{"id":738505,"date":"2026-01-22T16:42:12","date_gmt":"2026-01-22T16:42:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/738505\/"},"modified":"2026-01-22T16:42:12","modified_gmt":"2026-01-22T16:42:12","slug":"selenskyj-kritisiert-europa-verloren-und-handlungsunfaehig","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/738505\/","title":{"rendered":"Selenskyj kritisiert Europa: \u201eVerloren und handlungsunf\u00e4hig\u201c"},"content":{"rendered":"<p>Der ukrainische Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj hat am Donnerstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos scharfe Kritik an Europa ge\u00fcbt. Der Kontinent wirke &#8222;verloren&#8220;, sagte er, und stecke in einer Endlosschleife aus Ank\u00fcndigungen fest \u2013 unf\u00e4hig, sich selbst zu verteidigen oder <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/01\/20\/europas-mammutaufgabe-ukraine-putin-groenland-trump-verteidigen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>die Ukraine<\/strong><\/a> entschlossen zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p>&#8222;Jeder kennt den gro\u00dfartigen amerikanischen Film &#8218;Und t\u00e4glich gr\u00fc\u00dft das Murmeltier&#8216; \u2013 aber niemand m\u00f6chte so leben&#8220;, sagte Selenskyj. &#8222;Wir wiederholen seit Wochen, Monaten und mittlerweile seit Jahren immer wieder das Gleiche. Und genau so leben wir jetzt.&#8220;<\/p>\n<p>Besonders frustriert zeigte sich der ukrainische Pr\u00e4sident \u00fcber die europ\u00e4ische Reaktion auf die Spannungen rund um Gr\u00f6nland. Die Entsendung kleiner Truppenkontingente in die Arktis stellte er offen infrage.<\/p>\n<p>&#8222;Wenn man 14 oder 40 Soldaten nach Gr\u00f6nland schickt \u2013 wozu soll das gut sein? Welche Botschaft sendet das?&#8220;, fragte Selenskyj. &#8222;Welche Botschaft geht an Putin, an China? Und vor allem: Welche Botschaft geht an D\u00e4nemark, Ihren engen Verb\u00fcndeten? Vierzig Soldaten sch\u00fctzen nichts.&#8220;<\/p>\n<p>Seit seiner letzten Rede in Davos, in der er Europa aufgefordert hatte, Selbstverteidigung zu lernen, sei ein Jahr vergangen \u2013 doch &#8222;nichts hat sich ge\u00e4ndert&#8220;, so Selenskyj.<\/p>\n<p>&#8222;Alle schauen jetzt auf Gr\u00f6nland, und es ist offensichtlich, dass viele Staats- und Regierungschefs nicht wissen, was sie tun sollen&#8220;, sagte er. &#8222;Es scheint, als warteten alle darauf, dass Amerika sich beruhigt. Aber was, wenn das nicht passiert? Was dann?&#8220;<\/p>\n<p>Europa reagiere weiterhin ungeeint auf globale Herausforderungen und sehe sich selbst eher als geografisches oder historisches Gebilde denn als politische Macht. Der Kontinent bleibe &#8222;ein Kaleidoskop aus kleinen und mittleren Staaten&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Europa wirkt verloren, wenn es versucht, den US-Pr\u00e4sidenten umzustimmen&#8220;, sagte Selenskyj. &#8222;Aber er wird sich nicht \u00e4ndern. <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/01\/22\/trump-board-of-peace-nato\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Pr\u00e4sident Trump<\/strong><\/a> liebt, wer er ist. Er sagt, er liebe Europa \u2013 aber auf dieses Europa wird er nicht h\u00f6ren.&#8220;<\/p>\n<p>Der ukrainische Pr\u00e4sident bot zugleich die Marineexpertise seines Landes an, um Sorgen \u00fcber russische Schiffe in <a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/2026\/01\/21\/ohne-gewalt-trump-rudert-zuruck-gronland\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>der N\u00e4he Gr\u00f6nlands<\/strong><\/a> zu begegnen. Die Ukraine habe bereits erfolgreich russische Einheiten nahe der Krim angegriffen. &#8222;Wir werden dieses Problem mit russischen Schiffen l\u00f6sen&#8220;, sagte er.