{"id":730640,"date":"2026-01-19T15:43:16","date_gmt":"2026-01-19T15:43:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/730640\/"},"modified":"2026-01-19T15:43:16","modified_gmt":"2026-01-19T15:43:16","slug":"freisprueche-nach-zugunglueck-bei-garmisch-partenkirchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/730640\/","title":{"rendered":"Freispr\u00fcche nach Zugungl\u00fcck bei Garmisch-Partenkirchen"},"content":{"rendered":"<p>Tr\u00e4nen der Erleichterung bei den Familien der Angeklagten, die ihrerseits \u00e4u\u00dferlich regungslos den Freispruch im Gerichtssaal aufnahmen. Das Landgericht M\u00fcnchen II befand, dass die beiden Bahnmitarbeiter nicht verantwortlich f\u00fcr das tragische Zugungl\u00fcck in Burgrain vom Juni 2022 waren. Tats\u00e4chlich sei der schlechte Zustand der Schwellen der Grund f\u00fcr das Ungl\u00fcck gewesen, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegr\u00fcndung. <\/p>\n<p>Ziel der Verhandlung sei es gewesen, zu kl\u00e4ren: Was genau h\u00e4tten die beiden Angeklagten wann unternehmen m\u00fcssen? Welche Pflichten hat es im Rahmen vorgeschriebener Bahnrichtlinien gegeben und wann sind diese m\u00f6glicherweise missachtet worden? Dutzende Bahnmitarbeiter, einige Opfer und eine Reihe Bahnsachverst\u00e4ndige hatten dazu vor dem Landgericht ausgesagt.<\/p>\n<p>F\u00fcrsorgepflicht f\u00fcr Angeklagte<\/p>\n<p>Vor der Urteilsverk\u00fcndung herrschte kurz Unruhe: Der Medienandrang war gro\u00df, auch zahlreiche Zuschauer wollten in den Gerichtssaal, genau wie viele Angeh\u00f6rige der Verungl\u00fcckten und Verletzten sowie der Angeklagten. Der Gerichtssaal war f\u00fcr den gro\u00dfen Prozess offenbar zu klein. <\/p>\n<p>Der Vorsitzende Richter ging bei der Urteilsverk\u00fcndung mit der Bahn und Zeugen der Bahn hart ins Gericht. Au\u00dferdem betonte er, das Gericht habe eine F\u00fcrsorgepflicht auch f\u00fcr die Angeklagten. &#8222;Die Sorge im beruflichen Kontext, wenn man vor Gericht etwas aussagt, ist nichts gegen\u00fcber der Existenzangst der beiden Angeklagten seit \u00fcber drei Jahren.&#8220; F\u00fcr die beiden sei es hier um Gef\u00e4ngnis, Entsch\u00e4digungsanspr\u00fcche, die Pension &#8211; um das ganze Leben gegangen, so der Richter.<\/p>\n<p>Gutachter: Sch\u00e4den an Unfallstelle nicht ohne Weiteres zu erkennen<\/p>\n<p>Die Aussagen der Gutachter haben ergeben, dass das Streckennetz in Teilen marode war und man die Sch\u00e4den an der Unfallstelle in ihrer Tragweite nicht ohne Weiteres erkennen konnte. Die Verteidigung pl\u00e4dierte auf Freispruch. <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/zugunglueck-burgrain-strafen-auf-bewaehrung-gefordert,V8NvoBY\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen Freiheitsstrafen auf Bew\u00e4hrung<\/a> f\u00fcr die beiden M\u00e4nner gefordert: ein Jahr auf Bew\u00e4hrung f\u00fcr den Fahrdienstleiter wegen fahrl\u00e4ssiger T\u00f6tung und fahrl\u00e4ssiger K\u00f6rperverletzung, f\u00fcr den zust\u00e4ndigen Bezirksleiter zwei Jahre. <\/p>\n<p>Verteidigung: Keine Pflichtverletzung durch Bezirksleiter<\/p>\n<p>Im Juni 2022 war ein Regionalzug in Burgrain bei Garmisch-Partenkirchen entgleist. Vier Frauen und ein 13 Jahre alter Junge kamen dabei ums Leben, 72 Menschen erlitten teils schwere Verletzungen.