{"id":731225,"date":"2026-01-19T21:05:21","date_gmt":"2026-01-19T21:05:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/731225\/"},"modified":"2026-01-19T21:05:21","modified_gmt":"2026-01-19T21:05:21","slug":"europas-174-milliarden-luecke-muessen-privatinvestoren-die-digitalnetze-retten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/731225\/","title":{"rendered":"Europas 174-Milliarden-L\u00fccke: M\u00fcssen Privatinvestoren die Digitalnetze retten?"},"content":{"rendered":"<ol class=\"a-toc__list\">\n<li class=\"a-toc__item&#10;          &#10;            a-toc__item--counter&#10;          &#10;            a-toc__item--current\">\n<p>              Europas 174-Milliarden-L\u00fccke: M\u00fcssen Privatinvestoren die Digitalnetze retten?<\/p>\n<\/li>\n<\/ol>\n<p>    close notice<\/p>\n<p class=\"notice-banner__text a-u-mb-0\">\n      This article is also available in<br \/>\n        <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/en\/news\/Europe-s-174-Billion-Euro-Gap-Must-Private-Investors-Rescue-Digital-Networks-11146706.html\" class=\"notice-banner__link a-u-inline-link\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">English<\/a>.<\/p>\n<p>      It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.\n    <\/p>\n<p class=\"notice-banner__link a-u-mb-0\">\n    Don\u2019t show this again.\n<\/p>\n<p>Europa tr\u00e4umt von der digitalen Dekade, doch die Realit\u00e4t auf den Baustellen und in den Bilanzen der Netzbetreiber sieht ern\u00fcchternd aus. Bis zum Jahr 2030 <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Digital-Kompass-EU-Kommission-will-die-digitale-Wende-hinbekommen-5076125.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">will die EU jedem Haushalt Gigabit-Anschl\u00fcsse und eine fl\u00e4chendeckende 5G-Versorgung garantieren<\/a>. Zwischen diesen politischen Ambitionen und der wirtschaftlichen Umsetzung klafft indes ein Loch: Laut einer Analyse des europ\u00e4ischen Telekommunikationsmarkts der Unternehmensberatung Kearney fehlen mindestens 174 Milliarden Euro an zus\u00e4tzlichen Investitionen, um die gesteckten Ziele zu erreichen. Sollte diese L\u00fccke nicht geschlossen werden, k\u00f6nnten bis zum Ende des Jahrzehnts rund 45 Millionen EU-B\u00fcrger ohne ad\u00e4quate Netzwerkverbindung bleiben.<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Bitter f\u00fcr den Standort Deutschland ist dessen Abschneiden im \u201eEuropean Telecom Health Index\u201c, der erstmals <a href=\"https:\/\/www.kearney.com\/industry\/communications\/european-telecoms-2026-in-need-of-a-health-boost\" rel=\"external noopener\" target=\"_blank\">Teil der Studie<\/a> ist. Die gr\u00f6\u00dfte Volkswirtschaft des Kontinents landet demnach beim Wohlergehen des Sektors nur auf dem 15. Platz von 20 untersuchten L\u00e4ndern. Damit rangiert die Bundesrepublik im unteren Drittel, weit hinter digitalen Vorreitern wie Norwegen, Schweden oder Portugal. Deutschland erreicht lediglich 64 von 100 m\u00f6glichen Punkten.<\/p>\n<p>Dieser Befund <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Glasfaser-Dilemma-Deutschland-bleibt-hinter-den-europaeischen-Spitzenreitern-11088581.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">best\u00e4tigt fr\u00fchere einschl\u00e4gige Ergebnisse<\/a>. Er birgt laut Kearney erhebliche Risiken f\u00fcr die k\u00fcnftige Wettbewerbsf\u00e4higkeit. Denn gerade L\u00e4nder in der unteren H\u00e4lfte des Index vereinten rund 70 Prozent der europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung und fast zwei Drittel der Wirtschaftsleistung.<\/p>\n<p>Tr\u00fcgerische Stabilit\u00e4t des deutschen Marktes<\/p>\n<p>Das Kernproblem der Branche ist laut der Untersuchung hausgemacht und systemisch. Die etablierten Telekommunikationsanbieter sind finanziell am Limit, da sie durch hohe Schuldenlasten und moderate Renditen kaum Spielraum f\u00fcr gro\u00dfe Vorleistungen haben. Selbst der Branchenverband Connect Europe r\u00e4umt ein, dass der Sektor zu schwach sei, um die Last allein zu schultern. In Deutschland zeigt sich zudem ein paradoxes Bild: Zwar erzielen die Betreiber noch solide Kapitalrenditen von rund zehn Prozent. Dieser Erfolg basiert aber weitgehend auf der hohen Auslastung veralteter Kupfer- und Koaxialnetze.