{"id":740591,"date":"2026-01-23T12:09:12","date_gmt":"2026-01-23T12:09:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/740591\/"},"modified":"2026-01-23T12:09:12","modified_gmt":"2026-01-23T12:09:12","slug":"das-leben-der-anderen-kreuzer-online","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/740591\/","title":{"rendered":"Das Leben der Anderen \u2014 kreuzer online"},"content":{"rendered":"<p>Schauspieler Peter Schneider wei\u00df, wie wichtig die authentische Darstellung der regionalen Lebenswelt f\u00fcr jeden Film und jede Serie ist \u2013\u00a0er stand schon f\u00fcr \u00bbTatort\u00ab-Folgen aus Leipzig, Bremen, Berlin, Konstanz und K\u00f6ln vor der Kamera. Nur klappt das mit der authentischen Darstellung nicht immer: \u00bbIch hab mal in einem Film gespielt \u2013\u00a0siebziger Jahre in der DDR \u2013 und ein Typ fragt: \u203aWollen wir uns Viertel nach drei treffen?\u2039\u00ab, berichtet er. \u00bbIch habe erlebt, dass man ganze Dialoge umschreiben musste, weil kein Mensch dort so gesprochen hat.\u00ab Die Veranstaltung, bei der diese Anekdote f\u00e4llt, tr\u00e4gt den passenden Titel \u00bbMan spricht ostdeutsch\u00ab. Unter diesem Motto kamen Filmschaffende im November im Cineding zusammen, um \u00fcber die Repr\u00e4sentation des Ostens im deutschen Film und Fernsehen zu sprechen.<\/p>\n<p>Eingeladen hatte die Initiative Netzwerk Quote Ost, die sich im Herbst 2023 gebildet hat und auf ein gro\u00dfes Problem hinweist: Der Osten Deutschlands und seine vielf\u00e4ltige Wirklichkeit findet in Film und Fernsehen entweder gar nicht statt \u2013 oder wird verzerrt und stereotypisiert. Die Entscheider der Film- und Medienbranche sind meistens Westdeutsche, die das Problem entweder nicht sehen oder nicht angehen. Einen offenen Brief der Initiative haben \u00fcber 100 Branchenmenschen unterzeichnet, darunter Leander Hau\u00dfmann, Milan Peschel und der Regisseur und Mitinitiator Jochen Alexander Freydank (\u00bbTatort\u00ab, \u00bbPolizeiruf\u00ab).<\/p>\n<p>Die ostdeutsche Bev\u00f6lkerung mache etwa 20 Prozent Deutschlands aus, der Anteil dieser Gruppe auf Entscheiderpositionen in der Medienbranche liege aber gerade mal bei sieben Prozent \u2013 \u00bbganz klar eine strukturelle Benachteiligung\u00ab, hei\u00dft es in dem Brief. \u00bbFilme und die Geschichten, die erz\u00e4hlt werden, sind eben oft aus diesem Au\u00dfenblick. Es sind die von au\u00dfen, die dann auch mal was \u00fcber die da machen, die hier in Leipzig oder in Rostock wohnen\u00ab, erkl\u00e4rt Freydank.<\/p>\n<p>Der Regisseur, der f\u00fcr seinen Kurzfilm \u00bbSpielzeugland\u00ab 2009 den Oscar erhielt, sieht in der fehlenden Repr\u00e4sentanz aber nicht nur ein Problem f\u00fcr die Branche, sondern auch Folgen f\u00fcr die Gesellschaft. So seien beispielsweise die Erfahrungen der Wende und der folgenden Transformation filmisch nicht ausreichend erz\u00e4hlt worden, was dazu beitrage, dass Ostdeutsche sich nicht gesehen f\u00fchlen und dann \u00bbeine Partei, die eigentlich gar keine L\u00f6sungen anbietet, so viel gew\u00e4hlt wird im Osten\u00ab, denkt Freydank.<\/p>\n<p>Die Initiative sei schon bei Expertengespr\u00e4chen dabei, wolle aber sowohl politisch als auch in der Branche noch mehr Einfluss nehmen. Die Forderungen: eine dem Bev\u00f6lkerungsanteil entsprechende Quote f\u00fcr Ostdeutsche in verschiedenen Entscheidungspositionen (wof\u00fcr Findungskommissionen eingesetzt werden sollen) sowie mehr Filme und Serien, die im Osten gedreht werden \u2013\u00a0Sender und Institutionen sollen f\u00fcr das Thema spezielle Ansprechpartner bereitstellen.