<\/p>\n<p>Mit deutlichen Worten kritisierte Selenskyj auch die Zur\u00fcckhaltung des Westens bei der Lieferung moderner Waffensysteme. Diplomaten h\u00e4tten amerikanischen Partnern geraten, selbst die Erw\u00e4hnung von Tomahawk-Marschflugk\u00f6rpern zu vermeiden, &#8222;um die Stimmung nicht zu verderben&#8220;.<\/p>\n<p>&#8222;Heute zielen sie auf die Ukraine. Morgen kann es jedes NATO-Land sein&#8220;, sagte Selenskyj \u00fcber russische Raketenangriffe. &#8222;W\u00e4re es nicht einfacher und billiger, Russland von den Komponenten zur Raketenherstellung abzuschneiden oder die entsprechenden Fabriken zu zerst\u00f6ren?&#8220;<\/p>\n<p>Auch Europas Umgang mit Iran nahm Selenskyj ins Visier. Tausende Demonstranten seien dort get\u00f6tet worden, ohne dass dies ernsthafte Konsequenzen gehabt habe. Er zog einen Vergleich zu Venezuelas Pr\u00e4sident Nicol\u00e1s Maduro, der sich in New York vor Gericht verantworten m\u00fcsse.<\/p>\n<p>&#8222;Maduro steht in New York vor Gericht. Entschuldigung \u2013 aber Putin steht nicht vor Gericht&#8220;, sagte Selenskyj. &#8222;Der Mann, der diesen Krieg begonnen hat, ist nicht nur frei, er k\u00e4mpft auch noch um sein in Europa eingefrorenes Geld.&#8220;<\/p>\n<p>Er fragte, warum die USA Tanker der russischen Schattenflotte und deren \u00d6l beschlagnahmen k\u00f6nnten, Europa jedoch nicht \u2013 obwohl genau dieses \u00d6l den Krieg finanziere. &#8222;Wenn Putin kein Geld hat, gibt es keinen Krieg gegen Europa&#8220;, sagte Selenskyj.<\/p>\n<p>Zu m\u00f6glichen Friedensverhandlungen erkl\u00e4rte er, die Dokumente zu Sicherheitsgarantien f\u00fcr die Zeit nach dem Krieg seien &#8222;fast fertig&#8220;. Entscheidend bleibe jedoch die Rolle Washingtons. &#8222;Ohne die USA funktionieren keine Sicherheitsgarantien&#8220;, betonte er. &#8222;Wir brauchen die Unterst\u00fctzung von Pr\u00e4sident Trump.&#8220;<\/p>\n<p>&#8222;Ich will das stoppen&#8220;<\/p>\n<p>Am Donnerstagmorgen traf Selenskyj in Davos zu geplanten Gespr\u00e4chen mit US-Pr\u00e4sident Donald Trump ein. Er war aus der Ukraine angereist, obwohl mehr als die H\u00e4lfte Kyjiws nach anhaltenden russischen Angriffen ohne Strom war.<\/p>\n<p>Zeitweise hatte Selenskyj erwogen, die Reise abzusagen. Noch am Dienstag war er in Kyjiw geblieben, um die Wiederherstellung der Stromversorgung zu koordinieren. Zwei Tage sp\u00e4ter reiste er dennoch in die Schweiz, als sich die Lage weiter zuspitzte.<\/p>\n<p>Rund 4.000 Geb\u00e4ude in Kyjiw waren am Mittwoch ohne Heizung. Gleichzeitig sanken die Temperaturen im k\u00e4ltesten Winter seit Jahren auf bis zu minus 20 Grad \u2013 fast vier Jahre nach Beginn der gro\u00dfangelegten russischen Invasion.<\/p>\n<p>&#8222;Ich will das beenden. Es ist ein schrecklicher Krieg&#8220;, sagte Trump am Mittwoch in Davos.<\/p>\n<p>Trotz jahrelanger Bem\u00fchungen der Trump-Administration, den Krieg zu beenden, blieb ein Durchbruch bislang aus \u2013 selbst nach wiederholten Fristsetzungen. Die Gespr\u00e4che werden jedoch fortgef\u00fchrt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/de.euronews.com\/my-europe\/2026\/01\/21\/gronland-nato-8-kriege-trumps-rede-davos\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><strong>Trumps Forderungen<\/strong><\/a> in Bezug auf Gr\u00f6nland haben die Ukraine-Debatte beim Forum zuletzt in den Hintergrund gedr\u00e4ngt. NATO-Generalsekret\u00e4r Mark Rutte warnte am Mittwoch davor, den Fokus zu verlieren.<\/p>\n<p>&#8222;Das Hauptthema ist nicht Gr\u00f6nland, das Hauptthema ist die Ukraine&#8220;, sagte Rutte. Er sei &#8222;ein wenig besorgt, dass wir den Ball fallen lassen, wenn wir uns zu sehr mit anderen Themen besch\u00e4ftigen&#8220;.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der ukrainische Pr\u00e4sident Wolodymyr Selenskyj hat am Donnerstag beim Weltwirtschaftsforum in Davos scharfe Kritik an Europa ge\u00fcbt. 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