{"id":746900,"date":"2026-01-25T23:43:13","date_gmt":"2026-01-25T23:43:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/746900\/"},"modified":"2026-01-25T23:43:13","modified_gmt":"2026-01-25T23:43:13","slug":"bornheim-haina-warum-die-psychiatrie-kein-ort-der-angst-ist","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/746900\/","title":{"rendered":"Bornheim\/Haina | Warum die Psychiatrie kein Ort der Angst ist"},"content":{"rendered":"<p>Bornheim\/Haina (dpa\/tmn) &#8211; Wer sich in einem Krankenhaus behandeln lassen muss, macht daraus in den meisten F\u00e4llen kein Geheimnis. Anders kann das bei einem Aufenthalt in einer psychiatrischen Klinik aussehen. Um diese Krankenh\u00e4user ranken sich immer noch Mythen, Patientinnen und Patienten werden oft stigmatisiert.<\/p>\n<p>\u00abViele Menschen haben mittelalterliche Vorstellungen von Psychiatrie\u00bb, sagt Psychiater und Buchautor Manfred L\u00fctz. Es gebe dort aber weder Zwangsjacken, noch w\u00fcrden alle mit Medikamenten ruhig gestellt. Zudem seien die mit Abstand meisten Patienten freiwillig in der Klinik.<\/p>\n<p>Auch Professor Florian Metzger, \u00e4rztlicher Direktor der Vitos Klinik f\u00fcr Psychiatrie in Haina, r\u00e4umt mit Mythen auf und beschreibt psychiatrische Kliniken als \u00abniedrigschwelliges Angebot f\u00fcr Menschen in Not, ein Schutzraum, um sich \u00f6ffnen und auch ungew\u00f6hnliche Gedanken \u00e4u\u00dfern zu k\u00f6nnen\u00bb.<\/p>\n<p>Psychische Krankheiten: Wann eine Klinikbehandlung n\u00f6tig ist<\/p>\n<p>Die Mehrheit psychischer Erkrankungen wird in Deutschland ambulant behandelt. Bei schweren psychischen Erkrankungen reiche jedoch eine Behandlung in einer psychotherapeutischen Praxis nicht immer aus, wie die Bundespsychotherapeutenkammer (BPtK) <a href=\"https:\/\/www.wege-zur-psychotherapie.org\/die-behandlung-im-krankenhaus\/#956f834f4cfa219e1\" target=\"_blank\" class=\"externalLink\" rel=\"noreferrer noopener\">erkl\u00e4rt<\/a>. Unter Umst\u00e4nden schl\u00e4gt der behandelnde Psychotherapeut dann eine Behandlung in einem psychosomatischen oder psychiatrischen Krankenhaus vor.<\/p>\n<p>Im Prinzip werden in einer Psychiatrie alle psychischen Krankheiten behandelt &#8211; von Angstzust\u00e4nden, Depressionen, Essst\u00f6rungen bis hin zu Suchterkrankungen. Einige Kliniken haben sich zudem auf ein oder mehrere Krankheitsbilder spezialisiert. Informationen der BPtK zufolge gibt es auch Krankheitsbilder, die insbesondere in akuten Phasen fast ausschlie\u00dflich in der Psychiatrie behandelt werden &#8211; Schizophrenie etwa.<\/p>\n<p>Im Normalfall ben\u00f6tigen Patientinnen und Patienten f\u00fcr die Aufnahme in einem psychiatrischen Krankenhaus eine Einweisung durch einen Arzt oder eine \u00c4rztin. In akuten Notf\u00e4llen k\u00f6nnen sich Betroffene aber auch direkt an ein Krankenhaus wenden, wie die BPtK erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p>Der mit Abstand seltenere Fall ist die Zwangseinweisung, etwa bei Suizidgedanken, Wahnvorstellungen oder Fremdgef\u00e4hrdung. In solchen F\u00e4llen muss ein Richter in der Regel innerhalb von 24 Stunden entscheiden, ob jemand zwangsweise in der Psychiatrie bleibt und falls ja, wie lange. In solchen F\u00e4llen ist auch eine Zwangsmedikation m\u00f6glich.<\/p>\n<p>Was einen in der Psychiatrie erwartet<\/p>\n<p>\u00abIn einer Psychiatrie ist es heute wie in einem normalen Krankenhaus, es gibt Ein- und Zwei-Bett-Zimmer\u00bb, sagt Psychiater Manfred L\u00fctz. Die gro\u00dfen Unterschiede: Die Patientinnen liegen deutlich weniger im Bett, tragen ihre Alltagskleidung und k\u00f6nnen in der Regel jederzeit etwa spazieren gehen. Zudem finden sich in modernen Psychiatrien tendenziell st\u00e4rker therapeutisch orientierte Raumkonzepte, die Wohnlichkeit und Wohlbefinden f\u00f6rdern sollen.<\/p>\n<p>Alle station\u00e4ren Einrichtungen arbeiten mit Behandlungskonzepten, die sich aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzen. Dazu geh\u00f6ren etwa Psychotherapie, Ergotherapie, Kunsttherapie, Physiotherapie, Sport- und Bewegungstherapie sowie Medikamente.<\/p>\n<p>Wird ein Patient station\u00e4r aufgenommen, steht &#8211; wie in jedem Krankenhaus &#8211; zun\u00e4chst die Anamnese an. Welche Vorgeschichte hat der Patient oder die Patientin? Was ist das aktuelle Problem? Zudem gibt es eine k\u00f6rperliche Untersuchung. Denn: \u00abPsychische Erkrankungen k\u00f6nnen auch k\u00f6rperliche Gr\u00fcnde haben\u00bb, erkl\u00e4rt L\u00fctz.