<\/p>\n<p>Die Ursachen f\u00fcr die fehlende ostdeutsche Sichtbarkeit sind vielf\u00e4ltig: Ostdeutschen Akteuren fehle es etwa oft an Netzwerken, bei der Gr\u00fcndung von Produktionsfirmen auch an Geld. Den meist westdeutschen Verantwortlichen fehle hingegen oft ein Problembewusstsein. \u00bbEs gibt dieses: Brauchen wir nicht noch irgendwas \u00fcber den Osten?\u00ab, sagt Freydank. \u00bbUnd die Umsetzung ist ganz oft hilflos und auch ein bisschen fragw\u00fcrdig.\u00ab<\/p>\n<p>Dabei hat zumindest Peter Schneider auch erlebt, dass das ostdeutsche Leben authentisch abgebildet wurde, etwa im Polizeiruf Halle. Inhaltlich verantwortlich f\u00fcr diesen: der Leipziger Regisseur Thomas Stuber und der Leipziger Autor Clemens Meyer. \u00bbDas war eine gl\u00fcckliche F\u00fcgung, es hat Preise gegeben, ich wei\u00df gar nicht, warum man so etwas absetzt\u00ab, zeigt sich Schneider ratlos \u00fcber den MDR. \u00bbVielleicht ist es denen auch einfach schei\u00dfegal.\u00ab Der Sender erkl\u00e4rte dazu, die Produktion sei von Beginn an als Trilogie konzipiert gewesen.<\/p>\n<p>Ironischerweise hat ausgerechnet ein US-amerikanisches Unternehmen sein Herz f\u00fcr den Osten entdeckt: Netflix hat gemeinsam mit dem Produzentenverband Producers of Germany vom 25. bis 28. November in Zeitz einen Workshop f\u00fcr Filmemacherinnen und -macher mit dem Ziel veranstaltet, ostdeutsche Perspektiven sichtbar zu machen. Dessen 28 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wollen in den n\u00e4chsten Monaten mit der Branche weiter in Austausch treten. \u00bbWir sind \u00fcberzeugt, dass die neuen, \u00fcberraschenden Geschichten gerade aus bislang unterrepr\u00e4sentierten Perspektiven erz\u00e4hlt werden k\u00f6nnen\u00ab, sagt Julia Piaseczny, Projektverantwortliche bei Netflix. Jochen Freydank h\u00e4tte so ein Angebot gern von einem \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender gesehen und kritisiert: \u00bbIhr k\u00f6nnt euch doch nicht diese Themen aus der Hand nehmen lassen.\u00ab <\/p>\n<p>&gt; <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.quote-ost.de\" rel=\"noopener\">www.quote-ost.de<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schauspieler Peter Schneider wei\u00df, wie wichtig die authentische Darstellung der regionalen Lebenswelt f\u00fcr jeden Film und jede Serie&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":740592,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1832],"tags":[3364,29,7566,134413,30,95,71,2846,4527,4200,10164,48927,842,5422,4061,7726,859,935,473],"class_list":{"0":"post-740591","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-leipzig","8":"tag-de","9":"tag-deutschland","10":"tag-dialekt","11":"tag-filmschaffende","12":"tag-germany","13":"tag-kino","14":"tag-leipzig","15":"tag-netflix","16":"tag-ost","17":"tag-ostdeutschland","18":"tag-osten","19":"tag-perspektiven","20":"tag-produktion","21":"tag-quote","22":"tag-regional","23":"tag-regisseur","24":"tag-sachsen","25":"tag-schauspieler","26":"tag-schauspielerin"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115944342580029560","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/740591","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=740591"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/740591\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/740592"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=740591"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=740591"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=740591"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}