<\/p>\n<p>Glasfaser <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Breko-Halb-Deutschland-mit-Aussicht-auf-schnelles-Internet-10530828.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">erreicht in Deutschland inzwischen rund die H\u00e4lfte der Haushalte<\/a>. Doch die Anschlussquote liegt gerade einmal bei knapp \u00fcber 25 Prozent. Viele Kunden nutzen weiterhin die bestehende Altinfrastruktur, was Ertr\u00e4ge aus den neuen Investitionen nur schleppend flie\u00dfen l\u00e4sst. Gleichzeitig w\u00e4chst die Unzufriedenheit: In schlechter abschneidenden M\u00e4rkten wie Deutschland \u00e4u\u00dfern Kunden eine h\u00f6here Wechselbereitschaft und fordern h\u00e4ufiger bessere Servicequalit\u00e4t sowie stabilere Netze als in den Top-Nationen.<\/p>\n<p>KI-Boom n\u00e4hrt Datenhunger<\/p>\n<p>        Weiterlesen nach der Anzeige<\/p>\n<p>Derweil geht die technologische Entwicklung weiter. Der Internetverkehr in Europa hat sich der Analyse zufolge zwischen 2014 und 2022 fast verneunfacht und w\u00e4chst j\u00e4hrlich um weitere 20 bis 25 Prozent. Der eigentliche marktver\u00e4ndernde Faktor sei die K\u00fcnstliche Intelligenz (KI), deren Adoption <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Das-KI-Energie-Dilemma-Wenn-der-digitale-Boom-die-Netze-ueberlastet-11099094.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">den Bedarf an Rechenzentrumskapazit\u00e4ten<\/a> bis 2030 voraussichtlich verdreifachen werde. Firmen ben\u00f6tigten deutlich mehr Cloud-Kapazit\u00e4ten und Rechenleistung, um mit der globalen Entwicklung Schritt halten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Allein durch einen verst\u00e4rkten KI-Einsatz prognostizieren andere Berater wie Goldman Sachs einen Anstieg des Strombedarfs in Rechenzentren um 165 Prozent bis 2030. Diese Entwicklung mache deutlich, dass digitale Infrastruktur \u2013 Glasfaser, 5G und Edge-Knoten f\u00fcr Rechenleistung an den Enden der Netze \u2013 l\u00e4ngst kein Nischenthema mehr sei, hei\u00dft es bei Kearney. Sie bilde das Fundament f\u00fcr moderne Innovation, Kommunikation und die Souver\u00e4nit\u00e4t Europas. Die Konstitution der Wirtschaft h\u00e4nge direkt von dieser Basis ab.<\/p>\n<p>Private Equity als \u201eHeld\u201c der Netze<\/p>\n<p>In dieser misslichen Lage schl\u00e4gt laut den Autoren die Stunde von Private-Equity-H\u00e4usern und spezialisierten Infrastrukturfonds, die sich zu \u201everkannten Helden\u201c der digitalen Transformation entwickelten. Wenn Regierungen und klassische Netzbetreiber an ihre Grenzen stie\u00dfen, verf\u00fcgten solche Akteure der privaten M\u00e4rkte noch \u00fcber hinreichend tiefe Taschen: Das weltweit verwaltete Verm\u00f6gen in privaten Infrastrukturanlagen habe sich im vergangenen Jahrzehnt auf die Rekordsumme von 1,4 Billionen US-Dollar vervierfacht. Investoren w\u00fcrden aktuell vor allem von stabilen, versorgertypischen Cashflows und dem enormen Aufw\u00e4rtspotenzial durch KI und die Cloud angezogen.<\/p>\n<p>Erste Gro\u00dftransaktionen in Europa unterstreichen den Trend. Die Deutsche Telekom <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Telekom-verkauft-Mehrheit-an-Funkturmgeschaeft-an-nordamerikanische-Investoren-7178911.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">verkaufte 51 Prozent ihrer Funkturmsparte f\u00fcr 10,7 Milliarden Euro an Brookfield und DigitalBridge<\/a>, um Schulden abzubauen und 5G-Investitionen zu finanzieren. Vodafone <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Schuldentilgung-Vodafone-verkauft-1-3-Milliarden-Euro-Anteil-an-Vantage-Towers-9809894.