{"id":731524,"date":"2026-01-19T23:45:13","date_gmt":"2026-01-19T23:45:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/731524\/"},"modified":"2026-01-19T23:45:13","modified_gmt":"2026-01-19T23:45:13","slug":"mercosur-wie-sich-europa-gegen-die-handelsriesen-china-und-usa-wehren-will","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/731524\/","title":{"rendered":"Mercosur: Wie sich Europa gegen die Handelsriesen China und USA wehren will"},"content":{"rendered":"<p>Heute korrigiert Br\u00fcssel einen schweren strategischen Fehler: Durch ein Abkommen zwischen der EU und mehreren s\u00fcdamerikanischen L\u00e4ndern entsteht die gr\u00f6\u00dfte Freihandelszone der Welt. Und mindestens ein Rohstoffgigant kommt demn\u00e4chst noch hinzu.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">F\u00fcr das gl\u00fcckliche Ende eines 25-j\u00e4hrigen Schauspiels haben sich die Organisatoren eine ganz besondere B\u00fchne ausgesucht. Im \u201eGran Teatro Jos\u00e9 Asunci\u00f3n Flores\u201c wurde am Samstag in der paraguayischen Hauptstadt Asunci\u00f3n der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/wirtschaft_nt\/article6960df26fa56382de1f64623\/eu-einigung-weg-fuer-mercosur-handelsabkommen-ist-frei.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/newsticker\/dpa_nt\/infoline_nt\/wirtschaft_nt\/article6960df26fa56382de1f64623\/eu-einigung-weg-fuer-mercosur-handelsabkommen-ist-frei.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">EU-Mercosur-Freihandelsvertrag<\/a> feierlich unterzeichnet. Mit rund 700 Millionen Einwohnern entsteht die gr\u00f6\u00dfte Freihandelszone der Welt, mit neuen M\u00e4rkten und neuen Chancen. J\u00e4hrlich werden europ\u00e4ische Unternehmen vier Milliarden Euro an Z\u00f6llen einsparen, prognostiziert der Bundesverband der Deutschen Industrie. <\/p>\n<p>Damit endet ein Verhandlungsmarathon, der im vergangenen Vierteljahrhundert alle Schw\u00e4chen der Europ\u00e4ischen Union offenlegte: Zerrissenheit, \u00dcberheblichkeit und nationale Egoismen. Und der einen der schwersten Fehler der EU der vergangenen Jahre korrigiert. <\/p>\n<p>Anfangs waren die S\u00fcdamerikaner den Europ\u00e4ern mangels volkswirtschaftlicher St\u00e4rke zu uninteressant. Als die L\u00e4nder stark aufholten, insbesondere die Agrarindustrie, kritisierten die Europ\u00e4er w\u00e4hrend der Pr\u00e4sidentschaft des rechtspopulistischen Pr\u00e4sidenten Jair Bolsonaro in Brasilien <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus244203727\/Brasilien-Rekord-bei-Abholzung-des-Regenwalds-Lula-laesst-die-Bundesregierung-auflaufen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/plus244203727\/Brasilien-Rekord-bei-Abholzung-des-Regenwalds-Lula-laesst-die-Bundesregierung-auflaufen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">die vermeintlich zunehmende Abholzung des Regenwaldes <\/a>und legten 2019 den unterschriftsreifen Vertrag auf Eis. <\/p>\n<p>Inzwischen ist S\u00fcdamerika f\u00fcr die Europ\u00e4er zu einem kleinen Rettungsanker in einer st\u00fcrmischen geopolitischen See geworden, der auch die letzten Zweifler in Paris \u00fcberzeugte, dass es vielleicht doch besser ist, paneurop\u00e4ische \u00fcber nationale Partikularinteressen zu stellen.<\/p>\n<p> \u201eAus zivilisatorischer und geopolitischer Sicht ist das Abkommen eine hervorragende Nachricht\u201c, sagte der brasilianische \u00d6konomie-Professor Paulo Gala von der renommierten Wirtschaftshochschule FGV in S\u00e3o Paulo im Gespr\u00e4ch mit WELT. \u201eDie Ann\u00e4herung Brasiliens an Europa, des Mercosur an Europa, ergibt durchaus Sinn, auch aufgrund der historischen Wurzeln Italiens, Spaniens und Portugals. Es gibt also eine Integration der Nachkommen.