{"id":740802,"date":"2026-01-23T14:02:14","date_gmt":"2026-01-23T14:02:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/740802\/"},"modified":"2026-01-23T14:02:14","modified_gmt":"2026-01-23T14:02:14","slug":"deutsche-goldreserven-wie-sicher-sind-sie-in-den-usa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/740802\/","title":{"rendered":"Deutsche Goldreserven &#8211; Wie sicher sind sie in den USA?"},"content":{"rendered":"<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Rund 12,5 Kilogramm wiegt dieser Goldbarren, der 2016 im Geldmuseum der Bundesbank in Frankfurt am Main in einer Plexiglasbox zu sehen war. Durch eine \u00d6ffnung k\u00f6nnen Besucher das 440.000 Euro teure St\u00fcck Edelmetall ber\u00fchren und in die Hand nehmen.\" alt=\"Rund 12,5 Kilogramm wiegt dieser Goldbarren, der 2016 im Geldmuseum der Bundesbank in Frankfurt am Main in einer Plexiglasbox zu sehen war. Durch eine \u00d6ffnung k\u00f6nnen Besucher das 440.000 Euro teure St\u00fcck Edelmetall ber\u00fchren und in die Hand nehmen.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/goldbarren-bei-der-bundesbank-100-1920x1080.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Goldbarren zum Anfassen gibt es im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank (picture alliance \/ dpa \/ Boris Roessler)<\/p>\n<p>Gold gilt in Krisenzeiten als sichere Anlagem\u00f6glichkeit. Es wird &#8211; anders als eine einzelne W\u00e4hrung &#8211; weltweit als Zahlungsmittel anerkannt und es kann im Grunde jederzeit verkauft und zu Geld gemacht werden. Das erkl\u00e4rt auch, warum angesichts der unsicheren weltpolitischen Lage derzeit viele Menschen, Investoren und auch Staaten dieses Edelmetall kaufen und der Goldpreis immer weiter steigt. <\/p>\n<p>Zu den L\u00e4ndern mit gro\u00dfen Goldreserven weltweit geh\u00f6rt auch Deutschland, das seine Barren aber nicht nur in Frankfurt am Main bei der Bundesbank, sondern einen gro\u00dfen Teil auch im Ausland, besonders in den USA lagert. Das hat historische und strategische Gr\u00fcnde, bietet einige Vorteile, wird aber derzeit auch infrage gestellt.<\/p>\n<p>Deutschland ist das Land, das nach den USA weltweit die gr\u00f6\u00dften Goldreserven hat. Es waren im dritten Quartal 2025 insgesamt rund 3.350 Tonnen Gold. Dieses Gold besitzt Deutschland aus verschiedenen Gr\u00fcnden: Es geht um Sicherheit, Stabilit\u00e4t und um Unabh\u00e4ngigkeit im Ernstfall.<\/p>\n<p>Goldreserven dienen als Absicherung gegen W\u00e4hrungsschwankungen, insbesondere Schwankungen des US-Dollars und dienen damit auch der Diversifizierung, also der Risikostreuung der nationalen Reserven. <\/p>\n<p>Es geht aber auch darum, im Falle einer Krise autonom oder autonomer handlungsf\u00e4hig zu sein und die Krise m\u00f6glichst lange \u00fcberstehen zu k\u00f6nnen. So eine Krise kann ganz unterschiedlich aussehen. Deutschland k\u00f6nnte sich im Krieg befinden. Oder es kann eine Hyperinflation eintreten, bei der die eigene W\u00e4hrung nichts mehr wert ist. Es kann sich aber auch um einen Hackerangriff handeln, der monatelang unser System lahmlegt und Deutschland von internationalen Zahlungssystemen abkoppelt. In all diesen F\u00e4llen w\u00e4re Deutschland auf die Goldreserven angewiesen.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Abgebildet werden die von den Zentralbanken der jeweiligen L\u00e4nder gehaltenen Goldbest\u00e4nde.\" alt=\"Abgebildet werden die von den Zentralbanken der jeweiligen L\u00e4nder gehaltenen Goldbest\u00e4nde.