{"id":745307,"date":"2026-01-25T08:38:13","date_gmt":"2026-01-25T08:38:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/745307\/"},"modified":"2026-01-25T08:38:13","modified_gmt":"2026-01-25T08:38:13","slug":"wie-es-einem-24-jaehrigen-ohne-smartphone-geht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/745307\/","title":{"rendered":"Wie es einem 24-J\u00e4hrigen ohne Smartphone geht"},"content":{"rendered":"<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Schnell noch eine Nachricht beantworten. Den Daumen wie fremdgesteuert \u00fcber die Bildschirm-Tastatur tippen lassen, w\u00e4hrend vom oberen Rand eine Push-Benachrichtigung ins Blickfeld rutscht. Drauftippen, um zu sehen, was die Freundin geschickt hat. Sich dabei unfreiwillig in der Endlosschleife inhaltsloser Kurzvideos verlieren. Noch einmal weiterscrollen, dann reicht es wieder \u2013 dieses Mal wirklich. Der Daumen zuckt. Geschafft. Startbildschirm. Leere. Langeweile. Noch einmal kurz E-Mails checken. Noch einmal kurz Nachrichten lesen. App schlie\u00dfen, App \u00f6ffnen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Lieber gar keine Apps mehr, dachte sich Emilio-Sultan Dinta vor zwei Jahren. Bis dahin hatte er ein recht gew\u00f6hnliches Leben gef\u00fchrt. Gemacht, was Anfang-20-J\u00e4hrige eben so machen: Ausbildung abschlie\u00dfen, in eine andere Stadt ziehen, zum ersten Mal in einer WG leben, auf Partys gehen, neue Freunde finden. Dann traf er eine Entscheidung, die sein Leben grundlegend ver\u00e4ndern w\u00fcrde, und die alles andere als gew\u00f6hnlich war: ein Leben ohne Smartphone zu f\u00fchren.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/gesellschaft\/wuerzburg-karlstadt-smartphone-im-familienalltag-welche-regeln-fuers-handy-koennen-eltern-sich-und-den-kindern-geben-113137475\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">Ganz ohne, das w\u00fcrden sich die meisten Menschen heutzutage wohl nicht trauen.<\/a> Zu selbstverst\u00e4ndlich sind die flachen Allesk\u00f6nner im Alltag inzwischen geworden \u2013 gerade f\u00fcr junge Menschen. Dem Branchenverband Bitkom zufolge nutzen 100 Prozent der 16- bis 29-J\u00e4hrigen in Deutschland ein Smartphone. Emilio-Sultan Dinta ist eine Ausnahme, geh\u00f6rt zu dem Bruchteil der Bev\u00f6lkerung, der beim Aufrunden aus der Statistik verschwunden ist. Wie kommt er zurecht, in einer Welt, die immer digitaler wird?\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/emilio-dinta-stadtplan-1jpg.jpg\" alt=\"Ohne Google Maps w\u00e4ren wohl viele junge Menschen heutzutage aufgeschmissen.\" title=\"Ohne Google Maps w\u00e4ren wohl viele junge Menschen heutzutage aufgeschmissen.\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Ohne Google Maps w\u00e4ren wohl viele junge Menschen heutzutage aufgeschmissen.<br \/>\n    Foto: Sophia Krotter<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Ohne Google Maps w\u00e4ren wohl viele junge Menschen heutzutage aufgeschmissen.<br \/>\n    Foto: Sophia Krotter<\/p>\n<p>            24-J\u00e4hriger ist vom Smartphone auf ein Tastenhandy umgestiegen<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ein tr\u00fcber Dezembertag in Augsburg. Dinta tr\u00e4gt ein gestreiftes Hemd, dar\u00fcber eine zugekn\u00f6pfte Cordweste und eine braune Lederjacke. Aus den vielen Taschen seiner schwarzen Cordhose ragen Stifte und Zollstock heraus, seine blaue Strickm\u00fctze ist mit S\u00e4gesp\u00e4nen gesprenkelt. \u201eHoch die Tischlerkunst\u201c, ist in seine silberne G\u00fcrtelschnalle gepr\u00e4gt. Dinta ist Schreiner. Seine braunen Haare hat er locker zusammengebunden, an seinem linken Ohrl\u00e4ppchen baumelt eine silberne Kette. Und wenn sich seine Lippen zu einem breiten Grinsen \u00f6ffnen, blitzt seine feste Zahnspange hervor.