{"id":732593,"date":"2026-01-20T09:46:10","date_gmt":"2026-01-20T09:46:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/732593\/"},"modified":"2026-01-20T09:46:10","modified_gmt":"2026-01-20T09:46:10","slug":"fitness-first-countdown-rabatt-ist-irrefuehrend","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/732593\/","title":{"rendered":"Fitness First Countdown-Rabatt ist irref\u00fchrend"},"content":{"rendered":"<p>\t\t\t\t\t\t\t\t<strong><\/p>\n<p>Der Countdown lief ab, der Rabatt nicht. Fitness First warb mit einer angeblich befristeten Sommeraktion, verl\u00e4ngerte sie jedoch einfach. Das LG Frankfurt erkl\u00e4rte die Rabattwerbung f\u00fcr irref\u00fchrend und r\u00fcgte zudem gesch\u00f6nte Preisangaben.<\/p>\n<p><\/strong><\/p>\n<p>Mit markigen Versprechen wollte Fitness First, eine bundesweit aktive Fitnessstudiokette, neue Mitglieder k\u00f6dern: &#8222;Trainiere den ganzen Sommer zum halben Preis!&#8220; Auf der Webseite lief ein Countdown, der das baldige Ende der Aktion unmissverst\u00e4ndlich ank\u00fcndigte. Wer nicht schnell abschloss, so die klare Botschaft, w\u00fcrde den Rabatt verpassen.<\/p>\n<p>Nur: Genau das entsprach nicht der Realit\u00e4t. Das <a href=\"https:\/\/www.lto.de\/gerichte\/aktuelle-urteile-und-adresse\/landgericht-frankfurt-am-main\" target=\"_top\" class=\"external-link-new-window\" title=\"LG Frankfurt am Main LTO Gerichtsseite\" rel=\"noopener\">Landgericht (LG) Frankfurt am Main<\/a> gab der Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands statt. Die Rabattaktion sei irref\u00fchrend gewesen, die Preisangaben unzureichend (Urt. v. 23.10.2025, Az. 2-03 O 359\/24).<\/p>\n<p>Je nach Mindestvertragslaufzeit von zw\u00f6lf oder 24 Monaten versprach Fitness First einen Nachlass von 50 Prozent f\u00fcr die ersten acht oder 16 Wochen. Laut Webseite sollte das Angebot allerdings nur bis zum 25. Juni 2024 gelten. Ein r\u00fcckw\u00e4rts laufender Countdown z\u00e4hlte Tage, Stunden und Sekunden \u2013 das Ende stets fest im Blick.<\/p>\n<p>Tats\u00e4chlich lie\u00df sich der identische Tarif aber auch nach Ablauf der Frist weiterhin buchen. Zudem war die Aktion bereits zuvor verl\u00e4ngert worden. Zwar behielt sich das Unternehmen eine weitere Verl\u00e4ngerung vor. Wann diese greifen w\u00fcrde \u2013 und nach welchen Kriterien \u2013, blieb f\u00fcr Verbraucherinnen und Verbraucher jedoch offen. Der Countdown lief trotzdem.<\/p>\n<p>Irref\u00fchrende Sonderaktion nach Wettbewerbsrecht<\/p>\n<p>Nach Auffassung des Gerichts war das irref\u00fchrend nach \u00a7 5 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1 Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG). Irref\u00fchrend ist eine Werbung danach schon dann, wenn sie \u00fcber wesentliche Umst\u00e4nde t\u00e4uscht \u2013 etwa dar\u00fcber, wie lange ein Angebot tats\u00e4chlich verf\u00fcgbar ist \u2013 und so das Verhalten von Verbraucherinnen und Verbrauchern beeinflusst.<\/p>\n<p>Genau das sah die Kammer hier als gegeben an. Die angebliche Befristung vermittelte den Eindruck: Jetzt oder nie. Wer glaubt, dass ein Rabatt gleich verschwindet, z\u00f6gert nicht lange. Er schlie\u00dft ab. Dass sich Fitness First irgendwo eine Verl\u00e4ngerung offenhielt, \u00e4nderte daran nichts. F\u00fcr Kundinnen und Kunden war weder absehbar, ob das Angebot verl\u00e4ngert wird, noch, wovon das abh\u00e4ngen sollte.<\/p>\n<p>Besonders deutlich fiel die Kritik am Countdown aus. Der r\u00fcckw\u00e4rts laufende Timer setzte zus\u00e4tzlich unter Druck und lie\u00df das Ende der Aktion immer n\u00e4her r\u00fccken \u2013 zumindest optisch. Dass der Rabatt nach Ablauf der Frist mehrfach einfach weiterlief, best\u00e4tigte f\u00fcr das Gericht gerade die Irref\u00fchrung. Der Countdown habe nicht informiert, sondern gedr\u00e4ngt. Fitness First habe sich so gezielt die Anlockwirkung eines vermeintlich letzten Zeitfensters zunutze gemacht \u2013 und davon auch mehrfach profitiert.<\/p>\n<p>Wochenpreis ohne Gesamtpreis<\/p>\n<p>Neben der Rabattaktion nahm das Gericht auch die Preisangaben auseinander. Nach \u00a7 3 Abs. 1 Preisangabenverordnung (PAngV) muss der Gesamtpreis angegeben werden, den Verbraucherinnen und Verbraucher w\u00e4hrend der Mindestvertragslaufzeit tats\u00e4chlich zahlen m\u00fcssen. Genau daran fehlte es.<\/p>\n<p>Fitness First warb stattdessen mit einem Wochenpreis, der g\u00fcnstiger wirkte, als er am Ende war. Weder die halbj\u00e4hrlichen Trainingspauschalen noch \u2013 bei einer Laufzeit von zw\u00f6lf Monaten \u2013 die f\u00e4llige Startgeb\u00fchr waren eingerechnet. Zusatzkosten irgendwo im Kleingedruckten aufzuf\u00fchren, reiche nicht aus, stellte das Gericht klar. Wer mit Preisen wirbt, muss auch den Preis nennen, der am Ende auf der Rechnung steht.<\/p>\n<p>Das Urteil ist noch nicht rechtskr\u00e4ftig. Fitness First hat Berufung eingelegt.<\/p>\n<p>xp\/LTO-Redaktion<\/p>\n<p>Zitiervorschlag<\/p>\n<p id=\"citeArticleContent\">\n<p>\t\t\t\t\tLG Frankfurt zu Fitness-First-Werbung:<\/p>\n<p>\t\t\t\t\t. In: Legal Tribune Online,<br \/>\n\t\t\t\t\t20.01.2026<br \/>\n\t\t\t\t\t, https:\/\/www.lto.de\/persistent\/a_id\/59096 (abgerufen am:<br \/>\n\t\t\t\t\t20.01.2026<br \/>\n\t\t\t\t\t)\n\t\t\t\t<\/p>\n<p>\t\t\t\tKopieren<br \/>\n\t\t\t\t<a href=\"https:\/\/www.lto.de\/rechtliches\/zitierhinweise\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Infos zum Zitiervorschlag<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Countdown lief ab, der Rabatt nicht. 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