{"id":728771,"date":"2026-01-18T21:32:10","date_gmt":"2026-01-18T21:32:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/728771\/"},"modified":"2026-01-18T21:32:10","modified_gmt":"2026-01-18T21:32:10","slug":"eine-nacht-im-augsburger-kraetzwerk","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/728771\/","title":{"rendered":"Eine Nacht im Augsburger Kr\u00e4tzwerk"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Kr\u00e4tzmilben sind gesellig. Sie breiten sich gerne da aus, wo viele Menschen auf engem Raum zusammenkommen, und lassen sich in Form von Hautirritationen auf ihren Herden nieder. Der gef\u00fchlt briefmarkengro\u00dfe Raum des Kraetzwerks bietet also die ideale Infrastruktur f\u00fcr eine \u00fcbergreifende Infektion\u00a0\u2013 nur dass die Herde eben aus engagierten Menschen besteht, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/20-jahre-booking-in-der-kantine-juergen-endres-brachte-die-stars-nach-augsburg-113086067\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">die der Subkultur mehr Raum schaffen m\u00f6chten<\/a>, und die Hautirritationen nichts anderes sind als G\u00e4nsehaut, wenn eine Band wie Brennenstuhl am Freitag ihre hochkomplexen wie eing\u00e4ngigen Nummern in 15-min\u00fctige Acid-Jazz-Eruptionen verwandelt, die h\u00e4rter kochen als Tim M\u00e4lzer.\n  <\/p>\n<p>            \u201eDas Club- und Barsterben in Augsburg ist ein Problem\u201c sagt Johanna Reski <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Das Quartett schreibt Songs <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/was-sagt-uns-der-panther-heute-rainer-maria-rilke-zum-150-geburtstag-112919977\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">\u00fcber Karusselle, Elefanten und innere K\u00fcndigung<\/a>, von g\u00e4hnend langweiligen B\u00fcrojobs und dabei versenkt es das Konzept Zeit in Begleitung von Saxofonsoli und Funkgitarren in die Bedeutungslosigkeit. Schreiben wir das Jahr 1971? Oder 2039? Egal, aber fest steht, dass man solch einen Ort kaum hinter einer tristen, dunklen Einfahrt in der Schertlinstra\u00dfe vermutet, die selbst am Wochenende zur abendlichen Stunde h\u00f6chstens vom r\u00f6hrenden Durchgangsverkehr belebt wird. Vielleicht ist die \u201eKr\u00e4tze\u201c, wie der Raum des eingetragenen Vereins liebevoll genannt wird, aber auch nur eine juckende Pustel am Gewissen der Kulturpolitik, die Subkultur in jeglicher Form gerne recht stiefm\u00fctterlich behandelt. So bleibt eben nur der Ausweg, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/nachtstudie-fuer-augsburg-wie-staedte-ihr-nachtleben-beleben-103444201\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">\u201eDas Club- und Barsterben in Augsburg ist ein akutes Problem\u201c<\/a>, sagt Mitgr\u00fcnderin Johanna Reski, denn entgegen des g\u00e4ngigen Klischees geht es dabei nicht um Rausch und Absturz, sondern darum, der akuten Gesellschaftskrankheit Isolation entgegenzuwirken. Und zwar indem man einen Raum schafft, in dem nicht nur Kultur stattfinden kann, die durch das Ausloten der Extreme die Popkultur formt, sondern in dem sich Menschen jeglicher Generation im gemeinsamen Interesse an Musik begegnen, austauschen und letztlich ihre Scheuklappen wieder ein paar Zentimeter \u00f6ffnen k\u00f6nnen. Chava Uszkurat, ebenfalls an der Gr\u00fcndung des Vereins mitbeteiligt, erw\u00e4hnt noch eine weitere zentrale Idee des Vereins: \u201eAlle Mitglieder bekommen die M\u00f6glichkeit, Konzerte zu veranstalten oder Workshops zu geben\u201c, und selbst wenn die Erfahrung fehle, bekomme man Hilfe von den aktiven Mitgliedern, die schon dementsprechend Erfahrung gesammelt haben.