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Der 24-J\u00e4hrige lebt und arbeitet in einem kleinen Ort bei <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/aichach\/ort\/poettmes\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">P\u00f6ttmes<\/a> (Landkreis Aichach-Friedberg) und hat sich im Heuboden einer alten Scheune Wohnraum, Werkstatt und ein kleines Bad eingerichtet. Warmes Wasser und eine K\u00fcche gibt es bei der Wohngemeinschaft im Haus gegen\u00fcber. Ein Auto hat er nicht. Wenn er raus in die Stadt f\u00e4hrt, muss er planen. Die App der Deutschen Bahn kann er mit seinem Nokia-Tastenhandy nicht benutzen.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/tastenhandy-notizblock-stift-emilio-dintajpg.jpg\" alt=\"Notizblock statt Notizen-App: Unterwegs hat Emilio-Sultan Dinta immer etwas zum Schreiben dabei.\" title=\"Notizblock statt Notizen-App: Unterwegs hat Emilio-Sultan Dinta immer etwas zum Schreiben dabei.\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Notizblock statt Notizen-App: Unterwegs hat Emilio-Sultan Dinta immer etwas zum Schreiben dabei.<br \/>\n    Foto: Sophia Krotter<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Notizblock statt Notizen-App: Unterwegs hat Emilio-Sultan Dinta immer etwas zum Schreiben dabei.<br \/>\n    Foto: Sophia Krotter<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Er wei\u00df, wann die Regionalbahn von Augsburg nach Aichach f\u00e4hrt \u2013 zweimal pro Stunde, um Viertel nach und um Viertel vor. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/bayern\/oepnv-bayern-verdi-droht-nach-gescheiterter-tarifrunde-mit-warnstreiks-113217828\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">Um ganz nach Hause zu kommen, ben\u00f6tigt er ein Ruftaxi<\/a>, das er etwa eine Stunde im Voraus bestellen muss. Sonst muss er eine halbe Stunde den Berg hochlaufen, sagt er. Also Anruf bei der Taxizentrale: Am Telefon meldet er sich mit seinem Spitznamen, \u201eMio\u201c. Man kennt sich. Er vergewissert sich, dass er die richtige Verbindung im Kopf hat, bestellt den Fahrdienst und legt wieder auf. Die genauen Abfahrtszeiten notiert er sich anschlie\u00dfend auf dem kleinen Notizblock, den er unterwegs immer bei sich hat.\n  <\/p>\n<p>            Als Multifunktionstools sind Smartphones heute Teil des Alltags<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die einzige Spezialfunktion seines Handys, die Dinta benutzt, ist der Taschenrechner. Dar\u00fcber hinaus kann er damit eigentlich nur telefonieren und SMS schreiben. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/gesellschaft\/zurueck-zum-klapphandy-warum-die-generation-z-das-dumbphone-feiert-id70771481.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">Nicht ohne Grund wird das Tastenhandy als Gegenentwurf zum Smartphone auch \u201eDumbphone\u201c genannt<\/a>. Weil die Aufl\u00f6sung der eingebauten Kamera zu niedrig ist, hat Dinta zum Fotografieren immer eine Digitalkamera dabei. Ein faltbarer Stadtplan ersetzt Google Maps, Block und Stift die Notizen-App. Mal eben etwas bei Google nachsehen kann der 24-J\u00e4hrige nicht. Wenn er etwas wissen will, schreibt er sich das Thema und einen Oberbegriff auf seinen Notizblock, erkl\u00e4rt er, und leiht sich dazu dann ein Fachbuch in der Bibliothek. Ist das nicht ganz sch\u00f6n umst\u00e4ndlich und langwierig?\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eIch glaube, wenn man Sachen bequemer macht, nimmt man sie auch weniger intensiv wahr, weil man sich viel weniger damit besch\u00e4ftigt und die Verantwortung zum Gro\u00dfteil abgibt\u201c, \u00fcberlegt Dinta. \u201eDas ist wie, wenn man in ein Zimmer einzieht, das schon eingerichtet ist.\u201c Abgesehen vom Smartphone verzichtet er deshalb auch auf Streaming, h\u00f6rt lieber CDs und Kassetten und schaut Filme auf DVD.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/emilio-dinta-kamera-2jpg.jpg\" alt=\"Zum Fotografieren taugt das Tastenhandy nur bedingt. Emilio-Sultan Dinta hat deshalb immer eine Digital-Kamera dabei.\" title=\"Zum Fotografieren taugt das Tastenhandy nur bedingt. Emilio-Sultan Dinta hat deshalb immer eine Digital-Kamera dabei.\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Zum Fotografieren taugt das Tastenhandy nur bedingt. Emilio-Sultan Dinta hat deshalb immer eine Digital-Kamera dabei.