\u201c Volkswirtschaftlich erwartet Gala, dass sich ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen von Europ\u00e4ern in Brasilien und im Mercosur erh\u00f6hen k\u00f6nnten. <\/p>\n<p>Das Abkommen verspreche f\u00fcr beide Seiten einige strategische Vorteile, sagte Constanza Mazzina von der Privaten Universit\u00e4t UCEMA in Buenos Aires WELT. \u201eDas Abkommen erm\u00f6glicht beiden Bl\u00f6cken, ihre Abh\u00e4ngigkeit von M\u00e4chten wie China und den Vereinigten Staaten zu verringern, indem sie eine strategische Allianz im Atlantik bilden.\u201c <\/p>\n<p>F\u00fcr die Verbraucher sei ein Preisr\u00fcckgang bei importierten Produkten zu erwarten, das gelte insbesondere f\u00fcr Technologie und Autos im Mercosur und Lebensmittel in der EU. \u201eUnd im Feld der Investitionen wird es gr\u00f6\u00dfere Rechtssicherheit geben, was langfristige europ\u00e4ische Investitionen in Infrastruktur und Energie in S\u00fcdamerika anziehen wird\u201c, erwartet Mazzina. <\/p>\n<p>F\u00fcr Europa gibt es in S\u00fcdamerika viel aufzuholen. Dort stand Br\u00fcssel in den vergangenen Jahren vor allem f\u00fcr eine Politik der Belehrungen. Brasiliens Pr\u00e4sident Lula da Silva gei\u00dfelte dies als \u201egr\u00fcnen Kapitalismus\u201c, der nur dazu diene, die eigenen M\u00e4rkte abzuschotten. <\/p>\n<p>Die europ\u00e4ische Zerstrittenheit und Tatenlosigkeit nutzte der Handelsgigant China, um zum <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article68b704f228ef4f2369ca9a55\/mercosur-handelsabkommen-waehrend-europa-belehrt-und-zoegert-investiert-china-enorm-und-stellt-dabei-keine-fragen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article68b704f228ef4f2369ca9a55\/mercosur-handelsabkommen-waehrend-europa-belehrt-und-zoegert-investiert-china-enorm-und-stellt-dabei-keine-fragen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wichtigsten Handelspartner der gro\u00dfen s\u00fcdamerikanischen L\u00e4nder<\/a> zu avancieren. Gleichzeitig treiben die USA mit aller Macht seinen politischen und wirtschaftlichen Einfluss s\u00fcdlich des Rio Bravo voran. Dank aus US-Sicht positiver Wahlergebnisse in Honduras, Ecuador, Bolivien, Chile und Argentinien ist der Einfluss Washingtons gestiegen. <\/p>\n<p>Dieser wachsende Druck auf Europa von mehreren Seiten und die milit\u00e4rische Bedrohung durch Russland haben offenbar dazu gef\u00fchrt, dass die EU sich zu einer Unterzeichnung des Mercosur-Abkommens zusammenraufen konnte. <\/p>\n<p>Zum Mercosur geh\u00f6ren derzeit Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay. Bolivien, das lithiumreichste Land der Welt, st\u00f6\u00dft in K\u00fcrze dazu. Venezuelas Mitgliedschaft wurde 2016 wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen suspendiert. Sollte es im \u00f6lreichsten Land der Welt allerdings in absehbarer Zeit eine demokratisch legitimierte Regierung geben, w\u00e4re eine R\u00fcckkehr in das Handelsb\u00fcndnis denkbar. Europa h\u00e4tte dann mittelfristig Handelspartner mit sehr begehrten Rohstoffreserven. <\/p>\n<p>\u201eMit dem Mercosur-Abkommen schaffen wir einen Markt mit 700 Millionen Menschen \u2013 die gr\u00f6\u00dfte Freihandelszone der Welt. Unsere Botschaft an die Welt lautet: Partnerschaft schafft Wohlstand, und Offenheit treibt den Fortschritt voran\u201c, pries EU-Kommissionspr\u00e4sidentin Ursula von der Leyen die neuen Partnerschaften. \u201eIn einer Zeit, in der Handel und Abh\u00e4ngigkeiten als Waffe eingesetzt werden und der gef\u00e4hrliche, transaktionale Charakter der Realit\u00e4t, in der wir leben, immer deutlicher wird, ist dieses historische Handelsabkommen ein weiterer Beweis daf\u00fcr, dass Europa seinen eigenen Kurs f\u00e4hrt und als verl\u00e4sslicher Partner auftritt.