{"id":741255,"date":"2026-01-23T18:08:12","date_gmt":"2026-01-23T18:08:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/741255\/"},"modified":"2026-01-23T18:08:12","modified_gmt":"2026-01-23T18:08:12","slug":"us-begehrlichkeiten-was-sagt-das-voelkerrecht-zu-groenland","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/741255\/","title":{"rendered":"US-Begehrlichkeiten: Was sagt das V\u00f6lkerrecht zu Gr\u00f6nland?"},"content":{"rendered":"<p>            <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ts-image\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/flagge-groenland-ufer-100.jpg\" alt=\"Die Flagge Gr\u00f6nlands flattert an einem Ufer im Wind.\" title=\"Die Flagge Gr\u00f6nlands flattert an einem Ufer im Wind. | AFP\"\/><\/p>\n<p>                    <strong>faq<\/strong><\/p>\n<p class=\"metatextline\">Stand: 23.01.2026 17:35 Uhr<\/p>\n<p class=\"article-head__shorttext\">\n        <strong>Nach unverhohlenen Drohungen ist US-Pr\u00e4sident Trump in der Gr\u00f6nland-Frage zur\u00fcckgerudert. Mit NATO-Chef Rutte will er sich auf Rahmenbedingungen f\u00fcr die Zukunft der Insel einigen. Das V\u00f6lkerrecht gibt einen klaren Rahmen vor.<\/strong>\n    <\/p>\n<p>                                    <a class=\"authorline__link\" href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/korrespondenten\/korrespondent-115.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><br \/>\n                                        <img decoding=\"async\" class=\"authorline__img\" alt=\"Christoph Kehlbach\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/kehlbach-104.jpg\"\/><br \/>\n                                    <\/a><\/p>\n<p>    Wem &#8222;geh\u00f6rt&#8220; Gr\u00f6nland?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Selvstyre&#8220; &#8211; das ist der Kernbegriff eines Gesetzes von 2009, auf dem der aktuelle Status Gr\u00f6nlands beruht. \u00dcbersetzen k\u00f6nnte man den Begriff mit &#8222;Selbstverwaltung&#8220; oder &#8222;Selbststeuerung&#8220;: Gr\u00f6nland ist heute ein autonomes und selbstverwaltetes Gebiet innerhalb des d\u00e4nischen K\u00f6nigreichs. Es geh\u00f6rt also zu D\u00e4nemark.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Bev\u00f6lkerung Gr\u00f6nlands, etwa 57.000 Menschen, gilt v\u00f6lkerrechtlich aber als eigenes Volk, das auch eigenst\u00e4ndig \u00fcber die innenpolitischen Fragen, wie etwa die Verwendung der eigenen Rohstoffe, entscheidet. Gr\u00f6nland hat eigene Wahlen, ein eigenes Parlament und eine eigene Regierung. D\u00e4nemark ist unter anderem zust\u00e4ndig f\u00fcr die Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Gr\u00f6nland ist aber &#8211; anders als D\u00e4nemark &#8211; nicht Teil der Europ\u00e4ischen Union. Zwar waren zun\u00e4chst D\u00e4nemark und damit auch Gr\u00f6nland 1973 der Europ\u00e4ischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) beigetreten. Im Jahr 1982 stimmte aber eine knappe Mehrheit von rund 53 Prozent der Gr\u00f6nl\u00e4nder f\u00fcr einen Austritt aus der EWG. Dieser wurde dann schlie\u00dflich 1985 vollzogen. Zur NATO allerdings z\u00e4hlt Gr\u00f6nland nach wie vor: Einen Austritt aus dem nordatlantischen Verteidigungsb\u00fcndnis gab es nicht.<\/p>\n<p>    Wer darf \u00fcber den k\u00fcnftigen Status Gr\u00f6nlands entscheiden?