<br \/>\n    Foto: Sophia Krotter<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Zum Fotografieren taugt das Tastenhandy nur bedingt. Emilio-Sultan Dinta hat deshalb immer eine Digital-Kamera dabei.<br \/>\n    Foto: Sophia Krotter<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ein Lebensstil, wie er in den sozialen Medien mittlerweile geradezu glorifiziert wird: Junge Menschen, die sich f\u00fcr Nachrichten, Wecker, Kalender und Kamera von der App zur\u00fcck zum analogen Ursprungsprodukt bewegen, sich f\u00fcr \u201eOffline-Events\u201c anmelden, bei denen Handys nicht erlaubt sind. Die leben wollen wie in den Neunzigern, auch wenn sie das Jahrzehnt selbst nicht einmal miterlebt haben. Weil ihnen die damalige Zeit irgendwie einfacher vorkommt?\n  <\/p>\n<p>            Psychologin: \u201eWenn der Akku leer ist, l\u00f6st das schon Beklemmung aus\u201c<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Dass das Bewusstsein f\u00fcr digitales Wohlbefinden in den vergangenen Jahren gestiegen ist, erkennt auch Sarah Diefenbach. Die Psychologin ist Professorin f\u00fcr Wirtschaftspsychologie und Mensch-Technik-Interaktion an der Ludwig-Maximilians-Universit\u00e4t in <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/orte\/aa-muenchen\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">M\u00fcnchen<\/a>. Menschen wie Emilio-Sultan Dinta, die dem Smartphone komplett den R\u00fccken kehren, stuft sie allerdings als Einzelf\u00e4lle ein. \u201eDaf\u00fcr, dass sich der Trend nun umkehrt und eine andere Richtung einschl\u00e4gt, sehe ich momentan wenig Hoffnung\u201c, meint die Expertin.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eSmartphones haben viele praktische Erleichterungen in unseren Alltag gebracht\u201c, erkl\u00e4rt sie, etwa beim Navigieren oder um mit Menschen in Kontakt zu bleiben. \u201eDiese st\u00e4ndige Erreichbarkeit verf\u00fchrt aber auch zu einer Unverbindlichkeit, bei der man gar keine Verabredungen mehr trifft, sondern immer auf Abruf ist\u201c, r\u00e4umt sie ein. Das gleiche schon fast einer Verpflichtung: \u201e<a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/panorama\/internet-shutdowns-in-russland-eingeschraenkter-empfang-113203894\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">Ohne Handy unterwegs zu sein, wird f\u00fcr viele immer schwieriger<\/a>. Wenn der Akku einmal leer ist, l\u00f6st das schon Beklemmung aus.\u201c\n  <\/p>\n<p>            Smartphones f\u00fchren im Alltag h\u00e4ufig zu Parallelbesch\u00e4ftigung<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Als st\u00e4ndiger Begleiter verleite das Handy dazu, jegliche Zeit, die man irgendwo mit Warten verbringt, produktiv nutzen zu wollen, sagt Sarah Diefenbach \u2013 ob in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln oder an der Supermarktkasse. Da wird eine Sprachnachricht auf doppelter Geschwindigkeit angeh\u00f6rt, eine E-Mail verschickt oder ein Podcast geh\u00f6rt. \u201eDiese Leerr\u00e4ume, die fr\u00fcher ganz nat\u00fcrlich waren und einem einen Puffer gegeben haben, um gedanklich anzukommen \u2013 die werden heute aufgesaugt\u201c, sagt Diefenbach. <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/politik\/leitartikel-lieber-in-die-augen-anderer-statt-auf-das-smartphone-schauen-id69564556.html\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">Das beeinflusst auch Beziehungen.<\/a>\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eStudien zeigen, dass sich die Gespr\u00e4chsatmosph\u00e4re ver\u00e4ndert hat\u201c, berichtet die Professorin. Dass ein Smartphone auf dem Tisch liegt, reiche schon aus. \u201eMan muss damit rechnen, erreicht zu werden, nimmt es sich aber auch heraus, andere spontan erreichen zu wollen\u201c, sagt Diefenbach. \u201eWenn man sich nie auf das einl\u00e4sst, was gerade ist, erzeugt das schon eine Art Stress.\u201c\n  <\/p>\n<blockquote class=\"mb-4 typo-quotation md:mb-3\">\n<p>Es gab schon auch Freundschaften, die durch diesen sporadischen Kontakt auseinandergebrochen sind.