<\/p>\n<p>Nach 18 Verhandlungstagen und rund 60 Zeugen, die seit Prozessbeginn im Oktober 2025 geh\u00f6rt wurden, urteilte das Gericht jetzt, dass die beiden Bahnmitarbeiter an dem Zugungl\u00fcck nicht schuld sind. Die Verteidiger hatten betont, dass das Zugungl\u00fcck von dem Streckenverantwortlichen nicht h\u00e4tte verhindert werden k\u00f6nnen. Demnach habe es keine Pflichtverletzung durch den Bezirksleiter gegeben. <\/p>\n<p>Staatsanwaltschaft: Wiederholtes, systematisches Versagen<\/p>\n<p>In ihrem Pl\u00e4doyer hatte die Staatsanwaltschaft dagegen bei dem 58 Jahre alten Bezirksleiter und Streckenverantwortlichen &#8222;<a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/zugunglueck-burgrain-strafen-auf-bewaehrung-gefordert,V8NvoBY\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wiederholtes und systematisches Versagen<\/a>&#8220; \u00fcber Jahre hinweg gesehen. <\/p>\n<p>Bei dem zweiten Bahnmitarbeiter, dem 66 Jahre alten Fahrdienstleiter, sprach die Staatsanwaltschaft von einem &#8222;Augenblicksversagen&#8220; nach jahrelang tadelloser Arbeit. Er hatte am Vortag des Ungl\u00fccks den Hinweis eines Lokf\u00fchrers nicht weitergeleitet, der an der sp\u00e4teren Unfallstelle &#8222;richtig durchgesch\u00fcttelt&#8220;, worden sei, wie die Staatsanw\u00e4ltin ausf\u00fchrte. <\/p>\n<p>Lokf\u00fchrer hatte vorher per Funk auf Schwierigkeiten hingewiesen<\/p>\n<p>Der Lokf\u00fchrer hatte in einem Funkspruch gesagt, der Zug h\u00fcpfe an einer Stelle richtig. Die Verteidigung hatte bezweifelt, dass eine Meldung durch den Fahrdienstleiter \u00fcberhaupt Folgen gehabt und den Unfall verhindert h\u00e4tte. Denn weder in seiner Ausbildung zum Fahrdienstleiter noch in der Praxis gebe es geltende Regelwerke f\u00fcr die Weiterleitung von Funkspr\u00fcchen. Aus Sicht der Verteidigung habe der Prozess nur mit einem Freispruch enden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Beide M\u00e4nner hatten sich im Prozess sehr betroffen gezeigt und bei den Angeh\u00f6rigen und Betroffenen entschuldigt. Der Bezirksleiter hatte am letzten Prozesstag noch einmal betont, wie leid ihm das Ungl\u00fcck tue, und hatte den Betroffenen viel Kraft gew\u00fcnscht. <\/p>\n<p>Marodes Streckennetz der Bahn <\/p>\n<p>Der Prozess zeigte, wie <a href=\"https:\/\/www.br.de\/nachrichten\/bayern\/zugunglueck-in-burgrain-marode-betonschwellen-waren-ursache,Un3SyZN\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">marode das Streckennetz der Bahn<\/a> zumindest in Teilen ist. Vor Gericht wurden seitenlange Tabellen mit bekannten Sch\u00e4den und Langsam-Fahrstrecken gezeigt. <\/p>\n<p>Auch der Bereich in Burgrain galt als problematisch und sanierungsbed\u00fcrftig und wurde seit 2020 mehrfach gesondert inspiziert \u2013 ohne Folgen. Die Reparatur des Abschnitts zwischen Garmisch-Partenkirchen und Farchant war f\u00fcr das Fr\u00fchjahr 2022 vorgesehen, konnte nach Zeugenangaben nicht umgesetzt werden, weil keine Bautrupps verf\u00fcgbar waren.<\/p>\n<p>Seit dem Unfall wurden deutschlandweit mehrere 100.000 Bahnschwellen ausgetauscht, die in Burgrain daf\u00fcr verantwortlich gemacht werden, dass der Regionalzug entgleiste.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Tr\u00e4nen der Erleichterung bei den Familien der Angeklagten, die ihrerseits \u00e4u\u00dferlich regungslos den Freispruch im Gerichtssaal aufnahmen. 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