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Diskussion \u00fcber Gr\u00f6nlands Zukunft wurde bisher &#8211; befeuert von Donald Trump &#8211; auf der gro\u00dfen weltpolitischen B\u00fchne gef\u00fchrt. Etwa beim Weltwirtschaftsforum in Davos. Aber endg\u00fcltige Entscheidungen \u00fcber die Zukunft Gr\u00f6nlands k\u00f6nnen nach dem V\u00f6lkerrecht nicht \u00fcber die K\u00f6pfe der Menschen in Gr\u00f6nland getroffen werden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Schon gar nicht, wenn es darum gehen sollte, unabh\u00e4ngig von D\u00e4nemark zu werden und einem anderen Staat beizutreten. &#8222;Ein Transfer von Territorium, ohne die Bev\u00f6lkerung zu fragen, ist nach dem Selbstbestimmungsprinzip nicht zul\u00e4ssig&#8220;, sagt Andreas Paulus. Er ist Professor f\u00fcr V\u00f6lkerrecht an der Georg-August-Universit\u00e4t in G\u00f6ttingen und war zw\u00f6lf Jahre Richter am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. &#8222;Man kann nicht einfach Land verschieben und die betroffenen Personen ignorieren.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Das gilt nicht nur f\u00fcr das Land als Ganzes, sondern auch f\u00fcr eine Abtretung einzelner Teile des Territoriums. Auch Gespr\u00e4che wie zuletzt zwischen Trump und NATO-Chef Mark Rutte in Davos k\u00f6nnten also aus v\u00f6lkerrechtlicher Sicht keine endg\u00fcltigen Fakten, sondern lediglich eine Diskussionsgrundlage schaffen. Rutte selbst sagte dazu aber auch, dass die Souver\u00e4nit\u00e4t der arktischen Insel ohnehin kein Thema gewesen sei.<\/p>\n<p>    Was m\u00f6chten die Gr\u00f6nl\u00e4nder selbst?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die Bev\u00f6lkerung von Gr\u00f6nland selbst strebt generell durchaus nach Unabh\u00e4ngigkeit, kann aber eben selbst bestimmen, wie und in welcher Form das geschieht. Theoretisch k\u00f6nnten die Gr\u00f6nl\u00e4nder und Gr\u00f6nl\u00e4nderinnen also durchaus entscheiden, unabh\u00e4ngig von D\u00e4nemark zu werden und danach auch Teil der USA zu werden. Letzteres scheint aber jedenfalls kurzfristig eher unwahrscheinlich zu sein. Bei der j\u00fcngsten Wahl erhielt eine Partei die meisten Stimmen, die einen geordneten und langfristigen Unabh\u00e4ngigkeitskurs verfolgt.<\/p>\n<p>    K\u00f6nnten die USA Gr\u00f6nland ganz oder in Teilen einfach kaufen?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">US-Pr\u00e4sident Trump hat immer wieder auf einen Kauf Gr\u00f6nlands gepocht. Tats\u00e4chlich gab es auch schon Landk\u00e4ufe in der US-Geschichte: 1867 kauften die USA dem Russischen Kaiserreich Alaska ab. Der Preis damals: 7,2 Millionen Dollar.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und auch mit D\u00e4nemark kamen die USA schon einmal ins Gesch\u00e4ft: 1917 erwarben sie f\u00fcr 25 Millionen Dollar in Goldm\u00fcnzen die damalige Kolonie D\u00e4nisch-Westindien &#8211; heute bekannt als Virgin Islands oder Jungferninseln. Im Gegenzug \u00fcbrigens erkannten die USA seinerzeit die Zugeh\u00f6rigkeit Gr\u00f6nlands zu D\u00e4nemark an.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">&#8222;Damals gab es aber noch kein Selbstbestimmungsrecht der V\u00f6lker&#8220;, sagt Andreas Paulus. &#8222;Dieses wurde ja gerade von den Vereinigten Staaten 1918 unter Woodrow Wilson in das V\u00f6lkerrecht eingef\u00fchrt.&#8220;<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ob solche K\u00e4ufe heutzutage m\u00f6glich w\u00e4ren, ist daher h\u00f6chst zweifelhaft. Jedenfalls dann, wenn sie \u00fcber die K\u00f6pfe der Gr\u00f6nl\u00e4nder hinweg erfolgen sollten, w\u00e4ren sie g\u00e4nzlich ausgeschlossen.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Und auch mit finanziellen Angeboten an die gr\u00f6nl\u00e4ndische Bev\u00f6lkerung w\u00fcrden sich die USA auf rechtlich d\u00fcnnem Eis bewegen. &#8222;Es gilt das Nichteinmischungsgebot: Die USA d\u00fcrften sich, solange Gr\u00f6nland selbstbestimmt zu D\u00e4nemark geh\u00f6rt, nicht in innere Angelegenheit D\u00e4nemarks oder Gr\u00f6nlands einmischen, etwa indem sie mit dem Angebot von Geld f\u00fcr eine Abstimmung die demokratische Selbstbestimmung beeinflussen&#8220;, erkl\u00e4rt V\u00f6lkerrechtsexperte Paulus.