{"id":734809,"date":"2026-01-21T06:13:20","date_gmt":"2026-01-21T06:13:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/734809\/"},"modified":"2026-01-21T06:13:20","modified_gmt":"2026-01-21T06:13:20","slug":"berliner-polizei-struktur-ins-chaos-100-jahre-mordkommissionen-in-berlin-panorama","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/734809\/","title":{"rendered":"Berliner Polizei &#8211; \u201eStruktur ins Chaos\u201c: 100 Jahre Mordkommissionen in Berlin &#8211; Panorama"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Berlin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berlin<\/a> (dpa) &#8211; Das bislang letzte gro\u00dfe Denkmal erhielt er in einer weltweit erfolgreichen deutschen Filmserie. In \u201eBabylon Berlin\u201c \u00fcber die 1920er-Jahre wurde der gro\u00dfe Berliner Kriminalist Ernst Gennat von Udo Samel gespielt: dick, b\u00e4rbei\u00dfig, menschlich und genial in seinen Ermittlungen. In die <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Geschichte\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Geschichte<\/a> der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Polizei\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Polizei<\/a> in <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Deutschland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutschland<\/a> ging er ein als Gr\u00fcnder der ersten \u201eZentralen Mordinspektion\u201c, zu der die ersten professionellen Mordkommissionen geh\u00f6rten. Vor 100 Jahren, am 1. Januar 1926 nahm sie in Berlin ihren Dienst auf.<\/p>\n<p>Wie Gennat die Mordermittlungen ver\u00e4nderte<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Als Leiter der \u201eZentralen Mordinspektion\u201c revolutionierte Gennat mit modernen Ermittlungsmethoden die Arbeit der Kriminalpolizei und erreichte eine hohe Aufkl\u00e4rungsquote. Die Berliner Polizei w\u00fcrdigte ihn k\u00fcrzlich: \u201eEr schuf einen Ort f\u00fcr gr\u00fcndliche Ermittlungen, f\u00fcr Teamarbeit \u2013 und f\u00fcr den festen Willen, Gewaltverbrechen nicht einfach hinzunehmen, sondern sie konsequent aufzukl\u00e4ren.\u201c Vieles begann mit seiner \u00dcberzeugung, \u201edass jedes Opfer z\u00e4hlt.\u201c<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Bis zur Gr\u00fcndung der Zentralen Mordinspektion waren die Ermittlungen nicht spezialisiert, Mordkommissionen wurden nur bei Bedarf gebildet. Polizisten r\u00e4umten am Tatort oft erst einmal gr\u00fcndlich auf und vernichteten Spuren. Gennat systematisierte und professionalisierte die Mordermittlungen. Er richtete ein Fahrzeug ein, ein sogenanntes \u201eMordauto\u201c, in dem alles untergebracht war, was am Tatort zur Spurensicherung ben\u00f6tigt wurde.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Fotos wurden gezielt geschossen, Beweise gesammelt, verpackt und beschriftet. Das Leichenschauhaus, die Vermisstenzentrale und eine \u201eZentralkartei f\u00fcr Todesermittlungssachen\u201c vor allem f\u00fcr Serient\u00e4ter geh\u00f6rten zu seiner \u201eInspektion M\u201c. Auch der Ansatz, sich in den T\u00e4ter einzuf\u00fchlen und Verbrechen aus dessen Perspektive zu sehen, wird Gennat zugeschrieben.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Die aktuelle Tatortarbeit von Mordkommissionen geht ebenfalls auf die Neuerungen vor 100 Jahren zur\u00fcck. Alles wird erfasst: Blutspritzer, K\u00f6rperteile, Fasern, Fingerabdr\u00fccke und heutzutage auch DNA-Spuren. Die Mordermittler befragen Zeugen, Verwandte und Bekannte. In der Berliner Kriminalstatistik wurden 2024 53 vollendete und 64 versuchte F\u00e4lle von Mord und Totschlag registriert. Knapp 84 Prozent davon wurden aufgekl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Ein Berliner Original mit gro\u00dfer Wirkung<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u00dcber Gennat und seine Verdienste f\u00fcr die Mordermittlungen wurden B\u00fccher geschrieben und Filme gedreht. Gennat wurde am 1. Januar 1880 in Berlin geboren und trat nach einem abgebrochenen Jurastudium in den Polizeidienst ein. In den 1920er Jahren nannten Kollegen ihn wegen seines Gewichts angeblich \u201eBuddha\u201c, in der Unterwelt soll er den Namen \u201eDer Dicke vom Alexanderplatz\u201c getragen haben. Dort arbeitete das Polizeipr\u00e4sidium in einem riesigen Backsteinbau.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Einer von Gennats spektakul\u00e4rsten F\u00e4llen war der Massenm\u00f6rder\u00a0Fritz Haarmann, der Anfang der 1920er Jahre zahlreiche Menschen t\u00f6tete und wegen Mordes 1925 hingerichtet wurde. Der Regisseur\u00a0Fritz Lang\u00a0lie\u00df sich f\u00fcr seinen Film \u201eM &#8211; Eine Stadt sucht einen M\u00f6rder\u201c von Gennat \u00fcber Fahndungsmethoden und Triebt\u00e4ter beraten.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Gennat\u00a0starb am 21. August 1939 in\u00a0Berlin. Sein Grab liegt auf dem S\u00fcdwestkirchhof Stahnsdorf (Potsdam-Mittelmark). Anfang Januar legten die Leiter der Berliner Mordkommissionen dort einen Kranz nieder. Am Donnerstag erinnert die Polizei mit einer Festveranstaltung an die Gr\u00fcndung der Zentralen Mordinspektion vor 100 Jahren.<\/p>\n<p>Mordkommissionen heute: Struktur und Belastung<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Heute arbeiten im Berliner Landeskriminalamt (LKA) in der Abteilung 1 \u201eDelikte am Menschen\u201c acht Mordkommissionen zu T\u00f6tungsdelikten, Entf\u00fchrungen und Menschenraub. Jede Mordkommission hat einen Chef, acht Ermittler und eine Sekret\u00e4rin oder einen Sekret\u00e4r.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Reihum hat immer eine Mordkommission Bereitschaft und wird zum n\u00e4chsten Fall alarmiert. Dann ist intensive Arbeit angesagt, 16-Stunden-Tage sind keine Seltenheit. \u201eW\u00e4hrend dieser Phase gibt es f\u00fcr die zust\u00e4ndige Kommission\u00a0kein Wochenende, manchmal keinen Schlaf in der Nacht, vom Feierabend bleibt nichts \u00fcbrig\u201c, sagte der Chef des Berliner Morddezernats einmal dem \u201eTagesspiegel\u201c.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">N\u00f6tig sind f\u00fcr den Job laut Polizei ein Studium zur Kriminalpolizei, praktische Erfahrungen und Fortbildungen. Bei den Voraussetzungen hei\u00dft es: \u201eDu bist neugierig, zielstrebig, kannst dich durchsetzen (&#8230;) und bringst Struktur ins Chaos.\u201c Hohe Flexibilit\u00e4t und \u201eLeidensf\u00e4higkeit\u201c seien n\u00f6tig. Eine geregelte Arbeitszeit sei oft unm\u00f6glich, das Private muss zur\u00fcckstehen.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u00a9 dpa-infocom, dpa:260121-930-573989\/1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Berlin (dpa) &#8211; Das bislang letzte gro\u00dfe Denkmal erhielt er in einer weltweit erfolgreichen deutschen Filmserie. 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