\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/groesste-goldreserven-weltweit-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Die L\u00e4nder mit den gr\u00f6\u00dften Goldreserven 2025 weltweit (statista \/ World Gold Council)<\/p>\n<p>Nach den USA und Deutschland sind Italien, Frankreich, Russland und China die L\u00e4nder mit den gr\u00f6\u00dften Goldreserven. Einige L\u00e4nder wie zum Beispiel Polen, China und Indien stocken gerade ihre Golddepots weiter deutlich auf. Die steilsten Anstiege gibt es gerade bei Polen, das seine Reserven innerhalb k\u00fcrzester Zeit um ein Viertel vergr\u00f6\u00dfert hat. Zwei Gr\u00fcnde werden vor allem daf\u00fcr angef\u00fchrt. Ein Grund ist: Der Dollar gilt gerade als unsicher und die USA &#8211; als Garant des Dollars &#8211; gelten nicht mehr als zuverl\u00e4ssig. Hinzu kommt bei Polen der Sicherheitsaspekt, also die Sorge vor Angriffen zum Beispiel aus Russland oder der Abkopplung von Zahlungssystemen.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Mengen an Goldreserven, die Deutschland hat, m\u00fcssen sicher gelagert und aufbewahrt werden. 1.710 Tonnen lagern in Tresoren in der Zentrale der Bundesbank in Frankfurt am Main, das sind rund 51 Prozent der 3.350 Tonnen Gold, die Deutschland besitzt. Ein gro\u00dfer Teil befindet sich aber gar nicht in Deutschland, sondern im Ausland, genauer gesagt in New York und London.<\/p>\n<p>                    <img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"internal-image\" title=\"Verteilung der Goldreserven der Deutschen Bundesbank auf die einzelnen Lagerorte von 2011 bis 2024 (in Tonnen)\" alt=\"Verteilung der Goldreserven der Deutschen Bundesbank auf die einzelnen Lagerorte von 2011 bis 2024 (in Tonnen)\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/verteilung-der-deutschen-goldreserven-auf-ihre-lagerorte-100-1280xauto.jpg\" \/><\/p>\n<p>                  Lagerorte der deutschen Goldreserven bis 2024. Heute wird Gold als nationale Reserve f\u00fcr Krisenzeiten sowie als Risikoausgleich zu Schwankungen des US-Dollar (Kurs des Goldes f\u00e4llt bei steigendem Dollarkurs und umgekehrt) aufbewahrt. (statista \/ Deutsche Bundesbank)<\/p>\n<p>Rund ein Drittel der deutschen Goldbarren lagern bei der US-Notenbank Fed in New York. Und dann liegen noch rund zehn Prozent bei der Bank of England. Dass nicht alles Gold in Frankfurt liegt, hat vor allem historische Gr\u00fcnde. <\/p>\n<p>Es ist nicht so, dass die Deutsche Bundesbank irgendwann mal Gold aktiv in die USA gebracht h\u00e4tte. Vielmehr sind die deutschen Goldbest\u00e4nde dort \u00fcber die Zeit entstanden. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte Deutschland erst einmal \u00fcberhaupt keine Goldreserven mehr, weder in Deutschland noch irgendwo anders auf der Welt. Denn die Alliierten hatten das Gold eingezogen.<\/p>\n<p>Die gro\u00dfen Goldreserven entstanden in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Wirtschaftswunder ab den 1950er-Jahren. Deutschland produzierte viel und exportierte oft mehr, als es importierte. Dadurch entstand ein Handels\u00fcberschuss. Bei der Verrechnung dieses \u00dcberschusses wurden Zahlungen in Dollar und in Gold ausgeglichen. Deutschland erhielt von anderen Handelspartnern also Gold. Dies wurde direkt in die ausl\u00e4ndischen Lagerst\u00e4tten der Bundesbank eingeliefert, also zum Beispiel in London und New York. <\/p>\n<p>Au\u00dferdem ist Deutschland 1952 dem Bretton-Woods-Abkommen beigetreten, das unter anderem die Federal Reserve (Fed) dazu verpflichtet hat, die Dollarreserven jedes Mitgliedsstaats zum festgelegten Kurs in Gold umzutauschen. Das hei\u00dft, die Goldbest\u00e4nde sind langsam gewachsen und entstanden und das Gold in London und New York hat Deutschland gr\u00f6\u00dftenteils einfach dort gelassen. <\/p>\n<p>An der Frage scheiden sich die Geister. Die einen sagen, es sei sinnvoll, Gold auch im Ausland zu belassen. Andere sind \u00fcberzeugt, das deutsche Gold sollte besser nach Deutschland zur\u00fcckgeholt geholt werden. Denn vor allem die aktuelle politische Lage in den USA, der protektionistische Politikstil Donald Trumps und seine Versuche, mehr Einfluss auf die US-Notenbank Fed zu nehmen, verunsichern viele Menschen. <\/p>\n<p>                Sind die historischen Gr\u00fcnde f\u00fcr Goldreserven in den USA \u00fcberholt?