{"id":740555,"date":"2026-01-23T11:50:15","date_gmt":"2026-01-23T11:50:15","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/740555\/"},"modified":"2026-01-23T11:50:15","modified_gmt":"2026-01-23T11:50:15","slug":"streit-um-transparenz-register-droht-schlupfloch-zu-schaffen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/740555\/","title":{"rendered":"Streit um Transparenz-Register droht Schlupfloch zu schaffen"},"content":{"rendered":"<p>Deutschland und andere EU-L\u00e4nder wollen die Meldepflicht f\u00fcr Hochrisiko-KI streichen. Kritiker warnen vor einem Kontrollverlust und gef\u00e4hrlichen Schlupfl\u00f6chern in der Regulierung.<\/p>\n<p>Deutschland und andere EU-Staaten wollen die Meldepflicht f\u00fcr KI-Systeme aufweichen \u2013 und l\u00f6sen damit einen Streit \u00fcber die Zukunft der KI-Regulierung aus.<\/p>\n<p><strong>Br\u00fcssel.<\/strong> Ein tiefer Riss geht durch den Rat der Europ\u00e4ischen Union. Nur noch gut sechs Monate vor dem Vollzug der <strong>EU-KI-Verordnung<\/strong> streiten die Mitgliedstaaten erbittert \u00fcber deren Kern: das \u00f6ffentliche Register f\u00fcr Hochrisiko-K\u00fcnstliche Intelligenz. Eine Gruppe um Deutschland dr\u00e4ngt auf weniger B\u00fcrokratie. Kritiker warnen vor einem gef\u00e4hrlichen Schlupfloch.<\/p>\n<p>Streitpunkt: Wer muss sich melden?<\/p>\n<p>Im Zentrum des Konflikts steht ein technischer, aber folgenschwerer Paragraph. Die seit August 2024 geltende Verordnung schreibt vor, dass alle Anbieter ihre KI-Systeme in eine zentrale EU-Datenbank eintragen m\u00fcssen \u2013 auch dann, wenn sie diese selbst als \u201enicht hochriskant\u201c einstufen.<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p>Viele Unternehmen \u00fcbersehen jetzt die konkreten Pflichten der EU-KI-Verordnung \u2013 von Kennzeichnung und Risikoklassifizierung bis zu umfangreichen Dokumentations- und Meldepflichten. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden fasst die Anforderungen verst\u00e4ndlich zusammen, liefert praktische Checklisten und erkl\u00e4rt Schritt f\u00fcr Schritt, wie Sie Ihre KI-Systeme korrekt einstufen, melden und rechtssicher dokumentieren. Ideal f\u00fcr Entwickler, Anbieter und Compliance-Verantwortliche ohne juristische Vorkenntnisse. <strong><a href=\"https:\/\/www.datenschutz-praemien.de\/ki-verordnung\/?af=KOOP_MFW_DSN_DNV_YES_KI-VERORDNUNG_X-CWAHN-BGPID_727459\" rel=\"noopener nofollow\" style=\"color: #337ab7 !important; font-weight: bold; text-decoration: underline;\" target=\"_blank\">Jetzt kostenlosen KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen<\/a><\/strong><\/p>\n<p>Genau diese Pflicht will die EU-Kommission nun streichen. Ihr Vorschlag im \u201eDigital-Omnibus\u201c-Paket sieht vor, <strong>Artikel 49 Absatz 2<\/strong> zu l\u00f6schen. Die Folge: Unternehmen k\u00f6nnten ihre Systeme eigenst\u00e4ndig als unbedenklich klassifizieren und m\u00fcssten dies niemandem mehr mitteilen. Eine interne Bewertung w\u00fcrde gen\u00fcgen.<\/p>\n<p>\u201eDas w\u00e4re ein Freibrief f\u00fcr die Tech-Branche\u201c, warnt ein NGO-Experte. \u201eOhne Register hat keine Aufsichtsbeh\u00f6rde mehr einen \u00dcberblick, welche Systeme \u00fcberhaupt im Umlauf sind.\u201c<\/p>\n<p>Deutschland fordert weniger B\u00fcrokratie<\/p>\n<p>Deutschland f\u00fchrt die Fraktion der Bef\u00fcrworter an. Unterst\u00fctzung erh\u00e4lt Berlin aus Madrid und Den Haag. Das Argument: Die doppelte Meldepflicht bremse Innovation und belaste gerade kleine und mittlere Unternehmen unn\u00f6tig. Man folge damit dem Kommissionsziel, B\u00fcrokratie abzubauen.<\/p>\n<p>Doch die Gegenseite h\u00e4lt dagegen. Eine Reihe von Mitgliedstaaten und Datensch\u00fctzern insistiert auf Transparenz. Das Register sei die einzige Kontrollinstanz, um Selbstbewertungen der Konzerne \u00fcberhaupt \u00fcberpr\u00fcfen zu k\u00f6nnen. Ohne diese Meldepflicht entfalle jede Vorabkontrolle.<\/p>\n<p>\u201eWer garantiert uns, dass die Unternehmen ihre KI korrekt einstufen?\u201c, fragt ein Diplomat aus dem Lager der Transparenzbef\u00fcrworter. \u201eAm Ende entscheidet dann der Anbieter allein, ob seine Gesichtserkennungssoftware risikoreich ist oder nicht.