{"id":744978,"date":"2026-01-25T05:21:11","date_gmt":"2026-01-25T05:21:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/744978\/"},"modified":"2026-01-25T05:21:11","modified_gmt":"2026-01-25T05:21:11","slug":"fragen-und-antworten-wie-steht-es-um-den-berliner-forschungsreaktor-ber-ii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/744978\/","title":{"rendered":"Fragen und Antworten: Wie steht es um den Berliner Forschungsreaktor BER II?"},"content":{"rendered":"<p class=\"paragraph article__item\">Ein Reaktor in <a class=\"rtr-entity\" href=\"https:\/\/www.zeit.de\/thema\/berlin\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Berlin<\/a>? 2019 wurde der Betrieb am Forschungsreaktor BER II in Berlin-Wannsee eingestellt. Doch noch steht er dort &#8211; denn f\u00fcr den R\u00fcckbau ist eine Genehmigung n\u00f6tig. In dem sogenannten Genehmigungsverfahren l\u00e4uft bis Mittwoch die Phase der \u00d6ffentlichkeitsbeteiligung. Eine \u00dcbersicht zum aktuellen Stand:\u00a0\n<\/p>\n<p>                Was wurde im Reaktor erforscht?        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Bei dem Wort Reaktor denken viele direkt an ein Atomkraftwerk. Das war der Forschungsreaktor jedoch nie. 1972 wurde der BER II in Wannsee gebaut &#8211; und folgte auf den BER I. Mit dem Flughafen hat der Name jedoch nichts zu tun, sondern BER steht f\u00fcr Berliner Experimentierreaktor. Betrieben wurde er vom Helmholtz-Zentrum Berlin f\u00fcr Materialien und Energie (HZB).\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Der BER II lieferte ausschlie\u00dflich Neutronen f\u00fcr wissenschaftliche Untersuchungen, die Kernspaltung erfolgte nicht zur Energiegewinnung. So eignen sich laut HZB Neutronen &#8211; ungeladene Teilchen &#8211; gut, um innere Eigenschaften von Materialien zu untersuchen. Rund 170 Mitarbeiter forschten dort. Zudem konnten auch externe Forscher am BER II experimentieren.\n<\/p>\n<p>        Warum wurde er abgeschaltet?        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">2013 wurde laut Helmholtz-Zentrum bereits die Entscheidung zur Abschaltung getroffen. Um wettbewerbsf\u00e4hig zu bleiben, w\u00e4ren demnach dauerhaft hohe Investitionen n\u00f6tig gewesen &#8211; das h\u00e4tte sich langfristig nicht gelohnt. Zudem lie\u00dfen sich viele Experimente auch mit R\u00f6ntgenstrahlung untersuchen. \u00abDie R\u00f6ntgenquelle BESSY II ist sehr viel effektiver als eine Neutronenquelle\u00bb, sagte Sprecherin Ina Helms. Deswegen habe sich das HZB entschieden, BESSY II zu modernisieren.\u00a0\n<\/p>\n<p>                Warum steht der BER II noch?        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Um den Reaktor stilllegen und abbauen zu k\u00f6nnen, braucht es eine Genehmigung. Daf\u00fcr ist die Atomrechtliche Genehmigungsbeh\u00f6rde bei der Berliner Senatsverwaltung f\u00fcr Mobilit\u00e4t, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt zust\u00e4ndig. Die Beh\u00f6rde pr\u00fcft, ob die Pl\u00e4ne f\u00fcr den R\u00fcckbau sicher und durchf\u00fchrbar sind. Ein Teil des Verfahrens ist die Beteiligung der \u00d6ffentlichkeit. Diese Phase begann im vergangenen November. Bis Mittwoch, 28. Januar, k\u00f6nnen Menschen Einwendungen einreichen.\n<\/p>\n<p>        Was soll mit dem radioaktiven Material geschehen?        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Die Brennelemente befinden sich laut HZB seit dem Abschalten des Reaktors im Absetzbecken. Die Masse des abgebrannten Kernbrennstoffs betr\u00e4gt nach Angaben der Senatsverwaltung rund 100 Kilogramm. Zum Vergleich: Bei einem typischen deutschen Kernkraftwerk sind es rund 740 Tonnen. Zus\u00e4tzlich f\u00e4llt radioaktiver M\u00fcll an. So werden rund 300 Tonnen schwach- und mittelradioaktiver Abfall erwartet. Bei einem Kernkraftwerk seien es rund 4.300 Tonnen.