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"font-sans text-xs leading-xs md:text-m md:leading-xs lg:text-l lg:leading-xs\">\n      <strong class=\"font-semibold\">Emilio-Sultan Dinta<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zur\u00fcck zu Dinta: An einer Fu\u00dfg\u00e4ngerampel entdeckt er jetzt eben eine Bekannte. Er l\u00e4chelt, geht zwei gro\u00dfe Schritte auf sie zu und landet dann mit einem Satz direkt vor ihren F\u00fc\u00dfen. Sie umarmen sich kurz und wechseln ein paar Worte, bis der jungen Frau die \u00dcberforderung an den Augen abzulesen ist. \u201eIch telefoniere gerade\u201c, sagt sie und zeigt auf das Smartphone an ihrem rechten Ohr. \u201eMach\u2018s gut!\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Wie hat sich der Abschied vom Smartphone auf Dintas soziale Beziehungen ausgewirkt? Weil er keinen Messenger mehr benutzt, m\u00fcsse er nicht mehr so viele Nachrichten beantworten, erz\u00e4hlt er. Gestresst h\u00e4tten ihn \u201evor allem diese Gruppen, aus denen so ein richtiger Nachrichtenhagel kam\u201c. Heute bekomme er im Durchschnitt zw\u00f6lf Mitteilungen pro Woche. \u201eDas ist auch weniger geworden\u201c, sagt er. Denn mit seinem radikal analogen Lebensstil kommen nicht alle klar. \u201eEs gab schon auch Freundschaften, die durch diesen sporadischen Kontakt auseinandergebrochen sind\u201c, erz\u00e4hlt er. \u201eManche haben das als Angriff auf die pers\u00f6nliche Beziehung verstanden, dass ich mich so selten melde.\u201c Anderen hingegen reiche es, wenn er ihnen alle paar Monate eine l\u00e4ngere E-Mail schreibe.\n  <\/p>\n<p>            Obwohl er ein Kind der 2000er ist, ist Dinta vergleichsweise analog aufgewachsen<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Besessen und benutzt hat Emilio-Sultan Dinta ein Smartphone in der Vergangenheit schon. Und zwar genau eins. Er greift in eine seiner vielen Hosentaschen und holt ein etwas klobiges Modell der Marke Cat heraus. Es hat einen gro\u00dfen Bildschirm, mehrere Kn\u00f6pfe und liegt schwer in der Hand. Einschalten l\u00e4sst es nicht mehr, Dinta hat es nur zu Anschauungszwecken mitgebracht. Cat stellt ansonsten haupts\u00e4chlich Bagger und Baumaschinen her. \u201eMir war damals wichtig, dass es viel aush\u00e4lt, weil ich eigentlich immer drau\u00dfen war\u201c, sagt Dinta. Eine W\u00e4rmebildkamera und einen Abstandsmesser hatte das Ger\u00e4t auch. Gekauft hatte er es im Alter von 15 Jahren, mit dem Geld, das er beim Aushelfen in der benachbarten Kneipe verdiente.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Eine Internetflatrate hatte der Schreiner noch nie. Auch von sozialen Medien hat er sich anfangs noch ferngehalten \u2013 aus Vorsicht, aber auch, weil er im digitalen Raum eine gewisse Angst Neuem gegen\u00fcber sp\u00fcrte. Hemmungen, die er im \u201erealen Leben\u201c nicht hat, wie er sagt. Als Kind der 2000er wurde Dinta eigentlich in eine Welt hineingeboren, die gerade begann, sich zu digitalisieren. Zu Hause bekam er davon jedoch wenig mit.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Aufgewachsen ist der 24-J\u00e4hrige auf einem Hof in einer 5000-Einwohner-Stadt bei N\u00fcrnberg. Wenn er von seinem Elternhaus erz\u00e4hlt, wirkt er reflektiert. Geld sei nicht viel dagewesen, erz\u00e4hlt er, und das habe er auch gewusst. Seine Eltern nach einem iPod zu fragen, habe er gar nicht erst in Erw\u00e4gung gezogen. \u201eIch hatte aber auch nicht das Gef\u00fchl, dass mir da etwas fehlt\u201c, f\u00fcgt er hinzu. WLAN gab es im Hause Dinta erstmals 2018, E-Mail-Adressen haben seine Eltern bis heute nicht. Den alten R\u00f6hrenfernseher h\u00e4tten sie erst vor ein paar Monaten durch einen neuen ersetzt, erz\u00e4hlt er schmunzelnd. \u201eMeine Eltern haben sich eigentlich nur aufs Schaffen konzentriert\u201c, sagt er. \u201eDa war nicht so viel Platz f\u00fcr die Au\u00dfenwelt.