Technologie f\u00fcr die Herstellung von H gehen 20 bis 40 Prozent der eingesetzten Energie in Form von Strom oder Erdgas dabei verloren. Der Rest ist dann als chemische Energie im Wasserstoff gespeichert.<\/p>\n<p>Um gro\u00dfe Mengen H mit einem Lkw oder Schiff zu transportieren, wird der Aggregatzustand des Wasserstoffs von gasf\u00f6rmig in fl\u00fcssig umgewandelt. Auch daf\u00fcr muss Energie eingesetzt werden: und zwar rund 30 Prozent \u2013 allein daf\u00fcr. Das hei\u00dft, rund 60\u201370 % (2\/3) der aufgewendeten Energie gehen f\u00fcr die Herstellung und den Transport von H verloren.<\/p>\n<p>Vorteile und Nachteile von Wasserstoff<\/p>\n<p>F\u00fcr die Erzeugung von 1 Liter Wasserstoff werden bei der Elektrolyse derzeit noch 6 bis 10 Liter sauberes Wasser ben\u00f6tigt. Deshalb sollten zur Elektrolyse umfangreiche Wasserquellen vorhanden sein. Aus diesem Wasser muss deionisiertes Wasser hergestellt werden, was destilliertem Wasser sehr nahekommt. Dazu wird wiederum Energie ben\u00f6tigt.<\/p>\n<p>Wasserstoff bietet aber auch viele Vorteile als Energiequelle: Er verbrennt ohne R\u00fcckst\u00e4nde, was \u00fcbrig bleibt, ist Wasser oder Wasserdampf. Dadurch wird das Klima nicht zus\u00e4tzlich belastet. Und Wasserstoff eignet sich, um \u00d6kostrom zu speichern.<\/p>\n<p>Neben gr\u00fcnem Wasserstoff gibt es noch andere Varianten des farblosen Gases. Durch die Spaltung von Erdgas in Wasserstoff und Kohlendioxid entsteht grauer, blauer und t\u00fcrkisfarbener Wasserstoff. Das Problem: Das dabei entstehende Kohlendioxid landet ungenutzt in der Atmosph\u00e4re. Damit wird der Klimawandel weiter angetrieben. Trotzdem wird aus Erdgas seit Jahrzehnten der Gro\u00dfteil an Wasserstoff gewonnen. Das muss im Rahmen der Energietransformation ge\u00e4ndert werden.<\/p>\n<p>\u201eGrunds\u00e4tzlich gilt aber: Dort, wo \u00d6kostrom direkt genutzt werden kann, ist sein Einsatz sinnvoller als der von Wasserstoff, weil schon viel Energie (2\/3) bei der Wasserstoffproduktion verloren geht.\u201c<\/p>\n<p>Aktuell gibt es zwei Standorte in der Region, aber keiner davon befindet sich in Sachsen. Das w\u00e4ren: Nobian in Bitterfeld, wo gr\u00fcner Strom zu 100 Prozent aus regenerativen Energiequellen zur Verf\u00fcgung steht. Und es gibt die k\u00fcrzlich in Betrieb genommene Produktion von ITM Linde im Chemiepark Leuna.<\/p>\n<p>Wasserstoff wird vor allem als Energietr\u00e4ger f\u00fcr industrielle Prozesse und f\u00fcr die Schwerlastmobilit\u00e4t diskutiert und, wenn vorhanden, genutzt. Dort hat er gegen\u00fcber elektrischen Alternativen deutliche Vorteile.<\/p>\n<p>F\u00fcr die dezentrale W\u00e4rmeerzeugung in Wohn- und Gewerbegeb\u00e4uden fehlen dagegen sowohl die notwendige Infrastruktur als auch ausreichende Mengen an gr\u00fcnem Wasserstoff. Aber der wichtigste Punkt dabei ist, dass die erwarteten Kosten f\u00fcr den Einsatz von Wasserstoff im Geb\u00e4udebereich deutlich \u00fcber denen anderer Technologien liegen.<\/p>\n<p>Aus heutiger Sicht w\u00e4re das Heizen mit Wasserstoff doppelt bis dreimal so teuer wie mit W\u00e4rmepumpen oder erneuerbarer Fernw\u00e4rme. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen sind unsicher. Unter anderem deshalb ist Wasserstoff in absehbarer Zeit keine ausreichend sinnvolle Option zur W\u00e4rmebereitstellung im Rahmen der W\u00e4rmeplanung.<\/p>\n<p>Dazu kommt noch, dass die Netzbetreiber nicht garantieren k\u00f6nnen, dass ein heute noch erdgasbasiertes Netz tats\u00e4chlich einmal Wasserstoff transportieren wird. Damit fehlt die Sicherheit f\u00fcr Geb\u00e4ude-Eigent\u00fcmer, das sogenannte \u201eH\u2082-Ready\u201c-Heizungen jemals wirtschaftlich betrieben werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Entsprechend <a href=\"http:\/\/www.leipzig.de\/leipzig-strategie\/energie-und-klima\/kommunaler-waermeplan\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Kommunalem W\u00e4rmeplan (KWP)<\/a> f\u00fcr Leipzig ergibt sich daraus ein klares Fazit, \u201edass der Einsatz von Wasserstoff als Ersatz f\u00fcr Erdgas \u2013 abseits von spezifischen Industrieanwendungen \u2013 in der dezentralen Geb\u00e4udew\u00e4rme nicht realistisch ist. Es fehlt an der wirtschaftlichen Tragf\u00e4higkeit, an der Infrastruktur und an einer gesicherten Versorgung.