<\/p>\n<p>    Gibt es aktuell Vereinbarungen zwischen Gr\u00f6nland und den USA?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die USA waren in der Vergangenheit und sind auch heute noch milit\u00e4risch auf Gr\u00f6nland pr\u00e4sent. Grundlage daf\u00fcr ist bis zum heutigen Tag ein Abkommen aus dem Jahr 1951 mit dem Titel &#8222;Thulesag 2&#8220;. Dieser Vertrag erlaubt den USA, auf gr\u00f6nl\u00e4ndischem Gebiet Milit\u00e4rbasen einzurichten und zu betreiben.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ziel des Abkommens war es, D\u00e4nemark bei der Verteidigung Gr\u00f6nlands zu unterst\u00fctzen, eingebettet in die Zusammenarbeit im Rahmen der NATO. Damit einher geht die Erlaubnis f\u00fcr die USA, milit\u00e4risches Personal in Gr\u00f6nland zu stationieren, diesem freie Bewegung auf der gesamten Insel zu gestatten oder Schiffs- und Flugverkehr einzurichten.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Allerdings formuliert der Vertrag auch, dass dies &#8222;unbeschadet der Souver\u00e4nit\u00e4t des K\u00f6nigreichs D\u00e4nemark \u00fcber dieses Verteidigungsgebiet&#8220; geschehe. Der v\u00f6lkerrechtliche Status Gr\u00f6nlands wurde also dadurch nicht ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p>    Was m\u00fcsste eine neue Gr\u00f6nland-Vereinbarung ber\u00fccksichtigen?<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Die aktuellen Verhandlungen \u00fcber ein neues Gr\u00f6nland-Abkommen werden noch andauern. <a href=\"https:\/\/www.tagesschau.de\/ausland\/amerika\/faq-groenland-rutte-trump-vereinbarung-daenemark-100.html\" title=\"Was \u00fcber das m\u00f6gliche Gr\u00f6nland-Abkommen bekannt ist\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Bislang sind nur erste Grundz\u00fcge bekannt.<\/a><\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Sofern sich diese neue Vereinbarung aber, wie die aktuell geltende Vereinbarung aus dem Jahr 1951, im Rahmen der NATO-Zusammenarbeit bewegt, k\u00f6nnte wohl D\u00e4nemark dar\u00fcber entscheiden.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Denn es handelt sich dabei ja um Fragen der Au\u00dfen- und Sicherheitspolitik, f\u00fcr die D\u00e4nemark nach dem &#8222;Selvstyre-Gesetz&#8220; von 2009 zust\u00e4ndig ist. Nicht m\u00f6glich w\u00e4re, dass D\u00e4nemark in diesem &#8211; neuen &#8211; Rahmen die Souver\u00e4nit\u00e4t \u00fcber gr\u00f6nl\u00e4ndisches Territorium komplett an die USA abgibt.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Denkbar w\u00e4re wohl nur ein mit diplomatischen Botschaften vergleichbares Modell: Bestimmte Souver\u00e4nit\u00e4ts-Rechte k\u00f6nnten abgegeben werden, das dann aber auch wieder r\u00fcckg\u00e4ngig gemacht werden. Beispielsweise dann, wenn die Zusammenarbeit in der NATO aufgek\u00fcndigt w\u00fcrde.<\/p>\n<p class=\"textabsatz m-ten m-offset-one l-eight l-offset-two columns twelve\">Ohnehin hat auch D\u00e4nemark bisher vehement ausgeschlossen, Souver\u00e4nit\u00e4tsrechte abzugeben. Dass das bestehende &#8222;Thulesag 2&#8220;-Abkommen in diesem Punkt also gravierend ver\u00e4ndert wird, ist nicht zu erwarten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"faq Stand: 23.01.2026 17:35 Uhr Nach unverhohlenen Drohungen ist US-Pr\u00e4sident Trump in der Gr\u00f6nland-Frage zur\u00fcckgerudert. 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