\u201c\n  <\/p>\n<p>            DAK-Studie: Immer mehr Menschen wollen ihre Bildschirmzeit verringern<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Irgendwann machte die Au\u00dfenwelt aber Druck und Emilio-Sultan Dinta gab nach. Da war er zwanzig. \u201eLeute haben zum Beispiel oft nach meinem Instagram-Account gefragt, anstatt nach meiner Telefonnummer\u201c, erinnert er sich. Schlie\u00dflich erstellt er sich ein Profil. Das Scrollen durch das Leben von Fremden langweilt ihn anfangs, aber er merkt schnell, dass der Algorithmus ihn immer besser kennt. \u201eOft habe ich vergessen, was ich eigentlich machen wollte, weil ich sofort von den Videos abgelenkt war\u201c, beschreibt er. Seine Bildschirmzeit wird l\u00e4nger.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eWenn ich den ganzen Tag zu Hause war, l\u00e4pperten sich die Minuten und wurden zu Stunden. Das war mir zu krass\u201c, sagt Dinta. \u201eDa habe ich dann in mich reingeh\u00f6rt und mich gefragt, ob ich das wirklich will.\u201c Als sein Cat-Handy vor zwei Jahren schlie\u00dflich den Geist aufgibt, zieht er endg\u00fcltig den Stecker: Er verzichtet auf ein neues Smartphone und kauft einem Sammler ein altes Tastenhandy ab. Ob es nicht ausgereicht h\u00e4tte, die zeitfressenden Apps zu l\u00f6schen? Dinta sch\u00e4tzt, dass die Versuchung zu gro\u00df gewesen w\u00e4re. Dass er sie irgendwann einfach wieder installiert h\u00e4tte. \u201eIch muss bei sowas immer alle Rei\u00dfleinen ziehen\u201c, gesteht er.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Dintas Entscheidung kann man als radikal bezeichnen. Dahinter steckt jedoch ein Bed\u00fcrfnis, das immer mehr Menschen in Deutschland haben. Die Krankenkasse DAK-Gesundheit gibt jedes Jahr eine Forsa-Umfrage in Auftrag, die erfragt, welche \u201eguten Vors\u00e4tze\u201c die Menschen f\u00fcr das kommende Jahr fassen. F\u00fcr 2026 haben sich demnach 36 Prozent der 1002 Befragten vorgenommen, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/panorama\/smartphones-japanische-stadt-toyoake-beschraenkt-nutzung-auf-zwei-stunden-taeglich-112840519\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">weniger Zeit vor dem Bildschirm und im Internet zu verbringen<\/a>, von den 14- bis 29-J\u00e4hrigen sogar knapp die H\u00e4lfte.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Letzteres k\u00f6nnte damit zusammenh\u00e4ngen, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/gesellschaft\/social-media-fuer-kinder-und-jugendliche-verbieten-ein-pro-und-contra-112734302\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">dass Jugendliche besonders viel Zeit am Handy verbringen<\/a>. Wie viel genau, untersucht die Studie \u201eJugend, Information, Medien\u201c, auch JIM-Studie genannt. 2025 lag die Bildschirmzeit der befragten 12- bis 19-J\u00e4hrigen im Durchschnitt bei 231 Minuten pro Tag, also fast vier Stunden. 18- bis 19-J\u00e4hrige kamen durchschnittlich sogar auf 278 Minuten \u2013 mehr als viereinhalb Stunden. Und das, obwohl einige von ihnen das Smartphone als Belastung sehen.\n  <\/p>\n<p>            Als Multifunktionstools sind Smartphones heute Teil des Alltags<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Die meisten Smartphones verf\u00fcgen mittlerweile \u00fcber Funktionen, mit denen die Nutzerinnen und Nutzer ihre Bildschirmzeit besser kontrollieren k\u00f6nnen sollen. Es lassen sich Zeitlimits f\u00fcr bestimmte Apps setzen oder Auszeiten planen. Warum f\u00e4llt es vielen Menschen dennoch so schwer, weniger Zeit am Smartphone zu verbringen? Psychologin Sarah Diefenbach sagt: \u201eEs ist bequem.\u201c Algorithmen seien darauf ausgelegt, die User m\u00f6glichst lange auf einer Seite zu halten. \u201eDa ist es weniger anspruchsvoll, sich von einer App oder Internetseite neue Inhalte vorschlagen zu lassen, als sich aktiv etwas zu suchen, mit dem man sich auseinandersetzen m\u00f6chte\u201c, erkl\u00e4rt die Psychologin. \u201eInsofern finde ich das recht menschlich und nachvollziehbar.