\u201c<\/p>\n<p>Lobbyeinfluss und Warnungen<\/p>\n<p>Die Forderung nach Deregulierung ist nicht vom Himmel gefallen. Ein aktueller Bericht von <strong>Corporate Europe Observatory<\/strong> und <strong>LobbyControl<\/strong> belegt den massiven Einfluss von Tech-Verb\u00e4nden wie DigitalEurope auf den Kommissionsvorschlag. Die Forderungen der Lobbyisten und der Gesetzesentwurf \u00e4hneln sich auff\u00e4llig.<\/p>\n<p>Zivilgesellschaftliche Organisationen schlagen Alarm. \u201eDas w\u00e4re ein massives Schlupfloch\u201c, so eine Expertin von Access Now. Unseri\u00f6se Anbieter k\u00f6nnten sich so problemlos ihren Verpflichtungen entziehen. Besonders heikel: Systeme, die mit sensiblen Daten \u2013 etwa zu politischen Ansichten oder Ethnizit\u00e4t \u2013 trainiert wurden, k\u00f6nnten ohne die vorgesehenen Schutzvorkehrungen eingesetzt werden.<\/p>\n<p>Was bedeutet die Ausnahmeregelung?<\/p>\n<p>Um die Tragweite zu verstehen, lohnt ein Blick auf <strong>Artikel 6 Absatz 3<\/strong> der KI-Verordnung. Diese \u201eDerogation\u201c erlaubt es Anbietern, ihre Systeme von der Hochrisiko-Klassifizierung auszunehmen. Voraussetzung: Die KI erledigt nur eine eng begrenzte Aufgabe, verbessert lediglich eine bestehende menschliche T\u00e4tigkeit oder hat keinen wesentlichen Einfluss auf Entscheidungen.<\/p>\n<p>Bisher musste ein Unternehmen, das diese Ausnahme in Anspruch nimmt, dennoch eine Meldung im Register vornehmen. Diese Spur erm\u00f6glichte es nationalen Beh\u00f6rden, die Angaben zu pr\u00fcfen. F\u00e4llt die Meldepflicht weg, verschwindet auch diese Spur. Die Entscheidung bliebe im Verborgenen.<\/p>\n<p>Nationale Umsetzung in der Schwebe<\/p>\n<p>Der Streit kommt zur Unzeit. Die Mitgliedstaaten stehen unter Druck, ihre nationalen Aufsichtsstrukturen bis August 2026 aufzubauen. Die Positionen k\u00f6nnten unterschiedlicher nicht sein:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Deutschland<\/strong> arbeitet an seinem Umsetzungsgesetz und treibt auf EU-Ebene die Entb\u00fcrokratisierung voran \u2013 ganz im Sinne der hiesigen Industrie.<\/li>\n<li><strong>Frankreich<\/strong> verfolgt unter seiner \u201eFrance 2030\u201c-Strategie einen innovationsfreundlichen Kurs. Die Datenschutzbeh\u00f6rde CNIL betont zwar die Einhaltung der DSGVO, zeigt sich bei Anonymisierungsverfahren aber kompromissbereit.<\/li>\n<li><strong>Italien<\/strong> hat bereits ein nationales KI-Gesetz und gilt traditionell als strenger. Nach dem vor\u00fcbergehenden ChatGPT-Verbot 2023 muss Rom nun abw\u00e4gen: Soll es den eigenen \u201emenschenzentrierten\u201c Ansatz durchsetzen oder die EU-Harmonisierung priorisieren?<\/li>\n<\/ul>\n<p>Wohin steuert die EU-KI-Regulierung?<\/p>\n<p>Der Rat wird die Beratungen in den kommenden Wochen fortsetzen. Die Entscheidung wird richtungsweisend sein. F\u00e4llt die Meldepflicht, verlagerte sich die gesamte Durchsetzung auf nachtr\u00e4gliche Untersuchungen der oft unterfinanzierten nationalen Beh\u00f6rden.<\/p>\n<p>Bleibt sie erhalten, k\u00f6nnten europ\u00e4ische Startups im globalen Wettbewerb mit US-amerikanischen oder chinesischen Konkurrenten zur\u00fcckfallen. Bis August 2026 muss die Frage gekl\u00e4rt sein: Beh\u00e4lt die KI-Verordnung ihre Z\u00e4hne oder wird sie zu einem weichen, auf Vertrauen basierenden Regelwerk? Die Weichenstellung in Br\u00fcssel wird es zeigen.<\/p>\n<p>Anzeige<\/p>\n<p>PS: Achtung \u2013 wichtige \u00dcbergangsfristen der EU-KI-Verordnung laufen bereits und erfordern jetzt Handlung. Wer Fristen, Nachweispflichten und Dokumentationsanforderungen nicht systematisch umsetzt, riskiert Compliance-L\u00fccken und beh\u00f6rdliche Pr\u00fcfungen. Der kostenlose Leitfaden erkl\u00e4rt Fristen, Praxis-Schritte zur Meldung sowie Checklisten f\u00fcr Beh\u00f6rdenpr\u00fcfungen und ist speziell auf die Bed\u00fcrfnisse von Startups, Entwicklern und Compliance-Teams zugeschnitten. <strong><a href=\"https:\/\/www.datenschutz-praemien.de\/ki-verordnung\/?af=KOOP_MFW_DSN_DNV_YES_KI-VERORDNUNG_X-CWAHN-BGPID_727459\" rel=\"noopener nofollow\" style=\"color: #337ab7 !important; font-weight: bold; text-decoration: underline;\" target=\"_blank\">Kostenlosen Leitfaden zur EU-KI-Verordnung anfordern<\/a><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Deutschland und andere EU-L\u00e4nder wollen die Meldepflicht f\u00fcr Hochrisiko-KI streichen. 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