{"id":733729,"date":"2026-01-20T20:08:13","date_gmt":"2026-01-20T20:08:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/733729\/"},"modified":"2026-01-20T20:08:13","modified_gmt":"2026-01-20T20:08:13","slug":"melden-sich-die-deutschen-wirklich-zu-oft-krank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/733729\/","title":{"rendered":"Melden sich die Deutschen wirklich zu oft krank?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/taschentuch-tee-fieberthermometer-100.jpg\" alt=\"Eine Hand mit einem Taschentuch ist vor einem Tisch mit Tee, Fieberthermometer und Medikamenten zu sehen.\" title=\"Eine Hand mit einem Taschentuch ist vor einem Tisch mit Tee, Fieberthermometer und Medikamenten zu sehen. | dpa\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>faq<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 20.01.2026 19:47 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Lassen sich die Deutschen zu schnell krankschreiben? Union und Arbeitgeber sehen ein gro\u00dfes Problem. Der DGB warnt vor einem Generalverdacht gegen Besch\u00e4ftigte. Wie hoch ist der Krankenstand \u00fcberhaupt? Und was sind die Ursachen?<\/strong>\n    <\/p>\n<p>    Worum geht es?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat die Frage aufgeworfen, ob sich Arbeitnehmer in Deutschland zu oft krankmelden und stellt die telefonische Krankschreibung infrage. Man m\u00fcsse sich dar\u00fcber unterhalten, wie man Anreize schaffe, dass die Menschen ihrer Besch\u00e4ftigung nachgingen, sagte Merz.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im Falle einer Krankheit besteht in Deutschland ein Anspruch auf Lohnfortzahlung in voller H\u00f6he durch den Arbeitgeber, in der Regel gilt das f\u00fcr maximal sechs Wochen pro Jahr. Danach zahlen die Krankenkassen Krankengeld. &#8222;Am Ende des Tages muss stehen, dass wir alle zusammen in dieser Bundesrepublik Deutschland eine h\u00f6here volkswirtschaftliche Leistung gemeinsam erreichen, als wir sie gegenw\u00e4rtig erreichen&#8220;, sagte Merz.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) hat angek\u00fcndigt, die Regelungen zur telefonischen Krankschreibung zu \u00fcberpr\u00fcfen. Arbeitgeberverb\u00e4nde fordern ihre Abschaffung.<\/p>\n<p>    Wie hoch ist die Zahl der Krankheitstage?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Einer <a href=\"https:\/\/www.dak.de\/presse\/bundesthemen\/gesundheitsreport\/dak-gesundheit-fordert-krankenstands-gipfel-beim-kanzler_155518\" title=\"Auswertung der DAK\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Auswertung der Krankenkasse DAK-Gesundheit<\/a> f\u00fcr das Jahr 2025 zufolge blieb der Krankenstand im vergangenen Jahr mit 5,4 Prozent auf einem erh\u00f6hten Niveau stabil. Es waren also an jedem Tag des Jahres im Schnitt 54 von 1.000 Besch\u00e4ftigten krankgeschrieben. Im Schnitt waren Besch\u00e4ftigte 19,5 Kalendertage krankgeschrieben &#8211; ann\u00e4hernd so lange wie 2024 mit 19,7 Fehltagen, wie die Kasse nach eigenen Versichertendaten ermittelte.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts waren Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Deutschland 2024 durchschnittlich 14,8 Arbeitstage krankgemeldet, etwas weniger als im Vorjahr (15,2). Die DAK-Daten beziehen sich auf Kalendertage, das Statistische Bundesamt auf Werktage.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Bei Berechnungen zum Krankenstand generell nicht erfasst ist, wenn Besch\u00e4ftigte nur ein oder zwei Tage fehlen, ohne zum Arzt oder einer \u00c4rztin zu gehen.<\/p>\n<p>    Welche Kosten entstehen dadurch?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Im vergangenen August hatten das <a href=\"https:\/\/www.iwkoeln.de\/studien\/jochen-pimpertz-entgeltfortzahlung-bei-krankheit-kostet-82-milliarden-euro.html\" title=\"IW: Entgeltfortzahlung bei Krankheitsf\u00e4llen\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW)<\/a> vorgerechnet, dass Arbeitgebeer 2024 rund 82 Milliarden Euro f\u00fcr kranke Mitarbeiter aufgebracht h\u00e4tten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Binnen drei Jahren seien die Aufwendungen f\u00fcr die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall um zehn Milliarden Euro gestiegen.<\/p>\n<p>    Hat Deutschland besonders viele Krankheitsausf\u00e4lle?