{"id":743040,"date":"2026-01-24T10:45:14","date_gmt":"2026-01-24T10:45:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/743040\/"},"modified":"2026-01-24T10:45:14","modified_gmt":"2026-01-24T10:45:14","slug":"zu-viel-bildschirmzeit-gefaehrdet-unsere-zukunft-frankreichs-drastische-schritte-gegen-social-media","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/743040\/","title":{"rendered":"Zu viel Bildschirmzeit: \u201eGef\u00e4hrdet unsere Zukunft\u201c \u2013 Frankreichs drastische Schritte gegen Social Media"},"content":{"rendered":"<p>Nach dramatischen F\u00e4llen von Gewalt und Suiziden unter Jugendlichen erl\u00e4sst Paris neue Gesetze f\u00fcr die Nutzung sozialer Netzwerke. Auch eine \u201edigitale Ausgangssperre\u201c ist im Gespr\u00e4ch. Studien liefern daf\u00fcr triftige Gr\u00fcnde.<\/p>\n<p class=\"is-first-paragraph\" data-external=\"Article.FirstParagraph\">Frankreichs Pr\u00e4sident Emmanuel Macron mag kinderlos sein, das Verbot von Social Media f\u00fcr unter 15-J\u00e4hrige hat er dennoch zur Chefsache erkl\u00e4rt. \u201eWir werden unsere Kinder und Jugendlichen vor den sozialen Netzwerken und den Bildschirmen sch\u00fctzen\u201c, sagte Macron und k\u00fcndigte ein Gesetz an, das noch in den kommenden Wochen verabschiedet und nach den Schulferien Anfang September in Kraft treten soll.<\/p>\n<p>Frankreich folgt damit dem Vorbild Australiens, das als erstes Land weltweit Plattformen wie Instagram, Snapchat, TikTok und YouTube f\u00fcr Jugendliche unter 16 Jahren verboten hat. Paris plant \u00c4hnliches, allerdings mit einer Altersbeschr\u00e4nkung bis 15 Jahre.  <\/p>\n<p>Bereits 2023 wurde ein Gesetz zur \u201edigitalen Vollj\u00e4hrigkeit mit 15 Jahren\u201c verabschiedet. J\u00fcngere Jugendliche d\u00fcrfen seither nur mit dem Einverst\u00e4ndnis ihrer Eltern Social-Media-Plattformen nutzen. Auch eine \u201edigitale Ausgangssperre\u201c f\u00fcr \u00e4ltere Jugendliche ist im Gespr\u00e4ch. <a class=\"is-link c-block-items__link c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/weltgeschehen\/article690a4ad7154e6f61444c592f\/tiktok-meer-schaedlicher-inhalte-frankreich-ermittelt-gegen-app-wegen-suizid-anleitungen.html\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/vermischtes\/weltgeschehen\/article690a4ad7154e6f61444c592f\/tiktok-meer-schaedlicher-inhalte-frankreich-ermittelt-gegen-app-wegen-suizid-anleitungen.html&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Soziale Netzwerke<\/a> w\u00e4ren f\u00fcr sie zwischen 22 Uhr und 8 Uhr morgens gesperrt. <\/p>\n<p>\u201eZahlreiche Untersuchungen belegen die verschiedenen Risiken durch eine exzessive Bildschirmnutzung von Jugendlichen\u201c, hei\u00dft es in der Begr\u00fcndung. Macron hat Anfang vergangenen Jahres eine eigene Studie in Auftrag gegeben. Deren Ergebnisse waren niederschmetternd.  <\/p>\n<p>Es herrsche l\u00e4ngst Konsens, so die Autoren, wie sch\u00e4dlich die Auswirkungen von zu viel Bildschirmzeit und vor allem der sozialen Netzwerke auf die k\u00f6rperliche und psychische Gesundheit Heranwachsender sind. Dabei gehe es nicht nur um zu wenig Schlaf, mangelnde Bewegung, \u00dcbergewicht und andere Krankheiten, die bereits in jungen Jahren auftreten k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Die weiteren Folgen sind Isolation, Sucht, psychisches Leid, Desinformation, Schulabbruch und nat\u00fcrlich Cybermobbing. Im Durchschnitt verbringen junge Franzosen zwischen sieben und 19 Jahren drei Stunden und elf Minuten am Tag vor Bildschirmen, wie eine Umfrage des Forschungsinstituts Ipsos ergab.\u00a0<\/p>\n<p>Hemmungslose Gewalt <\/p>\n<p>Die Franzosen haben erkannt, dass es l\u00e4ngst nicht mehr nur um den Schutz von Individuen geht, die in ihrem Elternhaus mit den Gefahren des \u00dcberkonsums allein gelassen werden, sondern um die Zukunft der Gesellschaft. \u201eZiel ist es, k\u00fcnftige Generationen vor den Gefahren zu sch\u00fctzen, die nicht nur die unbeschwerte Entfaltung von Jugendlichen auf ihrem Weg ins Erwachsenenalter beeintr\u00e4chtigen, sondern auch die Stabilit\u00e4t unseres sozialen Gef\u00fcges, unsere gemeinsamen Werte und unsere gemeinsame Zukunft unmittelbar gef\u00e4hrden\u201c, hei\u00dft es in dem Gesetzesentwurf.