\u201c<\/p>\n<p>Die Kosten f\u00fcr H werden noch lange Zeit \u00fcber denen f\u00fcr erneuerbare Energien liegen.<\/p>\n<p>Nutzung von Biomasse<\/p>\n<p>Bei der Bildung von Biomasse \u2013 also dem Wachstum der Pflanzen \u2013 wird der Atmosph\u00e4re das TreibhausgasCO\u20822 entzogen. Sp\u00e4ter, bei der Verbrennung oder Verrottung der Biomasse, gelangt dieselbe MengeCO\u20822 wieder in die Atmosph\u00e4re. Die Klimabilanz von Biomasse ist also neutral, allerdings nur so lange, wie die verbrauchte Menge die nachwachsende Menge nicht \u00fcbersteigt. Bioenergie kann zum Beispiel gewonnen werden:<\/p>\n<p>aus eigens landwirtschaftlich angebauten Pflanzen (z.B. Mais, Getreide und Stroh, Zuckerr\u00fcbe, Raps, Sonnenblumen, \u00d6lpalmen), <\/p>\n<p>aus schnell wachsenden Geh\u00f6lzen, die auf landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen angebaut werden (sogenannte Kurzumtriebsplantagen) wie Schilf, bestimmte massenhaft wachsende Gr\u00e4ser, Geh\u00f6lze wie Pappeln uA,<br \/>aus Holz aus der Forst- und Plantagenwirtschaft oder aber <\/p>\n<p>aus biogenen Abfall- und Reststoffen aus Land- und Forstwirtschaft wie G\u00fclle, aus Haushalten oder Industrie wie Kl\u00e4rschlamm<\/p>\n<p>Die Rohstoffe k\u00f6nnen regionaler Herkunft sein oder \u00fcber globale Handelsstr\u00f6me zu uns gelangen. Dieser volumenreiche Transport verursacht wiederum Treibhausgasemissionen. Aus Holz und anderen biogenen Festbrennstoffen l\u00e4sst sich nicht nur W\u00e4rme gewinnen, sondern auch Strom. Ein Verfahren zur Nutzung ist: Verbrennung.<\/p>\n<p>Mit der Hitze, die bei der Verbrennung entsteht, wird Dampf erzeugt. Dieser Dampf treibt dann eine Turbine oder einen Motor an. Wird die verbleibende W\u00e4rme zur Beheizung verwendet, zum Beispiel von Geb\u00e4uden oder betrieblichen Trocknungsprozessen, spricht man von Heizkraftwerken und Kraft-W\u00e4rme-Kopplung. Weitere W\u00e4rmenutzung erfolgt durch Verbrennung in \u00d6fen, Kaminen, in Pellets- oder Hackschnitzelheizungen.<\/p>\n<p>Die andere Variante zur Nutzung ist: Zersetzung. Nicht jede Art der Biomasse eignet sich f\u00fcr die Verbrennung. Mais- und Getreidepflanzen, G\u00fclle, Kl\u00e4rschlamm oder Bioabfall setzen Energie durch Verg\u00e4rung frei. Bei der Zersetzung der organischen Materie durch spezielle Methanbakterien entsteht brennbares Biogas, das zur Stromerzeugung oder als Kraftstoff verwendet werden kann.<\/p>\n<p>Genutzt wird das Verfahren insbesondere in l\u00e4ndlichen Regionen in Biogasanlagen, die damit ein Nahw\u00e4rmenetz betreiben oder bei der Nutzung der Abw\u00e4rme von Abwasserkl\u00e4ranlagen.<\/p>\n<p>Anbaubiomasse \u2013 zu wertvoll zum Verbrennen<\/p>\n<p>F\u00fcr die Erzeugung von Biomasse besteht eine gravierende Fl\u00e4chenkonkurrenz, denn die begrenzt verf\u00fcgbaren landwirtschaftlichen Fl\u00e4chen werden dringend ben\u00f6tigt:<\/p>\n<p>\u2013 zur Herstellung von Nahrungsmitteln f\u00fcr die Menschen und zur Erzeugung von Futtermitteln f\u00fcr die Tierhaltung,<\/p>\n<p>\u2013 die vorhandenen Fl\u00e4chen werden ben\u00f6tigt f\u00fcr Geb\u00e4ude, Betriebe, Industrieanlagen, bauliche Anlagen, Verkehrsanlagen jeder Art,\u00a0<\/p>\n<p>\u2013 f\u00fcr Lagerfl\u00e4chen, Parkpl\u00e4tze, Sportanlagen und milit\u00e4risches Gel\u00e4nde, <\/p>\n<p>\u2013 f\u00fcr Wiesen, Weiden, W\u00e4lder, Parkanlagen und Naturschutzgebiete, f\u00fcr Kurzumtriebsplantagen, <br \/>zur Rohstoffgewinnung in Tagebauen und Kies- oder Erzgruben,<\/p>\n<p>\u2013 zur Energieerzeugung durch PV- und Windkraftanlagen usw.