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Deutschland liegt im Vergleich mit anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern im oberen Mittelfeld, wie eine <a href=\"https:\/\/caas.content.dak.de\/caas\/v1\/media\/88938\/data\/e97f6edd56500bf7009e421662f5d401\/250127-download-studie-krankenstand-2024.pdf\" title=\"Krankenstand im europ\u00e4ischen Vergleich\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Auswertung des Iges-Instituts<\/a> f\u00fcr die Krankenkasse DAK zeigt. Das Institut bezieht sich auf den sogenannten &#8222;European Labour Force Survey&#8220;, der ermittelt, wie viel der w\u00f6chentlichen Arbeitszeit durch Krankheit anteilig verloren gehen &#8211; allerdings nur einmal pro Jahr f\u00fcr eine ausgew\u00e4hlte Woche.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Deutschland kommt dort auf einen Wert von 6,8 Prozent &#8211; \u00e4hnlich wie Belgien (6,7 Prozent), Schweden (6,6 Prozent) und Island (6,1 Prozent), bezogen auf das Jahr 2023. Spitzenreiter ist Norwegen mit 10,7 Prozent. Die niedrigsten Werte haben Malta mit 1,6 Prozent, Bulgarien mit 0,6 Prozent sowie Griechenland mit 0,4 Prozent.<\/p>\n<p>    Was sind die Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr Ausf\u00e4lle?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Mit Blick auf die Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigt sich ein deutlicher Anstieg um 3,6 Arbeitstage im Vergleich zu 2021. Diese Zunahme d\u00fcrfte nach Einsch\u00e4tzung des Bundesamts unter anderem auf die Einf\u00fchrung der elektronischen Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung Anfang 2022 zur\u00fcckzuf\u00fchren sein: Seither werden alle Krankschreibungen von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern l\u00fcckenlos erfasst. Das war vorher nicht der Fall.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Davon geht auch eine <a href=\"https:\/\/www.aok.de\/fk\/betriebliche-gesundheit\/grundlagen\/fehlzeiten\/ueberblick-fehlzeiten-report\/#c86320\" title=\"AOK Fehlzeiten-Report 2025\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Studie der Krankenkasse AOK<\/a> aus dem vergangenen Jahr aus. Neben der verbesserten Erfassung seien au\u00dferdem Atemwegserkrankungen der Treiber f\u00fcr zus\u00e4tzliche Fehltage. Zudem sei nach wie vor ein &#8222;stetiger Anstieg der psychisch bedingten AU-F\u00e4lle&#8220; zu verzeichnen, hei\u00dft es bei der AOK.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die DAK kommt zu einem \u00e4hnlichen Ergebnis: Krankheitsursache Nummer eins waren im vergangenen Jahr weiterhin Atemwegserkrankungen. Auf Platz zwei lagen nun psychische Erkrankungen wie etwa Depressionen. Es folgten Muskel-Skelett-Probleme.<\/p>\n<p>    Welchen Anteil hat die telefonische Krankschreibung?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">F\u00fcr das hohe Niveau an Ausf\u00e4llen d\u00fcrfte die telefonische Krankschreibung zumindest nicht alleine verantwortlich sein. Ihr Anteil an allen Krankschreibungen w\u00e4re daf\u00fcr gar nicht hoch genug. Laut <a href=\"https:\/\/www.zi.de\/detailansicht\/zi-analyse-krankschreibungen-per-telefon-und-video-nicht-ursaechlich-fuer-deutlichen-anstieg-der-arbeitsunfaehigkeitsfaelle-erhoehte-erfassungsrate-seit-einfuehrung-der-eau-sowie-hohe-infektionswellen-massgeblich-fuer-gestiegene-meldezahlen\" title=\"Zi-Analyse zu Krankschreibungen\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">Daten des Zentralinstituts f\u00fcr die Kassen\u00e4rztliche Versorgung<\/a> vom Oktober 2025 machten telefonische Krankschreibungen zuletzt 0,9 Prozent aller F\u00e4lle aus.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die empirische Auswertung deute darauf hin, &#8222;dass die Bedeutung der telefonischen Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung mit einem Anteil von j\u00e4hrlich 0,8 bis 1,2 Prozent an allen Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigungen f\u00fcr die Gesamtentwicklung der AU-F\u00e4lle sehr gering ist&#8220;.