<\/p>\n<p>Michael J\u00e4ger, Vizepr\u00e4sident vom Bund der Steuerzahler, sagt, das Gold der Deutschen Bundesbank geh\u00f6re dem deutschen Staat und damit im Grunde uns allen. \u201eDie historischen Gr\u00fcnde, dass man das Gold im Ausland lagert, sind aus unserer Sicht nicht mehr gegeben. Gerade mit Blick auf die Volatilit\u00e4t der Haltung von Trump und der aktuellen amerikanischen Regierung und auch mit der Tendenz, dass man die Fed immer enger an das Oval Office anbinden m\u00f6chte.\u201c<\/p>\n<p>Auch der Pr\u00e4sident des Leibniz-Zentrums f\u00fcr Europ\u00e4ische Wirtschaftsforschung (ZEW), Achim Wambach, ist besorgt. \u201eWas wir im Moment sehen, ist, dass wir ganz neu nachdenken \u00fcber unsere Abh\u00e4ngigkeiten. Wir denken bez\u00fcglich China neu nach &#8211; und mit den Z\u00f6llen in den USA m\u00fcssen wir jetzt auch gegen\u00fcber den USA nachdenken\u201c, sagt Wambach. \u201eDie Amerikaner sind halt nicht mehr so verl\u00e4sslich, wie sie es mal waren.\u201c Die Bundesbank m\u00fcsse jetzt mit der Analyse beginnen, \u201ewas passiert, wenn weiter eskaliert wird, wenn es zu Konflikten kommt, wenn der Goldbestand in diesen Verhandlungen eingesetzt wird\u201c.<\/p>\n<p>                Bundesbank sieht Vorteile von Goldlagerung im Ausland<\/p>\n<p>Die Bundesbank selbst bezweifelt nicht, dass das deutsche Gold in New York sicher ist. Das betonte Bundesbankpr\u00e4sident Joachim Nagel noch einmal bei der IWF-Herbsttagung im Oktober 2025. <\/p>\n<p>Auch Professor Johannes Beermann, ehemaliger Vorstand der Bundesbank, sagte 2025, er sei felsenfest \u00fcberzeugt, das Gold in den USA sei weiter sicher. Und er nennt ein wichtiges Argument, wieso es durchaus sinnvoll sein kann, das deutsche Gold gerade im Falle einer Krise in den USA zu lagern. \u201eDann muss es auch an einem Handelsplatz f\u00fcr Gold gelagert sein, damit es \u00fcbergeben werden kann. Handelsplatz f\u00fcr Gold ist aber nicht etwa Frankfurt. Gold wird in New York und London gehandelt.\u201c <\/p>\n<p>Und in einem Krisenfall braucht man Gold eben genau dort, wo es im gro\u00dfen Stil zu Geld gemacht werden kann. W\u00e4re das deutsche Gold nur in Deutschland, m\u00fcsste es erst zeitraubend nach New York oder London gebracht werden und w\u00e4re w\u00e4hrend des Transports auch einem hohen Risiko ausgesetzt, geraubt zu werden. Dass deutsches Gold an verschiedenen Orten dieser Welt gelagert ist, kann also auch durchaus Vorteile haben.<\/p>\n<p>Dass die Fed oder die Bank of England den Zugriff verweigern oder sogar selbst auf deutsches Gold zugreifen, sei sowieso undenkbar, sagt die Bundesbank. Da greife dann tats\u00e4chlich auch das V\u00f6lkerrecht ein. <\/p>\n<p>Podcast und Recherche: Anne-Catherine Beck und Marcus Wolf \/ Online-Text: gue<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Goldbarren zum Anfassen gibt es im Geldmuseum der Deutschen Bundesbank (picture alliance \/ dpa \/ Boris Roessler) Gold&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":740803,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[2],"tags":[29,15830,1721,30,668,13,14,15,12,3931,10,8,9,11],"class_list":{"0":"post-740802","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-deutschland","8":"tag-deutschland","9":"tag-dollar","10":"tag-finanzen","11":"tag-germany","12":"tag-gold","13":"tag-headlines","14":"tag-nachrichten","15":"tag-news","16":"tag-schlagzeilen","17":"tag-sicherheit","18":"tag-top-news","19":"tag-top-meldungen","20":"tag-topmeldungen","21":"tag-topnews"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115944787165472132","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/740802","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=740802"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/740802\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/740803"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=740802"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=740802"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=740802"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}