<\/p>\n<p>J\u00e4hrlich gehen weltweitn gro\u00dfe Fl\u00e4chen durch Wassermangel, Bodenabtrag, Winderosion, Versalzung oder menschliche Bebauung verloren. Laut Statistischem Jahrbuch der Ern\u00e4hrungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) ist die Agrarfl\u00e4che des Planeten zwischen 2000 und 2022 um insgesamt 91 Millionen Hektar geschrumpft. Somit entspricht der Verlust etwa dem 2,5\u2011Fachen der Fl\u00e4che Deutschlands. Gleichzeitig ging die Waldfl\u00e4che um 109 Millionen Hektar zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich konkurriert die energetische Nutzung von Biomasse mit den vielen anderen Verwendungsm\u00f6glichkeiten. Vornehmlich eigens auf fruchtbaren Ackerfl\u00e4chen angebaute \u201eEnergiepflanzen\u201c stehen in direkter Konkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelproduktion, aber auch zu einer stofflichen Nutzung, zum Beispiel f\u00fcr biobasierte Kunststoffe oder Chemikalien.<\/p>\n<p>Um das Wachsen der Biomasse zu gew\u00e4hrleisten, wird D\u00fcnger ben\u00f6tigt, werden Pestizide und Vernichtungsmitttel gegen Unkr\u00e4uter, Insekten und Kleinlebewesen eingesetzt, die B\u00f6den m\u00fcssen mit energieintensiver Technik bearbeitet und bew\u00e4ssert werden, die Biomasse muss transportiert werden.<\/p>\n<p>Leider alles keine nachhaltigen Verfahren, weswegen die Erzeugung von Biomasse zur Verbrennung nur dann sinnvoll ist, wenn keine Alternative zur Verf\u00fcgung steht.<\/p>\n<p>In l\u00e4ndlichen und suburbanen Gebieten besteht durch Biomasse, unter Einsatz moderner, emissionsarmer Feuerungstechnik, ein technisches Potenzial, das zur Dekarbonisierung der W\u00e4rmeversorgung beitragen kann. Hierzu z\u00e4hlen die landwirtschaftlichen Biogasanlagen, aber auch Pellet- und Hackschnitzelanlagen, deren Emissionen durch technische Ma\u00dfnahmen zur Luftreinhaltung wie Staubabscheider oder Katalysatoren deutlich reduziert werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In den st\u00e4dtischen Gebieten hingegen, die schon durch Verkehr und Industrie hoher Vorbelastung durch Feinstaub und Stickoxide ausgesetzt sind, ist die zus\u00e4tzliche Installation von Biomasseanlagen aus immissionsschutzrechtlichen Gr\u00fcnden kaum vertretbar. Ausschlusskriterien f\u00fcr Biomasseanlagen in verdichteten st\u00e4dtischen Gebieten sind zudem der Platzbedarf f\u00fcr Brennstofflager, der zus\u00e4tzliche Transportaufwand f\u00fcr die Biomasse und die technischen Anforderungen zur Luftreinhaltung sowie der erforderlichen Schornsteinh\u00f6hen.<\/p>\n<p>Biomasseanlagen k\u00f6nnen lediglich in Ausnahmef\u00e4llen eine Rolle spielen, etwa bei Ersatzl\u00f6sungen f\u00fcr bestehende Festbrennstoffanlagen, sofern die emissionsseitigen Rahmenbedingungen eingehalten werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Eine Herausforderung ist die Herstellung von gr\u00fcnem Wasserstoff (H), die zum aktuellen Zeitpunkt einfach sehr viel Energie kostet.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":727675,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[25808,3364,29,9700,30,71,859,29657,2171,5702],"class_list":{"0":"post-727674","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-biomasse","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-erneuerbare-energien","12":"tag-germany","13":"tag-leipzig","14":"tag-sachsen","15":"tag-waermeplanung","16":"tag-waermewende","17":"tag-wasserstoff"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115915842109562404","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/727674","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=727674"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/727674\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/727675"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=727674"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=727674"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=727674"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}