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zudem seien Smartphones heute in so viele Routinen des Alltags eingebunden, \u201edass man st\u00e4ndig damit konfrontiert ist\u201c, f\u00fcgt sie hinzu. Wer das Handy etwa als Wecker, Taschenlampe oder Taschenrechner benutzt, sieht automatisch, dass neue Nachrichten eingegangen sind. \u201eDas macht es schwer, sich nicht vereinnahmen zu lassen\u201c, sagt Diefenbach.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/emilio-dinta-tastenhandyjpg.jpg\" alt=\"Weil das vorherige kaputtgegangen war, hat Dinta seit ein paar Wochen ein neues Tastenhandy. Einige Kontakte und Telefonnummern hat er dabei verloren.\" title=\"Weil das vorherige kaputtgegangen war, hat Dinta seit ein paar Wochen ein neues Tastenhandy. Einige Kontakte und Telefonnummern hat er dabei verloren.\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Weil das vorherige kaputtgegangen war, hat Dinta seit ein paar Wochen ein neues Tastenhandy. Einige Kontakte und Telefonnummern hat er dabei verloren.<br \/>\n    Foto: Sophia Krotter<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Weil das vorherige kaputtgegangen war, hat Dinta seit ein paar Wochen ein neues Tastenhandy. Einige Kontakte und Telefonnummern hat er dabei verloren.<br \/>\n    Foto: Sophia Krotter<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    44 33 999. Aus Zahlen werden beim Tastentelefon Buchstaben. \u201eHey\u201c, tippt also Emilio-Sultan Dinta, <a href=\"https:\/\/www.augsburger-allgemeine.de\/kultur\/gesellschaft\/chatsprache-kurz-ist-kult-die-neue-lust-am-abkuerzen-deutschland-deine-abkuerzungen-gumo-und-galigrue-112808055\" target=\"_self\" class=\"underline \" rel=\"noopener\">um auf die SMS einer Freundin zu antworten<\/a>. Sie k\u00f6nne ihn heute Abend mitnehmen, falls er in der Stadt sei, hatte sie geschrieben. \u201eGerne, wann f\u00e4hrst du?\u201c, fragt er. Nachrichten wie diese bekomme er mittlerweile h\u00e4ufiger, berichtet Dinta, denn Apps f\u00fcr Mitfahrgelegenheiten kann der 24-J\u00e4hrige mit seinem Tastenhandy nicht nutzen. Er ruft nochmal bei der Taxizentrale an und bestellt das Ruftaxi ab.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Seit er kein Smartphone mehr hat, f\u00fchlt sich Dinta irgendwie wacher, konzentrierter, klarer im Kopf. \u201eIch kann mir Sachen besser merken\u201c, meint er. Und das muss er auch k\u00f6nnen, ganz ohne Google Maps. Adressen, die er noch nicht auswendig kann, schreibt er sich auf. Den Weg dorthin pr\u00e4gt er sich ein. Kommt er unterwegs nicht mehr weiter, fragt er sich durch. Oder muss einen Umweg gehen, wie bei so vielen Situationen in seinem Alltag.\n  <\/p>\n<p>            Menschen ohne Smartphone sto\u00dfen im Alltag immer wieder auf H\u00fcrden<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    In manchen Restaurants f\u00fchrt nur noch ein QR-Code zur Speisekarte, auch Eintrittskarten f\u00fcr Veranstaltungen erh\u00e4lt man manchmal nur noch digital. Und wer in ein Flugzeug der Billig-Fluggesellschaft Ryanair steigen will, ben\u00f6tigt seit November 2025 eine digitale Bordkarte und die dazugeh\u00f6rige App. \u201eIch muss eigentlich immer fragen, ob es einen anderen Weg gibt\u201c, erz\u00e4hlt Dinta. Und wenn es keinen gibt, hat er eben Pech. \u201eMan merkt schon, dass sich die Gesellschaft auf eine papierlose Welt vorbereitet.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Das musste sich auch Benno Fl\u00fcgel irgendwann eingestehen.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Viele Jahre war der 34-J\u00e4hrige standhaft geblieben. Als er in den 2010er Jahren von Stuttgart nach Berlin zog \u2013 und Smartphones pl\u00f6tzlich \u00fcberall waren. Als sich immer mehr Menschen in seinem Umfeld ein Smartphone holten. Als er schlie\u00dflich die einzige Person in seinem Freundeskreis war, die nicht mitmachen wollte: Benno Fl\u00fcgel war immer dieser Typ gewesen, den man nur per Telefon oder SMS erreichen konnte. Bis es einfach zu kompliziert wurde.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/benno-fluegel-rasf.jpg\" alt=\"Benno Fl\u00fcgel im Urlaub: Zum Reisen holte er sich \u00fcbergangsweise ein Smartphone.