{"id":741060,"date":"2026-01-23T16:22:10","date_gmt":"2026-01-23T16:22:10","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/741060\/"},"modified":"2026-01-23T16:22:10","modified_gmt":"2026-01-23T16:22:10","slug":"die-lust-am-tabu-das-neue-album-der-muenchner-punkband-sexschweiss-muenchen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/741060\/","title":{"rendered":"Die Lust am Tabu: Das neue Album der M\u00fcnchner Punkband \u201eSexschweiss\u201c &#8211; M\u00fcnchen"},"content":{"rendered":"<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1vw426e\">Der <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Punk\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Punk<\/a> und die Provokation, das ist ein Verh\u00e4ltnis von ewiger Unverbr\u00fcchlichkeit. Idealerweise geht das schon beim Bandnamen los. Sie reichen hierzulande etwa von klassischen f\u00e4kalen Versionen wie im Fall des popul\u00e4ren Team Scheisse aus Bremen oder den griffig benannten Pisse aus Hoyerswerda \u00fcber eher schmerzhafte Assoziationsgebilde wie der M\u00fcnchner Anarcho-Punk-Institution Analstahl bis hin zu Bildern aus der Metzgerstube, die etwa Acht Eimer H\u00fchnerherzen aus Berlin evozieren.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Punkbandnamen sollen kitzeln, provozieren und in ihrer Drastik nat\u00fcrlich am besten h\u00e4ngen bleiben. Das ist auch bei jenen vier Musikern nicht anders, die sich 2023 unter dem koital dampfenden Namen Sexschweiss zusammengeschlossen haben, gegen den die Namensgebung der protoprovokanten Sex Pistols fast schon etwas bieder wirkt. Gleichzeitig passt die Sache jedoch auch wie die ber\u00fchmte Faust aufs Auge, denn K\u00f6rperlichkeit ist bei dieser Band ein Wesensmerkmal, das sich bei ihr durch Text und <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Musik\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Musik<\/a> gleicherma\u00dfen zieht.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">\u201eAm Punk als Ausdrucksform begeistert uns die rohe, klare und wilde Energie\u201c, sagt Maximilian Hirning, der bei Sexschweiss die Gitarre spielt. F\u00fcr ihn ist der Punk nicht zuletzt \u201eein Ort, an dem man alles rauslassen kann und nichts verstecken muss\u201c. \u00c4hnlich wie seine Bandkollegen Basti Pfeifer, der bei Sexschweiss einen Bass-Synthesizer bedient, und Dominik Scholz am Schlagzeug, ist Hirning zugleich so etwas wie ein musikalisch Multiinteressierter und -begabter.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Alle drei kommen sie aus dem Jazz, sind dabei jedoch derart genreflexibel, dass Hirning als Kontrabassist und Komponist beim Leo Betzl Trio f\u00fcr einen Twist in Richtung analogem Techno sorgt, w\u00e4hrend Pfeifer als studierter Jazz-Pianist ein Faible f\u00fcr die Elektronik pflegt, und Scholz etwa auch bei der Waginger Dark-Rock-Band Lacrimas Profundere hinterm Schlagzeug sitzt.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">F\u00fcr Sexschweiss, angef\u00fchrt von der elektrisierend performenden S\u00e4ngerin und Texterin Claudia R\u00f6hrle, ist das ein gro\u00dfes Gl\u00fcck. Denn auch wenn im Punk bis heute gerne der Dilettantismus zelebriert wird, klingt eine Band voller versierter Allrounder im Zweifelsfall nat\u00fcrlich aufregender als eine aus dem Hobbykeller. Gleich zwei Alben haben die vier im Jahr 2025 mit \u201eGestank\u201c und \u201eDada\u201c \u00fcber das M\u00fcnchner Non-Profit-Label \u201eSchaufel &amp; Besen Records\u201c ver\u00f6ffentlicht und dabei die gute alte Kn\u00fcppel-aus-dem-Sack-Formel des Punk einem Update zugef\u00fchrt, das elliptisch verdichtete Dringlichkeit, musikalisches Variantenreichtum und eine Lust am textlich Expliziten auf erfrischend energetische Weise vereint.<\/p>\n<p>22 Minuten \u2013 ein Punk-Monolith<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Auf \u201eDada\u201c, benannt nach jener Bewegung, die vor gut 100 Jahren zur parodistischen Revolte gegen das Konventionelle in der Kunst und in der Literatur blies, erschaffen sie dabei mit sieben Songs \u00fcber eine Spielzeit von gerade mal 22 Minuten einen Punk-Monolithen, der einen in Windeseile von aufgestautem \u00dcberdruck und inneren Anspannungen erl\u00f6sen kann.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\">Im h\u00f6chsten Ma\u00dfe kathartisch ist das, wenn Claudia R\u00f6hrle sich im Titelsong mit einer Beschw\u00f6rung wie \u201eFick Schei\u00dfe Fick \/ Fick Schei\u00dfe Dada\u201c aus den erm\u00fcdenden F\u00e4hrnissen der Alltagsmonotonit\u00e4t herausbr\u00fcllt und -flucht; wenn sie in der sinistren Triebbefriedigungsnummer \u201eSuhlen\u201c zum Schnurren von Pfeifers Moog ein lyrisches Du dazu aufruft, an ihrer Leine zu ziehen und ihre Lust zu verschwenden; oder wenn sie zum <a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/Pop\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Pop<\/a>-Appeal von \u201eAlles gut\u201c schwer aufgekratzt in die Nacht aufbricht, und dabei auf der Suche nach dem Seelenheil wunde Zeilen wie \u201eIrgendwo da drau\u00dfen \/ f\u00e4llt grad was auseinander \/ Ich wei\u00df nicht, ob es ich bin \/ oder alle miteinander\u201c formt, die einem nicht nur mit Blick auf die Weltpolitik und das gesellschaftliche Klima einen wohligen Schauer pointierter Best\u00e4tigung \u00fcber den R\u00fccken jagen. Im Strom bitten Sexschweiss nun zur Release-Show von \u201eDada\u201c. Es d\u00fcrfte ein mindestens schwei\u00dftreibender Abend werden.<\/p>\n<p data-manual=\"paragraph\" data-schema-org-speakable=\"true\" class=\"css-1eosz7k\"><strong>Sexschweiss, Donnerstag, 29. Januar, 20 Uhr, Strom, <\/strong><strong><a href=\"https:\/\/www.sueddeutsche.de\/thema\/M%C3%BCnchen\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a><\/strong><strong>, Lindwurmstra\u00dfe 88<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Der Punk und die Provokation, das ist ein Verh\u00e4ltnis von ewiger Unverbr\u00fcchlichkeit. 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