{"id":738507,"date":"2026-01-22T16:43:10","date_gmt":"2026-01-22T16:43:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/738507\/"},"modified":"2026-01-22T16:43:10","modified_gmt":"2026-01-22T16:43:10","slug":"groenland-trumps-drohung-legt-europas-grosse-schwaeche-offen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/738507\/","title":{"rendered":"Gr\u00f6nland: Trumps Drohung legt Europas gro\u00dfe Schw\u00e4che offen"},"content":{"rendered":"\n<p>Donald Trumps Auftritt beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos war mehr als eine provokante Rede. Mit der offenen Drohung, den Streit um <strong>Gr\u00f6nland<\/strong> politisch und wirtschaftlich zu eskalieren, hat der US-Pr\u00e4sident eine Schwachstelle offengelegt, die die Europ\u00e4ische Union seit Jahren begleitet: die enge Verzahnung von Energieabh\u00e4ngigkeit, Sicherheitspolitik und geopolitischer Handlungsf\u00e4higkeit. Der Konflikt dreht sich nicht nur um ein arktisches Territorium, sondern um die Frage, wie widerstandsf\u00e4hig Europa in einer Welt zunehmender Machtpolitik tats\u00e4chlich ist.<\/p>\n<p> Sicherheitspolitischer Pr\u00fcfstein Gr\u00f6nland <\/p>\n<p>Trump begr\u00fcndete seinen Anspruch in Davos explizit mit nationaler und internationaler Sicherheit. Gr\u00f6nland sei strategisch nicht zu verteidigen \u2013 zumindest nicht durch europ\u00e4ische Partnerstaaten innerhalb der NATO. Diese Argumentation ist nicht neu, erh\u00e4lt aber im aktuellen Kontext neues Gewicht. Die Insel liegt zwischen Nordamerika, Russland und Europa und ist seit Jahrzehnten Teil der nordamerikanischen Fr\u00fchwarnarchitektur.<\/p>\n<p>In Nordwestgr\u00f6nland betreibt die United States Space Force mit der Pituffik Space Base (vormals Thule Air Base) ein zentrales Element der Raketenfr\u00fchwarnung. Dort ist ein sogenanntes Upgraded Early Warning Radar (AN\/FPS-132) stationiert, ein phasengesteuertes Radarsystem zur Erkennung und Verfolgung ballistischer Raketen. Offizielle <a href=\"https:\/\/www.buckley.spaceforce.mil\/About-Us\/Fact-Sheets\/Article\/2291701\/12th-space-warning-squadron\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Informationen<\/a> der Space Force zeigen, dass die Basis fest in die nordamerikanische Luft- und Raumverteidigung eingebunden ist und eine Schl\u00fcsselrolle bei der \u00dcberwachung des arktischen Luftraums spielt.<\/p>\n<p>Faktisch verf\u00fcgen die USA damit bereits heute \u00fcber weitreichende milit\u00e4rische Rechte in Gr\u00f6nland \u2013 auf Grundlage des <a href=\"https:\/\/www.state.gov\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/04-806-Denmark-Defense.done_.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Verteidigungsabkommens<\/a> mit D\u00e4nemark von 1951, das im Rahmen der NATO geschlossen wurde und im Vertragsregister der Vereinten Nationen dokumentiert ist. Trumps Forderung nach vollst\u00e4ndigem Eigentum geht daher \u00fcber operative Notwendigkeiten hinaus. Sie zielt auf politische Kontrolle und symbolische Machtprojektion.<\/p>\n<p> \u201eDas ist unser Territorium.\u201c <\/p>\n<p>Donald Trump beschrieb Gr\u00f6nland im Rahmen seiner <a href=\"https:\/\/www.whitehouse.gov\/videos\/president-trump-delivers-a-special-address-to-the-world-economic-forum\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Rede<\/a> als riesiges, kaum bewohntes und ungesch\u00fctztes Gebiet in strategischer Schl\u00fcsselposition zwischen den USA, Russland und China. Fr\u00fcher sei diese Lage weniger relevant gewesen, heute habe sie stark an Bedeutung gewonnen. Rohstoffe seien nicht der ausschlaggebende Grund, entscheidend sei allein die strategische Bedeutung f\u00fcr die nationale und internationale Sicherheit.