\" title=\"Benno Fl\u00fcgel im Urlaub: Zum Reisen holte er sich \u00fcbergangsweise ein Smartphone.\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Benno Fl\u00fcgel im Urlaub: Zum Reisen holte er sich \u00fcbergangsweise ein Smartphone.<br \/>\n    Foto: Alexandre Cavadas<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Benno Fl\u00fcgel im Urlaub: Zum Reisen holte er sich \u00fcbergangsweise ein Smartphone.<br \/>\n    Foto: Alexandre Cavadas<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eIch hatte mal eine Phase, in der ich nicht einmal einen Laptop hatte\u201c, erz\u00e4hlt Fl\u00fcgel bei einem Telefonat im Dezember. \u201eIch habe das immer als illegitime Ablenkung gesehen und war da extrem radikal.\u201c Als Mitbegr\u00fcnder der \u201eRadikalen Anti Smartphone Front\u201c muss man das vielleicht auch sein. Die Idee f\u00fcr die RASF, wie sich die Initiative abgek\u00fcrzt nannte, hatten Benno Fl\u00fcgel und sein Kumpel Wenzel Gerstner 2016. Genervt von sozialen Medien und Menschen, die st\u00e4ndig am Handy hingen, setzten sich die beiden f\u00fcr eine analoge Gesellschaft ein, f\u00fcr Begegnungen im realen Leben.\n  <\/p>\n<p>            Erst 2025 legt sich Benno Fl\u00fcgel dauerhaft ein Smartphone zu<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eLieben statt Liken\u201c, \u201eTanzen statt Twitter\u201c oder \u201eFi**** statt Facebook\u201c konnte man auf Flyern lesen, die die RASF 2017 in ganz Berlin aufhing. Ein paar Monate lang ging das Projekt \u201edurch die Decke\u201c, wie Fl\u00fcgel erz\u00e4hlt. Interviews, Einladungen zu Radioshows \u2013 das Medieninteresse war gro\u00df. Bis die Initiative schlie\u00dflich im Sande verlief. \u201eSelbst wenn mein Berliner Freundeskreis eine \u00e4hnliche Einstellung hatte, hatten sp\u00e4testens 2018 alle ein Smartphone\u201c, erinnert sich Fl\u00fcgel. Nur er nicht.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Erst 2022, als er f\u00fcr mehrere Monate um die Welt reisen wollte, legte er sich eins zu \u2013 zumindest vor\u00fcbergehend. \u201eDa musste ich dann doch kapitulieren\u201c, sagt er. Gerade auf Reisen seien viele Dinge ohne Apps nicht mehr richtig zug\u00e4nglich, die Beantragung eines Visums zum Beispiel oder bestimmte Reservierungen. Das \u00e4rgert ihn. \u201eEine gewisse Wut war immer da, weil es f\u00fcr mich keine individuelle Entscheidung mehr war, sondern weil es mir durch die Gesellschaft aufgezwungen wurde.\u201c Nach seiner R\u00fcckkehr wechselte er deshalb wieder zur\u00fcck zu seinem alten Nokia-Handy.\n  <\/p>\n<p>    <img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-content\/uploads\/2026\/01\/img1653.jpg\" alt=\"Benno Fl\u00fcgel (links) und Wenzel Gerstner (rechts) gr\u00fcndeten 2017 in Berlin eine Initiative gegen Smartphones, die &quot;Radikale Anti Smartphone Front&quot;, kurz RASF.\" title=\"Benno Fl\u00fcgel (links) und Wenzel Gerstner (rechts) gr\u00fcndeten 2017 in Berlin eine Initiative gegen Smartphones, die &quot;Radikale Anti Smartphone Front&quot;, kurz RASF.\" class=\"h-full w-full object-cover\"\/><\/p>\n<p>      Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>    Benno Fl\u00fcgel (links) und Wenzel Gerstner (rechts) gr\u00fcndeten 2017 in Berlin eine Initiative gegen Smartphones, die &#8222;Radikale Anti Smartphone Front&#8220;, kurz RASF.<br \/>\n    Foto: Moritz P\u00f6hlig<\/p>\n<p>        Schlie\u00dfen <\/p>\n<p>      Icon Schlie\u00dfen<\/p>\n<p>        Icon vergr\u00f6\u00dfern<\/p>\n<p>        Icon verkleinern<\/p>\n<p>      Icon Pfeil bewegen<\/p>\n<p>    Benno Fl\u00fcgel (links) und Wenzel Gerstner (rechts) gr\u00fcndeten 2017 in Berlin eine Initiative gegen Smartphones, die &#8222;Radikale Anti Smartphone Front&#8220;, kurz RASF.<br \/>\n    Foto: Moritz P\u00f6hlig<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Zwei Jahre ging das so weiter: Smartphone auf Reisen, kein Smartphone zu Hause. Ganz ideal war die st\u00e4ndige Wechselei f\u00fcr ihn aber nicht. Mit dem Ziel, das Ger\u00e4t als Werkzeug zu benutzen und um mit Freunden in Kontakt zu bleiben, gibt Benno Fl\u00fcgel im Januar 2025 endg\u00fcltig nach. Ein paar Monate sp\u00e4ter installiert er zum ersten Mal Whatsapp.