{"id":74397,"date":"2025-04-30T23:19:12","date_gmt":"2025-04-30T23:19:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/74397\/"},"modified":"2025-04-30T23:19:12","modified_gmt":"2025-04-30T23:19:12","slug":"58-tage-in-der-f1-erinnerung-an-roland-ratzenberger-formel-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/74397\/","title":{"rendered":"58 Tage in der F1: Erinnerung an Roland Ratzenberger \/ Formel 1"},"content":{"rendered":"<p>\n        Am 30. April 1994 verlor die Motorsport-Welt mit Roland Ratzenberger einen besonderen Rennfahrer. Wir blicken auf den Werdegang und die viel zu kurze Formel-1-Karriere des \u00d6sterreichers.\n    <\/p>\n<p>Dezember 1980. Walter R\u00f6hrl, Franz Wittmann, Sepp Haider &amp; Co. erfreuten k\u00e4ltetaugliche Fans bei der Saalbacher Eis- und Schneerallye.<\/p>\n<p>In der Servicezone bei der Zw\u00f6lferkogel-Bahn wird der Autor von zwei Teenagern angesprochen. Sie stellen sich als Roland Ratzenberger und Gerald Lachmayr aus Salzburg vor, seien Sch\u00fcler einer technischen Mittelschule (HTL), wollten aber ihre \u00abMatura\u00bb in Rennautos statt in der Schulbank machen.<\/p>\n<p>\u00abWie k\u00f6nnen wir am schnellsten Rennfahrer werden?\u00bb fragen sie. Der Tipp: \u00abGeht zu Walter Lechner in die Racing School und schaut, ob ihr gen\u00fcgend Talent habt.\u00bb<\/p>\n<p>Das taten sie.<\/p>\n<p>Lachmayr gab irgendwann in der Formel Ford auf.<\/p>\n<p>Ratzenberger absolvierte den Milit\u00e4rdienst, biss sich danach durch. Bald als Instruktor und Mechaniker, womit er seine eigenen Eins\u00e4tze finanzierte. Er lebte in und unter Trucks, jobbte als Notnagel f\u00fcr alles in Nachwuchsteams und erarbeitete sich so sein Cockpit in der Formel Ford. 1985 gewann er die \u00f6sterreichische, deutsche und europ\u00e4ische Formel-Ford-Meisterschaft. Was seinen Ehrgeiz nur noch mehr anspornte.<\/p>\n<p>Was Roland einsetzen konnte, hatte er selbst erarbeitet. Siege im legend\u00e4ren Race of Champions und im Festival der Formel Ford 1986 in Brands Hatch machten ihn in England popul\u00e4rer als in \u00d6sterreich.<\/p>\n<p>Auch deshalb, weil er in England als \u00abRoland the Rat\u00bb bekannt wurde und wegen einer Trickfilmserie, in der eine Ratte namens Roland die Hauptrolle spielte, pl\u00f6tzlich ein Star wurde.<\/p>\n<p>In Deutschland wurde er Nachfolger des zu Ferrari gewechselten Gerhard Berger bei Schnitzer-BMW in der Tourenwagen-WM 1987. Die Saison war gut, aber nicht herausragend. Platz 10 in der WM, der eine Basis f\u00fcr weitere Tourenwageneins\u00e4tze f\u00fcr die M\u00fcnchner in Japan und Gro\u00dfbritannien legte.<\/p>\n<p>1988 war das Jahr, in dem er nach England \u00fcbersiedelte, in eine kleine Wohnung im Dorf Blakesley, ein paar Minuten von Silverstone entfernt.<\/p>\n<p>Trotz der Tourenwagen-Eins\u00e4tze wusste Roland: Im Monoposto kann es ganz nach oben gehen. Formel 3, Formel 3000 waren die n\u00e4chsten Schritte.<\/p>\n<p>1987 gewann er ein verregnetes F3-Euroseries-Rennen auf dem N\u00fcrburgring mit West Surrey. 1988, im Madgwick-Team, wurde aber ein Desaster. So beschloss er den Sprung in die britische F3000 mit Spirit und wurde Gesamtdritter.<\/p>\n<p>Die erste M\u00f6glichkeit, gutes Geld zu verdienen, bot sich f\u00fcr Roland auf der Langstrecke. Team-Manager Peter Reinisch, Salzburger wie er selbst und fr\u00fcher bei Schnitzer, lotste Roland zum Porsche-Kunden Brun.<\/p>\n<p>Im Team des Schweizers gab er 1989 sein Le-Mans-Deb\u00fct, als Teamkollege seines einstigen Lehrmeisters Walter Lechner, der nach wenigen Stunden einen haarstr\u00e4ubenden Crash nach Reifenplatzer im Porsche 962 \u00fcberlebte. Aber Rolands Begeisterung f\u00fcr Le Mans war geweckt.<\/p>\n<p>Nach einem Test f\u00fcr das Toyota-Team Sard erhielt Roland einen Vertrag in Japan. Er wurde der erste Europ\u00e4er im Werksaufgebot Toyotas und \u00fcbersiedelte nach Japan \u2013 mit einem vollen Programm in Gruppe C, Formel 3000 (heute Super Formula) und Tourenwagen.<\/p>\n<p>1991 taten sich f\u00fcr Roland zwei Chancen auf.<\/p>\n<p>Zum einen war er im Gespr\u00e4ch mit Formel-1-Einsteiger Eddie Jordan \u00fcber das zweite Cockpit neben Andrea de Cesaris (das dann an Bertrand Gachot und sp\u00e4ter Michael Schumacher ging). Das Projekt scheiterte am Platzen des Sponsorenpakets mit einer Brauerei und einem \u00d6lmulti, das Manager Burkhard Hummel zu schn\u00fcren versucht hatte.