<\/p>\n<p>Wie die Therapie aussehen kann<\/p>\n<p>Nach der Anamnese wird ein individueller Therapieplan erstellt. Der Tagesplan eines Patienten in der Psychiatrie h\u00e4ngt von dem Stand seiner Erkrankung ab. \u00abEin Mensch direkt in einem akuten Alkoholentzug hat etwa weniger Therapie als ein Depressiver, der schon l\u00e4nger in Behandlung ist\u00bb, so Professor Metzger. Je fortgeschrittener die Behandlung, desto voller wird meist der Terminkalender, das Therapieangebot ist gro\u00df.<\/p>\n<p>Manche Patienten erhalten Medikamente, wie etwa Antidepressiva oder Neuroleptika. Allerdings reagiert die Psyche nicht wie auf Knopfdruck. So wirkt nicht jedes Antidepressivum bei jedem Patienten, dies muss \u00fcber einen Zeitraum von mehreren Wochen ausprobiert werden.<\/p>\n<p>Viele Bausteine, ein Ziel<\/p>\n<p>M\u00f6glich ist etwa bei schwer depressiven Menschen auch die sogenannte Elektrokonvulsionstherapie. \u00abSie ist das wirksamste Verfahren gegen Depressionen\u00bb, sagt Professor Florian Metzger. Bei Menschen in einer schweren Phase ihrer Erkrankung, in der weder Psychotherapie noch Medikamente ausreichend wirkten, k\u00f6nne sie sehr hilfreich sein.<\/p>\n<p>Die Behandlung erfolgt unter kurzer Narkose. \u00dcber am Kopf befestigten Elektroden wird ein kurzer elektrischer Impuls abgegeben. Dieser l\u00f6st einen kontrollierten epileptischen Anfall aus, der zwischen 30 und 60 Sekunden dauert.<\/p>\n<p>\u00abIn der Bev\u00f6lkerung herrscht das Vorurteil, dass diese Therapie etwas ganz Schlimmes w\u00e4re. Doch es ist ein wirksames Verfahren, das man Patienten nicht vorenthalten sollte\u00bb, so Metzger. Zudem seien die Nebenwirkungen gering und stammten haupts\u00e4chlich von der Narkose, gro\u00dfen Studien zufolge gebe es keine bleibenden Sch\u00e4den.<\/p>\n<p>Nicht jeder bleibt gleich lang<\/p>\n<p>Insgesamt ist die Aufenthaltsdauer von Patientinnen und Patienten in psychiatrischen Kliniken in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesunken. Die durchschnittliche Dauer liegt bei zwischen 20 und 30 Tagen.<\/p>\n<p>Schwer erkrankte Menschen oder Erkrankte, die noch nicht alleine leben k\u00f6nnen, bleiben l\u00e4nger. \u00abManche sind aber auch nur ein bis zwei Tage da\u00bb, so Florian Metzger.\u00a0<\/p>\n<p>Der Weg zur\u00fcck in den Alltag<\/p>\n<p>Und wie geht es weiter nach der Psychiatrie? Manchmal war der Grund f\u00fcr den Aufenthalt eine kurze Krise, solche Menschen gehen wieder zur\u00fcck in ihren Alltag. Andere m\u00fcssen nach dem Krankenhausaufenthalt lernen, wieder im Alltag zurechtzukommen.\u00a0<\/p>\n<p>Laut BPtK ist es ratsam, weiterbehandelt zu werden. Das Krankenhaus m\u00fcsse Patientinnen und Patienten dabei unterst\u00fctzen, die Therapie m\u00f6glichst nahtlos fortsetzen zu k\u00f6nnen. Etwa, ambulant bei einem Psychiater oder einer Psychotherapeutin, auch teilstation\u00e4re Behandlungen sind m\u00f6glich. \u00abAlles passiert im Einvernehmen mit dem Patienten\u00bb, so Metzger.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"Bornheim\/Haina (dpa\/tmn) &#8211; Wer sich in einem Krankenhaus behandeln lassen muss, macht daraus in den meisten F\u00e4llen kein&hellip;\n","protected":false},"author":2,"featured_media":746901,"comment_status":"","ping_status":"","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1841],"tags":[1605,3364,29,30,141,20069,10701,638,1209,11202,13353,624,145872],"class_list":{"0":"post-746900","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-bielefeld","8":"tag-bielefeld","9":"tag-de","10":"tag-deutschland","11":"tag-germany","12":"tag-gesundheit","13":"tag-klinik","14":"tag-krankenhaeuser","15":"tag-krankheiten","16":"tag-nordrhein-westfalen","17":"tag-psychiatrie","18":"tag-psychologie","19":"tag-ratgeber","20":"tag-tmn0399"},"share_on_mastodon":{"url":"https:\/\/pubeurope.com\/@de\/115958397287931787","error":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/746900","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=746900"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/746900\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/746901"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=746900"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=746900"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.europesays.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=746900"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}