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">F\u00fcr die schwach- und mittelradioaktiven Abf\u00e4lle plant das HZB, ein Zwischenlager auf dem Betriebsgel\u00e4nde zu bauen. Dort soll das Material so lange lagern, bis es zum entsprechenden Endlager Schacht Konrad in Niedersachsen abtransportiert werden kann. Voraussichtlich zu Beginn der 2030er Jahre soll dort die Einlagerung von schwach- und mittelradioaktiven Abf\u00e4llen beginnen, so die Senatsumweltverwaltung.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Bis ein geeignetes Endlager f\u00fcr hochradioaktiven M\u00fcll gefunden ist, sollen die Brennelemente in das Zwischenlager Ahaus in Nordrhein-Westfalen kommen. Mit dem Abtransport ist laut Senatsumweltverwaltung nicht vor 2027 zu rechnen.\n<\/p>\n<p>        Was sagen Kritiker?        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Bedenken hat der BUND Berlin ge\u00e4u\u00dfert &#8211; die ver\u00f6ffentlichten Unterlagen zum geplanten R\u00fcckbau seien \u00abunzureichend\u00bb. \u00abStrahlenschutz und Freisetzungen von Radioaktivit\u00e4t sind nicht ausreichend belegt, das Konzept f\u00fcr die radioaktiven Abf\u00e4lle und deren Lagerung ist unklar\u00bb, hei\u00dft es in einer Mitteilung. Alternativen und Risiken seien nicht ausreichend gepr\u00fcft worden. Grundlage der Einsch\u00e4tzung sei ein vom BUND in Auftrag gegebenes Gutachten einer Atomexpertin.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Seitens des Helmholtz-Zentrums hie\u00df es zu der Kritik, dass die atomrechtliche Genehmigungsbeh\u00f6rde best\u00e4tigt habe, dass die eingereichten Unterlagen vollst\u00e4ndig und auslegungsreif seien. \u00abM\u00f6gliche Einw\u00e4nde des BUND werden im Rahmen des Verfahrens er\u00f6rtert\u00bb, teilte Sprecherin Helms mit.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">F\u00fcr die M\u00f6glichkeit, sich mit einer Stellungnahme bei der derzeitigen Verfahrensphase zu beteiligen, hat der BUND Berlin ein Online-Tool entwickelt. Das haben auch einige Menschen genutzt, wie Matthias Kr\u00fcmmel, Referent f\u00fcr Klimaschutzpolitik vom BUND Berlin, sagte. \u00abEs ist ein sensibler Naturraum am Wasser, im Wald, mit einer sehr nahen Wohnbebauung mit dran\u00bb, erkl\u00e4rte er. \u00abDa sollte man schon wirklich sehr genau sein\u00bb.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Problematisch seien aus Sicht des BUND insbesondere die in Frage kommenden Verfahren der Lagerung. \u00abDas geplante Zwischenlager muss f\u00fcr eine jahrzehntelange Zwischenlagerung ausreichend sicher sein \u2013 etwa gegen Drohnenangriffe oder Formen hybrider Kriegsf\u00fchrung\u00bb, so Kr\u00fcmmel. \u00abDie bundesweite Suche und auch der Entschluss f\u00fcr ein geeignetes Endlager k\u00f6nnen noch auf sich warten lassen\u00bb. Daher gehe es um gro\u00dfe Zeitr\u00e4ume.\n<\/p>\n<p>                        Wie geht es nach Ende der \u00d6ffentlichkeitsbeteiligung weiter?        <\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Anschlie\u00dfend findet eine Er\u00f6rterung statt, bei der die Einwendungen genauer erl\u00e4utert werden k\u00f6nnen. Dies beginnt fr\u00fchestens einen Monat nach Ende der Auslegungsfrist am Mittwoch, so die Senatsumweltverwaltung. Danach erarbeitet die Atomrechtliche Genehmigungsbeh\u00f6rde eine zusammenfassende Darstellung und Bewertung der Umweltauswirkungen des Vorhabens.\u00a0\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">Wann die Beh\u00f6rde abschlie\u00dfend \u00fcber die Zul\u00e4ssigkeit entscheidet, \u00abist zum jetzigen Stand des Verfahrens nicht belastbar einzusch\u00e4tzen\u00bb, hie\u00df es von der Senatsumweltverwaltung. Und erst, wenn die Genehmigung vorliegt, kann mit den R\u00fcckbauarbeiten begonnen werden. Wann der BER II vollst\u00e4ndig abgebaut sein wird, ist derzeit noch unklar.\n<\/p>\n<p class=\"paragraph article__item\">\u00a9 dpa-infocom, dpa:260125-930-592487\/1<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Ein Reaktor in Berlin? 2019 wurde der Betrieb am Forschungsreaktor BER II in Berlin-Wannsee eingestellt. 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