<\/p>\n<p>   Display content from YouTube   <\/p>\n<p class=\"fd-embed-privacy-content-line1\">An dieser Stelle befindet sich ein externer Inhalt von YouTube der von unserer Redaktion empfohlen wird. Er erg\u00e4nzt den Artikel und kann mit einem Klick angezeigt und wieder ausgeblendet werden.<\/p>\n<p class=\"fd-embed-privacy-content-line2\">Ich bin damit einverstanden, dass mir dieser externe Inhalt angezeigt wird. Es k\u00f6nnen dabei personenbezogene Daten an den Anbieter des Inhalts und Drittdienste \u00fcbermittelt werden.<\/p>\n<p>\u201eDiese riesige ungesicherte Insel ist eigentlich Teil Nordamerikas an der n\u00f6rdlichen Grenze der westlichen Hemisph\u00e4re\u201c, betonte der 79-J\u00e4hrige in Davos. \u201eDas ist unser Territorium.\u201c <\/p>\n<p>Seit Jahrhunderten verfolge die US-Politik das Ziel, \u00e4u\u00dfere Bedrohungen von der westlichen Hemisph\u00e4re fernzuhalten. Die USA seien heute st\u00e4rker denn je. Deshalb h\u00e4tten amerikanische Pr\u00e4sidenten seit fast 200 Jahren versucht, Gr\u00f6nland zu erwerben. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe man die Gelegenheit verpasst, heute sei ein Erwerb aus seiner Sicht noch notwendiger.<\/p>\n<p> Selbstbestimmung versus Machtanspruch <\/p>\n<p>Juristisch ist dieser Anspruch hoch problematisch. Gr\u00f6nland ist kein klassisches d\u00e4nisches \u00dcberseegebiet, sondern besitzt seit 2009 weitgehende Selbstverwaltungsrechte. Das gr\u00f6nl\u00e4ndische <a href=\"https:\/\/english.stm.dk\/media\/4vgewyoh\/gl-selvstyrelov-uk.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Selbstverwaltungsgesetz<\/a> erkennt die Gr\u00f6nl\u00e4nder*innen ausdr\u00fccklich als eigenst\u00e4ndiges Volk mit dem Recht auf Selbstbestimmung nach internationalem Recht an.<\/p>\n<p>Eine \u00c4nderung des Status oder gar ein Eigentums\u00fcbergang m\u00fcsste daher zwingend von der Bev\u00f6lkerung der Insel getragen werden. Ein \u201eKauf\u201c gegen den erkl\u00e4rten Willen der Gr\u00f6nl\u00e4nder*innen w\u00e4re v\u00f6lkerrechtlich kaum haltbar. Dass Trump diese Dimension weitgehend ausblendet, verweist auf den eigentlichen Kern des Konflikts: Es geht weniger um Recht als um Macht und darum, ob Europa dieser Macht etwas entgegensetzen kann.<\/p>\n<p> Energieabh\u00e4ngigkeit als geopolitischer Hebel <\/p>\n<p>Hier liegt Europas zentrale Verwundbarkeit. Die Europ\u00e4ische Union hat ihre Abh\u00e4ngigkeit von russischem Gas seit dem Jahr 2022 massiv reduziert. Nach <a href=\"https:\/\/www.consilium.europa.eu\/de\/infographics\/where-does-the-eu-s-gas-come-from\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Angaben<\/a> des Rates der Europ\u00e4ischen Union lag der russische Anteil an den Gasimporten der EU im Jahr 2024 bei unter 19 Prozent, gegen\u00fcber \u00fcber 40 Prozent im Jahr 2021. Parallel dazu stieg die Bedeutung der USA deutlich an: Rund 16,5 Prozent aller EU-Gasimporte stammten 2024 aus den Vereinigten Staaten, beim Fl\u00fcssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG) lag der US-Anteil bei rund 45 Prozent.