\u201c <\/p>\n<p>Lula sorgt f\u00fcr Verstimmung<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Europa sich auf den letzten Dr\u00fccker zusammenrei\u00dfen konnte, gab es auf der anderen Seite des Atlantiks Verstimmungen. Brasiliens Pr\u00e4sident Lula da Silva, der in Asunci\u00f3n nicht dabei war, hatte in Rio de Janeiro vorab schon mal einen eigenen Gipfel mit von der Leyen und EU-Ratspr\u00e4sident Ant\u00f3nio Costa inszeniert. Das gab sch\u00f6ne Bilder im Vorfeld der <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article693e791b556d0eac97137e15\/michelle-bolsonaro-darum-hofft-brasiliens-rechte-auf-ein-eingreifen-trumps-in-den-wahlkampf.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/politik\/ausland\/article693e791b556d0eac97137e15\/michelle-bolsonaro-darum-hofft-brasiliens-rechte-auf-ein-eingreifen-trumps-in-den-wahlkampf.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pr\u00e4sidentschaftswahl in Brasilien<\/a> im Oktober. <\/p>\n<p>\u201eEinen Tag zuvor einen parallelen Gipfel zu organisieren \u2013 das ist respektlos Ihren Partnern gegen\u00fcber\u201c, zitiert die argentinische Zeitung \u201eLa Nacion\u201c Quellen aus der Regierung in Buenos Aires. Dass sich Lula da Silva den gro\u00dfen Auftritt in Paraguay entgehen l\u00e4sst, hat m\u00f6glicherweise mit dem argentinischen Pr\u00e4sidenten zu tun: Es wird spekuliert, dass Lula nicht zusammen mit Javier Milei auf einem Foto sein will.<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/tobias-kaeufer\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/tobias-kaeufer\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\"><b>Tobias K\u00e4ufer <\/b><\/a><b>ist Lateinamerika-Korrespondent. Im Auftrag von WELT berichtet er seit 2009 \u00fcber die Entwicklungen in der Region.  <\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Heute korrigiert Br\u00fcssel einen schweren strategischen Fehler: Durch ein Abkommen zwischen der EU und mehreren s\u00fcdamerikanischen L\u00e4ndern entsteht&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":731525,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,5697,54962,548,663,158,7736,3934,3935,105500,13,15450,9497,91192,76235,15449,14,15,12,21507,9498,135102],"class_list":{"0":"post-731524","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-brasilien","11":"tag-china-politik","12":"tag-eu","13":"tag-europa","14":"tag-europaeische-union","15":"tag-europaeische-union-eu","16":"tag-europe","17":"tag-european-union","18":"tag-freihandelsabkommen-ks","19":"tag-headlines","20":"tag-javier","21":"tag-leyen","22":"tag-lula-da","23":"tag-mercosur","24":"tag-milei","25":"tag-nachrichten","26":"tag-news","27":"tag-schlagzeilen","28":"tag-silva","29":"tag-ursula-von-der","30":"tag-welthandel-ks"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115924429996611351","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/731524","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=731524"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/731524\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/731525"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=731524"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=731524"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=731524"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}