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">ver\u00e4u\u00dferte Anteile an Vantage Towers an KKR und GIP<\/a>. Auch im Glasfaserbereich seien Investoren wie Antin oder KKR drauf und dran, den Rollout in unterversorgten Gebieten zu beschleunigen. Private Capital sei mittlerweile kritisch, damit Europa mehr seiner eigenen Daten hosten und die Abh\u00e4ngigkeit von US-Hyperscalern abbauen k\u00f6nne.<\/p>\n<p>Fragmentierung als Investitionsbremse<\/p>\n<p>Die Studie verdeutlicht, dass Europa seine Marktstrukturen dringend \u00fcberdenken m\u00fcsse. W\u00e4hrend in den USA und China jeweils nur etwa drei gro\u00dfe Anbieter den Markt dominierten und auf \u00fcber 97 Prozent des Umsatzes k\u00e4men, <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Mega-Fusionen-EU-Kommission-will-Industriechampions-den-Weg-ebnen-10380931.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">sei der europ\u00e4ische Sektor allein mit 90 Mobilfunkbetreibern sehr fragmentiert<\/a>. In Deutschland <a href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/Studie-Erhebliche-Wettbewerbsdefizite-im-deutschen-Mobilfunkmarkt-9180708.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">k\u00e4mpften hier weiter vier Anbieter um Anteile<\/a>. M\u00e4rkte mit drei Betreibern erzielten im Durchschnitt h\u00f6here Gewinnmargen und bessere Kapitalrenditen.<\/p>\n<p>Kearney r\u00e4t daher, die Konsolidierung voranzutreiben. \u201eBuy-and-Build-Strategien\u201c etwa k\u00f6nnten helfen, kleinere Akteure zu effizienten Plattformen zu verschmelzen. Dies d\u00fcrfte wiederum bei regionalen Glasfaseranbietern oder Rechenzentren zu Skaleneffekten f\u00fchren, die niedrigere St\u00fcckkosten und mehr Innovation erm\u00f6glichten. Auch die Aufspaltung in reine Infrastruktur- und Dienstleistungsgesellschaften wird als logischer Schritt gesehen, um spezialisierte Investoren anzulocken.<\/p>\n<p>Risiken von Private Equity<\/p>\n<p>Damit das private Geld dauerhaft in europ\u00e4ische Netze flie\u00dft, so das Fazit der Berater, muss die Politik die Rahmenbedingungen \u00e4ndern. Investoren br\u00e4uchten Planungssicherheit: Es m\u00fcsse klar sein, welche Preise sie f\u00fcr die Netznutzung verlangen d\u00fcrfen und wie die Vergabe von Funkfrequenzen langfristig abl\u00e4uft. Ferner bremse zu viel B\u00fcrokratie den Fortschritt. Genehmigungen f\u00fcr neue Glasfaserleitungen oder Rechenzentren m\u00fcssten deutlich schneller erteilt werden \u2013 etwa durch eine \u201e\u00dcberholspur\u201c f\u00fcr digitale Bauprojekte. Auch finanzielle Anreize wie Steuergutschriften k\u00f6nnten helfen, das Interesse privater Geldgeber zu sichern.<\/p>\n<p>Der Ruf nach mehr Private Equity ist nicht ohne Risiko. Kritiker geben zu bedenken, dass Finanzinvestoren oft auf kurzfristige Gewinnmaximierung und eine baldige gewinnbringende Weiterver\u00e4u\u00dferung schielen. Das harmoniert nicht immer mit dem staatlichen Interesse an einer dauerhaften, bezahlbaren Grundversorgung f\u00fcr alle B\u00fcrger. Zudem besteht die Gefahr, dass durch die Ausgliederung von Netzen die technische Gesamtverantwortung der klassischen Anbieter ausgeh\u00f6hlt wird.<\/p>\n<p>(<a class=\"redakteurskuerzel__link\" href=\"https:\/\/www.heise.de\/news\/mailto:akn@heise.de\" title=\"Andreas Knobloch\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">akn<\/a>)<\/p>\n<p>\n      Dieser Link ist leider nicht mehr g\u00fcltig.\n    <\/p>\n<p>Links zu verschenkten Artikeln werden ung\u00fcltig,<br \/>\n      wenn diese \u00e4lter als 7\u00a0Tage sind oder zu oft aufgerufen wurden.\n    <\/p>\n<p><strong>Sie ben\u00f6tigen ein heise+ Paket, um diesen Artikel zu lesen. Jetzt eine Woche unverbindlich testen \u2013 ohne Verpflichtung!<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Europas 174-Milliarden-L\u00fccke: M\u00fcssen Privatinvestoren die Digitalnetze retten? close notice This article is also available in English. 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