<\/p>\n<p>Diese Entwicklung gilt energiepolitisch als Erfolg, schafft jedoch eine neue strategische Abh\u00e4ngigkeit. Anders als Pipelinegas wird LNG zwar \u00fcber private Liefervertr\u00e4ge gehandelt, doch die Exportinfrastruktur unterliegt staatlicher Kontrolle. Nach dem US-amerikanischen Natural Gas Act ben\u00f6tigen Exporte von Erdgas und LNG eine Genehmigung des Energieministeriums. Zus\u00e4tzlich verf\u00fcgt der US-Pr\u00e4sident im Rahmen von nationalen Energie- oder Sicherheitsnotst\u00e4nden \u00fcber weitreichende Eingriffsbefugnisse, wie Analysen des Congressional Research Service zeigen.<\/p>\n<p>Diese Konstellation erm\u00f6glicht es Washington theoretisch, Energie als politisches Druckmittel einzusetzen. Selbst wenn ein tats\u00e4chlicher Lieferstopp auch der US-Energiewirtschaft schaden w\u00fcrde, reicht bereits die Andeutung staatlicher Eingriffe, um Unsicherheit auf den M\u00e4rkten zu erzeugen \u2013 und politischen Druck auf Europa aufzubauen.<\/p>\n<p> \u201eWir werden uns daran erinnern\u201c <\/p>\n<p>\u201eWir wollen also ein St\u00fcck Land zum Schutz der Welt, und sie geben es uns nicht\u201c, fasste Trump den Streit um Gr\u00f6nland zusammen und erg\u00e4nzte: \u201eSie haben die Wahl. Sie k\u00f6nnen Ja sagen, und wir w\u00e4ren Ihnen sehr dankbar. Oder Sie k\u00f6nnen Nein sagen, und wir werden uns daran erinnern.\u201c <\/p>\n<p>Kurz danach betonte Trump, die USA h\u00e4tten \u201enie etwas verlangt und nie etwas bekommen\u201c und f\u00fcgte hinzu, man werde \u201ewahrscheinlich nichts bekommen, es sei denn, ich entscheide mich f\u00fcr \u00fcberm\u00e4\u00dfige St\u00e4rke und Gewalt, bei der wir ehrlich gesagt unaufhaltsam w\u00e4ren\u201c. Zwar schob er umgehend nach, er werde diesen Weg nicht gehen und \u201ekeine Gewalt anwenden\u201c, doch allein die explizite Benennung dieser Option verschiebt den Tonfall: Er stellt damit milit\u00e4rische \u00dcberlegenheit als realistische Alternative in den Raum, nicht als abstrakte M\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p>Gerade in der Kombination mit der Formulierung \u201ewir werden uns daran erinnern\u201c wirkte Trumps Dementi weniger deeskalierend als kalkuliert. Die Botschaft lautet nicht, dass Gewalt ausgeschlossen sei, sondern dass sie verf\u00fcgbar w\u00e4re und bewusst zur\u00fcckgehalten werde. Wiederholt stellte der US-Pr\u00e4sident auch potenzielle Strafz\u00f6lle in den Raum. Damit bleibt die Drohkulisse bestehen: Zustimmung wird mit Dankbarkeit in Aussicht gestellt, Ablehnung mit unbestimmten, aber sp\u00fcrbaren Konsequenzen.<\/p>\n<p class=\"has-normal-font-size\"><strong>Topaktuell<\/strong><\/p>\n<p>  Europas Antwort: begrenzt, aber existent <\/p>\n<p>Die Europ\u00e4ische Union ist diesem Druck nicht vollst\u00e4ndig ausgeliefert. In Br\u00fcssel wird \u00fcber m\u00f6gliche Gegenma\u00dfnahmen diskutiert, darunter Z\u00f6lle sowie der Einsatz des sogenannten Anti-Coercion Instrument. Dieses Instrument wurde 2023 per Verordnung <a href=\"https:\/\/eur-lex.europa.eu\/legal-content\/DE\/TXT\/PDF\/?uri=OJ:L_202302675\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">(EU) 2023\/2675<\/a> beschlossen und soll gezielt auf wirtschaftliche Erpressung durch Drittstaaten reagieren. Im Extremfall erlaubt es Beschr\u00e4nkungen bei Handel, Investitionen oder dem Zugang zu \u00f6ffentlichen Auftr\u00e4gen.