\n  <\/p>\n<p>            Wie eine WG wirken die R\u00e4ume des Augsburger Kraetzwerks<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Im zweiten Jahr des Bestehens materialisiert sich diese Idee in immer mehr Mitgliedern, die ihre eigenen Veranstaltungen machen. Dem Brennenstuhl-Gitarristen Anjo Gruber kam es \u201eda oben ein wenig wie im Jean Stein\u201c vor, einer Zwischennutzung in der Kapuzinergasse vor vielen Jahren, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/wo-kann-augsburgs-innenstadt-staedteplanerisch-verbessert-werden-28-12-113040148\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">heute l\u00e4ngst verdr\u00e4ngt von schnieken Neubau-Kuben<\/a>. Tats\u00e4chlich atmet das Kraetzwerk den Geist des Improvisierten. Neben dem K\u00fchlschrank, aus dem auf Spendenbasis Oettinger entnommen wird, steht ein W\u00e4schest\u00e4nder, die Atmosph\u00e4re im Raum erinnert an WGs, in denen eigentlich grunds\u00e4tzlich mehr Menschen anzutreffen sind, als es Bewohner gibt. Ein Ort in permanenter Gefahr. \u201eKulturst\u00e4tten werden verkauft und wegrationalisiert!\u201c, schreit Dr. Drexler am Samstagabend ins Mikrofon, und die Zeile l\u00e4sst einen kurz bangen, denn es stellte sich schon mit dessen Deb\u00fctalbum aus dem Jahr 2019 heraus, dass dessen Texte erschreckenderweise von Jahr zu Jahr mehr an Relevanz gewinnen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Das Projekt ist ein Fiebertraum der Kapitalismuskritik, kaum sind die einleitenden Worte der sanften Stimme Eva Golds verklungen, strapaziert ein knochentrockener, dringlicher Bass die Membranen der Boxen. Dr. Drexler <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/augsburg\/kultur\/kabarett-2026-die-puppenkiste-derbleckt-markus-soeder-113092443\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">windet sich wie eine kaputte Marionette, abgeschnitten von unliebsamen F\u00e4denziehern<\/a>, und g\u00f6nnt sich keine Minute Verschnaufpause zwischen den radikal reduzierten, kompromisslosen Post-Punk-Raketen. Das Kraetzwerk ist wie am Vorabend gut gef\u00fcllt, und alle im Publikum eint, Mitglied des Vereins zu sein. An der T\u00fcre einen Mitgliedsbeitrag zahlen, ein Foto aus der Sofortbildkamera, der Mitgliedsausweis liegt beim n\u00e4chsten Besuch laminiert bereit. Dann kann man ein Jahr lang die Kraetzwerk-Konzerte besuchen, f\u00fcr lau.\u00a0Anders ist es den Aktiven n\u00e4mlich nicht m\u00f6glich, in diesem Rahmen zu veranstalten. Doch, und das ist an den beiden Abenden von fast allen aktiv Beteiligten zu h\u00f6ren, das Ziel w\u00e4re es, \u00f6ffentlich veranstalten zu k\u00f6nnen. Doch daf\u00fcr ben\u00f6tigen sie Raum, und der ist, wie erw\u00e4hnt, knapp und von Luxussanierungen bedroht. Aber das vergangene Jahr zeigt wie das vergangene Wochenende, der Zuspruch ist gro\u00df. Denn das Gute an der Kr\u00e4tze ist: Der K\u00f6rper entwickelt keine Immunit\u00e4t. Die Leute kommen immer wieder.\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Sebastian  Kraus<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Augsburg<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Tim M\u00e4lzer<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Kr\u00e4tzmilben sind gesellig. 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