\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    Ein Leben ohne Smartphone f\u00fchren \u2013 ist das auf Dauer \u00fcberhaupt noch m\u00f6glich? \u201eEs ist schon die Realit\u00e4t, dass man keine wirkliche Wahl mehr hat\u201c, sagt Psychologin Sarah Diefenbach. Wenn die Relevanz einer Sache und der Aufwand, den man betreiben muss, um diese zu vermeiden, in einem ungleichen Verh\u00e4ltnis stehen, grenze das ihrer Meinung nach schon an einen Zwang.\n  <\/p>\n<p>            Ist es m\u00f6glich, ein Leben ohne Smartphone zu f\u00fchren?<\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eIch glaube, ganz ohne ist es fr\u00fcher oder sp\u00e4ter praktisch schwierig\u201c, sch\u00e4tzt daher Diefenbach. Es weniger zu benutzen, sei aber m\u00f6glich: \u201eEs muss nicht gleich der Komplettverzicht sein.\u201c Die Psychologin empfiehlt, das Handy mehr wie einen Briefkasten zu behandeln, den man im Laufe des Tages bewusst \u00f6ffnet. \u201eMan kann trainieren, ohne Smartphone aus dem Haus zu gehen \u2013 um zu merken, dass das geht\u201c, r\u00e4t sie. Handyfreie Zonen k\u00f6nnten eine weitere Herangehensweise sein. Und muss das Smartphone \u00fcberhaupt dauerhaft angeschaltet sein? \u201eDas ist schon eine Bandbreite an M\u00f6glichkeiten, die aber auch Entscheidungsst\u00e4rke fordern.\u201c\n  <\/p>\n<blockquote class=\"mb-4 typo-quotation md:mb-3\">\n<p>\u201eDass ich mich am Ende doch f\u00fcr ein Smartphone entschieden habe, sehe ich nicht als Niederlage.\u201c<\/p>\n<\/blockquote>\n<p class=\"font-sans text-xs leading-xs md:text-m md:leading-xs lg:text-l lg:leading-xs\">\n      <strong class=\"font-semibold\">Benno Fl\u00fcgel<\/strong>\n    <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eJa, man muss es nur wollen\u201c, sagt Benno Fl\u00fcgel. \u201eDass ich mich am Ende doch f\u00fcr ein Smartphone entschieden habe, sehe ich nicht als Niederlage. Ich finde es gut, dass ich leichter mit Freunden in Kontakt bleiben kann.\u201c Seine Bildschirmzeit liege im Schnitt bei 30 Minuten pro Tag, er habe eine gute Balance gefunden, sagt er, und k\u00fcrzlich sogar mithilfe einer App mit dem Rauchen aufgeh\u00f6rt. Dass er irgendwann wieder zu seinem alten Tastenhandy zur\u00fcckwechselt, h\u00e4lt er nicht f\u00fcr ausgeschlossen: \u201eDas ist ja keine irreversible Entscheidung.\u201c\n  <\/p>\n<p class=\"mb-6 text-xs md:text-m lg:text-l font-serif group-[.font-sans]:font-sans \">\n    \u201eMit gro\u00dfen sozialen Einbu\u00dfen \u2013 ja\u201c, res\u00fcmiert Emilio-Sultan Dinta. \u201eF\u00fcr mich ist es noch aushaltbar, das Leben l\u00e4sst sich auch einfach so leben. Es muss aber auch zum Lebensstil passen.\u201c In zwei Jahren will der Schreiner auf die Walz gehen, in traditioneller Kluft von Ort zu Ort ziehen und drei Jahre nach den Regeln seines Schachts leben. Zu seinem Heimatort muss er dann etwa einen Abstand von 50 Kilometern einhalten, ein eigenes Fahrzeug darf er nicht besitzen \u2013 und auch kein Handy. Keins mit Touchscreen, keins mit Tasten. Dinta wird also erst einmal ohne Smartphone weitermachen, mindestens f\u00fcr die kommenden f\u00fcnf Jahre. \u201eWenn ich mir irgendwann wieder eins zulege, dann nur, weil der Druck von au\u00dfen zu gro\u00df geworden ist.\u201c\n  <\/p>\n<ul data-module-id=\"DragDropModule\" class=\"flex flex-wrap justify-start group-[.no-bookmarks]:hidden\">\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Sophia Krotter<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Smartphone<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<li class=\"mb-3 mr-3\">\n    Augsburg<\/p>\n<p>      Icon Haken im Kreis gesetzt<\/p>\n<p>      Icon Plus im Kreis<\/p>\n<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Schnell noch eine Nachricht beantworten. 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