<\/p>\n<p>Allerdings ist dieses Instrument bewusst als letztes Mittel konzipiert. Es setzt formale Pr\u00fcfverfahren und politische Mehrheiten voraus. Der Gr\u00f6nland-Streit macht damit ein strukturelles Problem sichtbar: Europas Entscheidungsprozesse sind komplex, langsam und stark von innerer Einigkeit abh\u00e4ngig \u2013 ein klarer Nachteil gegen\u00fcber einem US-Pr\u00e4sidenten, der Drohungen kurzfristig, \u00f6ffentlich und unilateral formuliert.<\/p>\n<p>Diese kurzfristige Eskalations- und Entscheidungsfreude zeigte sich umso deutlicher im Nachgang zu Trumps Rede: Nachdem er \u00fcberraschend seine Strafzoll-Drohung gegen mehrere europ\u00e4ische L\u00e4nder zur\u00fccknahm, <a href=\"https:\/\/truthsocial.com\/@realDonaldTrump\/posts\/115934734335579278\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">erkl\u00e4rte<\/a> er am Mittwochabend via Truth Social, dass in Davos mit dem NATO-Generalsekret\u00e4r Mark Rutte ein Rahmen f\u00fcr ein zuk\u00fcnftiges Abkommen in Bezug auf Gr\u00f6nland und die gesamte Arktisregion geschaffen worden sei.<\/p>\n<p>Aufgrund dieser \u00dcbereinkunft verzichtete er vorerst auf die f\u00fcr Anfang Februar geplanten Z\u00f6lle, auch wenn Details des Abkommens unklar bleiben und D\u00e4nemark betonte, dass die Souver\u00e4nit\u00e4t der Insel nicht verhandelbar sei und ein Verkauf nicht Thema sei. Der vorl\u00e4ufige politische Rahmen d\u00e4mpfte die unmittelbare Eskalation, l\u00e4sst Europas strategische Verwundbarkeit jedoch unver\u00e4ndert bestehen.<\/p>\n<p>Quellen: United States Space Force; United States Department of State; The White House; YouTube\/The White House; Statsministeriet; Rat der Europ\u00e4ischen Union; Amtsblatt der Europ\u00e4ischen Union; Truth Social\/@realDonaldTrump<\/p>\n<p> <strong>Hinweis: Ukraine-Hilfe<\/strong><\/p>\n<p class=\"has-small-font-size\">Seit dem 24. Februar 2022 herrscht Krieg in der Ukraine. <a href=\"https:\/\/www.futurezone.de\/digital-life\/article281984\/online-spenden-fuer-die-ukraine-wie-du-den-menschen-helfen-kannst.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Hier<\/a> kannst du den Betroffenen helfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Donald Trumps Auftritt beim Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos war mehr als eine provokante Rede. Mit der offenen Drohung,&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":738508,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3933],"tags":[331,332,1149,548,663,158,3934,3935,13,632,278,14,15,16,12],"class_list":{"0":"post-738507","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-eu","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-energie","11":"tag-eu","12":"tag-europa","13":"tag-europaeische-union","14":"tag-europe","15":"tag-european-union","16":"tag-headlines","17":"tag-heizung","18":"tag-hot","19":"tag-nachrichten","20":"tag-news","21":"tag-politik","22":"tag-schlagzeilen"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115939757703414748","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/738507","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=738507"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/738507\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/738508"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=738507"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=738507"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=738507"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}