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch die AOK-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass es bei der telefonischen Krankschreibung keinerlei &#8222;Anzeichen f\u00fcr einen systematischen Missbrauch&#8220; gebe. Drei von vier f\u00fcr die Studie befragten Besch\u00e4ftigten nannten die telefonische Krankschreibung sinnvoll oder sehr sinnvoll, weil man nicht krank zum Arzt m\u00fcsse und Kontakt zu anderen Patienten im Wartezimmer vermeiden k\u00f6nne.<\/p>\n<p>    Wie verl\u00e4uft die politische Diskussion?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Union und Arbeitgeberverb\u00e4nde fordern trotzdem schon l\u00e4nger das Ende der telefonischen Krankschreibung. Im Koalitionsvertrag von Union und SPD ist jedoch nicht von Abschaffung, sondern von Korrekturen die Rede: &#8222;Die telefonische Krankschreibung werden wir so ver\u00e4ndern, dass Missbrauch zuk\u00fcnftig ausgeschlossen ist (zum Beispiel Ausschluss der Online-Krankschreibung durch private Online-Plattformen).<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch Kassen\u00e4rzteverband-Chef Andreas Gassen sieht die Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung allein nach Telefonkontakt mit dem Arzt kritisch. Die telefonische Arbeitsunf\u00e4higkeitsbescheinigung lade &#8222;nat\u00fcrlich&#8220; zum Missbrauch ein, sagte er dem Tagesspiegel. &#8222;Am Telefon kann doch niemand zuverl\u00e4ssig beurteilen, ob jemand wirklich arbeitsunf\u00e4hig ist oder nicht&#8220;, sagte Gassen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gewerkschaften und die Partei Die Linke wiesen die Vorschl\u00e4ge zur\u00fcck und warnten vor einem Generalverdacht gegen Arbeitnehmer. &#8222;Menschen krank zur Arbeit zu schicken oder von ihnen zu verlangen, sp\u00e4ter in Rente zu gehen, das bringt keinen einzigen neuen Auftrag in unser Land&#8220;, sagte die Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Yasmin Fahimi, am Wochenende.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Linken-Bundesgesch\u00e4ftsf\u00fchrer Janis Ehling sagte: &#8222;Wer den hohen Krankenstand beklagt, sollte \u00fcber \u00dcberlastung, Personalmangel und krank machende Arbeitsbedingungen reden, statt Besch\u00e4ftigten fehlende Arbeitsmoral zu unterstellen.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gr\u00fcnen-Chefin Franziska Brantner sagte, wirtschaftlich sei es klar, &#8222;dass wir mehr arbeiten m\u00fcssen&#8220;. N\u00f6tig seien aber gute Rahmenbedingungen, etwa verl\u00e4ssliche Kinderbetreuung.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Auch der fr\u00fchere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) wandte sich <a href=\"https:\/\/www.tagesspiegel.de\/politik\/umstrittene-telefonische-krankschreibung-gesundheitsministerin-warken-kundigt-uberprufung-an-15155954.html\" title=\"Link zum Tagesspiegel\" class=\"textlink--extern js-link-dialog\" rel=\"noopener noreferrer nofollow\" target=\"_blank\" data-type=\"external\">im Tagesspiegel<\/a> gegen ein Ende der telefonischen Krankschreibung. Eine Verbesserung beim Krankenstand lasse sich durch &#8222;Vorbeugemedizin&#8220; erreichen. &#8222;Das gelingt uns durch Fr\u00fcherkennung, etwa von Bluthochdruck, durch eine Erh\u00f6hung der Tabaksteuer und andere pr\u00e4ventive Ma\u00dfnahmen &#8211; und nicht durch G\u00e4ngelei der Kranken.&#8220;<\/p>\n<p>    Welche anderen Vorschl\u00e4ge gibt es?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">DAK-Chef Andreas Storm sagte der Nachrichtenagentur dpa die Analysen zeigten, dass sich der Krankenstand auf einem hohen Niveau einpendele. &#8222;Deswegen ist es richtig und notwendig, eine fundierte Ursachenforschung voranzutreiben.&#8220; Storm begr\u00fc\u00dfte die von Merz erneut angesto\u00dfene Debatte und forderte einen Gipfel im Kanzleramt, der Arbeitgeber, Gewerkschaften, \u00c4rzte und Krankenkassen dazu an einen Tisch bringen sollte. Es gehe darum, neue L\u00f6sungswege zu entwickeln, sagte der Kassenchef.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Ein wichtiger Baustein kann die Einf\u00fchrung einer Teilkrankschreibung bei bestimmten Erkrankungen und Diagnosen sein.&#8220; Gemeint ist damit, nur f\u00fcr einen Teil der t\u00e4glichen Arbeitsstundenzahl krankgeschrieben zu werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"faq Stand: 20.01.2026 19:47 Uhr Lassen sich die Deutschen zu schnell krankschreiben? 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