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig ersch\u00fcttern in Frankreich F\u00e4lle von Kindern die \u00d6ffentlichkeit, die ihrem Leben ein Ende setzen, weil sie in sozialen Netzwerken von Mitsch\u00fclern gemobbt wurden. Das Cybermobbing ist aber nur das auff\u00e4lligste Problem. Auch das Erstarken hemmungsloser Gewalt von Kindern und Jugendlichen wird auf exzessiven Bildschirmkonsum zur\u00fcckgef\u00fchrt. <\/p>\n<p>Als im vergangenen Juni ein 14-j\u00e4hriger Sch\u00fcler bei einer Taschenkontrolle eine p\u00e4dagogische Mitarbeiterin in Nogent bei Paris erstach, forderte Macron von der EU, strengere Gesetze zum Schutz von Jugendlichen und Kindern schneller umzusetzen und drohte andernfalls mit einem Alleingang. <\/p>\n<p>Der Neurowissenschaftler Michel Desmurget bezeichnet das von Macron europaweit geforderte Verbot als \u201eminimale Pr\u00e4vention\u201c. Das biologische Belohnungssystem werde durch Angebote von Meta und TikTok durcheinandergebracht, argumentiert er. Das habe bei Kindern und Jugendlichen, bei denen die Entwicklung des Gehirns nicht abgeschlossen ist, andere Folgen als bei jungen Erwachsenen im Alter von 22 Jahren. <\/p>\n<p> \u201eWo sich Erwachsene, wenn auch nur mit M\u00fche, gegen eine zu starke Stimulierung des Belohnungssystems wehren, sind Jugendliche hilflos\u201c, warnt der Spezialist. \u201eDie Strategien, mit denen die Plattformen die Aufmerksamkeit der Kinder auf sich ziehen und in Geldwert umwandeln, hat uns zutiefst schockiert\u201c, erg\u00e4nzt der Suchtexperte Amine Benyamina, Ko-Pr\u00e4sident der von Macron beauftragten Expertengruppe.<\/p>\n<p>In einem zweiten Teil des Gesetzes soll das Handyverbot auf Gymnasien erweitert werden, das seit 2018 in Kinderg\u00e4rten sowie an franz\u00f6sischen Grund- und Mittelschulen gilt. Lehrergewerkschaften kritisierten den Entwurf und beklagten, dass die Schulen weder die finanziellen Mittel noch das Personal h\u00e4tten, das Verbot durchzusetzen. Bevor Letzteres auf Gymnasien \u00fcbertragen werde, solle man besser die Lehren aus den Erfahrungen in der Mittelschule ziehen, wo das Verbot nicht \u00fcberall durchgesetzt werden k\u00f6nne. Es sei an den Anbietern der sozialen Netzwerke, den Zugang zu beschr\u00e4nken. <\/p>\n<p>\u201eNur weil man eine Altersbeschr\u00e4nkung einf\u00fchrt, hei\u00dft das nicht, dass man den Kampf aufgibt, um diese Plattformen verantwortungsvoller zu machen\u201c, entgegnet Laure Miller, Vorsitzende des Parlamentsausschusses und Mitautorin des Gesetzesentwurfs. Aber das sei ein langwieriger Kampf, parallel dazu brauche es eine kurzfristige Ma\u00dfnahme, um junge Menschen zu sch\u00fctzen, so Miller weiter. \u201eWenn man an all den Anh\u00f6rungen von Opfern und Familien teilgenommen hat, verstehe ich nicht, wie man sich gegen diese Einschr\u00e4nkung stellen kann.\u201c\n<\/p>\n<p><a class=\"is-link c-block-items__link is-external c-link--rich-text-renderer\" href=\"https:\/\/www.welt.de\/autor\/martina-meister\/\" target=\"_blank\" title=\"(Link wird in einem neuen Tab ge\u00f6ffnet)\" rel=\"nofollow noopener\" data-internal-tracking-enabled=\"true\" data-internal-tracking=\"{&quot;action&quot;:&quot;click&quot;,&quot;label&quot;:&quot;link&quot;,&quot;name&quot;:&quot;Inline Element&quot;,&quot;data&quot;:{&quot;source&quot;:&quot;&quot;,&quot;target&quot;:&quot;https:\/\/www.welt.de\/autor\/martina-meister\/&quot;,&quot;trackingName&quot;:&quot;&quot;,&quot;trackingLabel&quot;:&quot;&quot;}}\"><b>Martina Meister<\/b><\/a><b> berichtet im Auftrag von WELT seit 2015 als freie Korrespondentin in Paris \u00fcber die franz\u00f6sische Politik.<\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Nach dramatischen F\u00e4llen von Gewalt und Suiziden unter Jugendlichen erl\u00e4sst Paris neue Gesetze f\u00fcr die Nutzung sozialer Netzwerke.&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":743041,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[3974],"tags":[331,332,548,663,3934,3980,156,13,152,1722,14,15,12,169925,151,4136],"class_list":{"0":"post-743040","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-frankreich","8":"tag-aktuelle-nachrichten","9":"tag-aktuelle-news","10":"tag-eu","11":"tag-europa","12":"tag-europe","13":"tag-france","14":"tag-frankreich","15":"tag-headlines","16":"tag-instagram","17":"tag-jugendliche","18":"tag-nachrichten","19":"tag-news","20":"tag-schlagzeilen","21":"tag-soziale-medien-ks","22":"tag-tiktok","23":"tag-wams-auswahl"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115949674435673011","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/743040","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=743040"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/743040\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/743041"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=743040"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=743040"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=743040"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}