<\/p>\n<p>Zum anderen in den USA, wo Roland einen Test f\u00fcr Dick Simons CART-Team in Willow Springs absolvieren konnte, doch auch hier scheiterte er am Budget, nicht an der fahrerischen Leistung.<\/p>\n<p>1992 lag Rolands Hauptjob in Gruppe-C-Rennen. Dritter in den 24 Stunden von Daytona in einem Porsche, Neunter im nicht mehr taufrischen Toyota 92C-V Turbo in Le Mans mit Eddie Irvine und Eje Elgh.<\/p>\n<p>An der Sarthe folgte 1993 ein Marathoneinsatz mit Mauro Martini, weil der dritte Fahrer Naoki Nagasaka nur die Minimumzeit ans Steuer durfte. Platz 5 und Klassensieg bei den Turbos im Toyota 93C-V waren die Entsch\u00e4digung. Teamkollege Martini nannte Roland danach einen der besten Gruppe-C-Piloten.<\/p>\n<p>In Japan war Roland viel mit der Europ\u00e4er-Gang unterwegs: Johnny Herbert, Mika Salo, Heinz-Harald Frentzen, Andrew Gilbert-Scott &amp; Co. Frentzen bewahrte er einmal bei einem Disput in einer Disco vor einem Angriff eines Einheimischen.<\/p>\n<p>Was er von Walter Lechner neben Rennfahren auch noch lernte: Die Information der Medien, zumindest derjenigen, die sich f\u00fcr ihn interessierten, und das waren in \u00d6sterreich vor seinem Formel-1-Einstieg ungef\u00e4hr f\u00fcnf Journalisten.<\/p>\n<p>Wenn Roland anrief, begann er immer mit \u00abServas, da Roland is\u2019s.\u00bb Und am Tonfall war sofort erkennbar: er war ausgeschieden und frustriert oder bedingt zufrieden oder recht happy. Er brauchte gar nicht weiterzureden, nur die Details noch schildern.<\/p>\n<p>Im Winter 1993\/\u201994 ergab sich die n\u00e4chste Chance zur Formel 1: Mit dem Neulingsteam Simtek-Ford. Die in Monaco eine K\u00fcnstleragentur betreibende Deutsche Barbara Behlau wurde von einem Bekannten auf Roland aufmerksam gemacht. Sie unterst\u00fctzte Roland mit 500.000 Pfund f\u00fcr die ersten f\u00fcnf Grands Prix 1994.<\/p>\n<p>Das Team hatte mit dem Musiksender MTV einen Hauptsponsor, der Roland gut fand, weil er in England auch durch die \u00abRoland the Rat\u00bb-Episoden bekannt war.<\/p>\n<p>Klar war seine Nummer-2-Position, denn Teamkollege war David Brabham, dessen Vater und Dreifach-Champion Sir Jack Vierteleigent\u00fcmer von Simtek war.<\/p>\n<p>Das hie\u00df auch Nummer 2 bei neuen Teilen. Erst Anfang M\u00e4rz, beim F1-Wintertest in Imola, kam Ratzenberger zu den ersten richtigen Testrunden im GP-Auto, damals noch mit einem wei\u00dfen, neutralen Overall fahrend \u2013 so kurzfristig war die Entscheidung gefallen.<\/p>\n<p>Im Deb\u00fct in S\u00e3o Paulo verpasste Roland die Qualifikation. Simteks Motor war zwei Stufen unter dem Werksteam Benetton.<\/p>\n<p>Probleme mit dem Motor und einem gebrochenen D\u00e4mpfer zerst\u00f6rten die Quali-Chance am Freitag, Samstag folgte Regen und das Aus.<\/p>\n<p>Beim n\u00e4chsten Lauf, dem Pazifik-GP in Aida (Japan), k\u00e4mpfte sich Roland als Elfter erstmals in der Formel 1 ins Ziel. In Imola wollte er Brabham und die Pacific-Fahrer schlagen und ins Mittelfeld vorsto\u00dfen.<\/p>\n<p>Geblieben ist er aber \u00fcber die gesamte Karriere er selbst: ehrgeizig, bodenst\u00e4ndig, freundlich, hoch talentiert. Und ein Kumpel, der es in seinen seltenen Salzburg-Besuchen (einer f\u00fchrte zu einer Blitzheirat mit anschlie\u00dfender Blitzscheidung) genoss, in einem Bierlokal zu plaudern.<\/p>\n<p>Am 30. April 1994, in der Qualifikation um 13.22 Uhr, war alles aus und vorbei.<\/p>\n<p>Ein in der Vorrunde an den Randsteinen besch\u00e4digter Frontfl\u00fcgelteil brach, sandte den Simtek in die Mauer der Villeneuve-Kurve.<\/p>\n<p>Wie Rolands Kopf hin- und herbaumelte und er leblos im Cockpit sa\u00df, es war jedem klar, dass es keine Hoffnung mehr gab.<\/p>\n<p>Eineinhalb Stunden sp\u00e4ter wurde er in der Maggiore-Klinik von Bologna f\u00fcr tot erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Roland war 58 Tage lang Formel-1-Pilot.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Am 30. April 1994 verlor die Motorsport-Welt mit Roland Ratzenberger einen besonderen Rennfahrer. 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